Vorhang auf, Licht aus

“Ojos Cerrados” im Theater La Comedia

Von Sebastian Loschert

“Eine Vorführung, in der man die Schauspieler nicht zu Gesicht bekommt – welch neue Infamie soll das wieder sein?”, könnte der Theaterfreund befürchten, bevor er die Vorführung von “Ojos Cerrados” im Theater La Comedia betritt. “Die erste sinnliche Theatervorstellung der Welt”, verspricht die Ankündigung: “Das Stück der Gruppe AviTantes ist eine liebevolle und intime Begegnung mit sich selbst. Es lädt Dich dazu ein, das zu sehen, was man sehend nicht sieht.”

Nun, keine Sorge, es handelt sich bei dem Werk mit den geschlossenen Augen also keinesfalls um eine avantgardistische Veranstaltung, der die Zuschauer grübelnd und ratlos gegenüberstehen. Eher neugierig und etwas aufgeregt wie vor einer Achterbahnfahrt harren die Gäste zu Beginn der Vorstellung in einem dunklen Vorraum der Dinge, die da kommen mögen. Eine Augenbinde sorgt für komplettes Verschwinden des ersten Sinnes, eine beschwörende Stimme verlangt, man solle sich mit Leib und Seele auf das Unsichtbare einlassen.

Das Getuschel der Menge verstummt, als man von sanften Händen an einen unbekannten Ort geführt wird. Jeder Besucher wird nun in der kommenden Stunde alleine sein, mit sich und seinen verbleibenden Sinnen. Hören, Riechen, Schmecken und Tasten werden ausreichen müssen. Gleichzeitig befindet er sich ausgeliefert an die wundersamen Einfälle der “AviTantes”, jener eigenartigen und äußerst wandelbaren Bewohner, die La Comedia an diesem Abend bevölkern.

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Das Ampelmännchen in Buenos Aires

Mónica Viñao inszeniert im Theater SHA eine kurzweilige Komödie von Victor Winer

Von Mirka Borchardt

Das ostdeutsche Ampelmännchen ist Kult: Jedes Jahr werden in Deutschland massenweise Taschen, Aufkleber, Postkarten, Buttons, Tassen und alle möglichen anderen Souvenirs mit dem Bild des roten beziehungsweise grünen Männchens verkauft.

Was bisher wenig bekannt war, aber dank Victor Winer nun endlich ans Licht der Öffentlichkeit kommt: Allein Miguel (gespielt von Eduardo Cutuli) ist es zu verdanken, dass es das Ampelmännchen immer noch gibt. Denn nach dem Fall der Mauer sollten eigentlich auch im Osten die langweiligen westdeutschen Ampelzeichen eingeführt werden. Ein Verrat am sozialistischen Erbe! Die revolutionären “Internationalen Brigaden” machen sich Anfang der Neunziger auf, das Ampelmännchen vor dem Vergessen zu retten. In einer wahrhaft heldenhaften Aktion schließt Miguel sich ihnen an. Denn das Ampelmännchen, sagt er, “ist das Zeichen dafür, dass man gehen darf!”

Nach zwei Jahren kehrt er erfolgreich wieder heim nach Argentinien, stolz auf seinen ruhmreichen Verdienst, das Ampelmännchen gerettet zu haben, und voller Vorfreude auf Frau und Sohn. Doch sind die nicht gerade begeistert: Immerhin wussten sie die letzten zwei Jahre nichts von seinem Verbleib. Da hilft es auch nicht, dass er seiner Frau Marta (Marcela Ferradás) versichert, sie sei in Deutschland mittlerweile bekannt als die zweite Evita. Davon will sie nichts wissen, und eigentlich will sie auch nichts mehr von ihm wissen. Es ist viel passiert, während er weg war: Marta hat einen neuen Freund. Ausgerechnet mit Álvaro (Alfredo Castellani), Miguels altem Erzfeind, tröstete sie sich über den Verlust hinweg.

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Vuelve el Centro Cultural Nómade

Talleres de Arte para grandes y chicos en la vereda de la Fundación Proa

El Centro Cultural Nómade vuelve a La Boca con nuevas propuestas durante todo el verano. En la vereda de Fundación Proa y de la mano de un equipo de artistas jóvenes y educadores, sus talleres se orientan al cuidado del medioambiente y la integración social, a través de propuestas artísticas que invitan a crear y experimentar. Las actividades gratuitas para todas las edades arrancan este fin de semana: el sábado, 21 de enero, y el domingo, 22 de enero, a las 15 hs, y después, todos los sábados y domingos de 11:30 a 13 hs y de 15 a 19 hs.

Diseñado por el estudio de arquitectura a77, el Centro Cultural cuenta con una estructura flexible y móvil, que funciona en un contenedor reciclado, con mobiliario especialmente diseñado.

Durante el 2011, el Centro Cultural Nómade viajó por la zona sur de la ciudad: primero estuvo en Proa, luego en el Centro Hipermediático Experimental Latinoamericano (cheLA) y más tarde en el Centro Metropolitano de Diseño. Ahora, vuelve a La Boca, invitando a participar a instituciones, grupos de amigos y grupos de adultos con chicos.

Para mayor información: educacion@proa.org / 4104 1041.

Der wohlwollende Hegemon

Wie Deutschland seinen Nachbarn durch eine unkonventionelle Maßnahme helfen könnte

Von Friedbert W. Böhm

Das ist einer, der seine Nachbarn kontrolliert und dabei das Wohl Aller genauso berücksichtigt wie sein eigenes. In Euroland sind Stimmen laut geworden, die Bundesrepublik möge die Rolle eines solchen Hegemons übernehmen. Einige der Stimmen kommen sogar aus Ländern, die Deutschland, mit geschichtlicher Berechtigung, früher eher misstrauten.

Die bisherige Haltung der Bundesregierung in der Eurokrise lässt darauf schließen, dass dort durchaus Bereitschaft zu hegemonialem Handeln besteht. Man war die treibende Kraft in der Schaffung von Rettungsschirmen für verschuldete Nachbarn, im Druck auf diese, ihre Hausaufgaben zu machen, man hat eine Mehrzahl von Nachbarn auf ein Minimum an gemeinsamem Handeln eingeschworen und man hat selbst einen beträchtlichen Teil der Geldmittel zur Krisenbekämpfung bereitgestellt. Nur, ein durchschlagender Erfolg ist bis dato nicht abzusehen. Da vielerorts den Sparversprechen der gefährdeten Schuldnerländer nicht getraut wird, auch keine überzeugenden Indizien für deren künftig erneuerte Wettbewerbsfähigkeit vorliegen, verharren manche Ratings beinahe auf Schrottlinie und jede Krediterneuerung gleicht einer Zangengeburt. Jetzt haben sogar Frankreich und Österreich ihr Toprating verloren.

Aus Investorensicht ist das verständlich. Es ist nämlich nicht abzusehen, wann die bisher getroffenen – oder versprochenen – Maßnahmen der Grundschwäche Eurolands abhelfen oder ob sie das überhaupt zu tun imstande sind.

Die Grundschwäche ist der beträchtliche Unterschied an Wettbewerbsfähigkeit, der zwischen den Problemländern und einigen anderen, in erster Linie Deutschland, besteht. Neben manch anderen Gründen sind hierfür die hier erheblich geringeren Lohnstückkosten verantwortlich, welche die deutschen Exporte befeuern und die der Problemländer hemmen. Fatalerweise wird dieser Faktor durch die neuerliche, aus der Krise resultierende Euroschwäche noch verstärkt – ein Teufelskreis.

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Kalender / Agenda

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Ausstellungskalender 21/01/2012-28/01/2012

Von Susanne Franz

An diesem Wochenende wird im chinesischen Viertel von Buenos Aires (Arribeños zwischen Olazábal und Juramento) das am 23.1. beginnende Jahr des Drachen eingeläutet. Das Fest hat sich lange zur Volksgaudi entwickelt und zieht Jahr für Jahr mehr Menschen an.

Die Feierlichkeiten zur Begrüßung des neuen Jahres 4710 finden am Samstag, dem 21.1., von 15-22 Uhr, und am Sonntag, dem 22.1., von 10-20 Uhr statt.

Die Ausstellungen der Woche:

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Agenda / Kalender

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Agenda de Muestras 21/01/2012-28/01/2012

Por Susanne Franz

La comunidad china de Buenos Aires festeja un nuevo año, el 4710, considerado el año del Dragón.

Los festejos se realizarán en el barrio chino de Belgrano (Arribeños entre Olazábal y Juramento) el sábado 21 y domingo 22 entre las 15 y las 22 y las 10 y las 20 respectivamente.

Las muestras de la semana:

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Mit Musik durchs ehemalige Brauhaus “Munich”

Führung “La vieja música de la Munich” jeden Sonntag im Sommer

Seit dem 8. Januar wird jeden Sonntag bis Ende Februar, jeweils um 18 Uhr, ein mit Liedern aus den 1920ern bis 1950ern untermalter Rundgang durch die ehemalige Brauerei “Munich”, heute Sitz der Direktion der Museen von Buenos Aires, durchgeführt. Adresse: Av. de los Italianos 851. Eintritt: 1 Peso. Mehr Infos hier.

Poesie und Musik unterm Sternenhimmel

Fernando Noy und Polsick im Rahmen von “Verano en la Ciudad”

Von Theresia Sprinzl

Der Sommer in Buenos Aires ist ruhig. Die meisten Porteños sind im Urlaub, sie flüchten vor der unerträglichen Hitze, die in der Stadt herrscht. Kulturell ist nicht so viel los wie in den anderen Jahreszeiten. Doch es gibt trotzdem eine Menge zu entdecken. So bietet etwa die Stadt Buenos Aires diesen Sommer unter dem Slogan “Verano en la Ciudad” jede Menge Veranstaltungen an, alle kostenlos. Also fuhr ich trotz unglaublicher Hitze am Donnerstagabend ins Amphitheater des Parque Centenario, um dem Spektakel von Fernando Noy und Polsick zu lauschen.

Auf der großen Bühne war nicht viel zu sehen, außer einer Leinwand, dem DJ-Pult von Polsick und dem Mikrophon und Stuhl von Noy. Mit dröhnendem Bass und 4/4 Takt gab Polsick, der an der Universität Tres de Febrero in Buenos Aires “Artes Electrónicas” studiert hat, den Auftakt. Die elektronische Musik passte zu den Bildern, die auf der Leinwand zu sehen waren. Kristallförmige Gestalten, die ineinander verschmelzen, um ein neues Bild zu ergeben. Ich ertappe mich dabei, wie ich mit dem Kopf zur Musik mitgehe und das Verlangen habe, zu tanzen. Aber dieses Gefühl ist so schnell wie es gekommen ist, auch wieder verschwunden, denn Fernando Noy kommt nach kurzer Zeit auf die Bühne gestürmt und zieht die ganze Aufmerksamkeit des Publikums auf sich.

In einem Kaftan-ähnlichen Kostüm beginnt der Schauspieler und Poet mit ausladenden Gesten ein Gedicht vorzutragen, welches von Polsick begleitet wird. Mit elektronischen Klängen, E-Gitarre und Klavier untermalt er das Gesprochene. Der 61-jährige Noy scheint in einer anderen Welt zu sein. Er wirkt wie besessen von seinem eigenen Werk. Ab und zu werden seine Worte von einer jungen Frau mit Gegenständen veranschaulicht. An einer Stelle des Vortrags singt sie unglaublich schön mit einer hervorragenden Sopran-Stimme zu den Worten Fernando Noys.

Hauptsächlich über die Liebe philosophiert der in San Antonio Oeste geborene Künstler. Nicht über eine bestimmte Person oder eine bestimmte Liebesgeschichte, sondern allgemein mit vielen Metaphern über das Thema Liebe. Leider dauert das Zusammenspiel von elektronischer Musik und Poesie weniger als eine Stunde, man hätte Lust gehabt, noch viel länger den hypnotischen Worten Noys und den Klängen Polsicks zu lauschen.

Theresia Sprinzl bei “Kunst in Argentinien”

Musik ist meine Leidenschaft

Die Stadt Buenos Aires hat mich schon immer irgendwie gereizt, allein der Name klang für mich vielversprechend. Und bei meiner Recherche im Internet entdeckte ich, dass Buenos Aires als Kulturmetropole schlechthin gilt und wirklich viel zu bieten hat.

Ich studiere angewandte Musikwissenschaften und Musikpädagogik an der katholischen Universität in Eichstätt (Bayern) und muss während meines Studiums ein Praxissemester absolvieren. So habe ich von Oktober bis Dezember 2011 ein Praktikum bei der Wochenzeitung “Argentinisches Tageblatt” in Buenos Aires absolviert und hauptsächlich über Konzerte berichtet. In den nun kommenden sechs Wochen werde ich für “Kunst in Argentinien” arbeiten.

Da Musik mein Spezialgebiet ist, bin ich vor allem sehr gespannt, was die Stadt musikalisch zu bieten hat. Ich selbst habe einige Jahre Gesangsunterricht genommen und in verschiedenen Chören gesungen. Aber auch für Kunst, Theater und Tanz interessiere ich mich sehr und will darüber bei “Kunst in Argentinien” berichten.

Aus der Stille

“Las acacias” von Pablo Giorgelli

Von Anna Weber

Musik darf im Film niemals die Bilder stützen, sondern muss für sich alleine wirken, schrieb einst Robert Bresson. Bilder, welche der Musik als Gehhilfe bedürfen, gehören nicht auf die Leinwand. Pablo Giorgellis Film “Las acacias” kommt ohne Musik aus. Und Worte braucht er eigentlich auch fast keine.

Aufregungslos, ganz ohne Lärm, hebt der Film seinen ersten Protagonisten Rubén (Germán da Silva) aus der Stille. Rubén ist kein Mann vieler Worte. Seit Jahren transportiert er als Lastwagenfahrer Holz von Asunción in Paraguay nach Buenos Aires, und da sitzt niemand auf dem Beifahrersitz, mit dem er sprechen könnte. Auch eine Familie hat Rubén nicht. An den Sohn, den er seit acht Jahren nicht mehr gesehen hat, erinnert lediglich ein Foto, sorgsam aufbewahrt im Handschuhfach. Doch davon weiß man zu Beginn des Films noch nichts. Man vermutet es höchstens, wenn Rubén in routinierter Einsamkeit im Halbdunkel einer Raststätte sein Mittagessen hinunterschlingt.

An der Einsamkeit und Stille ändert auch Jacinta (Hebe Duarte) nichts, die kurz vor der Grenze mit ihrem Baby Anahí (Nayra Calle Mamani) auf den Beifahrersitz klettert, um nach Buenos Aires zu gelangen. Es dauert Stunden, bis endlich der erste Mate angeboten wird, bis rücksichtsvoll eine Zigarette ausgedrückt wird, um den Säugling vom Weinen abzuhalten, bis ein Lächeln getauscht wird und ein “Gracias” in der Luft der Führerkabine hängt. Und erst viele Kilometer später folgen die Worte.

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Runden drehen

“La Bouche” von Luisa Irene Ickowicz im “El Camarín de las Musas”

Von Anna Weber

Carlitos läuft. Er könnte Straßen wählen, die Neues bringen, doch stattdessen dreht er Runden auf dem immer gleichen Platz. Mit, vor, hinter und neben ihm läuft Laura (Andrea Surdo). Sie ist Fitnesstrainerin mit krampfhaft optimistischer Feel Good-Mentalität und begleitet Carlitos (Carlos March) durch seinen Alltag, wie jemanden, den man durch eine Krankheit begleitet. Und irgendwie geht es in Luisa Irene Ickowicz’ Stück “La bouche” ja auch um die Krankheit “Leben”. Um das Nichts, die namenlose Angst davor und um all die Doktoren mit Facharzttiteln, die trotzdem nicht helfen können. Und deshalb läuft Carlitos. Seinen Namen ändert er täglich, wenn er den Telefonhörer abnimmt. Es macht ihm Spaß, die Leute zu verwirren, eine neue Identität anzunehmen, und für einen Moment lacht er sogar, bis ihn die Angst wieder einholt.

Die Personen, die Ickowicz auf der Bühne im Kreis laufen lässt, könnten unterschiedlicher nicht sein. Während Carlitos irgendwo zwischen Resignation und Existentialismus anzusiedeln ist, vertritt Laura unsere Optimismusgesellschaft mit Selbsthilfebüchern und engen Jogginghosen. Und doch scheint die Beziehung zwischen den beiden zu funktionieren. Trotz all der Unterschiede leisten sie sich Gesellschaft, sind ein bisschen weniger allein in diesem endlosen Nichts.

Das Nichts, das findet man auf der Bühne in geradezu physischer Form wieder. Da ist kein Bühnenbild, da sind keine Requisiten. Da sind nur das Stakkato der Joggingschuhe und das Echo der eigenen Worte, die in der Leere der Bühne widerhallen. Doch gerade durch diese Kargheit der Mittel nehmen die Worte unter dem Rhythmus der Schritte plötzlich Gestalt an, werden zu Körpern und füllen die Leere.

Was sich in “La bouche” auf der Bühne im Kreis dreht, das ist nicht neu. Man hat alles schon mal gesehen, gehört oder gelesen. Doch noch Tage später drehen sich auch die eigenen Gedanken um das Stück. “Warum laufen sie alle?”, fragt man sich, wenn da einer auf dem Gehsteig des Alltags an einem vorbei joggt.

Auch Carlitos läuft am Ende des Stücks noch immer und schon wieder. Doch plötzlich erinnert er uns daran, dass diese Leere der Bühne ja eigentlich ein Platz ist. Und auf dem Platz, da sind nun auf einmal Leute.

(Informationen zum Stück auf der Webseite alternativateatral.com.)