Kalender / Agenda

Click aquí para leer la versión en castellano.

Ausstellungskalender vom 19/02/2017

Von Susanne Franz


Ab dem 21. Februar und bis zum 2. April werden im Kulturzentrum “Usina del Arte” und im angeschlossenen “Museo del Cine” (Kinomuseum) in Buenos Aires Werke des weltberühmten französischen Fotografen Henri Cartier-Bresson zu sehen sein. Als “Vater des Fotojournalismus” oder auch “Auge des 20. Jahrhunderts” verehrt, umreiste der 2004 im Alter von 96 Jahren verstorbene Künstler mit seiner Leica mehrmals den Erdball. Henri Cartier-Bresson war aber nicht nur Fotograf, sondern auch Maler und Zeichner, Filmemacher, hin und wieder Schauspieler, Dichter, Anthropologe und Unternehmer. Vor und nach der Mitgründung der legendären Fotoagentur Magnum Photos im Jahr 1947 hielt er Schriftsteller, Künstler, Kriege, Revolutionen und eine große Zahl ganz gewöhnlicher Menschen mit seiner Kamera fest.

Die von der Agentur Magnum Photos und der Cartier-Bresson-Stiftung organisierte Ausstellung umfasst 133 Werke von Cartier-Bressons früher surrealistischer Phase über seine dokumentarischen Arbeiten aus Paris bis zu Serien und Einzelwerken aus den bewegten 60er- und 70er-Jahren, als er durch Länder wie Indien, China, Mexiko, Japan, Ägypten und die Türkei reiste. Zu sehen sind außerdem seine Porträts von Truman Capote, Samuel Beckett, Henri Matisse, Ezra Pound und Jean Paul Sartre.

“Henri Cartier-Bresson, fotógrafo”. “Usina del Arte” und “Museo del Cine”, Agustín Caffarena 1, Ecke Av. Pedro de Mendoza, Buenos Aires. Dienstags bis donnerstags von 14 bis 19 Uhr sowie freitags bis sonntags von 12 bis 21 Uhr. Eintritt frei. 21.2.-2.4.

Die Ausstellungen der Woche:

Lesen Sie weiter / Seguir leyendo »

Agenda / Kalender

Klicken Sie hier, um die deutsche Version zu lesen.

Agenda de Muestras del 19/02/2017

Por Susanne Franz


A partir del 21 de febrero y hasta el 2 de abril, la Usina del Arte y el Museo del Cine albergarán una exposición del célebre artista francés Henri Cartier-Bresson. Considerado el padre del fotorreportaje, se lo conoce como “el ojo del siglo XX”. Vivió 96 años. Entre 1908 y 2004 recorrió varias veces el mundo con su cámara Leica. Además de fotógrafo, Henri Cartier-Bresson fue pintor y dibujante, cineasta y actor ocasional, poeta, antropólogo y emprendedor. Antes y después de cofundar la mítica agencia Magnum Photos en 1947, retrató a escritores, artistas, guerras, revoluciones y mucha gente común.

Organizada por la agencia Magnum Photos y la Fundación Cartier-Bresson, la muestra se compone de una elección de 133 fotografías, desde su más temprano período surrealista pasando por su trabajo documental en París, así como series y fotografías de sus viajes de los agitados años 60 y 70 por India, China, México, Japón, Egipto y Turquía, entre otros países. También se incluyen retratos de Truman Capote, Samuel Beckett, Henri Matisse, Ezra Pound y Jean Paul Sartre.

“Henri Cartier-Bresson, fotógrafo”. Usina del Arte y Museo del Cine, Agustín Caffarena 1, esquina Av. Pedro de Mendoza, Buenos Aires. Martes a jueves de 14 a 19 horas y viernes a domingo de 12 a 21 horas. Entrada gratuita. 21.02.-02.04.

Las muestras de la semana:

Lesen Sie weiter / Seguir leyendo »

Künstler zwischen den Welten

Argentinier Scasso eröffnet Pollock-Jahr in Mülheim/Ruhr

Von Susanne Franz


Der argentinische Künstler Alejandro Scasso, der 20 Jahre in Köln gelebt und dort eine Familie gegründet hat, hat zwar vor vier Jahren seinen Hauptwohnsitz wieder nach Buenos Aires zurück verlegt, verbringt aber weiterhin mehrere Monate im Jahr in Deutschland. Diesmal ist der Doppelstaatsbürger seit kurz vor Weihnachten im kalten Europa. Schlittenfahren an den Wochenenden gehört dabei genauso zu seinem Programm wie ausgedehnte Streifzüge durch die Museen und Galerien in Köln und Umgebung. Und es läuft gerade eine erfolgreiche Ausstellung des Künstlers in Mülheim an der Ruhr.

Frage: Du hast am 4. Februar eine Ausstellung in der “Galerie an der Ruhr” (Ruhr Gallery) eröffnet. Wie war die Resonanz des Publikums/der Medien?

Alejandro Scasso: Die Ausstellung war sehr gut besucht, und besonders erfreulich war es, dass viele Freunde aus den verschiedensten Ecken Deutschlands angereist sind. Es sind einige Artikel in verschiedenen Zeitungen erschienen und in dem Fernsehmagazin WDR lokal wurde ein kurzer Beitrag über die Ausstellung gesendet.

Frage: Mit deiner Ausstellung wurde in der “Galerie an der Ruhr” das “Pollock-Jahr” eröffnet. Siehst du Parallelen zwischen deiner Arbeit und der des US-amerikanischen abstrakten Expressionisten?

Alejandro Scasso: Ja, in meinen Arbeiten setze ich mich sehr intensiv mit den Elementen und der Grammatik des abstrakten Expressionismus und seinem Einfluss auseinander, wobei ich über Sinn und Bedeutung der menschlichen Geste nachdenke und wie diese im Kontext des digitalen Zeitalters überleben kann.

Frage: Konntest du neue Kontakte knüpfen, haben sich Gelegenheiten zu weiteren Ausstellungen ergeben?

Alejandro Scasso: Ja, ich nehme an der Pollock-Ausstellung der “Galerie an der Ruhr” im Mai teil, und gleichzeitig habe ich eine große Ausstellung im Hauptgebäude der “Banco Ciudad” in Buenos Aires (Florida / Ecke Sarmiento), welches gerade renoviert wurde. Damit wird das Einzelausstellungsprogramm dieses Ortes eröffnet.

Frage: Wie gefällt dir die Kunstszene in Köln und im Ruhrgebiet, sind momentan besonders interessante Ausstellungen zu sehen?

Alejandro Scasso: Köln ist eine Stadt, wo man im Umkreis von 50 Kilometern viele verschiedene Museen und Galerien besuchen kann. In Köln ist beispielsweise das Museum Ludwig, wo momentan die 26 neuen abstrakten Gemälde von Gerhard Richter ausgestellt werden, die alle 2016 entstanden sind. Dies ist seinem 85. Geburtstag gewidmet. Ein weiteres spannendes Museum, welches die Kultur Asiens gut in einer großen Sammlung repräsentiert, ist das Museum für Ostasiatische Kunst. Ein Museum, welches ich letztens zum ersten Mal besucht habe, war das Max Ernst-Museum in Brühl, es hat mich aufgrund seiner umfangreichen Sammlung der Arbeiten des Künstlers sehr beeindruckt. Am Dienstag war ich in Essen und habe den neuen, erstaunlichen Anbau des Museums Folkwang bestaunen können.

Frage: Fährst du nächste Woche auf die spanische Kunstmesse Arco, wo Argentinien in diesem Jahr Gastland ist?

Alejandro Scasso: Ja, da möchte ich einige Sammler treffen, und die Gelegenheit nutzen, um Kontakte für weitere Ausstellungen zu knüpfen. Demnächst kann ich gerne über die Eindrücke der Messe berichten.

Vielen Dank für das Gespräch!

(Alejandro Scassos Ausstellung in der “Galerie an der Ruhr”, Ruhrstr. 3 / Ecke Delle, Mülheim an der Ruhr, ist noch bis zum 24. Februar geöffnet.)

Foto:
Die Chemie stimmt zwischen Argentinien und Deutschland: Alejandro Scasso (links) mit Galerist Ivo Franz bei der Eröffnung in der “Galerie an der Ruhr”.
(Foto: Stephan Wirges)

Comiczeichner zum Anfassen

“Noche de los dibujantes” in der Ciudad Cultural Konex

Von Susanne Franz


Originelle “Wettkämpfe” zwischen Comiczeichnern, Ausstellungen und Versteigerungen von Originalzeichnungen, eine Bibliothek unter den Sternen, Stand-Up- und andere Shows, Live-Interviews mit beliebten Stars aus der Zeichner- und Karikaturistenszene und offene Ateliers, in denen man den Künstlern beim Malen und Erfinden über die Schulter schauen kann: Am morgigen Freitag, den 17. Februar, ist in der Ciudad Cultural Konex so richtig was los. Die “Noche de los dibujantes” ist eine Mega-Veranstaltung für die ganze Familie, in deren Rahmen man seine Stars von Nahem bewundern kann, ihnen zuschauen oder zuhören oder sogar mit ihnen sprechen kann – zum Beispiel in der Bar der Ciudad Cultural Konex. Hier setzen sich die Künstler extra zu dem Zweck an die Tische, damit sich ihre Fans zu ihnen gesellen und sich mit ihnen unterhalten können.

Zu den vielen bekannten Comiczeichnern, die an der “Noche de los dibujantes” teilnehmen, gehören Ale Lunik, Aleta Vidal, Altuna, Andrés Alvez, Andrés Lozano, Ariel López V., Ariel Olivetti, Augusto Costhanzo, Ayar, Bernardo Erlich, Bobillo, Braian Janchez, Cacho Mandrafina, Capitán Manu, Carlos Aon, Clara Lagos, Daniel Paz, Dante Ginevra, Delius, Diego Greco, Emilio Utrera, Federico Pazos, Fernando Calvi, Gastón Souto, Gory, Gustavo Deveze, Horacio Langlois, Huron, Ignacio Noé, Iñaki Echeverría, Isol, Iván Riskin, Jok, Jorh (Jorge Luis Lepera), Joris, José Mazzaroli, Juan Manuel Puerto, Julieta Arroquy, Kiko, Lalia, Langer, Lara Lee, Laura Salomone, Lautaro Fiszman, Lea Caballero, Lito Fernández, Lucas Giraldez, Maartje, Maicas, Majox, Mantrul, Marcos Vergara, Martin Túnica, Max Aguirre, Nahuel Amaya, Niño Rodríguez, Oscar Capristo, Pablo Filippo, Pablo Túnica, Parès, Pati, Patricia Breccia, Pedro Mancini, Pipi Sposito, Podetti, Powerpaola, Quique Alcatena, Razz, Rep, Rodrigo Lujan, Rovella, Sala, Salvador Sanz, Santiago Fredes, Sagarnaga, Sebastián Ramseg, Sole Otero, Tute und Von Chuyo.

Spaß und interessanter Input sind vorprogrammiert: von 19 Uhr bis 2 Uhr morgens am 17. Februar, im Ciudad Cultural Konex, Sarmiento 3131, Buenos Aires. Eintrittspreise: 250 Pesos (eingeschlossen ist 1 Spezialblatt mit Aufdruck, auf dem man vom Karikaturisten seiner Wahl eine Zeichnung anfertigen lassen kann) bzw. 350 Pesos (eingeschlossen sind 2 Spezialblätter). Kinder unter 10 Jahren haben freien Eintritt. Infos hier.

Begegnungen auf Augenhöhe

Künstlerporträts von Angelika Platen im Willy-Brandt-Haus in Berlin

Von Nicole Büsing und Heiko Klaas


Ob Joseph Beuys, Christo, Man Ray oder Walter de Maria. Die Ausstellung “Künstlern auf der Spur – Portraits 1968-2008”, die am 26. Januar mit einer launigen Eröffnungsrede von Krist Gruijthuijsen, dem frischgebackenen neuen Leiter der Kunst-Werke Berlin – KW Institute for Contemporary Art, im Willy-Brandt-Haus in Berlin eröffnet wurde, versammelt ikonische Schwarz-Weiß-Aufnahmen der bekanntesten Künstler der letzten fünf Jahrzehnte.

Ob bei der 4. Documenta in Kassel 1968, in Künstlerateliers, im Stadtraum oder bei den damals überall stattfindenden Happenings und Aktionen im Rheinland, in Hamburg oder Berlin: Die Frau mit der Kamera war um 1968 fast überall dabei. Die Fotografin Angelika Platen machte über viele Jahre einfühlsame Künstlerporträts von Andy Warhol bis Blinky Palermo, von Sigmar Polke bis Gerhard Richter. Sie war ihnen stets auf den Fersen, ob bei der Arbeit im Atelier, beim Installieren im Ausstellungsraum oder der Auszeit irgendwo in der Natur.

Ihre Schwarz-Weiß-Fotos entwickelte sie ganz klassisch in der Dunkelkammer und veröffentlichte sie in Zeitschriften und Magazinen. Heute lebt Angelika Platen, die auch als Journalistin für die Wochenzeitung “Die Zeit”, als Galerieleiterin in Hamburg und Kommunikationsleiterin eines Automobilunternehmens in Paris tätig war, in Berlin und Cannes.

Nach 20 Jahren Pause hat sie seit den späten 1990er Jahren ihre alte Tätigkeit wieder aufgenommen. Zu den “Platen Artists” der zweiten Phase zählen Julian Rosefeldt, John Armleder, Jeff Koons oder Jonathan Meese. Aber auch gealterte, von Krankheit gezeichnete Künstler wie Hanne Darboven hat sie kurz vor ihrem Tod noch einmal besucht. Im Willy-Brandt-Haus hängt jetzt eindrucksvoll das Foto von der jungen Konzeptkünstlerin neben der Aufnahme der alten Grande Dame aus Hamburg.


Angelika Platen macht unermüdlich weiter. Stets auf der Suche nach jungen Künstlern der nächsten Generation, den neuen charismatischen Köpfen. Die diesjährige Documenta wird ihr dafür sicherlich viel Futter liefern.

  • “Künstlern auf der Spur. Portraits 1968-2008” von Angelika Platen
  • Willy-Brandt-Haus Berlin
  • Bis 5. März 2017, Di-So 12-18 Uhr.
  • Parallel dazu: “Angelika Platen. Dialog.digital.analog”.
  • Galerie Michael Schultz, Berlin.
  • Bis 18. März 2017, Di-Fr 10-19 Uhr, Sa 10-14 Uhr.

Fotos von oben nach unten:
Angelika Platen: bpk, Günther Uecker, Düsseldorf, 1971.
© Angelika Platen

Angelika Platen: bpk, Julian Rosefeldt, Berlin, 2001.
© Angelika Platen

Kalender / Agenda

Click aquí para leer la versión en castellano.

Ausstellungskalender vom 05/02/2017

Von Susanne Franz

ferrer
Im “Faena Art Center” in Buenos Aires wird Tropos gezeigt, die Ausstellung des Gewinners des mit 75.000 Dollar dotierten Faena-Kunstpreises 2015, Cayetano Ferrer (1981, Hawaii). Die Schau wird vom 10. bis zum 26. Februar bei freiem Eintritt für das Publikum geöffnet sein. Ferrers Installation macht sich vergessene architektonische Formen zu eigen und verwendet Strukturen und Ornamente aus verschiedenen Epochen. Das Werk spielt mit den Überprägungen von Identitäten in der Kunst und der Architektur und der flüchtigen Natur der Formen, die sich aufzulösen scheinen, wenn man sie gerade erschaffen hat. Die von Jesús Fuenmayor kuratierte Ausstellung ist wie ein Forschungsprojekt, das die architektonischen Fiktionen unter die Lupe nimmt, die in der Baukunst und der dekorativen Kunst in den Städten auf der ganzen Welt zu finden sind. Besonders bezieht sich Ferrer dabei auf die Stadt, in der er arbeitet – Los Angeles -, und für die Ausstellung in Buenos Aires hat er darüber hinaus der Tatsache Rechnung getragen, dass das Faena Art Center einst eine Getreidemühle war.

Faena Art Center in Buenos Aires presents Tropos, a solo exhibition by Cayetano Ferrer, winner of the 2015 Faena Prize for the Arts. The installation involves the use of borrowed architectural forms, structures and surface ornaments that reference various historical époques. The palimpsest of visual identities contained within urban art and architecture is acknowledged along with the ephemeral nature of these forms that seem to slip away as they are fabricated, destroyed and refabricated to occupy new forms. The exhibition, curated by Jesús Fuenmayor, is an investigation that explores the architectural fictions that can be traced to the industrial and decorative arts of cities worldwide and in particular the artist’s home base of Los Angeles and the exhibition’s context in Buenos Aires, including Faena Art Center’s previous life, as an old flour mill.

Cayetano Ferrer, “Tropos“. Faena Art Center, Aimé Paine 1169, Puerto Madero, Buenos Aires. Mittwochs bis sonntags von 12 bis 19 Uhr. Montags und dienstags geschlossen. Eintritt frei. 10.-26. Februar 2017.

Die Ausstellungen der Woche:

Lesen Sie weiter / Seguir leyendo »

Agenda / Kalender

Klicken Sie hier, um die deutsche Version zu lesen.

Agenda de Muestras del 05/02/2017

Por Susanne Franz

ferrer
En el Faena Art Center en Buenos Aires se presentará Tropos, la exhibición de Cayetano Ferrer (1981, Hawaii), ganador del Premio Faena a las Artes 2015. La muestra estará abrierta al público del 10 al 26 de febrero del 2017. La instalación de Ferrer utiliza formas arquitectónicas apropiadas y olvidadas, estructuras y ornamentos decorativos que hacen referencia a varias épocas históricas. La obra reconoce el palimpsesto de identidades visuales contenidas en el arte y la arquitectura así como la naturaleza efímera de estas formas que parecen desarmarse a medida que se fabrican, destruyen y re-fabrican para ocupar nuevas formas. La exhibición, curada por Jesús Fuenmayor, actúa como una investigación que explora las ficciones arquitectónicas que pueden rastrearse en las artes industriales y decorativas de ciudades de todo el mundo y, en particular, en la del artista (Los Ángeles), y en el contexto de la exhibición en Buenos Aires, incluye la vida anterior de Faena Art Center como un antiguo molino.

Faena Art Center in Buenos Aires presents Tropos, a solo exhibition by Cayetano Ferrer, winner of the 2015 Faena Prize for the Arts. The installation involves the use of borrowed architectural forms, structures and surface ornaments that reference various historical époques. The palimpsest of visual identities contained within urban art and architecture is acknowledged along with the ephemeral nature of these forms that seem to slip away as they are fabricated, destroyed and refabricated to occupy new forms. The exhibition, curated by Jesús Fuenmayor, is an investigation that explores the architectural fictions that can be traced to the industrial and decorative arts of cities worldwide and in particular the artist’s home base of Los Angeles and the exhibition’s context in Buenos Aires, including Faena Art Center’s previous life, as an old flour mill.

Cayetano Ferrer, “Tropos“. Faena Art Center, Aimé Paine 1169, Puerto Madero, Buenos Aires. Miércoles a Domingos de 12 pm a 7 pm. Cerrado Lunes y Martes. Entrada libre y gratuita. Febrero 10–26, 2017.

Las muestras de la semana:

Lesen Sie weiter / Seguir leyendo »

Flucht und Heimat

Projekt “Wohin?” des Goethe-Instituts auf Deutsch und Spanisch

Von Susanne Franz

fluechtlinge
Für den spanischen Schriftsteller und Übersetzer Ibon Zubiaur bedeutet der Begriff Flüchtling “eine Person (…), die außerhalb ihres Landes Zuflucht gesucht hat, weil ihr das Leben dort unmöglich geworden ist”. Amal Saqr, Journalistin aus dem Iran, sagt auf die Frage, ob sie Flucht vor Armut für weniger legitim als Flucht vor Krieg oder politischer Unterdrückung halte: “Im Gegenteil, Armut ist gefährlicher als Krieg oder politische Verfolgung; Armut bedeutet kein Leben zu haben, ein Leben in konstanter Demütigung zu führen. Dem zu entfliehen und seine Situation zu verbessern ist ein sehr legitimes Recht.” Ob er glaube, dass er in seinem Leben jemals zum Flüchtling werden wird? Alexander Kluge, deutscher Filmemacher und Schriftsteller, sagt dazu: “Der sichere Augenblick täuscht. Niemand kann in seinem Leben ausschließen, dass er zum Flüchtling wird. Wenigstens kann er das nicht für seine Kinder.”

In dem Projekt “Wohin? 21 Fragen zu Flucht und Migration” des Goethe-Instituts wurden Autoren und Intellektuelle aus knapp 40 Ländern der Welt zu den Themen Flucht und Migration befragt. Inspirationsquelle für die ihnen vorgelegten Fragebögen waren die des Schweizer Schriftstellers Max Frisch, welche dieser in seinen Tagebüchern zu allgemeinen Themen wie Freundschaft, Ehe oder Tod formulierte.

Es ist hochinteressant zu lesen, was die wachsten Menschen aus ihren jeweiligen Kulturkreisen zu sagen haben – zu den eingangs erwähnten Fragen, zum Recht auf Asyl – Soll es bedingungslos sein? Kann es verwirkt werden? -, zur Frage nach einer Begrenzung der Aufnahme von Flüchtlingen oder zu ihrer Integration. Wie ist die Situation im eigenen Land? Werden dort einige Flüchtlinge lieber aufgenommen als andere? Sind Sie bereit, Einschnitte hinzunehmen? Was tun Sie persönlich?

Die Verantwortlichen des Goethe-Instituts schreiben: “Entgegen dem Eindruck, der bisweilen in den Medien hervorgerufen wird, haben die mehr als sechzig Millionen Menschen, welche sich derzeit auf der Flucht befinden, nur zu einem geringen Teil Europa als Ziel. Schon deshalb war uns eine geographische Vielfalt der Herkunftsländer unserer Teilnehmer ein Anliegen.” Ihnen ist ein immenses, wegweisendes Projekt gelungen.

Sehr berührend ist die letzte Frage, die direkt von Max Frisch übernommen wurde und sich unmittelbar auf den Kern der Sache bezieht: “Wieviel Heimat brauchen Sie?” Am niederschmetterndsten beantwortet sie der in den USA lebende Ire Colum McCann: “Eine Heimat.” Und der Argentinier Alejandro Grimson sagt: “Heimat ist für mich lebenswichtig. Ein erfülltes Leben ohne Heimat ist nicht möglich. Sie bedeutet Wärme, Liebe, Vertrauen, die Fähigkeit, sich im Dunkeln zurechtzufinden und blind zu wissen, wo die Dinge sind. Sie gibt Sicherheit. Ohne Heimat gehen alle Sicherheiten verloren. Und ein gewisses Maß an Sicherheit braucht der Mensch wie die Luft zum Atmen. Es sollte nicht nur ein Recht auf eine Unterkunft geben, sondern auch ein Recht auf Heimat, darauf, mit einem Ort eins zu werden, den man sein Eigen nennt.”

Deutsch.

Spanisch.

Foto:
Flüchtlinge am Hauptbahnhof in Budapest.

Neues Domizil für die Berliner DAAD-Galerie

In den neuen Räumlichkeiten auf der Oranienstraße werden die Stipendiaten in Zukunft mit Bildender Kunst, Literatur, Musik und Film, Tanz und Performance ihren Auftritt haben

Von Nicole Büsing und Heiko Klaas

daad1
Weihnachten ist vorbei, und die ausrangierten Tannenbäume verrotten längst im Schneematsch auf den Berliner Bürgersteigen. Dennoch erklang am 14. Januar vor zahllosen Eröffnungsgästen noch einmal die traditionelle Melodie “O Tannenbaum”. Die südkoreanische Künstlerin Minouk Lim benutzte das weltweit bekannte Lied und seine diversen Varianten in einer Performance, die im Rahmen ihrer Ausstellung “New Town Ghost GAGA HOHO” im neu eröffneten Domizil der DAAD-Galerie in Berlin-Kreuzberg stattfand. So wie es in ihrer Heimat üblich ist, vollzog Lim ein traditionelles Ritual, um das Wohlwollen der Hausgeister für die neuen Bewohner zu erbitten.

Die neuen Bewohner der rund 500 Quadratmeter großen, sich über zwei Etagen erstreckenden Räumlichkeiten sind die Mitarbeiter und Gäste des Berliner Künstlerprogramms des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD). Gegründet wurde das Berliner Künstlerprogramm 1965 als Nachfolger eines bereits zwei Jahre zuvor von der US-amerikanischen Ford Foundation aufgelegten Programms. Zu einer Zeit also, als der Mauerbau noch frisch war und die Stadt drohte, international isoliert zu werden. Den Initiatoren galt West-Berlin damals als “verletzliche Insel inmitten des kommunistischen Meeres”, die es auch in kultureller Hinsicht zu stärken galt – was auch gelang.

Die Liste der rund 1000 bisherigen Stipendiaten liest sich denn auch wie ein Who’s Who der Kulturgeschichte der letzten 50 Jahre: Ingeborg Bachmann, Susan Sontag, Nan Goldin, Ilya Kabakov, Nam June Paik, Jim Jarmusch, Damien Hirst oder Cees Nooteboom. Sie alle waren auf Einladung des DAAD für ein Jahr in Berlin und hatten in dieser Zeit mit Ausstellungen, Lesungen oder Filmpräsentationen ihren Auftritt im Rahmen des Berliner Künstlerprogramms. Viele sind länger in der Stadt geblieben oder kehren seitdem regelmäßig zurück. Heute kommen bis zu 20 Stipendiaten pro Jahr, die, ausgestattet mit einem monatlichen Zuschuss von 2300 Euro, 12 Monate lang vor Ort arbeiten können.

Am neuen, zentralen Ort auf der Oranienstraße 161, mitten im belebten Kreuzberger Kiez, werden in Zukunft Bildende Kunst, Literatur, Musik und Film, Tanz und Performance, mithin also alle Sparten des international angesehenen und maßgeblich vom Auswärtigen Amt und dem Berliner Senat finanzierten Residenzprogramms ihren Auftritt haben.

Umgebaut hat die in einem Jugendstilgebäude des jüdisch-ungarischen Architekten Oskar Kaufmann (1873-1956) gelegenen Räume das Architekturbüro Kuehn Malvezzi. Die Berliner gelten spätestens seit dem Umbau der Kasseler Binding-Brauerei 2002 für die Documenta 11 als Spezialisten für clevere Lösungen im Kunstsektor. Zu den weiteren realisierten Projekten gehört etwa die Flick Collection im Hamburger Bahnhof, der Umbau der Berlinischen Galerie oder die Julia Stoschek Collection in Düsseldorf.

Mit dem Umzug in die Oranienstraße verlässt die DAAD-Galerie auch ihre bisherigen Räumlichkeiten in der Zimmerstraße beim Checkpoint Charlie. Als sie dort im Jahr 2005 ihre Zelte aufschlug, galt die Gegend noch als Hotspot der Berliner Galerienlandschaft. Doch die Galerien sind längst weitergezogen und haben eher touristischen Angeboten Platz gemacht. Höchste Zeit also auch für die DAAD-Galerie, sich eine passendere Nachbarschaft zu suchen. Zusammen mit Bazon Brocks Debattenwerkstatt Denkerei als Nachbar zur linken Seite und dem ebenfalls umtriebigen Programm des Aufbau Hauses zur rechten Seite am Moritzplatz gelegen, entsteht jetzt ein kulturelles Cluster, das Kreuzberg gut zu Gesicht steht.

Foto:
DAAD-Galerie, Außenansicht.
(Foto: Heiko Klaas)

Tage wie diese

Ausstellung und Buch von Omar Panosetti in der Galerie Ensemble

Von Susanne Franz

mano_de_dios
Argentinien ist zwar ein junges Land, aber es schaut auf eine turbulente Geschichte zurück, voller Ereignisse, die sich unauslöschlich in die Erinnerung jedes Einzelnen und in das kollektive Bewusstsein eingegraben haben und die identitätsstiftend geworden sind. “Un Día de Esos” (Einer von diesen Tagen) nennt der argentinische Künstler Omar Panosetti seine Ausstellung mit begleitendem Buch, die Mitte November in der Galerie Ensemble eingeweiht wurde. Die über 20 unveröffentlichten Werke des 1960 geborenen Meisters haben beispielsweise den Malwinenkrieg, das Attentat auf die Amia 1994, die Krise 2001 oder den Brand in der Diskothek Cromañon zum Thema, aber auch die mutigen Märsche der Mütter der Plaza de Mayo oder die Errungenschaft der gleichgeschlechtlichen Ehe sind Themen – und natürlich die “Hand Gottes”, das umstrittene Tor, das Diego Maradona 1986 in Mexiko gegen Großbritannien erzielte.

Panosettis unnachahmlicher Malstil gibt seinen Bildern den Anstrich von Leichtigkeit, als sei das Werk ohne viel Mühe entstanden – das Ergebnis einer langen, fundierten Laufbahn, die es ihm erlaubt hat, immer freier und gewagter seiner künstlerischen Sprache Ausdruck zu verleihen. Seine schrägen Perspektiven sind mit typischen Pano-Elementen wie Hochhäusern, Hunden, Herzen und an Karikaturen anmutenden Menschen bevölkert, und in dieser Serie auch “nationalen” Symbolen wie der Flagge, der Pyramide auf der Plaza de Mayo oder dem Obelisken.

Das bunte Chaos, das wie zufällig zusammengewürfelt scheint, ergibt ein perfektes Ganzes, das auch die gesamte Gefühlsbandbreite des jeweiligen Ereignisses transportiert – den Horror angesichts der fast 200 verbrannten jungen Menschen in Cromañon, die Tragik der Versenkung der “Belgrano”, die Verzweiflung angesichts des schrecklichen AMIA-Attentats, die Untergangsstimmung und zugleich die Absurdität der Krisentage um den 19. Dezember 2001.

Omar Panosetti ist ein wahrer Meister und seine Werke ein Genuss. Wie gut, dass die Ausstellung in der neu eröffneten Galerie Ensemble im schicken Stadtviertel Recoleta (Guido 1746) noch bis März 2017 geöffnet sein wird! Man kann die Bilder auch zu relativ erschwinglichen Preisen erwerben: Jedes der Werke existiert in einer limitierten Auflage von 10 signierten Exemplaren (30×40 cm-Giclée-Drucke auf 240gsm Aquarellpapier). Preise und Details zum Versand kann man in der Galerie oder bei omarpanosetti@gmail.com oder durch eine Nachricht auf seiner Facebook-Seite erfragen.

In dem die Ausstellung begleitenden schönen Büchlein, das für 300 Pesos zu haben ist, sind die Werke von Texten verschiedener Autoren aus dem Kulturbereich, Journalisten oder Geschichtswissenschaftlern begleitet.

  • Omar Panosetti, “Un Día de Esos”, Aquarelle.
  • Galería Ensemble, Guido 1746, Buenos Aires.
  • Mo-Fr 11-19 Uhr.
  • Bis März 2017.

Foto:
Omar Panosetti, “La Mano de Dios”.

Künstlerblicke auf Land und Leute

Buenos Aires und die Pampa werden in den Werken von Benito Quinquela Martín, Xul Solar, Antonio Seguí und Florencio Molina Campos lebendig

Von Susanne Franz

Quinquel.jpg
Hafenstimmung: “Atardecer rosado” (1969) von Benito Quinquela Martín.

Der Maler Benito Quinquela Martín war von dem Hafenviertel “La Boca” geprägt und prägte es selber mit. Alejandro Xul Solar hatte seinen Kopf in den Wolken, aber seine Füße fest auf dem Boden seiner Heimatstadt Buenos Aires. Antonio Seguí schaut ein bisschen böse, ein bisschen wehmütig auf sein Heimatland, das er schon vor über 40 Jahren verließ, um sich in Paris niederzulassen, und Florencio Molina Campos hat wie kein anderer meisterhaft das Leben der Gauchos in der Pampa und die unendliche Weite ihres Horizonts porträtiert.

Benito Quinquela Martín – der Maler von “La Boca”

Benito.jpgIm romantischen Hafenviertel von Buenos Aires “La Boca”, das Tag für Tag Hunderte von Touristen mit seinem bunten Sträßchen “Caminito”, Tangoschauen, Straßenkünstlern und seinen mit originellen Souvenirs und Kunstwerken bestückten Märkten verzaubert, begegnet man dem “Maler von La Boca”, Benito Quinquela Martín, auf Schritt und Tritt. Bis heute einer der populärsten Künstler Argentiniens, prägte Quinquela Martín (1890-1977) mit seinem Lebenswerk das Gesicht des beliebten Hafenviertels entscheidend mit – allenthalben sieht man in den Straßen von ihm gestaltete Keramiken und Wandgemälde; verkaufen Künstler von ihm inspirierte Gemälde, und nicht zuletzt befindet sich das von ihm gegründete “Museo Quinquela Martín” mitten im Herzen von “La Boca”. Hier kann man nicht nur die beeindruckenden Gemälde des Künstlers selbst bewundern, die er seinem Viertel als Geschenk überreichte, sondern auch eine Sammlung von Werken anderer Künstler der “Boca”, die auf Quinquelas ausdrücklichen Wunsch mit in das Museum aufgenommen wurden.

Vom Waisenkind zum populären Künstler und Philanthropen

Die Geschichte des Benito Quinquela Martín rührt ans Herz. Am 20. März 1890 wurde das von seinen Eltern verlassene Kind von Ordensschwestern gefunden, die ihn auf den Namen Juan Benito Martín tauften und sein Alter auf ungefähr 20 Tage einschätzten. In der von einer starken Einwanderung und hoher Arbeitslosigkeit geprägten Zeit wurden bis zu drei Kinder pro Tag in Buenos Aires ausgesetzt, die meisten verbrachten ihr Leben im Waisenhaus oder starben jung. Der kleine Juan Benito lebte 7 1/2 Jahre im Waisenhaus – die Ordensschwestern gaben die Kinder erst mit sechs Jahren, also im arbeitsfähigen Alter, zur Adoption frei – und wurde dann von dem kinderlosen Ehepaar Manuel Chinchella und Justina Molino adoptiert. Mit 14 Jahren begann er zu arbeiten und besuchte abends eine Kunstschule.

Schon bald kristallisierte sich sein großes Talent heraus und er verlegte sich ganz auf das Studium der Malerei. Zunächst malte er Porträts der Menschen seines Viertels, bis er begann, sich seinen berühmten Hafenszenen zu widmen. Im Alter von 29 Jahren änderte er seinen Namen in Benito Quinquela Martín um. Die Güte, die er von seinen Adoptiveltern empfangen hatte, mit denen er bis an ihr Lebensende zusammenlebte, zahlte er später vielfach zurück: Er gründete eine Schule, einen Kindergarten, ein Haus, in dem Ammen ausgesetzte oder arme Kinder stillten, eine Kunstschule für Kinder und ein zahnärztliches Institut für die Armen. Er selbst hatte sein Leben lang unter seinen schlechten Zähnen gelitten.

Aus dem Vertrauten neue Welten schaffen

Benito Quinquela Martíns Gemälde lassen das Leben und die Atmosphäre des Hafenviertels – das Universum, von dem er umgeben war – unmittelbar auferstehen: die emsige Betriebsamkeit der Hafenarbeiter beim Be- und Entladen der Schiffe, die Arbeit in den umliegenden Gießereien oder Kohlefabriken, die Schiffe vor Anker oder in der Werft, die Kräne, Fluss- oder Hafenlandschaften zu den verschiedensten Tages- oder Nachtzeiten. Voller Farbenfreude, mit kräftigem Pinselstrich oder energisch aufgetragenem Spachtel, fing Quinquela Martín die Nuancen des Lichts, des Himmels, des Wassers, des Nebels, der Bewegungen und Energien seines Universums ein. “Hier fiel mir alles leicht”, schrieb er über das Thema seiner Malerei, “die Atmosphäre und die Dinge hatten sich über Jahre hinweg auf meiner Netzhaut eingebrannt, es gab nichts, was mir nicht vertraut gewesen wäre, ich wusste, wie sich jeder kleinste Muskel beim Beladen oder Entladen bewegte; alles ging wie von selbst, weil ich die Strukturen kannte.”

Xul Solar – Mystiker mit Wurzeln im Tigre-Delta und Palermo

xul22.jpg
Die Stadt als Symbol: “Ciudá y abismos” (1946) von Xul Solar.

Ein Universum für sich ist der argentinische Mystiker und Künstler Xul Solar. Sein Werk ist sicher das am schwersten zugängliche in der argentinischen Kunst, in seiner Komplexität und Rätselhaftigkeit am ehesten vergleichbar dem seines Freundes und weltberühmten Literaten Jorge Luis Borges. Dennoch findet man auch im Werk Xuls ständige Referenzen seiner Heimatstadt Buenos Aires, vor allem des malerischen Tigre-Deltas, wo er seine ersten Lebensjahre verbrachte und auch seine letzten – von 1956 bis zu seinem Tod im Jahre 1963. Xuls düstere, futuristische Berglandschaften mit endlosen Treppen und Leitern und in Kaminen verschwindenden Menschen, die er unter dem Eindruck des Zweiten Weltkriegs malte, entlehnte er dem riesigen Gefängnisbau “Penitenciaría Nacional” im Stadtteil Palermo, in dem sein Vater viele Jahre als Ingenieur arbeitete. Die gelben Mauern des Gefängnis-Kolosses, der 1963 abgerissen wurde, hat das Werk vieler Künstler und Literaten inspiriert – u.a. auch die Geschichten von Don Isidro Parodi, der Kriminalfälle von einer Zelle dieser Gefängnisanstalt aus löste, die Borges und Adolfo Bioy Casares unter dem Pseudonym H. Bustos Domecq schrieben.

Ein Intellektueller seiner Zeit

Xul2.jpgXul Solar wurde 1887 in Buenos Aires als Oscar Agustín Alejandro Schulz Solari geboren. Er war einziges Kind eines lettischen Vaters und einer italienischen Mutter. Ein Architekturstudium brach er nach zwei Jahren ab, und er lernte das Geigenspiel. Wie viele junge argentinische Intellektuelle der Zeit, verbrachte Xul Solar viele Studienjahre in Europa. Von 1912-1924 hielt er sich in London, Paris, Mailand und München auf. Abgesehen vom Studium der Kunstgeschichte und dem Kontakt zur europäischen Avantgarde begann Xul, sich mit dem Werk Rudolf Steiners und des englischen Esoterikers Aleister Crowley zu beschäftigen. So galt sein Interesse schon früh nicht allein der Kunst, sondern den Religionen, der Metaphysik, der Mythologie und der Astrologie. Xul schuf fast ausschließlich Aquarelle, aber seine Arbeiten waren weit über die rein künstlerische Betätigung hinaus immer Ausdruck seiner Suche nach einer allumfassenden Wahrheit, seines Drangs, Verbindungen und Netzwerke herzustellen zwischen Sprachen, Völkern, Religionen und Anschauungen. Der Künstler, der acht Sprachen beherrschte, beschäftigte sich auch Zeit seines Lebens damit, neue linguistische Systeme zu entwickeln. Für sein „neocriollo”, das das Spanische, Portugiesische und Elemente der Indianersprache Guaraní verbindet, schuf er sogar eine Grammatik; für seine „panlengua”, die eine universelle Weltsprache werden sollte, fehlte ihm die Zeit. Xul war zudem Erfinder, er entwickelte Spiele und schuf Musikinstrumente und Marionetten.

Im Werk von Xul Solar wird das Gefängnis von Palermo zu einem Symbol neben vielen anderen – seinen Fahnen, Schlangen, Buchstaben oder Bändern – und verwandelt sich in Berge, die Bienenstöcken gleichen, vergitterte Fenster oder Türme. Seine Visionen von einer neuen, modernen Stadt drückt er in Bildern von der Großstadt Buenos Aires aus, die immer erkennbar ist – am ehesten in den letzten, farbenfrohen, optimistischen Aquarellen seines Lieblingsorts – des Tigre-Deltas, wo er bis zum letzten Atemzug in seiner Werkstatt seiner künstlerischen Arbeit und metaphysischen Suche nachging.

Antonio Seguí – exzellenter Porträtist der Stadt

segui2.jpg
Großstadtdschungel: “Paisaje urbano” (1998) von Antonio Seguí.

Jeder Künstler ist ein Sonderfall, aber Antonio Seguí, 1934 in Córdoba, Argentiniens zweitgrößter Stadt geboren und seit über 40 Jahren Bürger von Paris, ist ein Sonderfall der Sonderfälle. Wie gelingt es einem Künstler aus dem Landesinneren, wie kein zweiter das Großstadtleben der Hauptstadt zu porträtieren, wie kann ein so lange schon “im Exil” lebender Argentinier den argentinischen Großstadtmenschen auf so satirisch-liebevolle Weise darstellen, wie nur er es vermag? Man kann spekulieren, dass vielleicht gerade ein mit Seguís Sensibilität ausgestatteter “Außenstehender” dazu in der Lage ist, aber man muss auch der Tatsache Rechnung tragen, dass Seguís Kunst eine universelle ist – es ist “die Großstadt” an sich, die er malt, nicht unbedingt nur Buenos Aires (das Paris ohnehin sehr ähnelt), und “der Mensch” an sich, nicht unbedingt nur der “porteño” (Bewohner der Stadt Buenos Aires). Dennoch erkennt man in Seguís humorvoll-bösen, an Comics angelehnten Grafiken und Gemälden den aberwitzigen, hektischen Rhythmus der Stadt am Río de la Plata sofort, und die leicht verstaubte Ehrenhaftigkeit und Eitelkeit der “porteños”, deren fragile Identität Seguí als mit einem umso größeren Ego zugedeckt entlarvt.

Hassliebe und Ruhm

Antonio.jpgNur in der Großstadt Buenos Aires pulsiert das Leben des gigantischen Landes Argentinien, und dieses Leben ist ein gnadenloser, unerbittlicher Konkurrenzkampf. Antonio Seguí hat ihn am eigenen Leib erlebt, als er als junger Künstler, aus Córdoba kommend, in Buenos Aires sein Glück versuchte – wie so viele. Seitdem verbindet ihn eine Hassliebe mit dieser Stadt (die er im übrigen mit so manchem ihrer Bewohner teilt). Heute ist Antonio Seguí einer der erfolgreichsten argentinischen Künstler überhaupt. Im Mai 2005 hat ihm das renommierte “Centre Pompidou” in Paris eine umfassende Retrospektive gewidmet – die erste, die einem Argentinier zuteil geworden ist. Seiner Heimat Argentinien zeigte er seine Verbundenheit, als er dem Museum für Moderne Kunst von Buenos Aires im Jahr 2001 eine Sammlung von 300 Grafiken als Schenkung überreichte.

Florencio Molina Campos – Chronist der Pampa

Molina1.jpg
In vollem Galopp: Ein Werk von Florencio Molina Campos.

Der Künstler Florencio Molina Campos (1891-1959) hat mit seinen entzückenden, in den Bereich der Karikatur reichenden Darstellungen voller Liebe zum Detail und lichtdurchfluteter Energie wie kein zweiter das Leben auf dem Lande porträtiert, vor allem aber die Welt der Gauchos: ihre Reiterkunststücke, die Messerkämpfe oder das Truco-Spiel in der “Pulpería”, einem Treffpunkt, der Kneipe und Einkaufsladen zugleich war. Molina Campos’ Bilder schmückten seit 1931 über 15 Jahre lang die Kalender der Alpargatas-Schuhfabrik, mit denen er eine unvergleichliche Popularität erlangte – es waren 18 Millionen Exemplare von dieser “Pinakothek der Armen” im Umlauf, eine für die Epoche fast unvorstellbar hohe Zahl. Wenn man Glück hat, kann man auf dem berühmten Antik-Markt von San Telmo heute noch alte Alpargatas-Kalenderblätter mit den Abbildungen von Molina Campos erstehen. 1942 reiste Florencio Molina Campos in die USA, um mit Walt Disney einen auf seinen Zeichnungen basierenden Film zu produzieren. Im Museum Molina Campos kann man Fotos von Walt Disney und seinen Zeichnern in Argentinien bewundern, wohin sie extra reisten, um Florencio Molina Campos die Einladung zu überbringen.

Detailgetreuer Beobachter

molina2.jpgFlorencio Molina Campos verbrachte seine Kindheit zwischen Buenos Aires und den Ländereien seiner Eltern in der Provinz Buenos Aires und der Provinz Entre Ríos. In seinen Werken wird deutlich, welch unglaublich scharfer Beobachter er gewesen sein muss, denn jedes Detail in seinen Bildern ist bis ins letzte ausgearbeitet – die Kleidung der Gauchos, ihre Stiefel, ihre Waffen, das Zaumzeug der Pferde, Sättel, Steigbügel, usw. Das führt so weit, dass Molina Campos’ Werke bereits als historische Dokumente herangezogen werden. Das hervorstechendste Merkmal seiner Gemälde ist der tiefliegende Horizont, der nur etwa das untere Sechstel des Bildes ausmacht. Damit hat Molina Campos die unendlichen Himmel und die fast grenzenlos scheinende Weite der Pampa meisterhaft festgehalten. Dazu kommt seine Fähigkeit, Stimmungen zu schaffen – es ist vor allem die lebendige Dynamik seiner Werke, die diese so unverwechselbar macht.

Florencio Molina Campos malte ununterbrochen, weil er Spaß am Malen hatte, und wenn ihm das Material ausging, benutzte er sogar Ravioli-Kartons. Seine Bilder verkaufte er zu moderaten Preisen, es ging ihm nie darum, mit seiner Kunst reich zu werden. Zeit seines Lebens musste sich der Künstler den Vorwurf gefallen lassen, dass er Pferde im Galopp mit allen vier Hufen auf einmal in der Luft malte. Das sei unmöglich, wurde ihm gesagt. Er hielt dagegen, er male, was er sehe. Erst als die Technik etwas weiter vorangeschritten war, bekam Molina Campos recht: In der Zeitlupe im Film ist zu erkennen, dass zu einem bestimmten Zeitpunkt im Galopp das Pferd den Boden mit keinem seiner Hufe berührt.

Adressen / Direcciones

A-Z von Galerien, Kulturzentren und Museen
A-Z de Galerías y Espacios de Arte, Centros Culturales y Museos

brasil2

Als Service für unsere Leser veröffentlichen wir im folgenden eine Übersicht mit Adressen der Galerien, Kulturzentren und Museen, die in den Ausstellungskalendern von “Kunst in Argentinien” erschienen sind. Ein Anspruch auf Vollständigkeit wird nicht erhoben. Wer in die Liste aufgenommen werden möchte, kann die entsprechende Information an kia@magicaweb.com schicken.
Como servicio para nuestros lectores publicamos aquí una selección de direcciones de las Galerías y Espacios de Arte, Centros Culturales y Museos que aparecieron en las agendas de muestras de “Arte en Argentina”. Quien quiera figurar en la lista, puede mandar la información correspondiente a kia@magicaweb.com.

Foto:
Bis zum 26. Februar 2017 kann man im Malba in Buenos Aires die Ausstellung “Antropofagia y Modernidad. Arte brasileño en la Colección Fadel” besuchen, die anhand ausgesuchter Werke aus der Sammlung Fadel einen Überblick über die brasilianische Kunst bis zur Gegenwart bietet.
Hasta el 26 de febrero de 2017, se podrá visitar en el Malba en Buenos Aires la exposición “Antropofagia y Modernidad. Arte brasileño en la Colección Fadel”, un panorama de los diferentes movimientos modernos ligados a la construcción cultural de Brasil hasta los inicios del arte contemporáneo.

A

  • Alberto Sendrós, Pasaje Tres Sargentos 359, Buenos Aires. Besuche nur nach Voranmeldung per Telefon oder E-Mail. Tel.: (54-11) 4312 0995/5915, info@albertosendros.com.
    Alberto Sendrós, Pasaje Tres Sargentos 359, Buenos Aires. Visitas deben ser solicitadas por teléfono o email con anticipación. Tel, (54-11) 4312 0995/5915, info@albertosendros.com.
  • Alejandra Perotti Galería de Arte, Freire 1101, Ecke Zabala, Colegiales, Buenos Aires. Mo-Fr 15-19.30 Uhr, Sa nach Verabredung, Tel.: (54-11) 4553-0923.
    Alejandra Perotti Galería de Arte, Freire 1101, esq. Zabala, Colegiales, Buenos Aires. Lun-Vie 15-19.30 hs, Sáb con cita previa, Tel. (54-11) 4553-0923.
  • Lesen Sie weiter / Seguir leyendo »