Kunstmesse EGGO im Centro Cultural Recoleta

Kunstmesse EGGO vom 3. bis zum 6. Oktober

Von Susanne Franz

eggoMehr als 50 Aussteller, Werke von über 300 Künstlern: Die 3. Ausgabe der Kunstmesse EGGO, die am Donnerstag im Centro Cultural Recoleta (Junín 1930, Buenos Aires) beginnt, zeigt, dass die ursprünglich als “kleine Schwester von arteBA” bezeichnete Veranstaltung sich im Reigen der lateinamerikanischen Kunstmessen etabliert hat. Im Jahr 2013 besuchten 45.000 Menschen die viertägige EGGO – es hatte sich nach dem Erfolg der ersten Ausgabe herumgesprochen, dass man auf dieser Messe zu erschwinglichen Preisen Werke interessanter aufstrebender Künstler kaufen kann, aber auch Erlesenes von renommierten Meistern findet.

Die EGGO 2014 wird am Donnerstagabend um 18 Uhr eröffnet – allerdings nur für geladene Gäste – und kann dann vom Publikum vom 3. bis zum 6. Oktober jeweils von 14 bis 21 Uhr besucht werden. Der Eintritt kostet 50 Pesos, für Rentner und Studenten ermäßigt 30 Pesos, und ist für Kinder unter 12 gratis.

Informationen erhält man auf der Webseite der Messe.

Hommage an Frédéric Chopin

Konzertreihe internationaler Pianisten im Palacio Paz

Von Marcus Christoph

chopinIn stilvollem Ambiente Klavierklängen der Meister zu lauschen, dazu lädt das Chopin-Festival ein, das in diesen Wochen im Palacio Paz (Av. Santa Fe 750) in Buenos Aires stattfindet. Vor wenigen Tagen gab mit Luis Ascot ein argentinischer Pianovirtuose bei den Festivalwochen seine Visitenkarte ab.

Mit Stücken von Wolfgang Amadeus Mozart, Robert Schumann, aber auch von brasilianischen Komponisten wie Heitor Villa-Lobos und Ernesto Nazareth sowie schließlich einer Zugabe von Frédéric Chopin verzauberte Ascot sein Publikum, das sich im malerisch ausgestalteten Kuppelsaal des Prachtgebäudes an der Plaza San Martín eingefunden hatte.

Ascot kann auf eine langjährige Karriere als erfolgreicher Pianist zurückblicken. Bereits im Alter von fünf Jahren fing er in seiner Heimatstadt Buenos Aires mit dem Klavierspielen an. Später setzte er seinen musikalischen Werdegang in Rio de Janeiro fort, ehe er Anfang der 70er durch ein Stipendium der Schweizer Regierung ans Genfer Konservatorium kam. Die Grundlage für eine internationale Konzertlaufbahn mit zahlreichen Auszeichnungen war gelegt.

Ascot ist einer von acht Pianisten, die auf dem Programm des Festivals stehen. Das nächste Konzert am kommenden Mittwoch (1. Oktober) gibt der Kroate Lovro Pogorelich. An den darauffolgenden Mittwochabenden sind dann der Österreicher Manfred Wagner-Artzt (8. Oktober) und – zum Abschluss – der Russe Konstantin Scherbakov (15. Oktober) zu hören. In den Vorwochen hatten bereits internationale Klaviervirtuosen wie Joaquín Achúcarro (Spanien), Michael McHale (Irland), Michal Karol Szymanowski (Polen) und Martha Noguera (Argentinien) Kostproben ihres Könnens gegeben.

Veranstalter der Konzertreihe ist die hiesige Chopin-Stiftung (Fundación Chopiniana), deren Präsidentschaft der polnische Botschafter Jacek Bazánski innehat. Polen ist das Geburtsland von Frédéric Chopin, der später nach Frankreich emigrierte.

Die noch ausstehenden Konzerte beginnen jeweils um 19.30 Uhr im Palacio Paz. Der Eintritt beträgt je nach Sitzplatzkategorie 170, 200 oder 250 Pesos. Eine telefonische Anmeldung kann montags bis freitags von 13 bis 18 Uhr unter der Nummer (011) 4311-1071 getätigt werden, ist aber nicht zwingend erforderlich. Die Organisatoren bitten darum, sich bis spätestens 19.20 Uhr am Konzertort einzufinden.

Foto:
Frédéric Chopin.

Das Ende der Affirmation

Lesung und Gespräch mit Timo Berger im Goethe-Institut

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Am Freitag, dem 26. September, um 18.30 Uhr, finden im Rahmen des 6. Internationalen Literaturfestivals Filba in der Bibliothek des Goethe-Instituts Buenos Aires (Av. Corrientes 343) eine Lesung und ein von Carla Imbrogno koordiniertes Gespräch mit Timo Berger, Léonce Lupette und ausgewählten Übersetzern statt.

Wenn man Lyrik übersetzt, stößt man auf besondere Schwierigkeiten und Herausforderungen, erhält aber auch ungeahnte Freiheiten. Mehr als jede andere literarische Form, benutzt das Gedicht Wörter auf eine oft eigensinnige Weise. Die Worte im Gedicht erfinden bisweilen andere Verwendungen bis hin zu neuen Bedeutungen. Viel wird auch von der Musikalität des Gedichts gesprochen, und seine Übersetzung erfordert deshalb keine krude Übertragung, sondern vielmehr eine “Re-Kreation”, eine Neu-Schöpfung.

Im Rahmen des Internationalen Literaturfestivals Filba organisiert das Goethe-Institut eine Übersetzungswerkstatt für neueste deutsche Dichtung. In der Werkstatt soll erkundet werden, was und wie die neuesten deutschen Dichterinnen und Dichter schreiben. Darüber hinaus soll eine Auswahl von Gedichten einer Handvoll junger Autoren übersetzt werden, die der Verlag Vox in einer zweisprachigen Anthologie veröffentlichen wird. Die Arbeiten der ausgewählten Dichter zeichnen sich durch einen selbstbewussten Umgang mit der Tradition deutscher Dichtung und eine wachsende Durchlässigkeit für Literaturen aus anderen Weltregionen aus. Im Rahmen der Lesung werden einige dieser Dichter und ihre Texte auf Spanisch präsentiert.

Timo Berger. 1974 geborener deutscher Dichter, Journalist, Kurator und Übersetzer aus dem Spanischen und Portugiesischen ins Deutsche, ist Autor von Gedichtbänden und mehreren Erzählungen. Er gründete zusammen mit Rike Bolte das Festival Latinale, das die neue lateinamerikanische Lyrik vorstellt. Er war Mitgründer und Mitorganisator des Lyrikfestivals Salida al Mar (Argentinien, 2004 bis 2007) und kuratierte die Lyrikveranstaltungen auf der Internationalen Buchmesse (FIL) in Guadalajara, Mexiko, 2011 – das Jahr in dem Deutschland Ehrengast war. Er hat Schreibwerkstätten in Nicaragua, Costa Rica, Guatemala und Peru geleitetet. Zu seinen neuesten Veröffentlichungen zählt der Gedichtband “Der Süden” (parasitenpresse, Köln, 2014), die Anthologie “De ahí nomás. Poesía actual de Centroamérica y el Caribe” (Ediciones Germinal/Vox, San José/Bahía Blanca, 2013-2014), die er herausgab, und als Übersetzer, “Die berauschende Wirkung von Bilsenkraut”, von Javier Fernández de Castro (Klaus Wagenbach, Berlín, 2013).

Léonce W. Lupette lebt als freier Autor, Übersetzer und Literaturwissenschaftler in Frankfurt am Main und Buenos Aires. 2013 ist sein Gedichtband “Tablettenzoo” erschienen (Luxbooks, Wiesbaden). Er ist Mitherausgeber der Literaturzeitschriften “Alba – Lateinamerika lesen” und karawa.net sowie Herausgeber der Reihe Luxbooks.Latin. Seine Übersetzungen umfassen unter anderem Gedichte von John Ashbery sowie die erste Übersetzung des “Matadero” von Esteban Echeverría. Zuletzt erschien seine Anthologie des sprachmischenden paraguayischen Lyrikers Jorge Kanese.

Kalender A-Z

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Ausstellungskalender vom 20/09/2014

Von Susanne Franz

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Letztes Wochenende, um im Saal 4 des Centro Cultural Recoleta (Junín 1930, Buenos Aires) die Ausstellung “Abwesenheit des Subjekts” zu sehen.

“Abwesenheit des Subjekts”, die Serie des US-amerikanischen Fotografen Michael Somoroff, ist eine bewegende Hommage an das monumentale Werk “Menschen des 20. Jahrhunderts” des legendären deutschen Fotografen August Sander. Mit Hilfe digitaler Techniken entfernt Somoroff gerade das aus dem Bild, was man immer für ein wesentliches Element des Porträts gehalten hatte: das Subjekt.

Die von Diana Edkins und Julian Sander kuratierte und von der Agentur Admira (Mailand) in Zusammenarbeit mit FEROZ Galerie (Bonn) und dem Goethe-Institut Buenos Aires organisierte Ausstellung steht unter der Schirmherrschaft der Deutschen Botschaft, im Rahmen des 25. Fotografie-Festivals Encuentros Abiertos – Festival de la Luz 2014.

Die Ausstellungen der Woche:

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Agenda A-Z

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Agenda de Muestras del 20/09/2014

Por Susanne Franz

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Último fin de semana de la muestra “Ausencia de sujeto” en la Sala 4 del Centro Cultural Recoleta (Junín 1930, Buenos Aires). Se podrá ver todavía hoy y mañana de 11 a 20 horas, con entrada libre y gratuita.

La serie ”Ausencia de sujeto” del fotógrafo estadounidense Michael Somoroff es un conmovedor homenaje a ”People of the 20th Century”, el monumental trabajo del legendario fotógrafo alemán August Sander. Somoroff se vale de la manipulación digital para sacar de la foto lo que siempre se creía que era un elemento esencial del retrato: el sujeto.

Curada por Diana Edkins y Julian Sander, y organizada por Admira (Milán) en colaboración con FEROZ Galerie (Bonn) y el Goethe-Institut Buenos Aires, la muestra cuenta con el auspicio de la Embajada de Alemania, en el marco del Festival de Fotografía Encuentros Abiertos – Festival de la Luz 2014.

Las muestras de la semana:

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Wie Ideologien entstehen

Am Anfang standen Frau Behn und Frau Mead

Von Friedbert W. Böhm

97p/33/huty/7780/10Aphra Behn, geboren 1640, war die erste professionelle Schriftstellerin Englands, eine Frauenrechtlerin, Gegnerin der Sklaverei und Kritikerin der Kolonialmächte. Sie schrieb zahlreiche Theaterstücke und Romane. Als Kind war sie, nach eigenen Angaben, einige Zeit in der damaligen englischen Kolonie Suriname, dem heutigen niederländischen Guayana. Dort handelt auch ihr erfolgreichster Roman “Oroonoco – oder Der königliche Sklave”. Der schöne, kluge, starke und gute afrikanische Königsenkel wird in die Sklaverei nach Südamerika verkauft, wo er seine schöne, kluge, liebe und gute Braut wieder trifft. Die Autorin behauptet, die Hauptfigur selbst aus der Nähe gekannt zu haben, wie auch die dortige indianische Gesellschaft, die sie als außerordentlich friedlich, keusch, wahrheitsliebend und arbeitsam schildert.

Der Roman wird bald übersetzt und vom damals kleinen, aber einflussreichen europäischen Publikum erstaunt und begeistert aufgenommen und verbreitet. Er trägt nicht unwesentlich zur späteren Sklavenbefreiung bei. Seinen soziologischen Aussagen wird Glauben geschenkt wie heutzutage den Ergebnissen verhaltenswissenschaftlicher Forschungsarbeit.

Auch Jean-Jacques Rousseau wird das Buch gelesen haben. Er ist ein dilettantischer Politphilosoph mit etwas unstetem Lebenswandel. Im Vorfeld der Französischen Revolution berät er die Welt über bessere Gesellschaftsformen. In seinem Hauptwerk “Du Contrat Social” verherrlicht er den “Edlen Wilden”, genau wie Frau Behn. Er klärt darüber auf, dass der Mensch edel, hilfreich und gut geboren sei und nur durch die Gesellschaft verdorben werde. Voltaire hält nichts von seinen Erkenntnissen. Sie stehen auch, wie wir heute wissen, in krassem Widerspruch zu den Ergebnissen jeder Wissenschaft, der Ethologie, der Biologie, Neurologie, Geschichts- und Verhaltensforschung.

Trotzdem feiert der Edle Mensch fröhliche Urständ. Alle hören und glauben wir gern, dass unsere Untugenden gar nicht selbstverschuldet sind, sondern Ergebnis verderblicher Einflüsse durch Eltern, Lehrer, Arbeitgeber oder eben “dem System”, in dem zu leben wir gezwungen sind. Schuld haben immer “die Anderen”. Generationen von Literaten, Soziologen, Psychologen, Journalisten, Juristen und Politikern haben uns in dieser Überzeugung bestärkt und sich selbst dadurch gute Einkommen gesichert.

Und jetzt wundern wir uns darüber, dass in unserer Gesellschaft Schmarotzer gezüchtet, Ordnungsstörer hofiert, Korrupte geduldet und Verbrecher – wenn überhaupt – nur milde bestraft werden.

Margaret-MeadMargaret Mead war eine nordamerikanische Anthropologin, die zu Anfang des XX. Jahrhunderts im pazifischen Raum arbeitete und als Wegbereiterin der “Sexuellen Revolution” gilt. Sie behauptete, in ihren Feldstudien herausgefunden zu haben, dass die Geschlechterrollen nicht durch die Natur, sondern durch die Kultur bestimmt seien. Etwas vereinfacht: Wenn ein x-beliebiges Kleinkind rosa gekleidet und mit Puppen umgeben wird, kommt ein Mädchen heraus. Bekommt es aber hellblaue Hosen angezogen und Autos zum Spielen, wird es ein Junge.

Mit etwas über 20 verbrachte sie ein halbes Jahr oder so in Samoa, worauf ihr Erstwerk entstand, “Coming of Age in Samoa”, das ihren Aufstieg und späteren Ruhm begründete. Jahre später stellte Freeman, ein in Samoa aufgewachsener Anthropologe, fest, dass dieses Werk reinem Wunschdenken entsprang. Mead war der Sprache unkundig (nahm täglich 1 Stunde Unterricht), lebte in einer englischen Familie (da sie die einheimischen Wohnungen als abstoßend empfand) und hatte so gut wie keinen Zugang zu einheimischen Männern. Ihre “Forschung” bestand im Befragen junger Mädchen nach ihren Sexualgewohnheiten (gewiss über Dolmetscher). Was werden diese wohl einer Fremden über ihre Intimitäten erzählt haben?

Trotzdem feiert der Mensch kultur- (oder selbst-)bestimmter Sexualität fröhliche Urständ. Meads Wunschdenken hat sich mittlerweile in eine Wissenschaft verwandelt, die “Gender Studies”.

Immer mehr Mitmenschen fragen sich jetzt verstört, ob sie sich nicht von einem Psychiater oder Psychologen (oder Chirurgen) von der Vermutung befreien lassen sollten, von ihren biologischen Geschlechtsmerkmalen betrogen worden zu sein.

Die sanften Bilder eines Giganten

Hamburger Kunsthalle zeigt als Weltpremiere Stillleben des großen deutschen Malers Max Beckmann

Von Nicole Büsing und Heiko Klaas

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Max Beckmann (1884-1950) steht für Gemälde voller Wucht und Kraft: für Selbstporträts im Smoking und mit dicker Zigarre, für die zeitlose Bearbeitung mythologischer Themen und für die malerische Bewältigung grandioser Küstenlandschaften und fulminanter Großstadtszenen. Ein künstlerischer Grenzgänger, der 1937 in Deutschland als „entartet“ gebrandmarkt, ins Amsterdamer Exil ging und gerade auch im Ausland als einer der wichtigsten Repräsentanten einer von humanistischen Idealen geprägten deutschen Kunst steht.

Seine Landschaften, Selbstporträts und Figurenbilder sind immer wieder in groß angelegten Ausstellungen und Retrospektiven gezeigt worden. Seine Stillleben jedoch, die eine ganz andere Seite seines facettenreichen Werks repräsentieren, waren international noch nie in konzentrierter Form zu sehen. Mit der Ausstellung “Max Beckmann. Die Stillleben” widmet die Hamburger Kunsthalle diesem lange vernachlässigten Werkaspekt jetzt eine große und faszinierende Schau. Für Karin Schick, die Kuratorin der Ausstellung, ist Max Beckmann nicht weniger als “ein Block, ein Achtzehnender, mit dem man ringt”. Insgesamt 70 Gemälde und einige Aquarelle hat sie für die Hamburger Präsentation ausgesucht.

Beckmann2Herausgekommen, so Schick, ist “eine Retrospektive im Kleinen, die die Entwicklung seiner Malerei ablesbar macht”. Max Beckmann hat, beginnend mit seinem Umzug nach Berlin um 1904/1905 bis zu seinem Tod in New York, immer wieder auch Stillleben gemalt. Auf diesen Bildern entdeckt der Betrachter komplexe, mal durchdacht, mal aber auch spielerisch und leicht wirkende Arrangements aus Blumen, Obst, Gemüse, Fischen, Weingläsern, Büchern, Zeitungen, Uhren, dekorativen Objekten aus der Natur und oftmals kultisch aufgeladenen Kunstgegenständen aus dem privaten Fundus des Malers.

Das Besondere an der Schau: Etliche der auf den Bildern dargestellten Objekte, so ein Tongefäß mit Schlangenmotiv aus Peru, ein Zeremonialgefäß aus dem Grasland Kameruns, ein chinesisches Räuchergefäß in Form einer Kröte und eine große Muschel aus der Karibik, die Beckmann immer wieder gemalt und zu animalischer Größe aufgeblasen hat, sind erhalten geblieben und werden in Hamburg im Original gezeigt. Der Betrachter erhält so Gelegenheit, ausgehend vom Originalobjekt, Transformations- und Entscheidungsprozesse des Malers nachzuvollziehen.

Eine Art Scharnier der Ausstellung bildet Beckmanns 1927 entstandenes „Großes Fisch-Stillleben“ aus der Sammlung der Hamburger Kunsthalle. Bevorzugte der Maler zuvor oft noch pastellartige, helle Farben, so arrangiert er seine Bildgegenstände jetzt äußerst kontrastreich. Drei farbenfrohe und lebensecht wirkende Fische werden zusammen mit zwei Zitronen, einer italienischen Zeitung und einem gestreiften Tuch in ein Rechteck eingebettet. Gleichzeitig ist auf dem Bild aber auch ein Dreieck erkennbar, an dessen Spitze das tiefschwarze Innere eines großen blauen Trichters den Blick in eine unbestimmbare Tiefe hineinzieht. “Ich bringe es fertig, immer mehr fertig, gänzlich gegenständlich und doch ungegenständlich zu malen”, hatte Beckmann bereits ein Jahr zuvor seine Gratwanderung zwischen konkreter Gegenständlichkeit und abstrakter Formauflösung beschrieben.

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Die Hamburger Ausstellung führt eindrucksvoll vor Augen, dass Stillleben für Beckmann weit mehr waren als hübsche Arrangements. Wie überhaupt in seiner Malerei, ignoriert und durchbricht er auch hier gängige Darstellungskonventionen. Der Raum, seine virtuelle Erweiterung im Spiegelbild, die Landschaft, Personen und unbestimmbare Schattenwelten. Alles kommt ins Stillleben mit hinein. Beckmann erweist sich auch in seinen Stillleben als virtuoser Meister der Verzahnung verschiedener Realitätsebenen. In den malerischen Fokus rückt er sein Leben im Hier und Jetzt, die wehmütige Erinnerung des Amsterdamer Exilanten an unbeschwerte Tage an der Côte d’Azur, aber auch seine Vorlieben für Philosophie, Mystik, Astronomie und Astrologie. Seine intensive Beschäftigung mit den Alten Meistern und die Suche nach einer neuen, modernen, und ganz eigenständigen Bildsprache jenseits aller ihn umgebenden Schulen und Stile wie Expressionismus, Neue Sachlichkeit oder Kubismus trieb Beckmann, wie jetzt in der klug zusammengestellten Hamburger Ausstellung zu besichtigen ist, auch in seinen Stillleben permanent an.

  • Ausstellung: Max Beckmann. Die Stillleben
  • Ort: Hamburger Kunsthalle
  • Zeit: 5. September 2014 bis 18. Januar 2015
  • Katalog: Prestel Verlag, 200 S., 142 Farbabb., 42 s/w Abb., 29 Euro (Museum), 49,95 Euro (Buchhandel)
  • Internet

Fotos von oben nach unten:

Großes Fisch-Stillleben, 1927, Öl auf Leinwand, 96 x 140,5 cm, Hamburger Kunsthalle.
(VG Bild-Kunst)

Stillleben mit Fisch und Muschel, 1942, Öl auf Leinwand, 95 x 70 cm, Privatsammlung.
(VG Bild-Kunst)

Stillleben mit großer Muschel, 1939, Öl auf Leinwand, 50 x 81 cm, The Baltimore Museum of Art.
(VG Bild-Kunst)