Vorhang auf, Licht aus
“Ojos Cerrados” im Theater La Comedia
Von Sebastian Loschert
“Eine Vorführung, in der man die Schauspieler nicht zu Gesicht bekommt – welch neue Infamie soll das wieder sein?”, könnte der Theaterfreund befürchten, bevor er die Vorführung von “Ojos Cerrados” im Theater La Comedia betritt. “Die erste sinnliche Theatervorstellung der Welt”, verspricht die Ankündigung: “Das Stück der Gruppe AviTantes ist eine liebevolle und intime Begegnung mit sich selbst. Es lädt Dich dazu ein, das zu sehen, was man sehend nicht sieht.”
Nun, keine Sorge, es handelt sich bei dem Werk mit den geschlossenen Augen also keinesfalls um eine avantgardistische Veranstaltung, der die Zuschauer grübelnd und ratlos gegenüberstehen. Eher neugierig und etwas aufgeregt wie vor einer Achterbahnfahrt harren die Gäste zu Beginn der Vorstellung in einem dunklen Vorraum der Dinge, die da kommen mögen. Eine Augenbinde sorgt für komplettes Verschwinden des ersten Sinnes, eine beschwörende Stimme verlangt, man solle sich mit Leib und Seele auf das Unsichtbare einlassen.
Das Getuschel der Menge verstummt, als man von sanften Händen an einen unbekannten Ort geführt wird. Jeder Besucher wird nun in der kommenden Stunde alleine sein, mit sich und seinen verbleibenden Sinnen. Hören, Riechen, Schmecken und Tasten werden ausreichen müssen. Gleichzeitig befindet er sich ausgeliefert an die wundersamen Einfälle der “AviTantes”, jener eigenartigen und äußerst wandelbaren Bewohner, die La Comedia an diesem Abend bevölkern.
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