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Ausstellungskalender vom 24/03/2017

Von Susanne Franz

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Nur noch wenige Tage kann man im Centro Cultural Recoleta in Buenos Aires die Ausstellung “Íconos argentinos – Homenaje” (Argentinische Ikonen – eine Hommage) besuchen, die anhand von Fotografien kleinster Gesten, Atembewegungen oder Blicke argentinische Persönlichkeiten zeigt, die als Ikonen gelten. Die Fotos stammen von Gianni Mestichelli, und kuratiert wurde die Schau, die bis zum 26. März in den Sälen 3, 4 und 5 des CCR zu sehen sind, von Renata Schussheim.

“Íconos argentinos – Homenaje” präsentiert 60 Figuren aus verschiedenen Kreisen, die ihre Spur in der argentinischen Kultur und Geschichte hinterlassen haben, von Schauspielern über Performer, Schriftsteller, Architekten, Künstler, Sänger, Sportler, Komponisten, Komiker und Filmemacher bis hin zu Politikern.

Foto:
Spinetta, fotografiert von Gianni Mestichelli.

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Agenda de Muestras del 24/03/2017

Por Susanne Franz

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Últimos días para ver “Íconos argentinos – Homenaje”, una muestra que captura a través de la fotografía gestos mínimos, respiraciones y miradas de icónicas figuras argentinas, con fotos de Gianni Mestichelli, y curada por Renata Schussheim. Se podrá recorrer hasta el 26 de marzo, en las salas 3, 4 y 5 del Centro Cultural Recoleta en Buenos Aires.

“Íconos argentinos – Homenaje” esta conformada por más de 60 personajes de diversos mundos e inspiraciones que han dejado una huella en la historia argentina – actores, actrices, performers, escritores, artistas plásticos, poetas, cantantes, periodistas, compositores, cineastas, políticos y músicos.

Foto:
Spinetta, por Gianni Mestichelli.

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Magier der Farbe

Yves Klein-Retrospektive in der Fundación Proa

Von Susanne Franz


Der französische Avantgarde-Künstler Yves Klein (1928-1962) gilt als Vorläufer der Pop Art und der Konzeptkunst. Erverfasste Essays, komponierte Musik und drehte Filme. Bekannt sind aber vor allem seine monochromen Bildkompositionen, insbesondere diejenigen, die er in einem von ihm entwickelten und unter dem Namen “International Klein Blue” (IKB) patentierten Ultramarinblau anfertigte. In Buenos Aires wird am morgigen Samstag in der Fundación Proa eine bedeutende Retrospektive des visionären Künstlers eröffnet, die bis zum 31. Juli zu sehen sein wird.

Kuratiert von Daniel Moquay von den Yves Klein Archives – er ist heute mit Rotraut Klein, der Witwe Yves Kleins und Schwester von Günter Uecker verheiratet – und unter der Schirmherrschaft der Französischen Botschaft in Argentinien, vereint die Ausstellung die wichtigsten Werke Yves Kleins – 70 an der Zahl. Zum ersten Mal wird sein Werk so ausführlich in Lateinamerika gewürdigt.

Neben den ersten monochromen Werken von 1955, den Gemälden in seinem berühmten Blau und den Feuergemälden sind auch seine Schwammreliefs und Werke in Gold ausgestellt. Einige der wegweisenden Performances Yves Kleins sind anhand von Dokumenten und Fotografien aus dem umfangreichen Archiv des Künstlers zu sehen.

Die Ausstellung in der Fundación Proa (Av. Pedro de Mendoza 1929) ist vom 18. März bis 31. Juli 2017 dienstags bis sonntags von 11 bis 19 Uhr zu sehen, der Eintritt kostet 50 Pesos. Es gibt zahlreiche Angebote im Umfeld der Schau – einen Kurs über Yves Klein, eine Aufführung eines seiner Konzerte, Butoh-Tanz, Performances, die sein Werk zum Thema haben, und im Juni ein internationales Yves Klein-Kolloquium.

Foto:
Sein erstes Werk schuf Yves Klein 1946, als er – in Nizza am Strand liegend – den blauen Himmel signierte.

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Ausstellungskalender vom 12/03/2017

Von Susanne Franz


Seit Ende Februar ist im Museo de Arte Tigre (MAT) die Ausstellung “Sueños” (Träume) von Grete Stern (Deutschland, 1904 – Argentinien, 1999) zu sehen. Sie besteht aus 36 Foto-Reproduktionen – eine Schenkung an das MAT – der ursprünglich 140 Fotomontagen umfassenden Serie, die Grete Stern zwischen 1948 und 1951 schuf, um die Kolumne “El psicoanálisis le ayudará” (Die Psychoanalyse wird Ihnen helfen) der Frauenzeitschrift “Idílio” zu illustrieren.

Die Schau ist im “Salón Oval” des Museo de Arte Tigre, Paseo Victorica 972, Tigre, Provincia de Buenos Aires, bis Anfang Juli zu sehen, mittwochs bis freitags von 9 bis 19, samstags und sonntags von 12 bis 19 Uhr.

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Agenda de Muestras del 12/03/2017

Por Susanne Franz


Desde fines de febrero, el Museo de Arte Tigre (MAT) exhibe la muestra “Sueños. Grete Stern”. Es un conjunto de 36 reproducciones fotográficas donadas al MAT por el Sr. Matteo Goretti y la Fundación Centro de Estudios para Políticas Públicas Aplicadas.

Grete Stern (Alemania, 1904 – Argentina, 1999) concibió la serie de los “Sueños” entre 1948 y 1951. Los 140 fotomontajes que la componen ilustraron la sección “El psicoanálisis le ayudará” en Idilio, una revista popular dirigida al público femenino en la cual el sociólogo Gino Germani analizaba los sueños que las lectoras enviaban a la redacción. Con sus fotomontajes, Stern cuestiona la imagen de la mujer de mediados de la época al ponerla en medio de inquietantes situaciones inverosímiles que, no obstante, surgen de las profundidades del inconsciente de la mujer moderna.

La muestra está exhibida en el Salón Oval del Museo de Arte Tigre (MAT), Paseo Victorica 972, Tigre, Provincia de Buenos Aires, hasta principios de julio, miércoles a viernes 9-19, sábado y domingo 12-19 horas.

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Gedenken an einen vergessenen Helden

Ausstellung “Carl Lutz y la Casa de Cristal” in Buenos Aires

Von Hannah Schultheiß


In diesem Jahr präsentiert sich die Schweiz stolz als Präsidentin der “Internacional Holocaust Rememberance Alliance” (IHRA). Die internationale Organisation hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Holocaust in Bildung und Forschung zu etablieren sowie in Erinnerung zu behalten.

1998 in Schweden gegründet, zählt die Organisation heute 31 Mitgliedsstaaten. Diese verpflichten sich durch ihre Mitgliedschaft zum Kampf gegen Genozid, Rassismus und Antisemitismus. Die Präsidentschaft der Organisation rotiert jährlich, das Land welche diese innehat, ist verantwortlich für die Organisation und generelle Aktivitäten.

Die Schweiz hat drei Schwerpunkte ihrer diesjährigen Präsidentschaft gesetzt: Bildung, Jugend und soziale Medien. In diesem Rahmen wird am kommenden Mittwoch, den 15. März, in Buenos Aires die Ausstellung “Carl Lutz y la Casa de Cristal” eröffnet. Doch wer war dieser Carl Lutz eigentlich?

Außergewöhnliches Engagement

Im zweiten Weltkrieg war Lutz Vizekonsul der Schweizer Botschaft in Budapest. Er arbeitete ein System des diplomatischen Schutzes aus und rettete so – gemeinsam mit seiner Frau und weiteren Helfern – tausenden Juden das Leben.

In schwierigen Verhandlungen mit den Nazis und der ungarischen Regierung schaffte er es, tausende Passierscheine zu bekommen und erleichterte so vielen Juden die Flucht aus dem Land. Außerdem errichtete er 76 sichere Häuser in Budapest und befreite Juden aus Konzentrationslagern.

1965 wurde Carl Lutz dafür mit dem Titel “Gerechter unter den Völkern” ausgezeichnet. Dieser israelische Ehrentitel wird an nichtjüdische Einzelpersonen verliehen, die unter nationalsozialistischer Herrschaft während des Zweiten Weltkriegs ihr Leben einsetzten, um Juden vor der Ermordung zu retten.

Insgesamt bewahrte Lutz so 62.000 Juden vor dem Tod, fast die Hälfte aller ungarischen Überlebenden. Über die Zeit geriet er in Vergessenheit, erst in den vergangenen Jahren rückte er dank seiner Adoptivtochter Agnes Hirschi wieder in das Licht der Öffentlichkeit.

Argentinien und die IHRA

Seit 2006 ist Argentinien, als einziges Land Lateinamerikas, Mitglied der IHRA. 250.000 Juden leben hier, und Buenos Aires ist die Stadt mit dem zweitgrößten jüdischen Anteil außerhalb Israels. Deshalb ist die Bedeutung, den Holocaust in die Bildung zu integieren, hierzulande sehr groß. Die neuen Generationen sollen früh lernen, die Warnzeichen zu erkennen und Antisemitismus schon im Keim zu ersticken.

Daher widmet sich auch die Juristische Fakultät der Universidad de Buenos Aires (UBA) gemeinsam mit dem Institut René Cassin aus Straßburg der Lehre der Menschenrechte – mit dem Hintergrund der Mitgliedschaft bei der IHRA und den Schwerpunkten Jugend und Bildung.

Die Ausstellung “Carl Lutz y la Casa de Cristal”

Die Ausstellungseröffnung findet am 15. März um 18 Uhr im “Salón Rojo” der Facultad de Derecho (Av. Figueroa Alcorta 2263) statt. Dabei werden unter anderem die Dekanin der Juristischen Fakultät, Mónica Pinto, der Schweizer Botschafter Hanspeter Mock und Agnes Hirschi, Lutz‘ Adoptivtochter, zu Wort kommen.

In der Halle “Pasos Perdidos” im Erdgeschoss der Rechtsfakultät ist “Carl Lutz y la Casa de Cristal” dann bis zum 29. März zu sehen. Der Eintritt ist frei.

Im Anschluss soll die Exposition als Wanderausstellung noch in anderen Orten Argentiniens gezeigt werden.

Foto:
Der Retter Carl Lutz war lange in Vergessenheit geraten.
(Schweizer Botschaft)

Künstlerblicke auf Land und Leute

Buenos Aires und die Pampa werden in den Werken von Benito Quinquela Martín, Xul Solar, Antonio Seguí und Florencio Molina Campos lebendig

Von Susanne Franz

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Hafenstimmung: “Atardecer rosado” (1969) von Benito Quinquela Martín.

Der Maler Benito Quinquela Martín war von dem Hafenviertel “La Boca” geprägt und prägte es selber mit. Alejandro Xul Solar hatte seinen Kopf in den Wolken, aber seine Füße fest auf dem Boden seiner Heimatstadt Buenos Aires. Antonio Seguí schaut ein bisschen böse, ein bisschen wehmütig auf sein Heimatland, das er schon vor über 40 Jahren verließ, um sich in Paris niederzulassen, und Florencio Molina Campos hat wie kein anderer meisterhaft das Leben der Gauchos in der Pampa und die unendliche Weite ihres Horizonts porträtiert.

Benito Quinquela Martín – der Maler von “La Boca”

Benito.jpgIm romantischen Hafenviertel von Buenos Aires “La Boca”, das Tag für Tag Hunderte von Touristen mit seinem bunten Sträßchen “Caminito”, Tangoschauen, Straßenkünstlern und seinen mit originellen Souvenirs und Kunstwerken bestückten Märkten verzaubert, begegnet man dem “Maler von La Boca”, Benito Quinquela Martín, auf Schritt und Tritt. Bis heute einer der populärsten Künstler Argentiniens, prägte Quinquela Martín (1890-1977) mit seinem Lebenswerk das Gesicht des beliebten Hafenviertels entscheidend mit – allenthalben sieht man in den Straßen von ihm gestaltete Keramiken und Wandgemälde; verkaufen Künstler von ihm inspirierte Gemälde, und nicht zuletzt befindet sich das von ihm gegründete “Museo Quinquela Martín” mitten im Herzen von “La Boca”. Hier kann man nicht nur die beeindruckenden Gemälde des Künstlers selbst bewundern, die er seinem Viertel als Geschenk überreichte, sondern auch eine Sammlung von Werken anderer Künstler der “Boca”, die auf Quinquelas ausdrücklichen Wunsch mit in das Museum aufgenommen wurden.

Vom Waisenkind zum populären Künstler und Philanthropen

Die Geschichte des Benito Quinquela Martín rührt ans Herz. Am 20. März 1890 wurde das von seinen Eltern verlassene Kind von Ordensschwestern gefunden, die ihn auf den Namen Juan Benito Martín tauften und sein Alter auf ungefähr 20 Tage einschätzten. In der von einer starken Einwanderung und hoher Arbeitslosigkeit geprägten Zeit wurden bis zu drei Kinder pro Tag in Buenos Aires ausgesetzt, die meisten verbrachten ihr Leben im Waisenhaus oder starben jung. Der kleine Juan Benito lebte 7 1/2 Jahre im Waisenhaus – die Ordensschwestern gaben die Kinder erst mit sechs Jahren, also im arbeitsfähigen Alter, zur Adoption frei – und wurde dann von dem kinderlosen Ehepaar Manuel Chinchella und Justina Molino adoptiert. Mit 14 Jahren begann er zu arbeiten und besuchte abends eine Kunstschule.

Schon bald kristallisierte sich sein großes Talent heraus und er verlegte sich ganz auf das Studium der Malerei. Zunächst malte er Porträts der Menschen seines Viertels, bis er begann, sich seinen berühmten Hafenszenen zu widmen. Im Alter von 29 Jahren änderte er seinen Namen in Benito Quinquela Martín um. Die Güte, die er von seinen Adoptiveltern empfangen hatte, mit denen er bis an ihr Lebensende zusammenlebte, zahlte er später vielfach zurück: Er gründete eine Schule, einen Kindergarten, ein Haus, in dem Ammen ausgesetzte oder arme Kinder stillten, eine Kunstschule für Kinder und ein zahnärztliches Institut für die Armen. Er selbst hatte sein Leben lang unter seinen schlechten Zähnen gelitten.

Aus dem Vertrauten neue Welten schaffen

Benito Quinquela Martíns Gemälde lassen das Leben und die Atmosphäre des Hafenviertels – das Universum, von dem er umgeben war – unmittelbar auferstehen: die emsige Betriebsamkeit der Hafenarbeiter beim Be- und Entladen der Schiffe, die Arbeit in den umliegenden Gießereien oder Kohlefabriken, die Schiffe vor Anker oder in der Werft, die Kräne, Fluss- oder Hafenlandschaften zu den verschiedensten Tages- oder Nachtzeiten. Voller Farbenfreude, mit kräftigem Pinselstrich oder energisch aufgetragenem Spachtel, fing Quinquela Martín die Nuancen des Lichts, des Himmels, des Wassers, des Nebels, der Bewegungen und Energien seines Universums ein. “Hier fiel mir alles leicht”, schrieb er über das Thema seiner Malerei, “die Atmosphäre und die Dinge hatten sich über Jahre hinweg auf meiner Netzhaut eingebrannt, es gab nichts, was mir nicht vertraut gewesen wäre, ich wusste, wie sich jeder kleinste Muskel beim Beladen oder Entladen bewegte; alles ging wie von selbst, weil ich die Strukturen kannte.”

Xul Solar – Mystiker mit Wurzeln im Tigre-Delta und Palermo

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Die Stadt als Symbol: “Ciudá y abismos” (1946) von Xul Solar.

Ein Universum für sich ist der argentinische Mystiker und Künstler Xul Solar. Sein Werk ist sicher das am schwersten zugängliche in der argentinischen Kunst, in seiner Komplexität und Rätselhaftigkeit am ehesten vergleichbar dem seines Freundes und weltberühmten Literaten Jorge Luis Borges. Dennoch findet man auch im Werk Xuls ständige Referenzen seiner Heimatstadt Buenos Aires, vor allem des malerischen Tigre-Deltas, wo er seine ersten Lebensjahre verbrachte und auch seine letzten – von 1956 bis zu seinem Tod im Jahre 1963. Xuls düstere, futuristische Berglandschaften mit endlosen Treppen und Leitern und in Kaminen verschwindenden Menschen, die er unter dem Eindruck des Zweiten Weltkriegs malte, entlehnte er dem riesigen Gefängnisbau “Penitenciaría Nacional” im Stadtteil Palermo, in dem sein Vater viele Jahre als Ingenieur arbeitete. Die gelben Mauern des Gefängnis-Kolosses, der 1963 abgerissen wurde, hat das Werk vieler Künstler und Literaten inspiriert – u.a. auch die Geschichten von Don Isidro Parodi, der Kriminalfälle von einer Zelle dieser Gefängnisanstalt aus löste, die Borges und Adolfo Bioy Casares unter dem Pseudonym H. Bustos Domecq schrieben.

Ein Intellektueller seiner Zeit

Xul2.jpgXul Solar wurde 1887 in Buenos Aires als Oscar Agustín Alejandro Schulz Solari geboren. Er war einziges Kind eines lettischen Vaters und einer italienischen Mutter. Ein Architekturstudium brach er nach zwei Jahren ab, und er lernte das Geigenspiel. Wie viele junge argentinische Intellektuelle der Zeit, verbrachte Xul Solar viele Studienjahre in Europa. Von 1912-1924 hielt er sich in London, Paris, Mailand und München auf. Abgesehen vom Studium der Kunstgeschichte und dem Kontakt zur europäischen Avantgarde begann Xul, sich mit dem Werk Rudolf Steiners und des englischen Esoterikers Aleister Crowley zu beschäftigen. So galt sein Interesse schon früh nicht allein der Kunst, sondern den Religionen, der Metaphysik, der Mythologie und der Astrologie. Xul schuf fast ausschließlich Aquarelle, aber seine Arbeiten waren weit über die rein künstlerische Betätigung hinaus immer Ausdruck seiner Suche nach einer allumfassenden Wahrheit, seines Drangs, Verbindungen und Netzwerke herzustellen zwischen Sprachen, Völkern, Religionen und Anschauungen. Der Künstler, der acht Sprachen beherrschte, beschäftigte sich auch Zeit seines Lebens damit, neue linguistische Systeme zu entwickeln. Für sein „neocriollo”, das das Spanische, Portugiesische und Elemente der Indianersprache Guaraní verbindet, schuf er sogar eine Grammatik; für seine „panlengua”, die eine universelle Weltsprache werden sollte, fehlte ihm die Zeit. Xul war zudem Erfinder, er entwickelte Spiele und schuf Musikinstrumente und Marionetten.

Im Werk von Xul Solar wird das Gefängnis von Palermo zu einem Symbol neben vielen anderen – seinen Fahnen, Schlangen, Buchstaben oder Bändern – und verwandelt sich in Berge, die Bienenstöcken gleichen, vergitterte Fenster oder Türme. Seine Visionen von einer neuen, modernen Stadt drückt er in Bildern von der Großstadt Buenos Aires aus, die immer erkennbar ist – am ehesten in den letzten, farbenfrohen, optimistischen Aquarellen seines Lieblingsorts – des Tigre-Deltas, wo er bis zum letzten Atemzug in seiner Werkstatt seiner künstlerischen Arbeit und metaphysischen Suche nachging.

Antonio Seguí – exzellenter Porträtist der Stadt

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Großstadtdschungel: “Paisaje urbano” (1998) von Antonio Seguí.

Jeder Künstler ist ein Sonderfall, aber Antonio Seguí, 1934 in Córdoba, Argentiniens zweitgrößter Stadt geboren und seit über 40 Jahren Bürger von Paris, ist ein Sonderfall der Sonderfälle. Wie gelingt es einem Künstler aus dem Landesinneren, wie kein zweiter das Großstadtleben der Hauptstadt zu porträtieren, wie kann ein so lange schon “im Exil” lebender Argentinier den argentinischen Großstadtmenschen auf so satirisch-liebevolle Weise darstellen, wie nur er es vermag? Man kann spekulieren, dass vielleicht gerade ein mit Seguís Sensibilität ausgestatteter “Außenstehender” dazu in der Lage ist, aber man muss auch der Tatsache Rechnung tragen, dass Seguís Kunst eine universelle ist – es ist “die Großstadt” an sich, die er malt, nicht unbedingt nur Buenos Aires (das Paris ohnehin sehr ähnelt), und “der Mensch” an sich, nicht unbedingt nur der “porteño” (Bewohner der Stadt Buenos Aires). Dennoch erkennt man in Seguís humorvoll-bösen, an Comics angelehnten Grafiken und Gemälden den aberwitzigen, hektischen Rhythmus der Stadt am Río de la Plata sofort, und die leicht verstaubte Ehrenhaftigkeit und Eitelkeit der “porteños”, deren fragile Identität Seguí als mit einem umso größeren Ego zugedeckt entlarvt.

Hassliebe und Ruhm

Antonio.jpgNur in der Großstadt Buenos Aires pulsiert das Leben des gigantischen Landes Argentinien, und dieses Leben ist ein gnadenloser, unerbittlicher Konkurrenzkampf. Antonio Seguí hat ihn am eigenen Leib erlebt, als er als junger Künstler, aus Córdoba kommend, in Buenos Aires sein Glück versuchte – wie so viele. Seitdem verbindet ihn eine Hassliebe mit dieser Stadt (die er im übrigen mit so manchem ihrer Bewohner teilt). Heute ist Antonio Seguí einer der erfolgreichsten argentinischen Künstler überhaupt. Im Mai 2005 hat ihm das renommierte “Centre Pompidou” in Paris eine umfassende Retrospektive gewidmet – die erste, die einem Argentinier zuteil geworden ist. Seiner Heimat Argentinien zeigte er seine Verbundenheit, als er dem Museum für Moderne Kunst von Buenos Aires im Jahr 2001 eine Sammlung von 300 Grafiken als Schenkung überreichte.

Florencio Molina Campos – Chronist der Pampa

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In vollem Galopp: Ein Werk von Florencio Molina Campos.

Der Künstler Florencio Molina Campos (1891-1959) hat mit seinen entzückenden, in den Bereich der Karikatur reichenden Darstellungen voller Liebe zum Detail und lichtdurchfluteter Energie wie kein zweiter das Leben auf dem Lande porträtiert, vor allem aber die Welt der Gauchos: ihre Reiterkunststücke, die Messerkämpfe oder das Truco-Spiel in der “Pulpería”, einem Treffpunkt, der Kneipe und Einkaufsladen zugleich war. Molina Campos’ Bilder schmückten seit 1931 über 15 Jahre lang die Kalender der Alpargatas-Schuhfabrik, mit denen er eine unvergleichliche Popularität erlangte – es waren 18 Millionen Exemplare von dieser “Pinakothek der Armen” im Umlauf, eine für die Epoche fast unvorstellbar hohe Zahl. Wenn man Glück hat, kann man auf dem berühmten Antik-Markt von San Telmo heute noch alte Alpargatas-Kalenderblätter mit den Abbildungen von Molina Campos erstehen. 1942 reiste Florencio Molina Campos in die USA, um mit Walt Disney einen auf seinen Zeichnungen basierenden Film zu produzieren. Im Museum Molina Campos kann man Fotos von Walt Disney und seinen Zeichnern in Argentinien bewundern, wohin sie extra reisten, um Florencio Molina Campos die Einladung zu überbringen.

Detailgetreuer Beobachter

molina2.jpgFlorencio Molina Campos verbrachte seine Kindheit zwischen Buenos Aires und den Ländereien seiner Eltern in der Provinz Buenos Aires und der Provinz Entre Ríos. In seinen Werken wird deutlich, welch unglaublich scharfer Beobachter er gewesen sein muss, denn jedes Detail in seinen Bildern ist bis ins letzte ausgearbeitet – die Kleidung der Gauchos, ihre Stiefel, ihre Waffen, das Zaumzeug der Pferde, Sättel, Steigbügel, usw. Das führt so weit, dass Molina Campos’ Werke bereits als historische Dokumente herangezogen werden. Das hervorstechendste Merkmal seiner Gemälde ist der tiefliegende Horizont, der nur etwa das untere Sechstel des Bildes ausmacht. Damit hat Molina Campos die unendlichen Himmel und die fast grenzenlos scheinende Weite der Pampa meisterhaft festgehalten. Dazu kommt seine Fähigkeit, Stimmungen zu schaffen – es ist vor allem die lebendige Dynamik seiner Werke, die diese so unverwechselbar macht.

Florencio Molina Campos malte ununterbrochen, weil er Spaß am Malen hatte, und wenn ihm das Material ausging, benutzte er sogar Ravioli-Kartons. Seine Bilder verkaufte er zu moderaten Preisen, es ging ihm nie darum, mit seiner Kunst reich zu werden. Zeit seines Lebens musste sich der Künstler den Vorwurf gefallen lassen, dass er Pferde im Galopp mit allen vier Hufen auf einmal in der Luft malte. Das sei unmöglich, wurde ihm gesagt. Er hielt dagegen, er male, was er sehe. Erst als die Technik etwas weiter vorangeschritten war, bekam Molina Campos recht: In der Zeitlupe im Film ist zu erkennen, dass zu einem bestimmten Zeitpunkt im Galopp das Pferd den Boden mit keinem seiner Hufe berührt.

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Ausstellungskalender vom 03/03/2017

Von Susanne Franz


Im Museo Nacional de Bellas Artes, dem Museum der Schönen Künste von Buenos Aires, wird am 7. März die Ausstellung “Xul Solar. Panactivista” eröffnet, als Gedenken an den 130. Jahrestag der Geburt des Künstlers.

Kuratiert von Cecilia Rabossi, verschafft die Schau einen Überblick über das Werk von Oscar Agustín Alejandro Schulz Solari (1887-1963), dessen Künstlername Xul Solar war, einem der führenden argentinischen Avantgardisten des 20. Jahrhunderts. Dabei wird Xul in all seinen Dimensionen gezeigt, als Künstler, Musiker, Astrologe und “Schreiberling”, wobei der mystische und utopische Gedanke, der all sein Schaffen durchzieht, analysiert wird.

“Xul Solar. Panactivista” umfasst über 160 Werke, darunter Aquarelle, Tempera-Malereien, Objekte, Masken, Handschriften, Illustrationen und persönliche Dokumente aus dem Besitz des Museo Nacional de Bellas Artes, der Stiftung “Fundación Pan Klub-Museo Xul Solar” und aus Privatsammlungen.

“Xul Solar. Panactivista” kann man im “Pabellón de Exposiciones Temporarias” des MNBA (Av. del Libertador 1473) vom 8. März bis zum 17. Juni 2017 bei freiem Eintritt besuchen, dienstag bis freitags von 11 bis 20 Uhr, sowie samstags und sonntags von 10 bis 20 Uhr. Ab dem 14. März werden Führungen durch die Ausstellung angeboten, dienstags bis sonntags um 16 Uhr, freitags und sonntags auch um 18 Uhr.

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Agenda de Muestras del 03/03/2017

Por Susanne Franz


En el Museo Nacional de Bellas Artes de Buenos Aires, se inaugurará el 7 de marzo la exposición “Xul Solar. Panactivista”, a 130 años del nacimiento del artista.

Curada por Cecilia Rabossi, la muestra recorre la obra de Oscar Agustín Alejandro Schulz Solari (1887-1963), uno de los protagonistas de la vanguardia argentina del siglo XX. La exposición presenta su figura en múltiples dimensiones —artista, músico, astrólogo y “escribidor”- y analiza el carácter místico y utópico que atraviesa toda su producción.

“Xul Solar. Panactivista” reúne más de 160 obras, entre acuarelas, témperas, objetos, máscaras, manuscritos, ilustraciones y documentos personales, pertenecientes al Museo Nacional de Bellas Artes, la Fundación Pan Klub-Museo Xul Solar y colecciones particulares.

“Xul Solar. Panactivista” podrá recorrerse en el “Pabellón de Exposiciones Temporarias” del MNBA (Av. del Libertador 1473) del 8 de marzo al 17 de junio de 2017, de martes a viernes, de 11 a 20 horas, y sábados y domingos, de 10 a 20 horas, con entrada libre y gratuita. Desde el 14 de marzo, habrá visitas guiadas a la muestra, de martes a domingos, a las 16 horas, y viernes y domingos, también a las 18 horas.

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90 Jahre Osvaldo Bayer

Menschenrechtsaktivist feiert Geburtstag

Von Marcus Christoph


Große Feier für Osvaldo Bayer: Zahlreiche Anhänger, Freunde und Familienangehörige des Schriftstellers und Journalisten hatten sich am Sonnabend auf der Plaza Alberti im Buenos Aires-Stadtteil Belgrano eingefunden, um mit dem Jubilar zusammen dessen 90. Geburtstag zu feiern. Mit Worten, Livemusik sowie einem Video würdigten die Teilnehmer den Menschenrechtsaktivisten und dessen Lebenswerk.

“Es ist ein sehr glücklicher Tag für mich”, brachte Bayer seine Freude über den Verlauf der Veranstaltung zum Ausdruck, die in unmittelbarer Nähe zu seinem Haus an der Straße “Arcos” stattfand. Treffen im Geiste von Solidarität und Freundschaft sollte es häufiger geben, meinte der Jubilar. Er machte sich in seiner Ansprache für eine progressive Politik stark, die den Grundsätzen von Freiheit und Gleichberechtigung verpflichtet sei.

Bayer, der am 18. Februar 1927 in Santa Fe zur Welt kam, entstammt einer Familie mit österreichischen Wurzeln. Er studierte Geschichte und Philosophie in Buenos Aires und Hamburg. Später arbeitete er lange Jahre als Journalist, unter anderem als politischer Redakteur der Zeitung “Clarín”.{

Breitere Bekanntheit erlangte er durch sein Buch “Patagonia Rebelde”, das den Aufstand patagonischer Landarbeiter um 1920 und dessen blutige Niederschlagung durch das Militär zum Thema hat. 1974 wurde das Werk durch Filmregisseur Héctor Olivera verfilmt. Zudem verfasste Bayer Biographien über die Anarchisten Severino Di Giovanni und Simón Radowitzky.

Als die Militärdiktatur begann, sah Bayer sich gezwungen, Argentinien zu verlassen. Mit Hilfe der bundesdeutschen Botschaft gelang es ihm, nach Deutschland auszureisen, wo er die kommenden Jahre im Exil verbrachte. Nach Ende der Diktatur kehrte er in sein Heimatland zurück, wo er sich wieder publizistisch betätigt. Sein besonderes Engagement gilt dabei den indigenen Bevölkerungsgruppen.

Das Programm der Geburtstagsfeier reflektierte das Schaffen des Jubilars: Das Quinteto Negro brachte Tangostücke mit Texten Bayers zu Gehör. Die Gruppe “Arbolito” mit einem Bayer gewidmeten Stück, der Charango-Spieler Jaime Torres und der Chor der Gedenkstätte Ex-ESMA vervollständigten den musikalischen Rahmen. Bayers Tochter Ana hatte zudem ein Video gestaltet, das die wichtigsten Stationen im Leben ihres Vaters Revue passieren ließ. Dabei waren auch Sequenzen von Bayers Exil in West-Berlin zu sehen. Für die Familie dankte Esteban Bayer, der dritte Sohn des Jubilars, den Anwesenden für die Ehrerweisungen, die seinem Vater zuteil wurden. Esteban Bayer, selbst Journalist, war aus Deutschland mit seiner Familie für die Feier angereist.

Bemerkenswert auch der Abschluss des Festes: Zahlreiche Teilnehmer begleiteten den Jubilar die gut 200 Meter bis zu dessen Haus, in das sich der 90-Jährige schließlich unter Jubel und Hochrufen zurückzog.


Fotos von oben nach unten:
Osvaldo Bayer (M.) bei seiner Geburtstagsfeier auf der Plaza Alberti.

Osvaldo Bayer auf dem Heimweg. Hinter ihm sein Sohn Esteban.
(Fotos: Marcus Christoph)

Adressen / Direcciones

A-Z von Galerien, Kulturzentren und Museen
A-Z de Galerías y Espacios de Arte, Centros Culturales y Museos

Als Service für unsere Leser veröffentlichen wir im folgenden eine Übersicht mit Adressen der Galerien, Kulturzentren und Museen, die in den Ausstellungskalendern von “Kunst in Argentinien” erschienen sind. Ein Anspruch auf Vollständigkeit wird nicht erhoben. Wer in die Liste aufgenommen werden möchte, kann die entsprechende Information an kia@magicaweb.com schicken.
Como servicio para nuestros lectores publicamos aquí una selección de direcciones de las Galerías y Espacios de Arte, Centros Culturales y Museos que aparecieron en las agendas de muestras de “Arte en Argentina”. Quien quiera figurar en la lista, puede mandar la información correspondiente a kia@magicaweb.com.

Foto:
Vom 25.2. bis 2.7. kann man im Museo de Arte Tigre (MAT) die Ausstellung “Sueños” (Träume) von Grete Stern (Deutschland, 1904 – Argentinien, 1999) besuchen, 36 Foto-Reproduktionen – eine Schenkung an das MAT – der ursprünglich 140 Fotomontagen umfassenden Serie, die Grete Stern zwischen 1948 und 1951 schuf, um die Kolumne “El psicoanálisis le ayudará” (Die Psychoanalyse wird Ihnen helfen) der Frauenzeitschrift “Idílio” zu illustrieren.
En el Museo de Arte Tigre (MAT), del 25 de febrero y hasta el 2 de julio, se puede visitar la muestra “Sueños” de Grete Stern (Alemania, 1904 – Argentina, 1999), 36 reproducciones fotográficas donadas al MAT de la serie de 140 fotomontajes que Stern concibió entre 1948 y 1951 para ilustrar la sección “El psicoanálisis le ayudará” en la revista Idílio.

A

  • Alberto Sendrós, Pasaje Tres Sargentos 359, Buenos Aires. Besuche nur nach Voranmeldung per Telefon oder E-Mail. Tel.: (54-11) 4312 0995/5915, info@albertosendros.com.
    Alberto Sendrós, Pasaje Tres Sargentos 359, Buenos Aires. Visitas deben ser solicitadas por teléfono o email con anticipación. Tel, (54-11) 4312 0995/5915, info@albertosendros.com.
  • Alejandra Perotti Galería de Arte, Freire 1101, Ecke Zabala, Colegiales, Buenos Aires. Mo-Fr 15-19.30 Uhr, Sa nach Verabredung, Tel.: (54-11) 4553-0923.
    Alejandra Perotti Galería de Arte, Freire 1101, esq. Zabala, Colegiales, Buenos Aires. Lun-Vie 15-19.30 hs, Sáb con cita previa, Tel. (54-11) 4553-0923.
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