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Ausstellungskalender vom 23/08/2014

Von Susanne Franz

arte_popular11Am 28. August wird in zwei Museen von Buenos Aires die Ausstellung “Grandes Maestros del Arte Popular de Iberoamérica” (Meister der Volkskunst Iberoamerikas) eröffnet, die ein breites Spektrum an Werken höchster Qualität und perfektester Handwerkskunst von 250 Künstlern aus 22 Ländern Iberoamerikas umfasst, im Ganzen etwa 1600 Kunstwerke.

Die Wanderausstellung wurde bereits in einigen Städtcn Spaniens und Lateinamerikas gezeigt und legt nun ihren Stopp in Buenos Aires ein, wo sie bis Januar 2015 im Museo de Arte Popular José Hernández und im Museo de Arte Hispanoamericano Isaac Fernández Blanco zu sehen sein wird.

Anhand verschiedener Zweige der Handwerkskunst entfaltet sich ein großer Reichtum an Materialien und Verarbeitungsmethoden. Die Sammlung zeichnet sich durch ihre kulturelle, ethnische, geografische und künstlerische Vielfalt aus.

Öffnungszeiten: dienstags bis freitags von 13-19 Uhr, samstags, sonntags und feiertags von 10-20 Uhr. Montags geschlossen. Mittwochs Eintritt frei, sonst 20 Pesos.

Die Ausstellungen der Woche:

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Agenda A-Z

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Agenda de Muestras del 23/08/2014

Por Susanne Franz

arte_popular11El 28 de agosto se inaugurará en dos museos de Buenos Aires la muestra “Grandes Maestros del Arte Popular de Iberoamérica” con un amplio espectro de obras de la más alta calidad estética y técnica que luego de presentarse en las principales ciudades españolas y latinoamericanas sigue su gira por Buenos Aires. Se podrá visitar hasta enero de 2015, en el Museo de Arte Popular José Hernández y en el Museo de Arte Hispanoamericano Isaac Fernández Blanco.

La muestra itinerante comprende una selección de piezas que se dividen en ramas de especialización artesanal y cuya riqueza radica en la amplia gama de especialidades y materiales utilizados. Se trata de una colección de gran diversidad cultural, étnica, geográfica y artística, que destaca los múltiples factores de encuentro entre las culturas que la integran y los grandes Maestros que las representan.

La muestra incluye piezas de 22 países que se traduce en aproximadamente 1600 piezas de 300 especialidades con un universo de más de 450 Grandes Maestros.

Horarios: martes a viernes de 13 a 19 horas, sábados, domingos y feriados de 10 a 20 horas. Lunes cerrado. Miércoles: entrada gratuita. Costo de la entrada: $20.

Las muestras de la semana:

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Morgen: Künstler-Gespräch im Espacio Kamm

Gesprächsrunde über Fotografie heute

Espacio Kamm_Mangani
Was Sie schon immer über Cyanotypie wissen wollten: Morgen, Samstag, den 23. August, ab 18 Uhr, können Sie dem argentinischen Künstler Marcos Mangani und dem Kurator Francisco Medail Fragen über Fotografie heute stellen.

Der Raum für zeitgenössische Kunst Espacio Kamm lädt in jeder Ausstellung zu einer “Conversatorio” genannten Gesprächsrunde ein. Dabei treten der Künstler und ein Kurator in einen Dialog mit dem Publikum. Die Veranstaltung wird moderiert von den Direktoren des Kunstraumes, Kirsten Mosel und Julián León Camargo.

Die Ausstellung “Exósfera” ist noch bis zum 29. August zu sehen: Mario Bravo 1136, Palermo, Buenos Aires, donnerstags und freitags 16-20 Uhr und nach Voranmeldung (Tel.: 011 15-6151-1704).

Foto:
“Exósfera” – Belichtung durch Cyanotypie von Marcos Mangani.

Lehreralltag

Ein Tag im Leben von Alejandro Fuentes

Viel wurde zuletzt berichtet über den Zustand der öffentlichen Schulen in Argentinien. Wenig Positives. Anfang des Schuljahres wurde landesweit wieder wochenlang gestreikt. Doch wie sieht er aus, der Alltag an diesen Schulen? Tobias Zwior hat für seine Reportage einen Lehrer in Mendoza einen Tag lang begleitet.

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Es klingelt. In einem beigen, länglichen Schulgebäude, das von Hektik und Kinderkreischen erfüllt ist, sollte es jetzt eigentlich still werden. Aber das wird es nicht. Am Ende des Flurs greift die Direktorin zum Mikrofon und versucht sich mit einem beherzten “Buenas Tardes” Gehör zu verschaffen. Denn die Schüler der Grundschule “Tomas Godoy Cruz” in Mendoza haben jetzt Nachmittagsunterricht. Mehr als ein beiläufiges Raunen als Antwort bekommt sie nicht. Überall wuseln Schüler in grauen mantelartigen Schuluniformen umher, die sie von weitem aussehen lassen wie eine Kreuzung aus Momos grauen Herren und Harry Potters Mitschülern. Eltern ziehen ihren Kindern den Rolltornister hinterher, Mädchen springen Seil und mehrere Lehrer versuchen ihre Klassen um sich herum zu versammeln.

Einer von ihnen ist Alejandro Fuentes. Der 43-Jährige unterrichtet heute Mathematik in einer sechsten Klasse. “Sind alle da?”, fragt er. Die Schülertraube vor ihm bejaht einstimmig. Ein Trugschluss, wie sich wenig später herausstellt. Denn im Klassenraum angekommen, ist an Unterricht nicht zu denken. Alle paar Minuten trudeln neue Schüler ein, einige mit rund 20 Minuten Verspätung. Der “Profe”, wie die Schüler Fuentes nennen, lässt sich davon nicht irritieren und erledigt am Pult etwas Papierkram. Er sieht gemütlich aus mit seinem im Gegensatz zu den Beinen kurz geratenen Oberkörper, dem wohlgenährten Bauch und dem leicht ergrauten Bart im Bernd-Stromberg-Stil. Auffällig sind die vertrauenerweckenden braunen Augen, die hinter seiner Brille hervorlugen.

Als ein weiteres Mädchen verspätet eintrudelt, muss Fuentes dann doch ein erstes Mal eingreifen: Es gibt keinen freien Stuhl mehr für sie und so überlässt er ihr seinen eigenen. 33 Schüler sitzen nun dicht an dicht in einem engen Raum. Er wirkt durch die Blumenmustergardinen vor den notdürftig geklebten Fensterscheiben und die rissige Schiefertafel wie aus der Zeit gefallen.

lehreralltag221In der Gegenwart will Alejandro mehrmals die Mathestunde beginnen, doch jeder Versuch verläuft durch eine neue Unterbrechung im Sande. Unter lautem Gejohle schafft er es schließlich nach rund einer halben Stunde, eine Textaufgabe an die Tafel zu schreiben. Langsam und gleichmäßig schwingt er die Kreide über das Holz, während hinter ihm Papierflieger durch den Raum segeln und Sticker getauscht werden. “Tolerance, Respect, Compromise” steht neben der Tafel auf einem kleinen Blatt. Diese Leitlinien werden kurz darauf auf die Probe gestellt: In Vierergruppen sollen die Schüler die Aufgabe lösen, doch die Gruppen müssen sie erst einmal bilden. Facundo will nicht mit Oriana zusammenarbeiten, Rocío nicht mit Augusto. Tische und Stühle werden auf engstem Raum gerückt, Stifte und Geodreiecke fallen zu Boden. Und dann klingelt es wieder. Pause.

Alejandro Fuentes sitzt im Lehrerzimmer und saugt am Strohhalm seines Matetees. “Bisschen laut in der Klasse, oder?”, sagt er grinsend. Seit 20 Jahren arbeitet er nun schon als Lehrer. Auf das kurz zuvor erlebte Chaos angesprochen erzählt er, dass diese Schule noch eine der besseren in der Region Mendoza sei. “An Argentiniens Schulen läuft es schlecht: Wir Lehrer werden mies bezahlt und viele haben daher zwei, drei Stellen gleichzeitig. Die Qualität der Lehre sinkt und darunter leiden die Schüler. Und, ja, es gibt an vielen Orten große Probleme mit der Disziplin der Schüler und deren Respekt vor den Lehrern.” Diese Probleme reichen soweit, dass es auch für Fuentes selbst schon mehrmals brenzlig wurde. Einmal musste er an einer früheren Schule den geladenen Revolver eines Zwölfjährigen einsacken, ein anderes Mal einen seiner Schüler ins Krankenhaus bringen. Ein Klassenkamerad hatte diesen zuvor mit einem Messer niedergestochen. “Vor allem in den Außenbezirken der größeren Städte geht es oft schlimm zu. Daher bin ich froh, dass ich jetzt im Zentrum arbeiten kann – das sind hier fast paradiesische Zustände”, sagt er.

Zurück im Klassenraum ist von dem Paradies nicht mehr viel zu erkennen. Die Schüler arbeiten an ihrer Aufgabe, viele lenken sich dabei jedoch immer wieder gegenseitig ab. Am Ende sind es vier oder fünf Schüler, die Fuentes‘ Fragen beantworten können und mit ihm gemeinsam das Ergebnis an der Tafel durchrechnen. Doch der Lehrer bleibt gelassen. Er hat Schlimmeres erlebt. “Lief doch ganz gut heute. Es bringt nichts, herumzuschreien. Die Schüler haben Respekt vor mir, weil auch ich sie respektvoll behandle”, sagt er. Dann klingelt es.

Fotos von oben nach unten:

Ruhe bitte: Alejandro Fuentes erklärt eine Rechenaufgabe.

Der Zeitplan der Schüler am Nachmittag.
(Fotos: Tobias Zwior)

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Ausstellungskalender vom 17/08/2014

Von Susanne Franz
cali
Vom 21. bis 27. August findet mit der Unterstützung des Goethe-Instituts Buenos Aires im “Arte Multiplex Belgrano” (Av. Cabildo 2829, Buenos Aires) eine Filmreihe mit Berlin-Filmen statt. Die Vorstellungen sind jeweils um 20.15 und um 22 Uhr. Der Vorverkauf beginnt am 19.8., 13-22 Uhr an der Theaterkasse. Der Eintritt kostet 35 Pesos und für Studenten 25 Pesos. Weitere Infos hier.

Programm: 21.8., 20.15 Uhr: “Los asesinos están entre nosotros” (Die Mörder sind unter uns, 1946) von Wolfgang Staudte; 22 Uhr: “Good bye Lenin” (2003) von Wolfgang Becker. 22.8., 20.15 Uhr: “La noche interminable” (Die endlose Nacht, 1962/63) von Will Tremper; 22 Uhr: “Las alas del deseo” (Der Himmel über Berlin, 1987) von Wim Wenders. 23.8., 20.15 Uhr: “Berlín Babylon” (Berlin Babylon, 1996) von Hubertus Siegert; 22 Uhr: “Los arquitectos” (Die Architekten, 1990) von Peter Kahane. 24.8., 20.15 Uhr: “El Muro” (Die Mauer, 1990) von Gerd Böttcher; 22 Uhr: “Sonnenallee” (1998/99) von Leander Haußmann. 25.8., 20.15 Uhr: “Berlin is in Germany” (2001) von Hannes Stöhr; 22 Uhr: “La vida está en obras” (Das Leben ist eine Baustelle, 1997) von Wolfgang Becker. 26.8., 20.15 Uhr: “Berlín – Esquina Schönhauser” (Berlin – Ecke Schönhauser, 1957) von Gerhard Klein; 22 Uhr: “Encuentros nocturnos” (Nachtgestalten, 1998) von Andreas Dresen. 27.8., 20.15 Uhr: “Esto no es California” (This ain’t California, 2011/12) von Martin Persiel; 22 Uhr: “La vida de los otros” (Das Leben der Anderen, 2006) von Florian Henckel von Donnersmarck. (Foto: Szene aus “This ain’t California”.)

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Agenda de Muestras del 17/08/2014

Por Susanne Franz

cali
Del 21 al 27 de agosto se llevará a cabo el ciclo “Berlín en el cine alemán” en el Cine Arte Multiplex (Av. Cabildo 2829, Buenos Aires). Hay dos funciones por día, a las 20.15 y 22 horas. Organiza, entre otros, el Goethe-Institut Buenos Aires. Las entradas para todo el ciclo se podrán adquirir en forma anticipada a partir del 19 de agosto en la boletería del Cine Arte Multiplex de 13 a 22 horas. El valor de la entrada a las proyecciones es de $35.-. Estudiantes $25.-. Más info aquí.

Programa: 21/8, 20.15 hs: “Los asesinos están entre nosotros” (Die Mörder sind unter uns, 1946) de Wolfgang Staudte; 22 hs: “Good bye Lenin” (2003) de Wolfgang Becker. 22/8, 20.15 hs: “La noche interminable” (Die endlose Nacht, 1962/63) de Will Tremper; 22 hs: “Las alas del deseo” (Der Himmel über Berlin, 1987) de Wim Wenders. 23/8, 20.15 hs: “Berlín Babylon” (Berlin Babylon, 1996) de Hubertus Siegert; 22 hs: “Los arquitectos” (Die Architekten, 1990) de Peter Kahane. 24/8, 20.15 hs: “El Muro” (Die Mauer, 1990) de Gerd Böttcher; 22 hs: “Sonnenallee” (1998/99) de Leander Haußmann. 25/8, 20.15 hs: “Berlin is in Germany” (2001) de Hannes Stöhr; 22 hs: “La vida está en obras” (Das Leben ist eine Baustelle, 1997) de Wolfgang Becker. 26/8, 20.15 hs: “Berlín – Esquina Schönhauser” (Berlin – Ecke Schönhauser, 1957) de Gerhard Klein; 22 hs: “Encuentros nocturnos” (Nachtgestalten, 1998) de Andreas Dresen. 27/8, 20.15 hs: “Esto no es California” (This ain’t California, 2011/12) de Martin Persiel; 22 hs: “La vida de los otros” (Das Leben der Anderen, 2006) de Florian Henckel von Donnersmarck. (Foto: Escena de “This ain’t California”.)

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Buenos Aires im Banne Barenboims

Freiluft-Konzert des Stardirigenten an der Alsina-Brücke & Autorenlesung in der Deutschen Botschaft

Von Marcus Christoph

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Orchestermusik einmal anders: Nicht im pompösen Festsaal, sondern unter freiem Himmel im eher proletarisch geprägten Buenos-Aires-Stadtteil Nueva Pompeya lud Stardirigent Daniel Barenboim am Sonntag zu einem Konzert. Rund 8000 Zuschauer waren an diesem frischen Wintermorgen gekommen, um nahe der Alsina-Brücke den Klängen des West Eastern Divan Orchestra zu lauschen.

Auf dem Programm standen Werke des französischen Komponisten Maurice Ravel wie “Rapsodie espagnole”, “Pavane pour une infante défunte” oder “Bolero”, die unter Barenboims Stabführung die Szenerie in ein Freiluft-Opernhaus verwandelten. Als Hommage an Buenos Aires, der Geburtsstadt Barenboims, intonierte das Orchester zudem den Tango “El Firulete” von Mariano Mores.

Während des Konzerts richtete Barenboim einige Worte an das Publikum, in denen er an seine Kindheit in Argentinien erinnerte: “Ich habe das Land als Neunjähriger verlassen, aber es gab mir etwas für immer mit auf den Weg: nämlich, dass kein Problem darin besteht, mehrere Identitäten zu haben.” Egal ob man hier von Herkunft her Pole, Jude, Syrer, Deutscher, Libanese oder Türke sei, sei man dadurch nicht weniger Argentinier. Barenboim hob zudem die Warmherzigkeit der Argentinier hervor.

Der Auftritt an der Alsina-Brücke fand im Rahmen des zehntägigen Barenboim-Festivals in Buenos Aires statt. Dabei gab es mehrere Konzerte im Teatro Colón, unter anderem mit der Starpianistin Martha Argerich, die wie Barenboim aus der argentinischen Hauptstadt stammt. In dem Opernhaus führte Barenboim am Sonntagabend auch einen offenen Dialog mit dem ehemaligen spanischen Ministerpräsidenten Felipe González, bei dem beide das friedliche Zusammenleben von Arabern und Juden in Lateinamerika als Hoffnungsschimmer für den Nahen Osten hervorhoben.

Im Zeichen der Verständigung steht auch das West Eastern Divan Orchestra, das aus jungen arabischen, israelischen und spanischen Musikern besteht. Es wurde von Barenboim und dem aus Palästina stammenden, mittlerweile verstorbenen Literaturwissenschaftler Edward Said 1999 gegründet, um ein Beispiel für friedliches Zusammenleben im Nahen Osten zu setzen. In Deutschland ist Barenboim vor allem als Generalmusikdirektor der Staatskapelle Berlin bekannt.

botschaftVor dem Hintergrund des Barenboim-Festivals ist auch die Autorenlesung zu sehen, zu der die Deutsche Botschaft vor wenigen Tagen einlud. Zu Gast war die argentinische Musikjournalistin Cecilia Scalisi, die aus ihrem Buch “En la edad de las promesas” vortrug. Dabei untersucht die Autorin die frühen Jahre der drei musikalischen Wunderkinder Daniel Barenboim, Martha Argerich und Bruno Gelber, die alle Anfang der Vierzigerjahre in Buenos Aires zur Welt kamen.

Das Buch handelt vom Emigrantenmilieu jener Jahre, wo die Musik als verbindendes Element wirkte und man sich zu “Tertulias” genannten Zusammenkünften künstlerischer Art traf. “Ich wollte die Kindheit von Daniel, Martha und Bruno beleuchten. Eine Zeit, als man noch nicht wusste, welch große Karrieren sie später einmal machen würden”, so die Autorin.

Zudem stellte Scalisi die von ihr gestaltete Kollektion “Piano Esencial” vor: Eine 20-teilige Ausgabe von Büchern und CDs mit Musik von Barenboim und Argerich, die ab sofort jeden zweiten Sonnabend im Zeitungskiosk erhältlich ist.

Fotos von oben nach unten:

Klassik unter freiem Himmel.

Autorin Cecilia Scalisi im Gespräch mit dem deutschen Botschafter Bernhard Graf von Waldersee.
(Fotos: Marcus Christoph)

Neue Wege statt Rekonstruktion

Podiumsgespräch über jüdisches Leben im heutigen Deutschland

Von Marcus Christoph

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Wie gestaltet sich jüdisches Leben im heutigen Deutschland? Wie gegenwärtig ist die Vergangenheit? Wie geht das Land mit der Geschichte von Krieg und Holocaust um? Fragen, um die es vor wenigen Tagen bei einem Diskussionsabend im Jüdischen Museum von Buenos Aires ging. Eingeladen waren drei jüdische Teilnehmer von Besucherreisen in Deutschland, die vom Auswärtigen Amt in Berlin organisiert wurden. Die Veranstaltung stellte zugleich den Schlusspunkt der Ausstellung “250 Jahre Jüdisches Krankenhaus Berlin” dar, die Anfang April im Beisein von Berlins Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit eröffnet worden war. Ehrengast des Podiumsgesprächs war der deutsche Botschafter Bernhard Graf von Waldersee.

Als erste Gesprächsteilnehmerin schilderte Ana Epelbaum de Weinstein, die Direktorin des Dokumentationszentrum “Marc Turkov”, ihre Reiseerlebnisse. Für die Tochter von Überlebenden des Holocausts war es der zweite Aufenthalt in Deutschland. Doch auch diesmal sei die Wirkung enorm gewesen, schildert sie. Auf dem Programm der Reisegruppe, die sich aus Juden und Nichtjuden aus 21 verschiedenen Ländern zusammensetzte, standen Berlin und Dresden, wo verschiedene Orte mit historischem Bezug aufgesucht wurden.

Beispielsweise die Neue Synagoge in Dresden, ein Neubau, der vor einigen Jahren an derselben Stelle entstand, wo am 9. November 1938 die alte Synagoge in den Flammen der Pogromnacht aufging. Zwischen diesem Geschehen und dem Bombardement Dresdens im Februar 1945, zwischen Judenverfolgung und Untergang Deutschlands, sieht Epelbaum de Weinstein einen Zusammenhang: “Die Feuer von 1938 haben die Feuer von 1945 provoziert.” Heute gehe es nicht so sehr um das Rekonstruieren von etwas Altem, sondern um das Entstehen eines ganz neuen jüdischen Lebens, fasst Epelbaum den Tenor der Gespräche mit Vertretern der jüdischen Gemeinde in der sächsischen Hauptstadt zusammen.

In Berlin hinterließen vor allem das Holocaust-Mahnmal nahe dem Brandenburger Tor sowie das Jüdische Museum in Kreuzberg großen Eindruck. Beide Orte, die erst im zurückliegenden Jahrzehnt entstanden, spiegelten den langen Weg zu einem Konzept wider, wie die deutsche Gesellschaft mit der Vergangenheit umgehen könne. Epelbaum de Weinstein erinnerte an den schwierigen Neuanfang nach dem Krieg. Nur wenige Tausend Juden hatten das Inferno des Holocausts in Deutschland überlebt. In den folgenden Jahrzehnten waren es vor allem aus der Sowjetunion stammende Juden, die die alten jüdischen Einrichtungen in Deutschland wiederbelebten.

Der bundesdeutsche Staat habe dabei viele Hilfestellungen gegeben, urteilt Epelbaum. In diesem Zusammenhang erwähnte sie auch die Gesetze gegen Antisemitismus, die es in dieser Form nur in Deutschland gebe. Heute seien das Land und besonders Berlin sehr kosmopolitisch. Wobei für die Bundesrepublik auch eine große Herausforderung darin bestehe, die zahlreichen muslimischen Einwanderer zu integrieren.

Dass es in Sachen Verständigung aber auch noch manches zu tun gibt, habe die Reisegruppe am Ende ihrer Reise erfahren, als der Konflikt im Gazastreifen eskalierte. Dies habe vielerorts zu einer Dämonisierung Israels und des Judentums geführt, schildert Epelbaum. Sie sprach von daher von “zwei Realitäten”: einerseits aufrichtiges Bemühen, aus der Vergangenheit zu lernen, andererseits aber auch Ressentiments.

Mit Julián Schvindlerman schilderte ein weiterer Reiseteilnehmer seine Eindrücke. Die Erinnerung an den Holocaust sei in Deutschland immer noch sehr präsent, meinte der Autor und Politikwissenschaftler. Zwar sei der damals entstandene Schaden nie wiedergutzumachen. Dennoch lobte er den Umgang des heutigen Deutschlands mit seiner Geschichte. Andere Länder stellten sich nicht in dieser Form ihrer Vergangenheit. Auch die gesetzliche Praxis, dass die Meinungsfreiheit dort ihre Grenzen habe, wo Antisemitismus beginne, hält Schvindlerman für richtig. “Da gibt es eine klare rote Linie, die nicht überschritten werden darf.”

Der Politikwissenschaftler beschrieb, wie sich im Laufe der Jahre sein eigenes Bild von Deutschland verbessert habe. Die erste Wahrnehmung waren Bilder vom Holocaust, die Schvindlerman im Grundschulalter sah. Es habe lange gedauert, ehe dieser schreckliche Eindruck durch eine differenziertere Betrachtungsweise ergänzt wurde. Als Leitmotiv für den Umgang mit der heutigen Generation von Deutschen nannte Schvindlerman den Ausspruch des Schriftstellers Elie Wiesel, dass die “Kinder der Nazis nicht Nazis, sondern Kinder” seien. Die nachfolgende Generation könne nicht für die Verfehlungen der Eltern haftbar gemacht werden.

Als beeindruckend hob Schvindlerman das Jüdische Museum in Berlin hervor. Dieses setze alleine schon durch seine auffällige Zickzack-Architektur ein Ausrufezeichen. In Bereichen wie dem “Holocaust-Turm” oder den Leerräume (Voids) bekomme der Besucher eine Ahnung davon, welche Angst und Verzweiflung die Opfer des Holocausts hätten durchleben müssen.

Bemerkenswert findet der Politikwissenschaftler auch die von dem Künstler Gunter Demnig initiierten “Stolpersteine”. Dabei handelt es sich um Gedenktafeln, die dort gelegt werden, wo NS-Opfer lebten. Mittlerweile gibt es europaweit 45.000 solcher Steine, was die Aktion zum weltweit größten “dezentralen Mahnmal” gemacht hat.

Berlin sei voll von Geschichte, aber auch von Kultur, fasst Schvindlerman seine Eindrücke von der deutschen Hauptstadt zusammen. Unter dem Strich ist er zuversichtlich, dass die Anstrengungen der Deutschen in Sachen Aussöhnung nachhaltig sind: “Ich glaube nicht, dass das eine Blase ist.”

Liliana Olmeda de Flugelman, die Kuratorin des Jüdischen Museums in Buenos Aires, war im Rahmen einer weiteren Besucherreise in Deutschland, die sich speziell an Ausstellungsgestalter in jüdischen Museen richtete. Auch hier standen Aufenthalte in Berlin und Dresden auf dem Programm. Die deutsche Hauptstadt nahm Olmeda als eine “Metropole in Bewegung” wahr, in der viel Neues entstehe, in der es aber auch viele historische Narben gebe.

Die Kuratorin ging in ihrem Reisebericht vor allem auf den architektonischen Umgang mit der Geschichte ein. Dieser reiche von der detailgetreuen Rekonstruktion wie bei der Dresdner Frauenkirche bis hin zur kompletten Neugestaltung wie im Falle der Neuen Synagoge in der sächsischen Hauptstadt. Dazwischen gebe es Mischformen zwischen Alt und Neu wie beim Jüdischen Museum oder der teilweisen Rekonstruktion wie die der Neuen Synagoge in Berlin, bei der die Außenfassade wiederherstellt wurde. Olmeda lobte das Holocaust-Mahnmal, dem es gelinge, eine Vorstellung vom Ausmaß der Tragödie zu vermitteln.

Anerkennende Worte hatte die Kuratorin auch für die Staatspolitik der Bundesrepublik übrig, die dazu beitrage, dass die Vergangenheit nicht dem Vergessen anheim falle. Eine große Herausforderung für das heutige Deutschland sieht Olmeda darin, das Zusammenleben der verschiedenen Kulturen zu meistern.

Botschafter Bernhard Graf von Waldersee erläuterte auf Nachfrage aus dem Publikum die Diskussion um die rituelle Beschneidung von Jungen, die Deutschland 2012 intensiv beschäftigte. Vorausgegangen war ein Urteil des Landgerichts Köln, das in der Beschneidung aus rein religiösen Gründen eine strafbare Körperverletzung sah. Juden und Muslime empörten sich daraufhin gleichermaßen. Der Bundestag sah sich zum Handeln veranlasst und beschloss ein Gesetz, das religiöse Beschneidungen erlaubt, sofern sie “nach den Regeln der ärztlichen Kunst” durchgeführt werden. “Ein klares Bekenntnis zum jüdischen Glauben in Deutschland”, bewertete von Waldersee den Beschluss des Bundestags.

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(v.l.n.r.) Julián Schvindlerman, Ana Epelbaum de Weinstein, Liliana Olmeda de Flugelman, Museumsdirektor Dr. Simón Moguilevsky und Botschafter Bernhard Graf von Waldersee.
(Foto: Marcus Christoph)

Die Aussagekraft der fehlenden Information

Schriftsteller Ariel Magnus bei einer Lesung im Goethe-Institut

Von Tobias Zwior

magnus
Die bewegende Geschichte einer Großmutter und ihres Enkels stand vergangenen Donnerstag in der Bibliothek des Goethe-Instituts auf dem Programm. Ariel Magnus, erfolgreicher Schriftsteller aus Buenos Aires und jener Enkel, las dort einige Passagen aus seinem Buch “Zwei lange Unterhosen der Marke Hering”. Rund 60 Zuhörer waren erschienen und beteiligten sich nachher auch lebhaft an einer offenen Diskussion mit dem Autor.

Moderiert wurde die Veranstaltung von Carla Imbrogno (Goethe-Institut) und Silvie Rundel (Die Zeit). Magnus‘ Buch war im Jahr 2006 ursprünglich unter dem Titel “La Abuela” auf Spanisch erschienen und liegt seit 2012 in der deutschen Übersetzung vor. Im Sommer 2001 hatte Magnus, damals noch als Journalist in Deutschland tätig, seine jüdische Großmutter in Porto Alegre besucht.

Während dieses Besuchs ließ er sich von ihr ihre Lebensgeschichte erzählen. In einer unnachahmlich chaotischen und zugleich liebenswerten Mischung aus Deutsch und Portugiesisch sprach sie über ihre Zeit als Jüdin in Deutschland während des Nazi-Regimes, ihre freiwillige Deportation in die KZs von Theresienstadt und Auschwitz sowie ihre erfolgreiche Flucht aus letzterem. “Ich hatte während dieses Interviews noch gar nicht vor, daraus ein Buch zu machen, sondern ich wollte eigentlich nur die Geschichte meiner Großmutter bewahren. Ich war schließlich der Journalist in der Familie”, erinnerte sich Magnus während der Lesung.

Als ihn seine Großmutter dann aber 2004 zehn Tage lang in Deutschland besucht hatte und er mit ihr gemeinsam nach Berlin, Weimar und Buchenwald gereist war, entschied er sich doch dafür, ein Buch zu schreiben. “Auch viele meiner deutschen Freunde hatten gesehen, welch beeindruckende Persönlichkeit meine Großmutter war, und rieten mir dazu”, sagte er. Und so entstand aus dem Interview 2001, seinen Aufzeichnungen der Erlebnisse 2004 und einiger Tagebuch-Notizen seiner Großmutter das Buch “La Abuela”.

Wichtig war es Magnus zu betonen, dass es sich nicht um ein weiteres Werk der Holocaust-Verarbeitung handelt: “Dokumentationen über Auschwitz haben mich nie interessiert”, sagte er. “Die Geschichte meiner Großmutter jedoch schon. Daher ist es kein Buch über eine Auschwitz-Überlebende geworden, sondern über meine Großmutter als Person.”

Die verschiedenen Quellen, Quellarten (Ton und Schrift) und Sprachen machen Magnus‘ Buch zu einem unlinearen und sprunghaften Leseerlebnis, was aber seinen Reiz ausmacht: “Es fehlt viel Information, aber das ist nicht schlimm. Manchmal ist das, was man nicht sagt, stärker als das, was man sagt”, stellte er fest.

Was den Abend im Goethe-Institut besonders machte, war, dass Magnus die unlineare Schreibweise seines Buches auf die Lesung übertrug. So las er gemeinsam mit Andrea Belafi einen Dialog mit seiner Großmutter auf Deutsch vor, spielte Original-Tonbandaufnahmen der alten Dame ab und gab außerdem auf Spanisch Auszüge aus seinen Aufzeichnungen über die Deutschland-Reise 2004 wieder. Auch die Zuhörer, die das Buch nicht gelesen hatten, bekamen so eine gute Vorstellung davon.

Vor allem Magnus‘ Großmutter selbst machte Eindruck auf das Publikum: “Ich habe jetzt das Gefühl, diese Person zu kennen, und bin traurig darüber, dass ich sie in der Realität nie kennengelernt habe”, sagte Moderatorin Silvie Rundel. Im Anschluss hatten die Zuhörer noch die Gelegenheit, Magnus Fragen zu stellen, die er ausführlich beantwortete.

Auf die Verkaufszahlen der deutschen Ausgabe des Buches im Vergleich zu seinem Bestseller “Ein Chinese auf dem Fahrrad” angesprochen, sagte er nur schmunzelnd: “Anscheinend interessieren sich die Deutschen mehr für Chinesen in Buenos Aires als für Holocaust-Überlebende in Brasilien.”

Am Ende ließ Magnus noch durchblicken, dass er sich vorstellen könne, noch weitere Familiengeschichten in Buchform zu verarbeiten: “Mich interessiert zum Beispiel sehr das Schicksal meines Großvaters väterlicherseits, ein nach Argentinien ausgewanderter Bibliothekar.” Da er diesen jedoch nie persönlich kennenlernt habe, könnte das eine langwierige Recherche werden.

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Ariel Magnus (Mitte) im Gespräch mit Silvie Rundel (Die Zeit) und Carla Imbrogno vom Goethe-Institut (v.l.).
(Foto: Tobias Zwior)

Elsa Agras gestorben

Die Theaterregisseurin und Choreografin wurde 90 Jahre alt

Von Susanne Franz

elsa_agrasAm 9. August ist in Buenos Aires die als klassische Tänzerin und Clown ausgebildete Theaterregisseurin und Choreografin Elsa Agras gestorben. Sie wurde 90 Jahre alt. Einen Tag vor ihrem Tod hatte sie noch mit der im Jahr 2000 von ihr gegründeten Theatergruppe “Ballet 40/90″ das neue Stück “Te lo bailo de taquito” im Teatro Empire uraufgeführt, bis kurz vorher hatte sie das Stück mit ihrer Truppe einstudiert.

Mit der Gruppe, in der auch ältere Frauen tanzen und Theater spielen, studierte Agras jedes Jahr ein neues Stück ein und führte dieses mit großem Erfolg von August bis Dezember zumeist in kleineren Vorstadt-Theatern auf. Die bewundernswerte kleine Dame mit dem schlohweißen Haar hielt bei den Proben eiserne Disziplin, bis jeder Schritt, jede Bewegung, jeder Gesichtsausdruck perfekt stimmte. Auf Elsa Agras und ihre Tanzgruppe wurde auch der Dokumentarfilmer Darío Doria aufmerksam: Ende 2011 erschien sein Film “Elsa y su ballet”.

(Foto: Mariano Ureta)

Abwesenheit des Subjekts

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Bilder von August Sander und Michael Somoroff im Centro Cultural Recoleta

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Im Rahmen des 25. Fotografie-Festivals Encuentros Abiertos – Festival de la Luz 2014 wird heute abend (12. August) um 18 Uhr im Saal 4 des Centro Cultural Recoleta (Junín 1930, Buenos Aires) die Ausstellung “Abwesenheit des Subjekts” eröffnet.

Die Serie “Abwesenheit des Subjekts” des US-amerikanischen Fotografen Michael Somoroff ist eine bewegende Hommage an das monumentale Werk “Menschen des 20. Jahrhunderts” des legendären deutschen Fotografen August Sander. Mit Hilfe digitaler Techniken entfernt Somoroff gerade das aus dem Bild, was man immer für ein wesentliches Element des Porträts gehalten hatte: das Subjekt. Die von Diana Edkins und Julian Sander kuratierte und von der Agentur Admira (Mailand) in Zusammenarbeit mit FEROZ Galerie (Bonn) und dem Goethe-Institut organisierte Ausstellung steht unter der Schirmherrschaft der Deutschen Botschaft.

Michael Somoroff lernte das Werk Sanders (1876-1964) im Jahr 2003 im New Yorker MoMA kennen. Sanders Originalwerk, von dem Teile in dieser Ausstellung zu sehen sein werden, besteht aus einer umfangreichen Serie mit äußerster Sorgfalt zusammengestellter Porträts, die Auskunft über die hierarchische Struktur der deutschen Gesellschaft geben. Dabei treten die Porträtierten nicht vorrangig als Individuen in Erscheinung, sie sind vielmehr Repräsentanten einer visuellen Typologie, die alle Beschäftigungen, Berufe und Klassen einschließt.

“Abwesenheit des Subjekts” eröffnet eine neue Sicht auf Sanders Werk: Die Serie erkundet die Mehrdeutigkeit der Begriffe Realität und Wahrheit in der Fotografie. Somoroff hat in jedem einzelnen der von ihm ausgewählten 40 Fotos die abgelichteten Personen gelöscht, so dass einzig der Bildhintergrund erhalten blieb. Er nimmt dem Foto also gerade das vermeintlich Wesentliche, das Subjekt. So wird der Bildhintergrund zum Hauptmotiv.

Die von Somoroff geschaffenen neuen Bilder lassen die Überzeugungskraft und die ästhetischen Qualitäten hervortreten, welche Sanders Werk selbst dann noch auszeichnen, wenn jenes durch das Subjekt gegebene Hauptelement fehlt. Es ist eine ungewohnte Art der Fotografie, in der Zufall und Akzeptanz zusammenfließen. Es sind Arbeiten, die den Betrachter in eine Poetik des Schweigens einhüllen und dazu anregen, über sich selbst als Subjekt nachzudenken.

August Sander gilt als der bedeutendste deutsche Porträtfotograf der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Sein erstes Buch, “Antlitz der Zeit”, war eine umstrittene Publikation zum kollektiven Porträt der deutschen Gesellschaft. Der Band erschien 1929 und wurde später durch die Arbeit “Menschen des 20. Jahrhunderts” erweitert, welcher der Fotograf sein ganzes Leben widmete. “Antlitz der Zeit” enthielt eine Auswahl von 60 Porträts, die einen repräsentativen Querschnitt durch die Gesellschaft der Weimarer Republik zeigen wollte. Sanders Ziel war ein fotografischer Essay, der alle Beschäftigungen, Berufe und Klassen einschließen sollte, welche die Gesellschaftsstruktur des Landes in den Jahren nach dem ersten Weltkrieg bildeten. Es gelang ihm, einen typologischen Katalog zusammenzustellen, in denen auf über 600 Fotografien “Typen” von Deutschen erfasst wurden.

Alle Abgelichteten erscheinen in formalen Körperhaltungen, als Identifikationsmerkmal dienten Bildunterschriften mit knappen Angaben zum sozialen Status. Sander wollte ein universales Porträt der menschlichen Gattung schaffen, eine monumentale Dokumentation von Personen-”Typen”, die ein besseres Verständnis der Veränderungen in Aspekten wie Klasse, Rasse, Beruf, ethnischer Zugehörigkeit und anderen Identitätskonstruktionen ermöglichen sollte.

Michael Somoroff, Sohn des bekannten Fotografen Ben Somoroff, wurde 1957 in New York geboren. Er studierte Kunst und Fotografie in der New School for Social Research und lernte auch dadurch, dass er seinem Vater im Studio, bei Außenaufnahmen und in der Dunkelkammer half. 1978, im Alter von 21 Jahren, eröffnete er sein eigenes Studio und begann für angesehene Zeitschriften in den USA und Europa zu arbeiten.

Im Oktober 1979 fand im New Yorker International Center for Photography die erste Ausstellung des Künstlers statt, persönlich betreut durch Cornell Capa, der die Karriere des jungen Somoroff förderte. 1980 ging er nach Europa, wo er in London, Paris, Mailand und Hamburg arbeitete. Unter seinen wichtigsten Mentoren waren die Fotografen Gyula Halász (bekannter unter seinem Pseudonym Brassaï), Andreas Feininger, Louis Faurer und Andre Kertész.

Seit seiner Rückkehr nach New York Ende der achtziger Jahre widmet sich Michael Somoroff ganz den Recherchen zu seinen Projekten und seiner künstlerischen Produktion. Außerdem hält er Vorträge und beteiligt sich in Zusammenarbeit mit kulturellen Institutionen an der Schaffung vom Programmen, die sich der Kunst als eines Instruments bedienen sollen, das dazu beiträgt, die Verständigung zwischen den Menschen und den Gemeinschaften, in denen sie leben, zu verbessern. Somoroff ist in vielen bedeutenden Kunstsammlungen vertreten, unter anderem im Museum of Modern Art (New York), im Museum of Fine Arts (Houston/Texas) und in der Smithsonian Institution (Washington, D.C.).

Die Ausstellung kann bis zum 21. September 2014 dienstags bis freitags von 13 bis 20 Uhr; samstags, sonntags und an Feiertagen von 11 bis 20 Uhr besucht werden. Der Eintritt ist frei.

Ausencia de sujeto: una nueva definición del retrato fotográfico

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Imágenes de August Sander y Michael Somoroff en el Centro Cultural Recoleta

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En el marco del Festival de Fotografía Encuentros Abiertos – Festival de la Luz 2014 se podrá visitar la muestra “Ausencia de sujeto” en la Sala 4 del Centro Cultural Recoleta (Junín 1930, Buenos Aires). Estará entre el 12 de agosto y el 21 de septiembre de 2014, de lunes a viernes de 13 a 20 horas y sábados, domingos y feriados de 11 a 20 horas, con entrada libre.

La serie ”Ausencia de sujeto” del fotógrafo estadounidense Michael Somoroff es un conmovedor homenaje a ”People of the 20th Century”, el monumental trabajo del legendario fotógrafo alemán August Sander. Somoroff se vale de la manipulación digital para sacar de la foto lo que siempre se creía que era un elemento esencial del retrato: el sujeto.

Curada por Diana Edkins y Julian Sander, y organizada por Admira (Milán) en colaboración con FEROZ Galerie (Bonn) y el Goethe-Institut, la muestra cuenta con el auspicio de la Embajada de Alemania.

Somoroff pudo ver a Sander (1876-1964) en 2003 en el MoMA neoyorquino. La obra original de Sander –parte de la cual también se incluye en esta exhibición– se compone de una larga serie de retratos meticulosamente compuestos que hablan del orden jerárquico de la sociedad alemana presentando a los sujetos no tanto como individuos sino de acuerdo a un catálogo tipológico que incluye todas las ocupaciones, profesiones, clases.

“Ausencia de sujeto” permite revisionar la obra de Sander explorando la ambigüedad de las nociones de realidad y verdad en la fotografía. Con ayuda de la tecnología digital, en cada una de las cuarenta fotografías que seleccionó, Somoroff borró a los sujetos dejando únicamente el fondo de la imagen. Borró de la foto lo que siempre se creía que era un elemento esencial del retrato: el sujeto. El fondo de la imagen se vuelve así el motivo principal.

Las nuevas imágenes creadas por Somoroff enfatizan el poder persuasivo y las cualidades estéticas presentes en la obra de Sander aun cuando falta el elemento principal dado por el sujeto. Es un tipo de fotografía al que no estamos acostumbrados y en la que confluyen la casualidad y la aprobación. Estos trabajos sumergen al espectador en una poética del silencio, llevándolo a reflexionar sobre sí mismo como sujeto.

August Sander es considerado el más importante fotógrafo retratista alemán de comienzos del siglo XX. El primer libro de Sander, ”Rostro de nuestro tiempo”, fue una controvertida publicación sobre el retrato colectivo de la sociedad alemana que se publicó en 1929 para ser ampliada más tarde con el trabajo al que el fotógrafo dedicó toda su vida: ”Menschen des 20. Jahrhunderts” (People of the 20th Century). ”Rostro de nuestro tiempo” contenía una selección de sesenta retratos y pretendía mostrar un perfil representativo de la sociedad durante la República de Weimar.

Sander intentó crear un ensayo fotográfico que incluyera todas las ocupaciones, profesiones y clases que formaban la estructura social del país en los años posteriores a la Primera Guerra Mundial. Llegó a crear un catálogo tipológico de alemanes de más de seiscientas fotografías. Se colocaba a los sujetos en una postura formal y se los identificaba solo por un pie de foto que especificaba sus referencias sociales. Sander quería crear un retrato universal del género humano, una documentación monumental de “tipos” de personas que permitiera una mejor comprensión de los cambios en aspectos como clase, raza, profesión, etnia y otras construcciones de identidad.

Michael Somoroff, hijo del eminente fotógrafo Ben Somoroff, nació en Nueva York en 1957. Estudió Arte y Fotografía en la New School for Social Research y también aprendió ayudando a su padre en el interior de su estudio, en el exterior y en la cámara oscura. En 1978, a los 21 años, abrió su propio estudio y poco después empezó a trabajar para prestigiosas revistas en Estados Unidos y Europa. En octubre de 1979 tuvo lugar la primera exposición del artista en el Centro Internacional de Fotografía de la ciudad de Nueva York, bajo la supervisión personal de Cornell Capa, quien lanzó la carrera del joven Somoroff. En 1980 se trasladó a Europa y trabajó en Londres, París, Milán y Hamburgo. Entre sus mentores más importantes se cuentan el fotógrafo Gyula Halász (más conocido como Brassaï), Andreas Feininger, Louis Faurer y Andre Kertész.

Desde que regresó a Nueva York a finales de los 80, Michael Somoroff se ha dedicado en profundidad a la investigación y a su producción artística. Además, imparte charlas y colabora con instituciones culturales de todo tipo para crear programas que utilicen el arte como una herramienta para mejorar la comunicación entre las personas y las comunidades. Somoroff está presente en muchas e importantes colecciones de arte repartidas por todo el mundo, entre otras la del Museo de Arte Moderno de Nueva York, la del Museo de Bellas Artes de Houston (Texas) y la Smithsonian Institution de Washington.