Kunst in Argentinien / Arte en Argentina

Allgemein / General

Von der „Welle“ zur „Roten Zora“

30/08/2008

Spannendes Programm auf dem 8. Deutschen Kinofestival von Buenos Aires

Von Susanne Franz

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Das Festival wird mit dem Erfolgsfilm „Die Welle“ eröffnet.

Von Donnerstag, den 11., bis Mittwoch, den 17. September, findet im Kinokomplex Village Recoleta (Junín/Vicente López) zum achten Mal das Deutsche Kinofestival statt. Die Organisatoren von German Films bringen in diesem Jahr eine Auswahl von 12 Langspielfilmen nach Buenos Aires, die einen guten Überblick über die jüngste Produktion deutschen Filmschaffens ermöglichen. Wie immer ist auch das Programm „Next Generation“ mit dabei, eine Zusammenstellung von Kurzfilmen der vielversprechendsten jungen Filmemacher-Talente Deutschlands. Etabliert hat sich zudem die Sondervorstellung eines Stummfilmklassikers mit Live-Musik: Vom Goethe-Institut Buenos Aires unterstützt, wird im Rahmen des 8. Deutschen Filmfestivals frisch restauriert und koloriert „Hamlet“ von 1920/21 mit Asta Nielsen als weiblichem Hamlet (Regie: Sven Gade und Heinz Schall) zu sehen sein. Der 111-Minuten-Film wird live vom „Cuarteto Seronoser“ - Eliana Liuni, Demian Luaces, Juan Manuel Costa und Marcelo Katz - begleitet.

Eröffnet wird das Festival mit dem Erfolgsfilm „Die Welle“ (2008) von Regisseur Dennis Gansel, der mit der Schauspielerin Jennifer Ulrich, die im Film die rebellische Karo spielt, nach Buenos Aires reisen wird. Der Streifen basiert auf einem realen Fall an einer kalifornischen Schule 1967, der Romanstoff wurde und bereits mehrfach verfilmt worden ist. Fast eine ganze Schulklasse schließt sich begeistert dem totalitären Experiment von Lehrer Wenger (Jürgen Vogel) an. Dieser kann die Eigendynamik der Bewegung später nicht mehr bremsen; es kommt zur Katastrophe. „Die Welle“ weckte in Deutschland großes Interesse, nach 10 Wochen hatten bereits mehr als 2,3 Millionen Kinobesucher den Film gesehen.

Zu den Highlights des Kinofestivals zählt auch „Auf der anderen Seite“, der neue Film von Regiestar Fatih Akin, der die Geschichte von sechs verschiedenen Menschen zwischen Deutschland und der Türkei erzählt, deren Wege sich kreuzen; „Kirschblüten - Hanami“ von Doris Dörrie, ein zu Herzen gehendes Drama über Leben, Liebe und Tod mit Elmar Wepper und Hannelore Elsner; die Komödie „Stellungswechsel“ von Maggie Peren über fünf Verlierertypen, die einen Begleitservice für Frauen gründen; und „Beautiful Bitch“ von Martin Theo Krieger, ein Großstadtabenteuer für Jugendliche über die gefährliche Freundschaft zwischen der Taschendiebin Bica, genannt Bitch, und der verwöhnten Göre Milka.

Den bekannten deutschen Schauspieler Moritz Bleibtreu kann man im packenden Gangsterfilm „Chiko“ von Özgür Yildirim sehen, der im Hamburger Drogenmilieu spielt; in „Am Ende kommen Touristen“ von Robert Thalheim wird berichtet, was im heutigen Auschwitz vor sich geht. Der spannende Thriller “Trade - Willkommen in Amerika“ von Marco Kreuzpaintner erzählt von moderner Sklaverei, Menschenhandel und Prostitution. Der Film „Nichts als Gespenster“ von Regisseur Martin Gypkens besteht aus fünf Episoden, die in jeweils verschiedenen Ländern spielen. „Rose“ von Alain Gsponer berichtet von einer alleinerziehenden Mutter und den Problemen, die sich ihr stellen, als ihr Ex wieder auftaucht.

Der diesjährige Film für Groß und Klein, der wie immer am Samstag und Sonntag des Festivalwochenendes gezeigt wird, ist ein besonderer Leckerbissen: „Die rote Zora“ von Regisseur Peter Kahane nach dem 1941 erschienenen gleichnamigen Kinderbuch von Kurt Held verspricht spannende Unterhaltung. Der Dokumentarfilm „Am Limit“ von Pepe Danquart zeigt schließlich das adrenalingeladene Leben zweier Alpinisten.

In diesem Jahr kostet die Eintrittskarte pro Einzelfilm 17 Pesos, mittwochs 15 Pesos. Ein Abo über fünf Filme kann man für 75 Pesos erwerben; eines für 10 Filme (nur im Vorverkauf) für 140 Pesos. Die Sondervorstellung „Hamlet“ kostet 20 Pesos.

Es sind noch zwei weitere Gäste aus Deutschland zugegen: Martin Gypkens stellt seinen Film „Nichts als Gespenster“ persönlich vor; und Lothar Herzog präsentiert seinen Kurzfilm „Yuppi Cars“ im Rahmen des Programms „Next Generation“.

Eine Neuheit gibt es bei diesem 8. Deutschen Filmfestival auch: Das Publikum ist zum ersten Mal aufgerufen, seinen Lieblingsfilm zu küren. Unter den teilnehmenden Kinogästen werden zahlreiche Preise verlost.

Infos zum Programm und alle Einzelheiten sind in Kürze auf der Webseite des Festivals zu finden.

Erschienen im “Argentinischen Tageblatt” vom 30.08.08.

Kunstraub: 15 Berni-Werke gestohlen

29/07/2008

„Unwiederbringlicher Verlust“

Von Barbara Neumann

„Ein Verlust für die Kultur unseres Landes“, nannte José Antonio Berni den Raub von 15 Werken seines Vaters, des argentinischen Künstlers Antonio Berni. Vergangenen Samstag stahlen drei Männer die Kunstwerke im Gesamtwert von drei Millionen Dollar. Unter ihnen befinden sich beispielsweise zwei der bekanntesten Arbeiten des Künstlers, „Juanito y los cosmonautas“ und „El carnaval de Juanito“.

Die entwendeten Bilder hatten sich in einem Lager in Munro befunden, von wo aus sie am frühen Samstagmorgen nach Almagro transportiert werden sollten. Um 7.30 Uhr verließen drei Angestellte im Lieferwagen mit 17 Berni-Werken das Lager. Kurze Zeit später wurden sie von einem grauen Volkswagen Gol gestoppt und von zwei Männern in Polizeiuniformen mit Waffen bedroht. 15 Kunstwerke luden die Täter in den eigenen Wagen um. Alle 17 Leinwände passten nicht in das Fahrzeug, weshalb sie die zwei größten Bilder, „El obrero muerto“ (2,54 x 1,95 m) sowie „La Difunta Correa“ (3 x 2,01 m) zurückließen.

Künstlersohn und Besitzer der Sammlung José Antonio Berni ist geschockt vom Verlust der Werke und fürchtet ihre Beschädigung. „Denn sie sind unwiederbringlich“, sagte er.

Bilder von großen Freunden

26/07/2008

Fotoband Sameer Makarius vorgestellt

Von Susanne Franz

Viele alte Freunde und Wegbegleiter wie der berühmte Maler Luis Felipe Noé waren mit von der Partie, als am Dienstagabend im Museo Isaac Fernández Blanco der Fotoband Sameer Makarius vorgestellt wurde - ein Projekt, das gut 30 Jahre in der Schublade lag, bis es als Produktion von Raquel Arévalo, Marina Pellegrini und Gabriel Werthein nun verwirklicht werden konnte.

Der 200-Seiten-Band, der in einer Auflage von 1000 Stück erschienen ist, enthält 69 Porträts von argentinischen Künstlern, die der heute 85-jährige Sameer Makarius zwischen 1957 und 1967 aufgenommen hat - jeweils in den Ateliers der Künstler, bei Tageslicht. Zu einigen Porträts sind von den Persönlichkeiten selbst verfasste Kurzbiografien abgedruckt, die Sameer Makarius damals von seinen Kollegen erbeten hatte.

Erschienen ist der Fotoband im Verlag der Galerie Vasari, die bereits Bücher über Alfredo Prior und Juan José Cambre im Sortiment hat. Erhältlich ist er im Buchladen des Museo Fernández Blanco (Suipacha 1422).

Erschienen im “Argentinischen Tageblatt” vom 26.07.08.

Mehr als nur Abwechslung

19/07/2008

Winterferienprogramm im Malba

Von Susanne Franz

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Von Samstag, dem 26. Juli, bis Sonntag, den 10. August, bietet das Museo de Arte Latinoamericano de Buenos Aires (Malba - Fundación Costantini, Av. Figueroa Alcorta 3415) wieder ein interessantes Winterferienprogramm. Die uruguayische Musik- und Theatergruppe „Cantacuentos“ gibt allein vier Vorstellungen ihrer neuen Show „Pura maravilla“. Die preisgekrönte Truppe, die bereits vier CDs herausgegeben hat, überzeugt mit Schwung und Humor und einer Menge technischer Extras (30.7., 31.7., 1.8. und 2.8. jeweils 16 Uhr; Eintritt 16 Pesos; Vorverkauf ab 21.7.).

In den Ferien wird auch das beliebte interaktive Programm „Familias en Malba“ angeboten, das sich am besten für Kinder zwischen 4 und 10 Jahren eignet, die von enem Erwachsenen begleitet werden sollen. Spielerisch wird den Kindern und ihren Familien anhand ausgewählter Werke der Sammlung Kunst näher gebracht, und abschließend können sie im Rahmen eines Workshops ihrer eigenen Kreativität Ausdruck verleihen (27.7., 31.7., 3.8., 7.8. und 10.8., 17 und 17.30 Uhr; Eintritt 7 Pesos).

Im Kinoworkshop „¡Hacete la película!“ für 6- bis 10-Jährige, die von einem Erwachsenen begleitet werden, können die Kinder die Kinoschatzkammer des Malba kennenlernen und mit einfachen Mitteln selbst Kino machen (28.7., 4.8. und 6.8. um 17 Uhr; Eintritt 7 Pesos).

Für den Kinozyklus „Grandes películas para chicos“, der vom 7. bis 10.8. läuft, hat die Museumsabteilung malba.cine wieder unvergessliche Filmklassiker für Groß und Klein herausgesucht.

Und zuletzt lockt noch die Design-Ausstellung „Muñecos de autor“ (Handgemachte Puppen) im schönen Museumsladen, die am 29.7. um 16 Uhr mit der Gratis-Show „El pingüinazo“ (Puppen- und Objekttheater) eröffnet wird. Die ausgestellten Puppen wurden von den Künstlern und Designern Corina Mascotti, Verónica Romano, Juana Neumann, Claudio Maroni und Silvia Troian entworfen, ausgesucht hat sie die Kuratorin Mariana Bandin.

Erschienen im “Argentinischen Tageblatt” vom 19.07.08.

“arteba08” mit Besucherrekord

7/06/2008

17. Kunstmesse “arteBA” mit positiver Bilanz

Von Susanne Franz

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Im Rahmen von “arteba08” wurde den drei Maestros Enio Iommi, Clorindo Testa und Gyula Kosice dank Banco Galicia eine wunderbare Hommage-Ausstellung gewidmet.

Am Montag, dem 2. Juni, ist die Kunstmesse “arteBA08” mit einem neuen Besucherrekord zu Ende gegangen: 120.000 Menschen besuchten an den vier Messetagen die beiden Pavillons in der “Rural”, wo dieses Jahr 81 Galerien aus dem In- und (hauptsächlich lateinamerikanischen) Ausland sowie 20 aufstrebende Galerien im Barrio Joven, dem Jungen Viertel, eine exquisite Auswahl an Kunstwerken zeigten.

Überrascht war man von dem hohen Anteil an sehr jungem Publikum in den 20ern oder 30ern, darunter auch zahlreiche Punks, die sicher nicht zuletzt vom britischen Ehrengast Malcolm McLaren, dem legendären Produzenten der Sex Pistols, angezogen worden waren.

Cool, hip und lässig war diese 17. Ausgabe von arteBA für diese jungen Menschen, die ohne mit der Wimper zu zucken den recht hohen Eintrittspreis von 20 Pesos zahlten. Eine andere, zahlenmäßig vielleicht zu stark vertretene, Besuchergruppe waren Familien mit kleinen Kindern, die den Kunstwerken schon mal gefährlich nahe kamen oder gar in gestrecktem Galopp auf Skulpturen wie die von Nico Sara bei Elsi del Río zurannten und sie umarmten - ein zwar verständliches, doch äußerst respektloses Verhalten.

Viele Galeristen waren vergleichsweise weniger zufrieden mit den Verkaufszahlen als in den vergangenen Jahren. Es gebe zwar ungeheuer viel Interesse, aber “das Scheckbuch zücken die meisten Leute nicht”, hörte man in Gesprächen mit den Marchands, die viel Geld und Arbeit in ihre Messeauftritte stecken.

Ist arteBA also zu einer reinen Besuchermesse geworden? Sicher nicht, denn die Besucher dieses Jahres werden die Käufer der nächsten Jahre sein. Ein weiterer wichtiger Aspekt sind die neuen Kontakte und Netzwerke, die entstanden sind - ob zwischen Europa bzw. den USA und Lateinamerika, der Bundeshauptstadt und dem Landesinneren oder der internationalen intellektuellen Kritiker-Elite und den argentinischen Kritikern und Kulturmanagern - und dem argentinischen Publikum. Für viele argentinische Künstler ergibt sich darüber hinaus durch arteBA die Möglichkeit, im Ausland auszustellen und bekannt zu werden.

arteBA ist in jeder Hinsicht eine lohnende Investition, auch wenn sich das manchmal nicht direkt auszahlt, was natürlich besonders zur Zeit eher eine bittere Pille ist.

Erschienen im “ArgentinischenTageblatt” vom 07.06.08.

Bekenntnis zum Zeitgenössischen

10/05/2008

17. Kunstmesse “arteBA08” vom 29. Mai bis 2. Juni

Von Susanne Franz

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“arteBA08” bietet besondere Qualität - wie dieses Werk von José Luis Anzizar (Galerie Elsi del Río).

Große Worte und pompöse Gesten sind nicht mehr nötig, um die bedeutendste Kunstmesse Argentiniens und Lateinamerikas anzukündigen: Am Dienstag wurde die 17. “arteBA08” im “Museo de Arte Latinoamericano de Buenos Aires” (Malba) als eine Messe präsentiert, die von Menschen gemacht wurde und wird. Der Präsident des Veranstalters “Fundación arteBA”, Facundo Gómez Minujín, zeigte als ersten der kurzen Videoclips, mit denen er seine Ansprache würzte, Fotos von all denen, die in den vergangenen Jahren die Messe vorwärtsgebracht und geprägt haben. Das Gemurmel auf der Pressekonferenz war groß, man erkannte sich gegenseitig und kommentierte wehmütig Bilder von bereits verstorbenen Persönlichkeiten aus der Kunstszene Argentiniens.

Nach dieser so richtig ans Herz gehenden Einstimmung betonte Gómez Minujín mit berechtigtem Stolz, dass die Messe - “eine Erfolgsgeschichte all dieser Menschen” - von der Konex-Stiftung soeben als eine der besten Kultureinrichtungen der letzten Dekade nominiert worden sei, bevor er gewohnt präzise die Neuerungen und Verbesserungen der diesjährigen Messe bekanntgab.

“arteBA08” findet vom 29. Mai bis 2. Juni im Blauen und Grünen Pavillon des Messegeländes La Rural (Av. Sarmiento 2704) statt und ist täglich von 13-22 Uhr geöffnet. Der Eintrittspreis beträgt in diesem Jahr 20 Pesos, für Rentner und Studenten mit entsprechendem Ausweis 10 Pesos; unter 12-jährige Kinder haben freien Zugang zur Messe.

50 Galerien aus Argentinien präsentieren ihre Künstler, neun kommen aus Brasilien, fünf aus Chile und weitere 17 aus Costa Rica, der Dominikanischen Republik, Frankreich, Kolumbien, Peru, Spanien, Uruguay, den USA und Venezuela. Im ‚Barrio Joven‘, dem Jungen Viertel, zeigen 20 aufstrebende Galerien die neuesten Tendenzen. Als Zeichen für einen Paradigmenwechsel hin zu einem klareren Bekenntnis von “arteBA” zur zeitgenössischen Kunst ist es in diesem Zusammenhang bemerkenswert, dass in diesem Jahr die Avantgarde-Galerie “Appetite”, deren rührige Direktorin Daniela Luna inzwischen auch in New York eine Zweigstelle gegründet hat, aus dem Barrio Joven in den Reigen der etablierten Galerien aufgestiegen ist.

Im von Eva Grinstein kuratierten und von Gustavo Vázquez Ocampo gestalteten Bereich “Open Space” zeigen 12 internationale Künstler Werke wie Installationen oder großformatige Skulpturen, die aus dem üblichen Ausstellungsrahmen herausfallen, darunter Alberto Bastón Díaz (Galerie Maman), Ernesto Ballesteros (Ruth Benzacar) und Luis Benedit (Wussmann).

Die Abteilung Videokunst, “Caja Negra/Cubo Blanco” wurde von Fabiana Barreda und Tobías Ostrander kuratiert und legt besonderes Gewicht auf ausländische Videokünstler. In insgesamt 9 “Cajas” (Boxen) zeigen 16 Künstler bzw. Künstlergruppen ihre Werke.

Banco Galicia sponsort auch in diesem Jahr wieder eine besondere Hommage herausragender argentinischer Künstler: Enio Iommi (1926), Gyula Kosice (1924) und Clorindo Testa (1923) werden im Eingangsbereich der Messe gesonderte Ausstellungs-Flächen gewidmet. Dem Messebesucher wird mit von der Kuratorin Ana Martínez Quijano ausgearbeitetem Informationsmaterial der Zugang zum Werk und zum Lebensweg der drei Meister erleichtert.

Ein weiterer Höhepunkt der Messe wird mit Sicherheit die Ausstellung des diesjährigen fünften arteBA-Petrobras-Preises sein. Der Kunstkritiker Fabián Lebenglik wählte hochinteressante Projekte der acht jungen Künstler Martín Bonadeo, Vicente Grondona, Mauro Guzmán, Carlos Huffman, Rosalba Mirabella, Marisa Rubio. Paula Senderowicz und Leandro Yadanza aus. Zwei davon werden auf der Messe noch einmal gesondert ausgezeichnet: mit einem mit 30.000 Pesos dotierten 1. Preis und einem 10.000 Pesos schweren 2. Preis.

“arteBA08” hat auch einen schrillen Ehrengast: Der Brite Malcolm McLaren, Künstler und Musikproduzent, wird kurz vor seinem Besuch auf der Art Basel nach Buenos Aires reisen. Schon ein wenig in die Jahre gekommen, begründete McLaren seinen Ruhm als Produzent der legendären Punkband Sex Pistols und als Designer an der Seite von Vivienne Westwood.

Ein wie immer interessantes Rahmenprogramm im Auditorium der Messe rückt zwei hochkarätige Persönlichkeiten der internationalen Kunstszene ins Rampenlicht: den Mexikaner Cuauhtémoc Medina (Tate Modern, London) und die Spanierin Rosa Olivares (Herausgeberin der Zeitschrift EXIT), die einige der Rundtischgespräche koordinieren und sicher für Gesprächs- und Debattierstoff sorgen werden.

Die Messe, so Facundo Gómez Minujín, sei sich eben ihrer Verantwortung als Multiplikator bewusst, als Informationsquelle und Kommunikationsplattform. Doch im Vordergrund steht selbstverständlich das Geschäft, für das die Verkaufsmesse “arteBA” schon im Vorfeld viele Wege ebnet: sei es durch Abkommen mit Sponsoren wie Zurich, American Express oder Chandon, die den Kauf von Kunstwerken für Museen oder andere Kultureinrichtungen ermöglichen, sei es durch ein Netzwerk für Sammler und Käufer aus dem Ausland, denen auch viele Kulturangebote und Schönheiten der Stadt Buenos Aires und Argentiniens geboten werden (Infos über das “VIP Program 08” unter der E-Mail-Adresse vip-program08@arteba.org).

Über alle Einzelheiten kann man sich auf der Webseite der Messe informieren.

Führungen per Kopfhörer
“arteBA08” zeigt sich besonders besucherfreundlich: Zum ersten Mal gibt es Führungen per Kopfhörer, sogenannte “Audioguías”. Man kann sogar unter verschiedenen Rundgängen auswählen.

Erschienen im “Argentinischen Tageblatt” vom 10.05.08.

Faena-Preise 2008

17/04/2008

Argentinier bei F-Preisen leer ausgegangen

Von Susanne Franz

Der mit 100.000 bzw. 50.000 Pesos höchstdotierte Kunstpreis Argentiniens, der Faena-Preis 2008, ist verliehen worden. Das schreibt Marjan Grothuis im Buenos Aires Herald vom Sonntag. Ausgeschrieben war der Preis erstmals für Künstler aus ganz Lateinamerika.

Eine hochkarätige Jury (Jessica Morgan, Carlos Basualdo und Okwui Enwezor) wählte aus 350 eingereichten Projekten den Kubaner Wilfredo Prieto (geb. 1978) zum Träger des Hauptpreises. Prieto schlug die Intervention “Opio” (Opium) vor, die den Maschinenraum des riesigen ehemaligen Getreidespeichers “Los Molinos”, der jetzt zum Faena Art District gehört, im März 2009 verändern wird.

Den zweiten Preis erhielt das auch in Argentinien sehr bekannte uruguayische Allroundtalent Martín Sastre (geb. 1976) für sein Projekt “¿Qué pretende Ud. de mi?” (Was wollen Sie von mir?, ein legendäres Zitat der argentinischen Filmdiva Isabel “Coca” Sarli). Erleben kann man Sastres Arbeit im Mai 2009.

Kunst für alle

29/03/2008

Neues Erziehungs- und Besuchsprogramm im Malba

Von Christina Liebl

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Der Kunst näher kommen: Ein Besucher betastet die Nachbildung des Gemäldes „Juanito schlafend“ von Antonio Berni.
(Foto: inal)

Mit seinem neuen Angebot für Besucher allen Alters und für Menschen mit unterschiedlichen Bedürfnissen will das Museo de Arte Latinoamericano de Buenos Aires (Malba) Kunst für alle zugänglich machen. Das Museum bietet dazu regelmäßig kostenlose Führungen durch die Dauerausstellung an, die sich jeweils an ein spezielles Publikum richten. Für 2008 bietet das Malba unter anderem Führungen für blinde, taube oder geistig behinderte Menschen sowie für Senioren und Kinder an.

Eleonora Cardoso, die Koordinatorin des Erziehungsprogramms und der kulturellen Aktivitäten des Malba betont, dass ein Museum, um lebendig zu sein, ein vielfältiger und dynamischer Ort sein muss, der sich an den Interessen und Bedürfnissen seiner Besucher orientiert. Deswegen unterscheiden sich je nach Zielgruppe die Auswahl der Kunstwerke und die Herangehensweise.

Führungen für Senioren beziehen diesem Motto gemäß stark die Erfahrungen der Betrachter mit ein. Dafür bieten sich gerade Gemälde mit historischem oder traditionellem Hintergrund an, wie etwa das „Johannesfest“ von Cándido Portinari. Durch Erinnerungen und Geschichten der Besucher nähert sich die Gruppe dem Bildinhalt an. Wie wurde das Fest in Buenos Aires begangen? Sind Ähnlichkeiten auf dem Gemälde des brasilianischen Künstlers zu sehen? Der Museumsbesuch soll also interaktiv zum Gespräch und zum Erfahrungsaustausch unter den Betrachtern anregen und so einen aktiven Zugang zum Bild schaffen.

Bei einem kindlichen Publikum steht die Fantasie und die Kreativität im Mittelpunkt. Beispielsweise Antonio Bernis Skulptur „Ramonas Albtraum“ bietet dafür reichlich Platz: Zu sehen ist ein buntes Krokodil, aus dessen Rachen Frauenbeine ragen. Mit Fragen werden die Kleinen dazu angeregt, dem Kunstwerk eine eigene Geschichte zu geben, und sich zu überlegen, was denn hinter dem Dargestellten stecken könnte. Außerdem sollen sich die Kinder nicht nur durch Anschauen mit dem Kunstwerk befassen können. Da das direkt am Gemälde oder an der Skulptur nicht möglich ist, hat sich das für die Führungen verantwortliche Team etwas anderes einfallen lassen: In Kästen, die nur an den Längsseiten eine Öffnung haben, befinden sich verschiedene Gegenstände, die ertastet werden und verschiedenen Objekten am Körper des Krokodils zugeordnet werden können. Auf diese Weise werden die Kinder spielerisch zur Kunst hingeführt.

Eine dritte Zielgruppe sind Menschen mit Behinderungen. Für hörgeschädigte Personen gibt es Führungen in Zeichensprache und für geistig behinderte Menschen ein ihren Bedürfnissen angepasster Rundgang. Blinden Menschen, denen sonst die direkte Erfahrung eines Kunstwerks nicht möglich ist, bietet das Malba nun eine neue Möglichkeit. Die Führung besteht nicht mehr nur aus der mündlichen Beschreibung der Werke, sondern das Museum hat von einigen Werken ungefähre Nachbildungen erstellen lassen, die angefasst werden können und den Sehbehinderten einen Eindruck von Form und Textur der Malerei, Collage oder Skulptur vermitteln.

Ein jedes dieser verschiedenen Konzepte überzeugt durch die methodisch durchdachte Gestaltung, welche auf Erfahrungswerten des Führungspersonals beruht. Allen Menschen unabhängig von Alter und Fähigkeiten Kunst nahezubringen und für einen Museumsgang zu begeistern, ist auf jeden Fall ein lohnendes Ziel, dem das Malba mit seinem neuen Programm näher kommt.

Erschienen im “Argentinischen Tageblatt” vom 29.03.08.

5. arteBA-Petrobras-Preis

20/03/2008

Die ausgewählten Projekte wurden bekanntgegeben

Von Susanne Franz

Die bedeutendste Messe Zeitgenössischer Kunst Argentiniens arteBA steht vor der Tür: Vom 29. Mai bis 2. Juni wird die 17. arteBA’08 im Messegelände La Rural stattfinden. Mit ihrem brasilianischen Hauptsponsor Petrobras schreibt die Messe seit 2004 den Kunstpreis arteBA-Petrobras aus, der in diesem Jahr vom Kunstkritiker und Kulturmanager Fabián Lebenglik geleitet wird. Die Preise sind schon lange zu einem der Hauptanziehungspunkte der Messe geworden, deshalb erwartete man bereits mit Spannung, welche Künstler und Kunstprojekte wohl in diesem Jahr ausgewählt würden. Nun gab die Stiftung arteBA, der Organisator der Messe, die acht Auserwählten des 5. “Premio arteBA-Petrobras“ bekannt: Es sind Martín Bonadeo (1975, Buenos Aires), Vicente Grondona (1977, Buenos Aires), Mauro Guzmán (1977, Rosario, Santa Fe), Carlos Huffman (1980, Buenos Aires), Rosalba Mirabella (1975, Tucumán), Marisa Rubio (1976, Buenos Aires). Paula Senderowicz (1973, Buenos Aires) und Leandro Yadanza (1975, Rosario, Santa Fe).

Die Projekte dieser jungen Kunstschaffenden werden mit 7000 Pesos unterstützt und von Lebenglik und anderen Experten betreut, ehe sie auf der Messe ausgestellt werden. Dort wählt eine unabhängige Jury unter den Werken zwei Preisträger aus (1. Preis 30.000 Pesos, 2. Preis 10.000 Pesos). Informationen zur Messe findet man auf der Webseite der Messe.

Erscheint im “Argentinischen Tageblatt” vom 22.03.08.

Der Beste unter den Besten

9/02/2008

Bestes Pressefoto des Jahres 2007 stammt von Tim Hetherington

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Die internationale Jury des World Press Photo-Wettbewerbs erklärte die Aufnahme, die der britische Fotograf Tim Hetherington am 16. September 2007 im Korengal-Tal in Afghanistan für Variety machte, zum besten Pressefoto des vergangenen Jahres.

Das Bild eines erschöpften US-Soldaten in Afghanistan des britischen Fotografen Tim Hetherington ist das beste Pressefoto des vergangenen Jahres. Das teilte die Jury des 51. jährlichen World Press Photo-Wettbewerbs am 8. Februar in Amsterdam mit.

Das Foto zeigt, wie der Soldat müde am “Restrepo”-Bunker im Korengal-Tal lehnt, der den Namen eines Soldaten seiner Truppe trägt, der vor kurzem von Aufständischen erschossen worden ist.

“Das Bild zeigt die Erschöpfung eines Mannes - und die Erschöpfung einer Nation”, sagte der Jury-Vorsitzende Gary Knight.

Der Preis ist mit 10.000 Euro dotiert. 5019 Fotografen aus 125 Ländern hatten sich an dem Wettbewerb beteiligt, 12,5 % mehr als im letzten Jahr. Insgesamt wurden 80.536 Fotos eingesandt. Die Jury vergab Preise in 10 Kategorien an 59 Fotografen aus 23 Ländern, darunter auch Deutschland und die Schweiz. Als einziges lateinamerikanisches Land ist Kolumbien unter den Preisträgern.

Die Auszeichnung wird am 27. April in Amsterdam übergeben.

Infos auf der World Press Photo-Webseite.

Der alte Mann und die Kunst

1/02/2008

Künstler Raúl Lozza gestorben

Von Susanne Franz

Raul2.jpg“Kunst, die nur nachahmt und keine Veränderungsprozesse auslöst, darf sich nicht Kunst nennen”, schrieb der argentinische Künstler Raúl Lozza im Jahr 1947 in seinem “Manifiesto Perceptista”. Der großartige und doch immer bescheidene Denker, Lehrmeister und Mitbegründer der Gruppe “Arte Concreto-Invención” der 1940er-Jahre , der dann in Theorie und Praxis seine eigene abstrakte Kunstrichtung, den “perceptismo” (etwa: auf Wahrnehmung basierende Kunst) entwickelte, starb am Sonntag, dem 27. Januar, im Alter von 96 Jahren in Buenos Aires. Der Linksintellektuelle und Utopist sah sein dichtes geometrisches Werk nie losgelöst von gesellschaftlichen Abläufen, sondern als Denkanstoß und Motor für Veränderungen und Verbesserungen an. Sehr am Herzen lag ihm der Kontakt mit Schülern und jungen Künstlern, den er vor einigen Jahren jedoch aufgeben musste. Lozza hatte zuvor immer wieder in Vorlesungen und Hunderten von Artikeln sein künstlerisches Konzept dargelegt. Er war darüber hinaus auch noch im hohen Alter in mehreren Bürgerrechtsbewegungen aktiv gewesen.