Mit Musik gegen den Wahnsinn

Tomás Lipgots Film “Moacir” erzählt die Geschichte eines ganz besonderen Protagonisten

Von Laura Wagener

Moacir Dos Santos ist der Held des nach ihm benannten Films “Moacir” von Tomás Lipgot. Derjenige, der das argentinische Kino mit Interesse verfolgt, wird nicht lange brauchen, bis er den charismatischen Brasilianer mit dem breiten Lächeln auf den Kinoplakaten wiedererkennt, denn bereits im letzten Jahr erschien Moacir auf den Kinoleinwänden.

Lipgots letzter Film “Fortalezas” porträtierte verschiedene Personen, die auf verschiedenste Weisen in verschlossenen Institutionen um ihre Identität und Integrität kämpfen. Den Brasilianer Moacir lernte er auf der Suche nach Charakteren im psychiatrischen Krankenhaus Borda kennen, in dem dieser bereits seit mehr als einem Jahrzehnt interniert war.

Moacir Dos Santos war ursprünglich auf der Flucht vor Armut, psychologischen Problemen, dem Tod seiner Mutter und auf der Suche nach einer Musikkarriere, gelockt vom Tango, nach Argentinien gekommen. Wie Lipgot erzählt, hatte Moacir in Brasilien bereits erste musikalische Erfolge erzielt. Sein Metier seien Karnevalsmusik und Samba seiner Kindheit, also etwa der 50er Jahre, vor dem Boom des Bossanova. 1984 bestand sein erster Behördengang in Buenos Aires dann darin, die 12 von ihm geschriebenen Lieder in der Sociedad Argentina de Autores y Compositores de Música (SADAIC) registrieren zu lassen.

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Aus der Stille

“Las acacias” von Pablo Giorgelli

Von Anna Weber

Musik darf im Film niemals die Bilder stützen, sondern muss für sich alleine wirken, schrieb einst Robert Bresson. Bilder, welche der Musik als Gehhilfe bedürfen, gehören nicht auf die Leinwand. Pablo Giorgellis Film “Las acacias” kommt ohne Musik aus. Und Worte braucht er eigentlich auch fast keine.

Aufregungslos, ganz ohne Lärm, hebt der Film seinen ersten Protagonisten Rubén (Germán da Silva) aus der Stille. Rubén ist kein Mann vieler Worte. Seit Jahren transportiert er als Lastwagenfahrer Holz von Asunción in Paraguay nach Buenos Aires, und da sitzt niemand auf dem Beifahrersitz, mit dem er sprechen könnte. Auch eine Familie hat Rubén nicht. An den Sohn, den er seit acht Jahren nicht mehr gesehen hat, erinnert lediglich ein Foto, sorgsam aufbewahrt im Handschuhfach. Doch davon weiß man zu Beginn des Films noch nichts. Man vermutet es höchstens, wenn Rubén in routinierter Einsamkeit im Halbdunkel einer Raststätte sein Mittagessen hinunterschlingt.

An der Einsamkeit und Stille ändert auch Jacinta (Hebe Duarte) nichts, die kurz vor der Grenze mit ihrem Baby Anahí (Nayra Calle Mamani) auf den Beifahrersitz klettert, um nach Buenos Aires zu gelangen. Es dauert Stunden, bis endlich der erste Mate angeboten wird, bis rücksichtsvoll eine Zigarette ausgedrückt wird, um den Säugling vom Weinen abzuhalten, bis ein Lächeln getauscht wird und ein “Gracias” in der Luft der Führerkabine hängt. Und erst viele Kilometer später folgen die Worte.

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Cine y Derechos Humanos

Ciclo de cine en el recuperado Cine El Plata

En conmemoración del 10 de diciembre, Día de los Derechos Humanos, la Dirección General de Museos de Buenos Aires presenta del 2 al 11 de diciembre el ciclo “Cine y Derechos Humanos”, en el cual se proyectarán películas con temáticas vinculadas a la reivindicación de la igualdad de género, garantías individuales, diversidad étnica, contra la explotación infantil, defensa de los recursos naturales, memoria y justicia para las víctimas del terrorismo de Estado, etc.

El ciclo está organizado en forma conjunta con el IMD – Instituto Multimedia DerHumALC (Derechos Humanos – América Latina y el Caribe), en el recuperado Cine El Plata, Juan Bautista Alberdi 5751, en el barrio de Mataderos. La entrada es libre y gratuita. Las localidades pueden retirarse con anticipación, de lunes a viernes de 12 a 18 hs, sábados y domingos de 11 a 19 hs.

Foto:

Corto “Eng” de Eckhard Kruse (Alemania).

Film mit einer speziellen Ästhetik

“El caño dorado” – spannungsgeladener Thriller mit künstlerischem Anspruch

Von Laura Wagener

Julito, alias Panceta, kommt aus Don Torcuato, einem der gefährlichen Randbezirke von Buenos Aires im Tigredelta. Er lebt mit seiner Mutter. Gangs und Gewalt prägen das Geschehen in den Straßen ihres Viertels. Panceta arbeitet in einer Metallfabrik, wo er Rohrteile stiehlt, um sie in der Werkstatt seines verstorbenen Vaters zu Waffen zu verarbeiten. Diese “Tumberas” verkauft er anschließend an die Mafiosi des Barrios, unter ihnen der Lokalganove Tomca.

Eines Abends entspinnt sich eine Romanze zwischen ihm und der 16-jährigen Clara, Objekt der Begierde Tomcas. Das Mädchen verheimlicht Panceta ihr Alter, und die beiden unternehmen einen durch Drogen und Alkohol stimulierten Bootstrip durch die Gewässer des Deltas. Als Panceta das wahre Alter Claras erfährt und er einen besorgten Anruf seiner Mutter erhält, die sein Waffengeschäft aufgedeckt hat, wird ihm klar, dass er von mehreren Seiten unter Beschuss steht.

Der Film besitzt eine spezielle Ästhetik, die sich aus der Kombination realistischer und stark künstlerisch eingesetzter Bilder ergibt. Jede Szene grenzt sich durch Farbspiele und Kontraste von der vorherigen ab, wobei die Darstellungen von Gewalt, Erotik und Drogenkonsum nicht ins Klischeehafte abdriften. Der Waffenfabrikant Panceta wird trotz seiner zweifelhaften Handlungen durch die schauspielerisch meisterhafte Darstellung seiner Emotionen bald zum Sympathieträger, und der Zuschauer fiebert bei diesem von Adrenalin getriebenen Streifen bis zur letzten Sekunde mit dem vom Unheil bedrohten jungen Flüchtigen.

  • “El caño dorado” – Argentinien 2010. 104 Min. Drama ab 13. Regie: Eduardo Pinto. Mit Lautaro Delgado, Yiyo Ortiz, Tina Serrano, Camila Cruz. Im Gaumont.

Porträt einer Wahrnehmung

Der Schweizer Regisseur Ramòn Giger zu seinem Film “Eine ruhige Jacke”, der im Rahmen von DocBuenosAires lief

Von Laura Wagener

Wie beziehungsfähig ist ein Mensch, wie nimmt ein Mensch emotional Anteil, der seinem Krankheitsbild entsprechend durch das Fehlen des kommunikativen Mediums Sprache und der Fähigkeit zur Reizselektion in seiner eigenen, nach außen weitgehend isolierten Welt lebt? Der Schweizer Regisseur und Kameramann Ramòn Giger (Foto) führt den Zuschauer mit einem Zitat des österreichischen Psychoanalytikers Leo Kanner, der sich als erster Wissenschaftler mit Autismus auseinandersetzte, in das Kernthema seines ersten Dokumentarfilms “Eine ruhige Jacke” ein: “Wir müssen also annehmen, dass diese Kinder mit einer angeborenen Unfähigkeit zur Welt gekommen sind, normale und biologisch vorgesehene affektive Kontakte mit anderen Menschen herzustellen.”

Die Idee zu dem Film kam dem 28-jährigen Giger während des Ableistens seines Zivildienstes in einer Betreuungsstelle für Menschen mit Behinderungen, wo er die beiden zukünftigen Protagonisten, den autistischen Roman und dessen Betreuer Xaver kennenlernte.

Ein halbes Jahr begleitete er Roman in seinem Alltag und in der Interaktion mit seinem Betreuer. Der junge Mann wird jedoch nicht nur passiv gefilmt, sondern die besondere Intimität des Films entsteht vor allem durch die von dem Autisten selbst mit einer Handkamera gefilmten Sequenzen. Diese Einblicke in die Wahrnehmung Romans sind besonders kostbar, da er nicht spricht. Obwohl er sich mit Hilfe einer Kommunikationstafel in überraschender Komplexität ausdrücken kann, belaufen sich seine direkten Äußerungen auf brummende Laute, Schreie oder diffuse Töne.

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Dokumentarfilm-Festival in Buenos Aires

DocBuenosAires 2011 startet am Donnerstag

Von Laura Wagener/Susanne Franz

Vom 13. bis 22. Oktober findet in Buenos Aires das 11. Internationale Dokumentarfilm-Festival, das DocBuenosAires 2011, statt. Im Rahmen dieses Festivals werden nationale und internationale Dokumentarfilmproduktionen gezeigt und diskutiert, mit dem Ziel, das Publikum an bestehende und neue Tendenzen des Genres heranzuführen. Veranstaltungsorte sind der Leopoldo Lugones-Saal des Teatro San Martín (Av. Corrientes 1530) und die Alianza Francesa (Av. Córdoba 946, hier sind die Vorführungen gratis).

Am Mittwoch, dem 19.10., wird z.B. der Film “Eine ruhige Jacke” des erst 28-jährigen Schweizer Regisseurs Ramòn Giger über einen jungen Autisten gezeigt (auf Schweizerdeutsch mit Untertiteln). Der Tages Anzeiger schrieb zu dem Film: “Geht mit erstaunlicher Leichtigkeit das Wirkliche dort an, wo es am Schwersten zu packen ist”. Programm und weitere Infos finden Sie auf der Webseite des Festivals.

Argentiniens Oscar-Bewerber

“Aballay, el hombre sin miedo” geht ins Rennen um den Auslands-Oscar

Von Susanne Franz

Völlig überraschend hat die argentinische Filmakademie am Montag den Streifen “Aballay, el hombre sin miedo” von Fernando Spiner als offiziellen Oscar-Bewerber Argentiniens für den besten nicht englischsprachigen Film bestimmt. Von den 69 gültigen Stimmen (von 227 zur Abstimmung Berechtigten) erhielt “Aballay” 22, die hoch favorisierten Filme “El estudiante” von Santiago Mitre und “Un cuento chino” von Sebastián Borensztein mit Ricardo Darín blieben mit 16 bzw. 12 Stimmen abgeschlagen.

“Aballay” wird als “Western” bezeichnet und handelt von einem brutalen Gaucho, einem Mörder und Dieb, der, nachdem er eine ganze Familie abgeschlachtet hat, ein verängstigtes Kind sieht, dessen Augen ihn ab diesem Zeitpunkt verfolgen. Er schwört, nie mehr vom Pferd zu steigen und nie mehr Böses zu tun, und verwandelt sich in eine Art lebende Legende. Der Film wurde von der Kritik allgemein sehr schlecht aufgenommen. Die Oscars werden im Februar 2012 verliehen. Zuvor werden am 25. Januar die fünf endgültigen Anwärter für den Auslandsoscar bekanntgegeben. Unter den Bewerbern aus über 50 Ländern muss “Aballay” sich u.a. gegen “Pina” von Wim Wenders (Deutschland) behaupten.

11. Deutsches Kinofestival: Die Filme

Aus der Sicht der Kritiker

Das von German Films organisierte und von der Deutschen Botschaft in Buenos Aires unterstützte 11. “Festival de Cine Alemán” (22.9.-28.9. im Kinokomplex Village Recoleta) präsentiert eine Übersicht über die jüngsten Produktionen der deutschen Filmindustrie, wobei sowohl Debütfilme wie Werke international etablierter Regisseure gezeigt werden.

Die Kritiken der Festival-Beiträge:

“Almanya – Willkommen in Deutschland”

Der kleine Cenk ist ratlos. Ist er denn jetzt Türke oder Deutscher? Keines der beiden Fußballteams will den Sechsjährigen in der Mannschaft haben. Und “Anatolien”, wo angeblich seine Wurzeln liegen, ist auf der Europakarte nicht drauf, so dass die Klassenlehrerin Cenks Nationalitäten-Fähnchen irgendwo ins Niemandsland gesteckt hat. Für Cenk kommt die geplante Reise seines Großvaters Hüseyin gerade richtig in seiner kindlichen Identitätskrise. Hüseyin, der Anfang der 1960er Jahre als Gastarbeiter nach Deutschland kam und später seine Frau und Kinder nachholte, hat nämlich ein Haus in der alten Heimat gekauft und lädt die ganze Familie ein, mit ihm dorthin zu fahren. Unterwegs erzählt Cenks Kusine Canan ihm die Geschichte Hüseyins, die im Film parallel zum “heutigen Geschehen” immer wieder eingeblendet wird. Auf der Reise kommen so einige überraschende Wahrheiten ans Licht. Und Cenk muss auch versuchen zu verstehen, was mit einem geliebten Menschen geschieht, wenn er stirbt.

Die Schwestern Yasemin und Nesrin Samdereli, beide in den 1970ern in Deutschland geboren, schrieben das Drehbuch zu der entzückenden, bittersüßen Komödie, die Regisseurin Yasemin S. gekonnt in Szene gesetzt hat.
(Susanne Franz)

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