Der wohlwollende Hegemon

Wie Deutschland seinen Nachbarn durch eine unkonventionelle Maßnahme helfen könnte

Von Friedbert W. Böhm

Das ist einer, der seine Nachbarn kontrolliert und dabei das Wohl Aller genauso berücksichtigt wie sein eigenes. In Euroland sind Stimmen laut geworden, die Bundesrepublik möge die Rolle eines solchen Hegemons übernehmen. Einige der Stimmen kommen sogar aus Ländern, die Deutschland, mit geschichtlicher Berechtigung, früher eher misstrauten.

Die bisherige Haltung der Bundesregierung in der Eurokrise lässt darauf schließen, dass dort durchaus Bereitschaft zu hegemonialem Handeln besteht. Man war die treibende Kraft in der Schaffung von Rettungsschirmen für verschuldete Nachbarn, im Druck auf diese, ihre Hausaufgaben zu machen, man hat eine Mehrzahl von Nachbarn auf ein Minimum an gemeinsamem Handeln eingeschworen und man hat selbst einen beträchtlichen Teil der Geldmittel zur Krisenbekämpfung bereitgestellt. Nur, ein durchschlagender Erfolg ist bis dato nicht abzusehen. Da vielerorts den Sparversprechen der gefährdeten Schuldnerländer nicht getraut wird, auch keine überzeugenden Indizien für deren künftig erneuerte Wettbewerbsfähigkeit vorliegen, verharren manche Ratings beinahe auf Schrottlinie und jede Krediterneuerung gleicht einer Zangengeburt. Jetzt haben sogar Frankreich und Österreich ihr Toprating verloren.

Aus Investorensicht ist das verständlich. Es ist nämlich nicht abzusehen, wann die bisher getroffenen – oder versprochenen – Maßnahmen der Grundschwäche Eurolands abhelfen oder ob sie das überhaupt zu tun imstande sind.

Die Grundschwäche ist der beträchtliche Unterschied an Wettbewerbsfähigkeit, der zwischen den Problemländern und einigen anderen, in erster Linie Deutschland, besteht. Neben manch anderen Gründen sind hierfür die hier erheblich geringeren Lohnstückkosten verantwortlich, welche die deutschen Exporte befeuern und die der Problemländer hemmen. Fatalerweise wird dieser Faktor durch die neuerliche, aus der Krise resultierende Euroschwäche noch verstärkt – ein Teufelskreis.

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Metamorphose eines Viertels

Der “Galpón Cultural Piedra Buenarte” gibt jungen Menschen Hoffnung

Von Laura Wagener


Das Viertel “Piedrabuena” liegt im südlichen Teil der Stadt Buenos Aires, eine knappe Busstunde vom Zentrum enfernt. In Gesellschaft von Luciano César Garramuño betrete ich das ehemalige Elendsviertel und bin erst einmal beeindruckt von der Architektur des Barrios. Die riesigen, 12-stöckigen Gebäude sehen aus, als seien sie zu Stalins Zeiten errichtet. Das Viertel ist eigentlich nicht besonders groß, in etwa zehn Minuten kann man hindurchlaufen. Luciano klärt mich jedoch auf, dass etwa 20.000 Menschen in den massiven Steinblöcken wohnen. Viele der Häuser wurden nicht richtig fertiggestellt, und so leben viele der Bewohner ohne Strom und Gas.

Schnell bemerke ich, man kennt sich hier. Während Luciano mich durch das Viertel führt, gibt es niemanden, der uns nicht grüßen würde. Der 29-jährige Fotograf kommt selbst aus Piedrabuena, hat nie woanders gewohnt, und die Leute kennen ihn alle durch seine Arbeit. Er ist einer der Initiatoren des Kulturvereins “Galpón Cultural Piedra Buenarte” im Herzen des Viertels.

Das Besondere an Piedrabuena ist nämlich, dass es hier nicht nur die Wohnhäuser, sondern auch eben jenen “Galpón”, eine Art riesige Lagerhalle, gibt. Früher gab es mehrere dieser langen Hallen, die gleichzeitig mit den Wohnhäusern errichtet wurden. Alle außer der größten sind im Laufe der Zeit Materialdiebstählen zum Opfer gefallen: Menschen aus den umliegenden Elendsvierteln haben die Wellbleche und Metalle geklaut und zum Hausbau verwendet.

Der übriggebliebene Galpón war schon in der Kindheit Lucianos und seiner Freunde dort, damals lagerte noch das Teatro Colón dort seine Bühnenmaterialien. Rund um den Galpón befindet sich eine relativ große Freifläche, auf der es mittlerweile einen Spielplatz und ein Fußballfeld gibt. Früher war der Galpón umzäunt, auf dem Gelände lebten wilde Hunde. Das Viertel hatte einen schlechten Ruf, Taxifahrer aus der Hauptstadt fuhren, wenn überhaupt, nur widerstrebend in das von Elendsvierteln umgebene Barrio, es gab wenig zu tun für die jungen Leute, deswegen verfielen viele den Drogen oder dem Alkohol. Die Gewaltrate war hoch.

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Damit die Spuren nicht verlorengehen

Besuch im Martius Staden-Institut, Sao Paulo, als Feldforschung für ein zu gründendes Dokumentationszentrum in Buenos Aires

Von Regula Rohland de Langbehn

Das 1925 aus kleinen Anfängen hervorgegangene Hans Staden-Institut wurde 2006 als Martius Staden-Institut aus dem Zentrum von Sao Paulo nach Morumbí verlegt, wo ihm ein geräumiger Trakt in der deutschen Schule Vizconde de Porto Seguro, einer altehrwürdigen Privatschule, nach Maß geschneidert worden war. Wenn man es betritt, hat man durchaus das Gefühl, in einen hochmodernen Tempel der Wissenschaft einzutreten, und tatsächlich sieht man in abgeteilten Boxen dort fleißige Priester und Priesterinnen der Wissenschaft dem Gott Archivus und der Göttin Genealogia huldigen.

Der Weg in dieses Sanktuarium ist freilich für den Fremdling mit Gefahren besät, wenn nicht ein guter Genius in Gestalt des Direktors Dr. Kupfer den Einlass Heischenden durch die gefährliche Zone zwischen der nächsten Metrostation und dem Institut geleitet, eine Zone, die über Brücken und Stadtautobahn führt und zu Fuß nicht durchschreitbar ist. Es scheint so zu sein, dass man zwar nicht durch Feuer und Wasser, aber doch wenigstens an einem Goldesel vorbeigegangen sein muss, wenn man alleine dorthin will, denn man muss im eigenen Auto oder, vor allem als sprachunkundiger Fremder, per Taxi anreisen, wenn man heil ankommen will.

Dadurch ist das Institut in der beneidenswerten Lage, praktisch ohne Publikum zu arbeiten: Wissenschaftler wenden sich in der Regel per E-Mail an die Angestellten und werden sehr zuvorkommend bedient, und auch private Anfragen – z.B. von Leuten, die einen deutschen Großvater für die Beschaffung des europäischen Passes nachweisen müssen – lassen sich in der Regel auf diese Weise beantworten.

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Ein paar Gänge zurückschalten

Die beiden -Losigkeiten

Von Friedbert W. Böhm

Wenn wir einmal für einen Augenblick die Schuldenkrise beiseite lassen, gibt es in Deutschland und einigen anderen westlichen Ländern zwei Grundübel: Arbeitslosigkeit und Kinderlosigkeit. Liegt es nicht eigentlich auf der Hand, dass diese Übel sich gegenseitig beheben?

Dass die Arbeit durch Automatisierung und Rationalisierung weniger werden würde, wusste man schon in den Sechzigern (obwohl noch niemand sich Fabrikroboter oder Onlinekäufe und -zahlungen vorstellen konnte). Damals träumte man von einem 4-stündigen Arbeitstag – natürlich bei gleichem Lohn – und die Besorgnis war, was man wohl mit der riesigen Freizeit anfangen solle. Dabei war die heutige Geburtenschwäche noch gar kein Thema; man musste also mit der Verteilung der schrumpfenden Arbeit auf eine gleiche oder sogar steigende Bevölkerung rechnen.

Es ist ganz anders gekommen. Die Arbeit ist nicht nur weniger geworden, sie ist auch ausgewandert. Erst Japaner und Koreaner, dann Chinesen, Inder, sonstige Asiaten, Osteuropäer, Mexikaner, Brasilianer und auch schon manche Afrikaner haben durch großen Fleiß und geringe Löhne praktisch alle lohnintensiven Industrien an sich gezogen, und einige jener Länder sind dabei, dies auch mit hochwertigen Produktionen und den Finanzen zu tun. Mit Spitzentechnologie und cleveren Nischenprodukten werden die alten Industrieländer schon noch eine Weile in der Weltwirtschaft mitmischen, aber die Zeiten des Wachstums, des ständig steigenden Wohlstands, sind unwiderruflich vorbei.

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Wer war es bloß?

“Wir doch nicht!” …

… sagen die Politiker. “Wir hetzen schließlich seit 1 ½ Jahren von einer Sitzung in die nächste, um die Krise in den Griff zu bekommen. Es gäbe sie gar nicht, die Krise, wenn die nimmersatten Banken und anderen Finanzjongleure nicht ständig in unverantwortlicher Weise gegen die Schuldnerländer spekulierten. Getriebene sind wir Politiker, von den Märkten Getriebene!”

“Spekulanten?”, empören sich die Fondsmanager. “Solch ein Unsinn! Wir verwalten Spargelder der Bürger und das Vermögen von Pensionskassen und Versicherungen. Sollen wir tatenlos zusehen, wie diese durch zahlungsunfähige Schuldnerländer immer weniger werden?”

“Na, na”, meinen die Banken, “es ist schon richtig, dass manche von uns sich verzockt hatten und zum Überleben Staatshilfe brauchten. Aber das ist doch nur ein Teil der Geschichte. Der andere Teil ist, dass die Politik in vergangenen Jahrzehnten nicht nur widerstandslos unseren Forderungen nach Deregulierung des Systems nachgab, sie hat uns sogar erlaubt und in vielen Fällen animiert, insolvente Häuslebauer und überschuldete Staaten zu finanzieren, indem sie Hypothekenkredite und solche an (westliche) Staaten von der Risikovorsorge ausnahm. Sollten wir diese Möglichkeiten etwa nicht nutzen? Letzten Endes sind wir private Gesellschaften, unseren Aktionären verantwortlich. Auch von den Rating Agencies haben wir lange keine Warnungen gehört.”

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Ein junges kulturübergreifendes Recyclebauprojekt

Im Projekt “Casa Creciente” geht es darum, aus einfachen Materialien Häuser zu bauen

Von Nina Bongard

Als Georg Boos (23) Argentinien im Sommer 2010 verließ, war ihm damals schon klar, dass dies kein Abschied für immer sein würde. Nachdem er ein Jahr lang seinen Zivildienst in Buenos Aires geleistet hatte, kam in Deutschland die Idee, noch einmal dorthin zurückzukehren, um mit einem Recyclebauprojekt fortzufahren, welches er während seines Zivildienstes dort angefangen hatte. Zu ihm gesellte sich sein langjähriger Freund Sebastian Marschall (24), und nach intensiver Planung, Spendensuche und einer neuen Bearbeitung des Konzeptes war “Casa Creciente” geboren.

Im Dezember 2010 machten sich die beiden Karlsruher auf, um in Benavídez, Buenos Aires, die Arbeiten auf dem Gelände der Fundación Oxenford zu beginnen. Im Projekt “Casa Creciente” geht es darum, aus einfachsten Materialien, die man aus konventioneller Sicht als Müll betrachten würde, Häuser zu bauen: So verwandeln sich Glas- und Plastikflaschen zu Wänden, alte Autoreifen zu Sockeln und Paletten dienen als Holzquelle. Zudem wird auf Lehmbau zurückgegriffen, eine der ältesten existierenden Baumethoden. Auf diese Weise wird sichergestellt, dass sehr günstig gebaut werden kann, außerdem schluckt das Projekt eine ganze Menge Müll, den man so noch sinnvoll verwenden kann.

Momentan realisieren die beiden ihr erstes Projekt: Eine Halle, welche nach Fertigstellung als Schulungsstätte dienen soll, um u.a. eben diese Techniken des Recyclingbaus weiterzugeben. Außerdem haben sie an der Halle die Möglichkeit, verschiedene Bauweisen auszuprobieren, Vor- und Nachteile abzuwägen und so den besten Weg für den weiteren Häuserbau zu finden.

Nach Fertigstellung der Halle sind weitere Projekte geplant, bis Sebastian und Georg im Dezember voraussichtlich erstmal wieder nach Deutschland zurückkehren.

Finanzieren tut sich das Projekt ausschließlich über Spenden. Sämtliche Paletten, Reifen, Farbe etc. kommen aus umliegenden Fabriken, welche das soziale Projekt unterstützen wollen, jedoch wird finanzielle Unterstützung händeringend gesucht. Denn einige Materialien wie z.B. Werkzeuge müssen aus eigener Tasche gezahlt werden.

Auch über tatkräftige Unterstützung freut man sich bei “Casa Creciente” immer. Dazu sind keinerlei Vorkenntnisse nötig. Wer sich näher über das Projekt informieren möchte, kann dies im Internet tun oder eine Mail schreiben an info@casacreciente.com.

Die Pirateninsel II

(K)ein Märchen vom Südatlantik (Fortsetzung)

Von Friedbert W. Böhm

Auf jener vom Fregattseglerpärchen beherrschten Vogelinsel war eine seltsame Ambivalenz zu beobachten. Einerseits fluchten die fleißigen Fischer jeden Tag stärker ob der Hemmnisse und Verleumdungen, denen sie seitens des Herrscherpärchens täglich ausgesetzt waren. Zum anderen jedoch lebte es sich trotzdem ganz gut auf der Insel und zahlreiche andere Bewohner fühlten sich ganz wohl.

Der Fischreichtum nämlich, von dem man traditionell lebte und der durch die Raffsucht der Herrscher zu verebben gedroht hatte, begann unvermittelt wieder zu wachsen. Begebenheiten in einer fernen Region hatten zur Folge, dass neue, ergiebige Schwärme an den Küsten auftauchten und die Fangergebnisse belebten.

So konnten die Fregattsegler nicht nur das eigene Wohlleben und das ihrer Freunde unverändert fortführen; sie hielten es auch für angebracht, den nicht besonders geschickten oder fleißigen Fischern etwas von ihrer Beute abzugeben. Eigentlich waren das nur Schwänze und Gräten, aber für diese armen Vögel (denen man eigentlich das Fischen hätte beibringen sollen) bedeutete es eine Erleichterung. Natürlich ging es den Herrschern nicht um diese Erleichterung, sondern darum, die Armen zum Gemeinschaftsfelsen zu locken, um der unentwegt parlierenden Fregattseglerin ein dankbares Publikum zu verschaffen. Das gelang ihnen auch und so schien die Herrschaft für viele Jahre gesichert.

Dann geschah etwas gänzlich Unerwartetes.

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Fast so weit weg wie Utopia

Transparentien

Von Friedbert W. Böhm

Dieses Land erreicht man, wenn man von Korruptia über Normalien hinaus fährt. Es liegt kurz vor Utopia, welches bekanntlich am äußersten Rand der Weltscheibe gelegen ist. Das Besondere an Transparentien ist die sprichwörtliche Wahrheitsliebe seiner Bewohner. Zudem besitzt es, dank seines hervorragenden Bildungssystems, einen ungewöhnlich hohen technischen Standard. Insbesondere auf dem Gebiet elektronischer Systeme haben seine Unternehmen Weltgeltung und die entsprechenden Anwendungen sind unter seinen aufgeschlossenen Bürgern von jeher mehr verbreitet als sonst irgendwo.

Schon bei Geburt erhält jeder Transparentiner seine Kennnummer, die später auch seine Telefonnummer und die seines Bankkontos sein wird. Unter dieser Nummer ist er jederzeit identifiziert und ansprechbar. Ab Kindergarten besitzt er ein individuelles Handy, UniPod genannt, in welchem mit der Zeit weitere Funktionen zugeschaltet werden, die des Zahlens, Kassierens, Wählens.

Bis hierher wäre Transparentien nicht mehr als ein wohlhabendes, sympathisch modernes Ländchen. Was es jedoch absolut einzigartig macht, ist etwas Anderes: Nicht das üppige Vorhandensein einer Materie, die in allen bewohnten Teilen der Welt wie keine andere geschätzt wird, sondern just deren Abwesenheit: des Bargeldes.

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Calamares a la Petrobras

Un antes y un después en nuestras artes visuales

Por Meiji

Días pasados me pidieron mis alumnos una opinión sobre la obra “Autorretrato de mi muerte” galardonada en el Premio Petrobras 2011.

Cerré el libro de Carlos Alonso que estábamos mirando, lo escondí todo lo que pude como para que el Maestro no escuchara lo que iba a decir en ese momento y así me expresé:

“Considero que hay un antes y un después en nuestras artes visuales a partir de esta obra. Este hecho, no tengan duda, hará escuela y les explico porqué:

Se instalará en toda la contemporaneidad el concepto de “Arte Paella”.

Las autoridades del IUNA, siempre tan atentas a todo lo que va en el mundo, crearán la cátedra: “Semiótica aplicada a la estética del berberecho”.
Se vendrán, sin duda, el Premio “La Campagnola”, la Bienal “Mellino” y el Salón “Nereida”.

Las listas de útiles solicitadas en las escuelas de arte serán más o menos así: un rollo de papel de escenografía, una caja de carbonillas, un lápiz HB, un 2B y medio kilo de cornalitos.

Las librerías artísticas como Thesis, Teorema, Leidi, Villalba, etc, instalarán una góndola de mariscos congelados.

La disciplina Nuevos Soportes e Instalaciones del Salón Nacional pasará a llamarse Nuevos Soportes, Instalaciones y Cazuelas.

Advertimos que el tema crucial a tener en cuenta es que todos los trabajos realizados dentro de esta tónica aumentarán su cotización durante Semana Santa.

Un par de comentarios finales:

Sugerimos abrir una lista con todas las personas que gustaron de esta obra con la idea de turnarse y poder tenerla y disfrutarla en sus hogares durante, al menos, tres días y seguir así la cadena.

Teniendo en cuenta que la empresa patrocinante de este premio es brasileña, inferimos su influencia en el reciente aumento del producto bruto de ese país.

Me despido con mis más respetuosos saludos al Pulpo Paul y a Calamardo.

Es liegt an dir und mir

Über Aggressivität

Von Friedbert W. Böhm

Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben,
Wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt.
(Friedrich Schiller)

Die schöne Rousseausche Idee, der Mensch sei edel, hilfreich und gut geboren und nur durch die Zivilisation verdorben, ist leider von der Wissenschaft unanfechtbar zu Grabe getragen. Wie alle Lebewesen von der Amöbe bis zum Schimpansen hat die Evolution den Homo Sapiens mit ausreichend Aggressivität ausgestattet, um sich in seiner Umwelt durchzusetzen; seine Erfolge dort sind offensichtlich. Was seine innerartliche Aggression anbetrifft: Nachbarlicher Zwist und Krieg sind ein beinahe selbstverständlicher Teil des Lebens von Individuen und Gemeinschaften.

Alle Bemühungen von Religionsstiftern und Gesetzgebern, Aggressionen einzuschränken – “Du sollst nicht töten, nicht Deines Nachbarn Frau, Ochs, Esel begehren” etc. – hatten nur recht bescheidene Wirkung. Eigentlich hatten sie gar keine. In manchen Regionen fährt man fort, sich wie zu Kains Zeiten die Schädel einzuschlagen. Und wo, wie innerhalb der Westlichen Welt, Handgreiflichkeiten tabuisiert sind, greift man sich mit Worten an sowie mit geschäftlichen Strategien, Taktiken, Kniffen, Fallen. Wenn an Schulen und Universitäten noch gelehrt wird – es ist immer seltener so -, dass wirtschaftlicher (und politischer) Wettbewerb darin besteht, bessere, preiswertere Produkte und Vertriebswege (oder vernünftigere Lösungen für gesellschaftliche Probleme) als die Konkurrenz zu erfinden, dann ist das reine Heuchelei. Zukunft hat in den Unternehmen (und politischen Parteien) in aller Regel nur, wer die Konkurrenz übertönt, austrickst, besticht, übervorteilt, erdrückt oder übernimmt. Damit kein Zweifel darüber bestehen kann, dass das Gesetz des Dschungels herrscht, wird von Bewerbern ausdrücklich Aggressivität verlangt.

Im Kulturbetrieb ist es nicht viel anders. Ein Künstler kann noch so kreativ, feinfühlig, handwerklich perfekt sein; wenn er um seine Erzeugnisse nicht mehr Rummel als die Konkurrenz macht, also nicht aggressiver als jene ist, wird er kaum beachtet.

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Über das Reden

Ist Schweigen tatsächlich Gold?

Von Friedbert W. Böhm

Ich rede nicht von Sprache. Sprache ist reden, schreiben und Geschriebenes verstehen. Reden ist die erste Stufe von Sprache. Nie konnte ich mich auf dieser Stufe wohlfühlen. Ich gehöre nicht zu den Leuten, die sagen “wie kann ich wissen, was ich denke, bevor ich gehört habe, was ich sage?”. Als in Süddeutschland Aufgewachsener habe ich mich eine Zeitlang an den Spruch geklammert: “Die Norddeutschen sind wie eine Taschenuhr – tic, tic, tic, tic. Und die Süddeutschen – tac – wie eine – tac – Turmuhr – tac. Aber beide zeigen zur gleichen Zeit die Zwölfe an.” Das ist aber bloß die halbe Wahrheit.

Reden ist der unmittelbare Ausdruck der Gefühlswelt. Damit dieser Ausdruck beim Hörer einen Eindruck erweckt, muss er dessen Gefühlswelt ansprechen. Dabei ist die Körpersprache sehr hilfreich, aber nicht ausreichend. Es müssen die Ausdrücke und der Zungenschlag dazukommen, die beim Hörer Emotionen erwecken. In aller Regel sind das Laute, welche in dessen früher Kindheit eine Gefühlswelt schufen – muttersprachliche, nachbarschaftliche, Kindergarten-, Bolzplatz-, Zeltlager- und Tanzschullaute – und recht wenig mit geschriebener Hochsprache zu tun haben.

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Vegetarismus

Sollten wir alle aufs Steak verzichten?

Von Friedbert W. Böhm

In einer Talkshow war unlängst wieder zu sehen, wie sich Vegetarier und Fleischproduzenten bekämpften – wenn sie eines gehabt hätten, bis aufs Messer. Obwohl ich auch gern mal ein Steak esse, bin ich keiner von denen, die kilometerweit laufen würden, um eine “Parrilla” zu finden. Mich vegetarisch zu ernähren, würde mir vermutlich leichter fallen als auf Alkohol und Tabak zu verzichten. Insofern betrachte ich mich als einen in dieser Angelegenheit recht objektiven Beobachter, der versucht, sein Urteil nach sachlichen Gesichtspunkten zu treffen. Und nach der, wie ich glaube, bisher unübertroffenen Kantschen Maxime “tue nie etwas, was nicht Sinn gäbe, wenn es alle Menschen täten” (frei ins Umgangsdeutsch übersetzt). Sollten wir also alle Vegetarier werden?

Es gäbe gewichtige moralische Gründe, Tiere nicht zu töten. Wir wissen zweifelsfrei, dass Wirbeltiere Schmerz empfinden, Angst und Stress erleiden. Die Gefühlswelt der Primaten etwa, mit Abstrichen gewiss auch unserer Haustiere, dürfte kaum dumpfer sein als unsere eigene. Es gibt Philosophen, welche die Ausdehnung der Menschenrechte auf Menschenaffen für angebracht halten. Warum dann nicht auch auf Rinder, Pferde, Schweine und Kaninchen? In Indien gibt es Leute, die das Leben einer Mücke für genauso wertvoll halten wie das eines Menschen.

Entwicklungstheoretische oder gesundheitliche Gründe stehen dem Vegetarismus nicht entgegen. Wir sind keine Fleisch-, sondern Allesfresser. Dass man ohne tierische Proteine gesund und leistungsfähig sein kann, scheint nicht nur eine mehrheitliche medizinische Meinung zu sein; zahlreiche vegetarische Sportler beweisen es. Kein Fleisch mehr also!

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Kapazität ausgelastet

Was ist nur los mit den Neuronen?

Von Friedbert W. Böhm

Ich habe immer gelesen, die Anzahl unserer Neuronen sei so unermesslich groß, dass man die Hirnkapazität getrost als unbegrenzt bezeichnen könne. Dies umso mehr, als man unlängst feststellte, dass altersmäßig abgestorbene Neuronen entgegen früherer Annahmen in gewissem Ausmaß ersetzt werden.

Wenn das so ist, besitze ich ein ziemlich minderwertiges Hirn.

Das hat, glaube ich, nichts mit dem Alter zu tun, denn mein Erinnerungsvermögen funktioniert noch ganz ordentlich. Ich entsinne mich noch, mit etwa 3 Jahren von der Sirene in den Luftschutzkeller gejagt worden zu sein, und auch an meine erste Liebe im Kindergarten kann ich mich gut erinnern.

In der Folge verarbeiteten meine Neuronen ohne große Mühe das ABC, das kleine und große Einmaleins, allerlei Erdkunde und Geschichte, dann Schulenglisch mit schwäbischem Akzent, später Algebra, Geometrie, Physik, Chemie und sogar Hochdeutsch. Daneben mannigfaltige Eindrücke über Häuser, Ortschaften, Naturformen, Pflanzen, Tiere sowie viele, viele Namen von Nachbarn, Schul- und sonstigen Freunden, Lehrern, Sportlern, Schauspielern, Sängern, Büchern mit ihren Autoren und Akteuren. Dies alles übrigens nicht nur aus meiner eigenen damaligen Zeit, sondern, den Erzählungen der Eltern und Großeltern folgend, bis zurück zum Ende des XVIII. Jahrhunderts.

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Der “Sinn des Lebens”

Der “Sinn des Lebens”

Von Friedbert W. Böhm

Bei den Göttern oder bei Gott sucht ihn der Mensch. Seit Jahrtausenden. Die Quelle scheint unergiebig zu sein, denn trotz aller Opfer, aller Kriege, aller bemühten Theologie, aller klugen Philosophie steht die “Sinnfrage” bedrückender denn je im Raum. Nachhaltig und immer hartnäckiger stellt sich die Beschaffenheit der Welt ihrer Lösung entgegen.

Für andere, anscheinend glücklichere, Lebewesen existiert diese Frage nicht. Das Leben hat keinen Sinn. Das Leben ist nicht zielgerichtet. Es ist.

Das Leben bereitet den Individuen Momente des Wohlbefindens und solche des Leidens. Geringhirner haben auf die Verteilung solcher Momente keinen Einfluss; sie treiben in ihrer Umwelt. Großhirner können dieses Treiben in gewissen Grenzen beeinflussen. Sie verarbeiten Erfahrungen und versuchen, Wohlbefinden herbeizuführen und Leiden zu meiden, mit mäßigem Erfolg.

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