Künstlerblicke auf Land und Leute

Buenos Aires und die Pampa werden in den Werken von Benito Quinquela Martín, Xul Solar, Antonio Seguí und Florencio Molina Campos lebendig

Von Susanne Franz

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Hafenstimmung: “Atardecer rosado” (1969) von Benito Quinquela Martín.

Der Maler Benito Quinquela Martín war von dem Hafenviertel “La Boca” geprägt und prägte es selber mit. Alejandro Xul Solar hatte seinen Kopf in den Wolken, aber seine Füße fest auf dem Boden seiner Heimatstadt Buenos Aires. Antonio Seguí schaut ein bisschen böse, ein bisschen wehmütig auf sein Heimatland, das er schon vor über 40 Jahren verließ, um sich in Paris niederzulassen, und Florencio Molina Campos hat wie kein anderer meisterhaft das Leben der Gauchos in der Pampa und die unendliche Weite ihres Horizonts porträtiert.

Benito Quinquela Martín – der Maler von “La Boca”

Benito.jpgIm romantischen Hafenviertel von Buenos Aires “La Boca”, das Tag für Tag Hunderte von Touristen mit seinem bunten Sträßchen “Caminito”, Tangoschauen, Straßenkünstlern und seinen mit originellen Souvenirs und Kunstwerken bestückten Märkten verzaubert, begegnet man dem “Maler von La Boca”, Benito Quinquela Martín, auf Schritt und Tritt. Bis heute einer der populärsten Künstler Argentiniens, prägte Quinquela Martín (1890-1977) mit seinem Lebenswerk das Gesicht des beliebten Hafenviertels entscheidend mit – allenthalben sieht man in den Straßen von ihm gestaltete Keramiken und Wandgemälde; verkaufen Künstler von ihm inspirierte Gemälde, und nicht zuletzt befindet sich das von ihm gegründete “Museo Quinquela Martín” mitten im Herzen von “La Boca”. Hier kann man nicht nur die beeindruckenden Gemälde des Künstlers selbst bewundern, die er seinem Viertel als Geschenk überreichte, sondern auch eine Sammlung von Werken anderer Künstler der “Boca”, die auf Quinquelas ausdrücklichen Wunsch mit in das Museum aufgenommen wurden.

Vom Waisenkind zum populären Künstler und Philanthropen

Die Geschichte des Benito Quinquela Martín rührt ans Herz. Am 20. März 1890 wurde das von seinen Eltern verlassene Kind von Ordensschwestern gefunden, die ihn auf den Namen Juan Benito Martín tauften und sein Alter auf ungefähr 20 Tage einschätzten. In der von einer starken Einwanderung und hoher Arbeitslosigkeit geprägten Zeit wurden bis zu drei Kinder pro Tag in Buenos Aires ausgesetzt, die meisten verbrachten ihr Leben im Waisenhaus oder starben jung. Der kleine Juan Benito lebte 7 1/2 Jahre im Waisenhaus – die Ordensschwestern gaben die Kinder erst mit sechs Jahren, also im arbeitsfähigen Alter, zur Adoption frei – und wurde dann von dem kinderlosen Ehepaar Manuel Chinchella und Justina Molino adoptiert. Mit 14 Jahren begann er zu arbeiten und besuchte abends eine Kunstschule.

Schon bald kristallisierte sich sein großes Talent heraus und er verlegte sich ganz auf das Studium der Malerei. Zunächst malte er Porträts der Menschen seines Viertels, bis er begann, sich seinen berühmten Hafenszenen zu widmen. Im Alter von 29 Jahren änderte er seinen Namen in Benito Quinquela Martín um. Die Güte, die er von seinen Adoptiveltern empfangen hatte, mit denen er bis an ihr Lebensende zusammenlebte, zahlte er später vielfach zurück: Er gründete eine Schule, einen Kindergarten, ein Haus, in dem Ammen ausgesetzte oder arme Kinder stillten, eine Kunstschule für Kinder und ein zahnärztliches Institut für die Armen. Er selbst hatte sein Leben lang unter seinen schlechten Zähnen gelitten.

Aus dem Vertrauten neue Welten schaffen

Benito Quinquela Martíns Gemälde lassen das Leben und die Atmosphäre des Hafenviertels – das Universum, von dem er umgeben war – unmittelbar auferstehen: die emsige Betriebsamkeit der Hafenarbeiter beim Be- und Entladen der Schiffe, die Arbeit in den umliegenden Gießereien oder Kohlefabriken, die Schiffe vor Anker oder in der Werft, die Kräne, Fluss- oder Hafenlandschaften zu den verschiedensten Tages- oder Nachtzeiten. Voller Farbenfreude, mit kräftigem Pinselstrich oder energisch aufgetragenem Spachtel, fing Quinquela Martín die Nuancen des Lichts, des Himmels, des Wassers, des Nebels, der Bewegungen und Energien seines Universums ein. “Hier fiel mir alles leicht”, schrieb er über das Thema seiner Malerei, “die Atmosphäre und die Dinge hatten sich über Jahre hinweg auf meiner Netzhaut eingebrannt, es gab nichts, was mir nicht vertraut gewesen wäre, ich wusste, wie sich jeder kleinste Muskel beim Beladen oder Entladen bewegte; alles ging wie von selbst, weil ich die Strukturen kannte.”

Xul Solar – Mystiker mit Wurzeln im Tigre-Delta und Palermo

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Die Stadt als Symbol: “Ciudá y abismos” (1946) von Xul Solar.

Ein Universum für sich ist der argentinische Mystiker und Künstler Xul Solar. Sein Werk ist sicher das am schwersten zugängliche in der argentinischen Kunst, in seiner Komplexität und Rätselhaftigkeit am ehesten vergleichbar dem seines Freundes und weltberühmten Literaten Jorge Luis Borges. Dennoch findet man auch im Werk Xuls ständige Referenzen seiner Heimatstadt Buenos Aires, vor allem des malerischen Tigre-Deltas, wo er seine ersten Lebensjahre verbrachte und auch seine letzten – von 1956 bis zu seinem Tod im Jahre 1963. Xuls düstere, futuristische Berglandschaften mit endlosen Treppen und Leitern und in Kaminen verschwindenden Menschen, die er unter dem Eindruck des Zweiten Weltkriegs malte, entlehnte er dem riesigen Gefängnisbau “Penitenciaría Nacional” im Stadtteil Palermo, in dem sein Vater viele Jahre als Ingenieur arbeitete. Die gelben Mauern des Gefängnis-Kolosses, der 1963 abgerissen wurde, hat das Werk vieler Künstler und Literaten inspiriert – u.a. auch die Geschichten von Don Isidro Parodi, der Kriminalfälle von einer Zelle dieser Gefängnisanstalt aus löste, die Borges und Adolfo Bioy Casares unter dem Pseudonym H. Bustos Domecq schrieben.

Ein Intellektueller seiner Zeit

Xul2.jpgXul Solar wurde 1887 in Buenos Aires als Oscar Agustín Alejandro Schulz Solari geboren. Er war einziges Kind eines lettischen Vaters und einer italienischen Mutter. Ein Architekturstudium brach er nach zwei Jahren ab, und er lernte das Geigenspiel. Wie viele junge argentinische Intellektuelle der Zeit, verbrachte Xul Solar viele Studienjahre in Europa. Von 1912-1924 hielt er sich in London, Paris, Mailand und München auf. Abgesehen vom Studium der Kunstgeschichte und dem Kontakt zur europäischen Avantgarde begann Xul, sich mit dem Werk Rudolf Steiners und des englischen Esoterikers Aleister Crowley zu beschäftigen. So galt sein Interesse schon früh nicht allein der Kunst, sondern den Religionen, der Metaphysik, der Mythologie und der Astrologie. Xul schuf fast ausschließlich Aquarelle, aber seine Arbeiten waren weit über die rein künstlerische Betätigung hinaus immer Ausdruck seiner Suche nach einer allumfassenden Wahrheit, seines Drangs, Verbindungen und Netzwerke herzustellen zwischen Sprachen, Völkern, Religionen und Anschauungen. Der Künstler, der acht Sprachen beherrschte, beschäftigte sich auch Zeit seines Lebens damit, neue linguistische Systeme zu entwickeln. Für sein „neocriollo”, das das Spanische, Portugiesische und Elemente der Indianersprache Guaraní verbindet, schuf er sogar eine Grammatik; für seine „panlengua”, die eine universelle Weltsprache werden sollte, fehlte ihm die Zeit. Xul war zudem Erfinder, er entwickelte Spiele und schuf Musikinstrumente und Marionetten.

Im Werk von Xul Solar wird das Gefängnis von Palermo zu einem Symbol neben vielen anderen – seinen Fahnen, Schlangen, Buchstaben oder Bändern – und verwandelt sich in Berge, die Bienenstöcken gleichen, vergitterte Fenster oder Türme. Seine Visionen von einer neuen, modernen Stadt drückt er in Bildern von der Großstadt Buenos Aires aus, die immer erkennbar ist – am ehesten in den letzten, farbenfrohen, optimistischen Aquarellen seines Lieblingsorts – des Tigre-Deltas, wo er bis zum letzten Atemzug in seiner Werkstatt seiner künstlerischen Arbeit und metaphysischen Suche nachging.

Antonio Seguí – exzellenter Porträtist der Stadt

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Großstadtdschungel: “Paisaje urbano” (1998) von Antonio Seguí.

Jeder Künstler ist ein Sonderfall, aber Antonio Seguí, 1934 in Córdoba, Argentiniens zweitgrößter Stadt geboren und seit über 40 Jahren Bürger von Paris, ist ein Sonderfall der Sonderfälle. Wie gelingt es einem Künstler aus dem Landesinneren, wie kein zweiter das Großstadtleben der Hauptstadt zu porträtieren, wie kann ein so lange schon “im Exil” lebender Argentinier den argentinischen Großstadtmenschen auf so satirisch-liebevolle Weise darstellen, wie nur er es vermag? Man kann spekulieren, dass vielleicht gerade ein mit Seguís Sensibilität ausgestatteter “Außenstehender” dazu in der Lage ist, aber man muss auch der Tatsache Rechnung tragen, dass Seguís Kunst eine universelle ist – es ist “die Großstadt” an sich, die er malt, nicht unbedingt nur Buenos Aires (das Paris ohnehin sehr ähnelt), und “der Mensch” an sich, nicht unbedingt nur der “porteño” (Bewohner der Stadt Buenos Aires). Dennoch erkennt man in Seguís humorvoll-bösen, an Comics angelehnten Grafiken und Gemälden den aberwitzigen, hektischen Rhythmus der Stadt am Río de la Plata sofort, und die leicht verstaubte Ehrenhaftigkeit und Eitelkeit der “porteños”, deren fragile Identität Seguí als mit einem umso größeren Ego zugedeckt entlarvt.

Hassliebe und Ruhm

Antonio.jpgNur in der Großstadt Buenos Aires pulsiert das Leben des gigantischen Landes Argentinien, und dieses Leben ist ein gnadenloser, unerbittlicher Konkurrenzkampf. Antonio Seguí hat ihn am eigenen Leib erlebt, als er als junger Künstler, aus Córdoba kommend, in Buenos Aires sein Glück versuchte – wie so viele. Seitdem verbindet ihn eine Hassliebe mit dieser Stadt (die er im übrigen mit so manchem ihrer Bewohner teilt). Heute ist Antonio Seguí einer der erfolgreichsten argentinischen Künstler überhaupt. Im Mai 2005 hat ihm das renommierte “Centre Pompidou” in Paris eine umfassende Retrospektive gewidmet – die erste, die einem Argentinier zuteil geworden ist. Seiner Heimat Argentinien zeigte er seine Verbundenheit, als er dem Museum für Moderne Kunst von Buenos Aires im Jahr 2001 eine Sammlung von 300 Grafiken als Schenkung überreichte.

Florencio Molina Campos – Chronist der Pampa

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In vollem Galopp: Ein Werk von Florencio Molina Campos.

Der Künstler Florencio Molina Campos (1891-1959) hat mit seinen entzückenden, in den Bereich der Karikatur reichenden Darstellungen voller Liebe zum Detail und lichtdurchfluteter Energie wie kein zweiter das Leben auf dem Lande porträtiert, vor allem aber die Welt der Gauchos: ihre Reiterkunststücke, die Messerkämpfe oder das Truco-Spiel in der “Pulpería”, einem Treffpunkt, der Kneipe und Einkaufsladen zugleich war. Molina Campos’ Bilder schmückten seit 1931 über 15 Jahre lang die Kalender der Alpargatas-Schuhfabrik, mit denen er eine unvergleichliche Popularität erlangte – es waren 18 Millionen Exemplare von dieser “Pinakothek der Armen” im Umlauf, eine für die Epoche fast unvorstellbar hohe Zahl. Wenn man Glück hat, kann man auf dem berühmten Antik-Markt von San Telmo heute noch alte Alpargatas-Kalenderblätter mit den Abbildungen von Molina Campos erstehen. 1942 reiste Florencio Molina Campos in die USA, um mit Walt Disney einen auf seinen Zeichnungen basierenden Film zu produzieren. Im Museum Molina Campos kann man Fotos von Walt Disney und seinen Zeichnern in Argentinien bewundern, wohin sie extra reisten, um Florencio Molina Campos die Einladung zu überbringen.

Detailgetreuer Beobachter

molina2.jpgFlorencio Molina Campos verbrachte seine Kindheit zwischen Buenos Aires und den Ländereien seiner Eltern in der Provinz Buenos Aires und der Provinz Entre Ríos. In seinen Werken wird deutlich, welch unglaublich scharfer Beobachter er gewesen sein muss, denn jedes Detail in seinen Bildern ist bis ins letzte ausgearbeitet – die Kleidung der Gauchos, ihre Stiefel, ihre Waffen, das Zaumzeug der Pferde, Sättel, Steigbügel, usw. Das führt so weit, dass Molina Campos’ Werke bereits als historische Dokumente herangezogen werden. Das hervorstechendste Merkmal seiner Gemälde ist der tiefliegende Horizont, der nur etwa das untere Sechstel des Bildes ausmacht. Damit hat Molina Campos die unendlichen Himmel und die fast grenzenlos scheinende Weite der Pampa meisterhaft festgehalten. Dazu kommt seine Fähigkeit, Stimmungen zu schaffen – es ist vor allem die lebendige Dynamik seiner Werke, die diese so unverwechselbar macht.

Florencio Molina Campos malte ununterbrochen, weil er Spaß am Malen hatte, und wenn ihm das Material ausging, benutzte er sogar Ravioli-Kartons. Seine Bilder verkaufte er zu moderaten Preisen, es ging ihm nie darum, mit seiner Kunst reich zu werden. Zeit seines Lebens musste sich der Künstler den Vorwurf gefallen lassen, dass er Pferde im Galopp mit allen vier Hufen auf einmal in der Luft malte. Das sei unmöglich, wurde ihm gesagt. Er hielt dagegen, er male, was er sehe. Erst als die Technik etwas weiter vorangeschritten war, bekam Molina Campos recht: In der Zeitlupe im Film ist zu erkennen, dass zu einem bestimmten Zeitpunkt im Galopp das Pferd den Boden mit keinem seiner Hufe berührt.

Magier der Farbe

Yves Klein-Retrospektive in der Fundación Proa

Von Susanne Franz


Der französische Avantgarde-Künstler Yves Klein (1928-1962) gilt als Vorläufer der Pop Art und der Konzeptkunst. Erverfasste Essays, komponierte Musik und drehte Filme. Bekannt sind aber vor allem seine monochromen Bildkompositionen, insbesondere diejenigen, die er in einem von ihm entwickelten und unter dem Namen “International Klein Blue” (IKB) patentierten Ultramarinblau anfertigte. In Buenos Aires wird am morgigen Samstag in der Fundación Proa eine bedeutende Retrospektive des visionären Künstlers eröffnet, die bis zum 31. Juli zu sehen sein wird.

Kuratiert von Daniel Moquay von den Yves Klein Archives – er ist heute mit Rotraut Klein, der Witwe Yves Kleins und Schwester von Günter Uecker verheiratet – und unter der Schirmherrschaft der Französischen Botschaft in Argentinien, vereint die Ausstellung die wichtigsten Werke Yves Kleins – 70 an der Zahl. Zum ersten Mal wird sein Werk so ausführlich in Lateinamerika gewürdigt.

Neben den ersten monochromen Werken von 1955, den Gemälden in seinem berühmten Blau und den Feuergemälden sind auch seine Schwammreliefs und Werke in Gold ausgestellt. Einige der wegweisenden Performances Yves Kleins sind anhand von Dokumenten und Fotografien aus dem umfangreichen Archiv des Künstlers zu sehen.

Die Ausstellung in der Fundación Proa (Av. Pedro de Mendoza 1929) ist vom 18. März bis 31. Juli 2017 dienstags bis sonntags von 11 bis 19 Uhr zu sehen, der Eintritt kostet 50 Pesos. Es gibt zahlreiche Angebote im Umfeld der Schau – einen Kurs über Yves Klein, eine Aufführung eines seiner Konzerte, Butoh-Tanz, Performances, die sein Werk zum Thema haben, und im Juni ein internationales Yves Klein-Kolloquium.

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Sein erstes Werk schuf Yves Klein 1946, als er – in Nizza am Strand liegend – den blauen Himmel signierte.

Künstler zwischen den Welten

Argentinier Scasso eröffnet Pollock-Jahr in Mülheim/Ruhr

Von Susanne Franz


Der argentinische Künstler Alejandro Scasso, der 20 Jahre in Köln gelebt und dort eine Familie gegründet hat, hat zwar vor vier Jahren seinen Hauptwohnsitz wieder nach Buenos Aires zurück verlegt, verbringt aber weiterhin mehrere Monate im Jahr in Deutschland. Diesmal ist der Doppelstaatsbürger seit kurz vor Weihnachten im kalten Europa. Schlittenfahren an den Wochenenden gehört dabei genauso zu seinem Programm wie ausgedehnte Streifzüge durch die Museen und Galerien in Köln und Umgebung. Und es läuft gerade eine erfolgreiche Ausstellung des Künstlers in Mülheim an der Ruhr.

Frage: Du hast am 4. Februar eine Ausstellung in der “Galerie an der Ruhr” (Ruhr Gallery) eröffnet. Wie war die Resonanz des Publikums/der Medien?

Alejandro Scasso: Die Ausstellung war sehr gut besucht, und besonders erfreulich war es, dass viele Freunde aus den verschiedensten Ecken Deutschlands angereist sind. Es sind einige Artikel in verschiedenen Zeitungen erschienen und in dem Fernsehmagazin WDR lokal wurde ein kurzer Beitrag über die Ausstellung gesendet.

Frage: Mit deiner Ausstellung wurde in der “Galerie an der Ruhr” das “Pollock-Jahr” eröffnet. Siehst du Parallelen zwischen deiner Arbeit und der des US-amerikanischen abstrakten Expressionisten?

Alejandro Scasso: Ja, in meinen Arbeiten setze ich mich sehr intensiv mit den Elementen und der Grammatik des abstrakten Expressionismus und seinem Einfluss auseinander, wobei ich über Sinn und Bedeutung der menschlichen Geste nachdenke und wie diese im Kontext des digitalen Zeitalters überleben kann.

Frage: Konntest du neue Kontakte knüpfen, haben sich Gelegenheiten zu weiteren Ausstellungen ergeben?

Alejandro Scasso: Ja, ich nehme an der Pollock-Ausstellung der “Galerie an der Ruhr” im Mai teil, und gleichzeitig habe ich eine große Ausstellung im Hauptgebäude der “Banco Ciudad” in Buenos Aires (Florida / Ecke Sarmiento), welches gerade renoviert wurde. Damit wird das Einzelausstellungsprogramm dieses Ortes eröffnet.

Frage: Wie gefällt dir die Kunstszene in Köln und im Ruhrgebiet, sind momentan besonders interessante Ausstellungen zu sehen?

Alejandro Scasso: Köln ist eine Stadt, wo man im Umkreis von 50 Kilometern viele verschiedene Museen und Galerien besuchen kann. In Köln ist beispielsweise das Museum Ludwig, wo momentan die 26 neuen abstrakten Gemälde von Gerhard Richter ausgestellt werden, die alle 2016 entstanden sind. Dies ist seinem 85. Geburtstag gewidmet. Ein weiteres spannendes Museum, welches die Kultur Asiens gut in einer großen Sammlung repräsentiert, ist das Museum für Ostasiatische Kunst. Ein Museum, welches ich letztens zum ersten Mal besucht habe, war das Max Ernst-Museum in Brühl, es hat mich aufgrund seiner umfangreichen Sammlung der Arbeiten des Künstlers sehr beeindruckt. Am Dienstag war ich in Essen und habe den neuen, erstaunlichen Anbau des Museums Folkwang bestaunen können.

Frage: Fährst du nächste Woche auf die spanische Kunstmesse Arco, wo Argentinien in diesem Jahr Gastland ist?

Alejandro Scasso: Ja, da möchte ich einige Sammler treffen, und die Gelegenheit nutzen, um Kontakte für weitere Ausstellungen zu knüpfen. Demnächst kann ich gerne über die Eindrücke der Messe berichten.

Vielen Dank für das Gespräch!

(Alejandro Scassos Ausstellung in der “Galerie an der Ruhr”, Ruhrstr. 3 / Ecke Delle, Mülheim an der Ruhr, ist noch bis zum 24. Februar geöffnet.)

Foto:
Die Chemie stimmt zwischen Argentinien und Deutschland: Alejandro Scasso (links) mit Galerist Ivo Franz bei der Eröffnung in der “Galerie an der Ruhr”.
(Foto: Stephan Wirges)

Begegnungen auf Augenhöhe

Künstlerporträts von Angelika Platen im Willy-Brandt-Haus in Berlin

Von Nicole Büsing und Heiko Klaas


Ob Joseph Beuys, Christo, Man Ray oder Walter de Maria. Die Ausstellung “Künstlern auf der Spur – Portraits 1968-2008”, die am 26. Januar mit einer launigen Eröffnungsrede von Krist Gruijthuijsen, dem frischgebackenen neuen Leiter der Kunst-Werke Berlin – KW Institute for Contemporary Art, im Willy-Brandt-Haus in Berlin eröffnet wurde, versammelt ikonische Schwarz-Weiß-Aufnahmen der bekanntesten Künstler der letzten fünf Jahrzehnte.

Ob bei der 4. Documenta in Kassel 1968, in Künstlerateliers, im Stadtraum oder bei den damals überall stattfindenden Happenings und Aktionen im Rheinland, in Hamburg oder Berlin: Die Frau mit der Kamera war um 1968 fast überall dabei. Die Fotografin Angelika Platen machte über viele Jahre einfühlsame Künstlerporträts von Andy Warhol bis Blinky Palermo, von Sigmar Polke über Günther Uecker bis Gerhard Richter. Sie war ihnen stets auf den Fersen, ob bei der Arbeit im Atelier, beim Installieren im Ausstellungsraum oder der Auszeit irgendwo in der Natur.

Ihre Schwarz-Weiß-Fotos entwickelte sie ganz klassisch in der Dunkelkammer und veröffentlichte sie in Zeitschriften und Magazinen. Heute lebt Angelika Platen, die auch als Journalistin für die Wochenzeitung “Die Zeit”, als Galerieleiterin in Hamburg und Kommunikationsleiterin eines Automobilunternehmens in Paris tätig war, in Berlin und Cannes.

Nach 20 Jahren Pause hat sie seit den späten 1990er Jahren ihre alte Tätigkeit wieder aufgenommen. Zu den “Platen Artists” der zweiten Phase zählen Julian Rosefeldt, John Armleder, Jeff Koons oder Jonathan Meese. Aber auch gealterte, von Krankheit gezeichnete Künstler wie Hanne Darboven hat sie kurz vor ihrem Tod noch einmal besucht. Im Willy-Brandt-Haus hängt jetzt eindrucksvoll das Foto von der jungen Konzeptkünstlerin neben der Aufnahme der alten Grande Dame aus Hamburg.


Angelika Platen macht unermüdlich weiter. Stets auf der Suche nach jungen Künstlern der nächsten Generation, den neuen charismatischen Köpfen. Die diesjährige Documenta wird ihr dafür sicherlich viel Futter liefern.

  • “Künstlern auf der Spur. Portraits 1968-2008” von Angelika Platen
  • Willy-Brandt-Haus Berlin
  • Bis 5. März 2017, Di-So 12-18 Uhr.
  • Parallel dazu: “Angelika Platen. Dialog.digital.analog”.
  • Galerie Michael Schultz, Berlin.
  • Bis 18. März 2017, Di-Fr 10-19 Uhr, Sa 10-14 Uhr.

Fotos von oben nach unten:
Angelika Platen: bpk, Günther Uecker, Düsseldorf, 1971.
© Angelika Platen

Angelika Platen: bpk, Julian Rosefeldt, Berlin, 2001.
© Angelika Platen

Tage wie diese

Ausstellung und Buch von Omar Panosetti in der Galerie Ensemble

Von Susanne Franz

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Argentinien ist zwar ein junges Land, aber es schaut auf eine turbulente Geschichte zurück, voller Ereignisse, die sich unauslöschlich in die Erinnerung jedes Einzelnen und in das kollektive Bewusstsein eingegraben haben und die identitätsstiftend geworden sind. “Un Día de Esos” (Einer von diesen Tagen) nennt der argentinische Künstler Omar Panosetti seine Ausstellung mit begleitendem Buch, die Mitte November in der Galerie Ensemble eingeweiht wurde. Die über 20 unveröffentlichten Werke des 1960 geborenen Meisters haben beispielsweise den Malwinenkrieg, das Attentat auf die Amia 1994, die Krise 2001 oder den Brand in der Diskothek Cromañon zum Thema, aber auch die mutigen Märsche der Mütter der Plaza de Mayo oder die Errungenschaft der gleichgeschlechtlichen Ehe sind Themen – und natürlich die “Hand Gottes”, das umstrittene Tor, das Diego Maradona 1986 in Mexiko gegen Großbritannien erzielte.

Panosettis unnachahmlicher Malstil gibt seinen Bildern den Anstrich von Leichtigkeit, als sei das Werk ohne viel Mühe entstanden – das Ergebnis einer langen, fundierten Laufbahn, die es ihm erlaubt hat, immer freier und gewagter seiner künstlerischen Sprache Ausdruck zu verleihen. Seine schrägen Perspektiven sind mit typischen Pano-Elementen wie Hochhäusern, Hunden, Herzen und an Karikaturen anmutenden Menschen bevölkert, und in dieser Serie auch “nationalen” Symbolen wie der Flagge, der Pyramide auf der Plaza de Mayo oder dem Obelisken.

Das bunte Chaos, das wie zufällig zusammengewürfelt scheint, ergibt ein perfektes Ganzes, das auch die gesamte Gefühlsbandbreite des jeweiligen Ereignisses transportiert – den Horror angesichts der fast 200 verbrannten jungen Menschen in Cromañon, die Tragik der Versenkung der “Belgrano”, die Verzweiflung angesichts des schrecklichen AMIA-Attentats, die Untergangsstimmung und zugleich die Absurdität der Krisentage um den 19. Dezember 2001.

Omar Panosetti ist ein wahrer Meister und seine Werke ein Genuss. Wie gut, dass die Ausstellung in der neu eröffneten Galerie Ensemble im schicken Stadtviertel Recoleta (Guido 1746) noch bis März 2017 geöffnet sein wird! Man kann die Bilder auch zu relativ erschwinglichen Preisen erwerben: Jedes der Werke existiert in einer limitierten Auflage von 10 signierten Exemplaren (30×40 cm-Giclée-Drucke auf 240gsm Aquarellpapier). Preise und Details zum Versand kann man in der Galerie oder bei omarpanosetti@gmail.com oder durch eine Nachricht auf seiner Facebook-Seite erfragen.

In dem die Ausstellung begleitenden schönen Büchlein, das für 300 Pesos zu haben ist, sind die Werke von Texten verschiedener Autoren aus dem Kulturbereich, Journalisten oder Geschichtswissenschaftlern begleitet.

  • Omar Panosetti, “Un Día de Esos”, Aquarelle.
  • Galería Ensemble, Guido 1746, Buenos Aires.
  • Mo-Fr 11-19 Uhr.
  • Bis März 2017.

Foto:
Omar Panosetti, “La Mano de Dios”.

Tage wie diese

Ausstellung und Buch von Omar Panosetti in der Galerie Ensemble

Von Susanne Franz

mano_de_dios
Argentinien ist zwar ein junges Land, aber es schaut auf eine turbulente Geschichte zurück, voller Ereignisse, die sich unauslöschlich in die Erinnerung jedes Einzelnen und in das kollektive Bewusstsein eingegraben haben und die identitätsstiftend geworden sind. “Un Día de Esos” (Einer von diesen Tagen) nennt der argentinische Künstler Omar Panosetti seine Ausstellung mit begleitendem Buch, die Mitte November in der Galerie Ensemble eingeweiht worden ist. Die über 20 unveröffentlichten Werke des 1960 geborenen Meisters haben beispielsweise den Malwinenkrieg, das Attentat auf die Amia 1994, die Krise 2001 oder den Brand in der Diskothek Cromañon zum Thema, aber auch die mutigen Märsche der Mütter der Plaza de Mayo oder die Errungenschaft der gleichgeschlechtlichen Ehe sind Themen – und natürlich die “Hand Gottes”, das umstrittene Tor, das Diego Maradona 1986 in Mexiko gegen Großbritannien erzielte.

Panosettis unnachahmlicher Malstil gibt seinen Bildern den Anstrich von Leichtigkeit, als sei das Werk ohne viel Mühe entstanden – das Ergebnis einer langen, fundierten Laufbahn, die es ihm erlaubt hat, immer freier und gewagter seiner künstlerischen Sprache Ausdruck zu verleihen. Seine schrägen Perspektiven sind mit typischen Pano-Elementen wie Hochhäusern, Hunden, Herzen und an Karikaturen anmutenden Menschen bevölkert, und in dieser Serie auch “nationalen” Elementen wie der Flagge, der Pyramide auf der Plaza de Mayo oder dem Obelisken. Das bunte Chaos, das wie zufällig zusammengewürfelt scheint, ergibt ein perfektes Ganzes, das auch die gesamte Gefühlsbandbreite des jeweiligen Ereignisses transportiert – den Horror angesichts der fast 200 verbrannten jungen Menschen in Cromañon, die Tragik der Versenkung der “Belgrano”, die Verzweiflung angesichts des schrecklichen AMIA-Attentats, die Untergangsstimmung und zugleich die Absurdität der Krisentage um den 19. Dezember 2001.

Omar Panosetti ist ein wahrer Meister und seine Werke ein Genuss. Wie gut, dass die Ausstellung in der neu eröffneten Galerie Ensemble im schicken Stadtviertel Recoleta (Guido 1746) noch bis März 2017 geöffnet sein wird! Wer ein originelles Weihnachtsgeschenk sucht: Jedes der Werke existiert in einer limitierten Auflage von 10 signierten Exemplaren (30×40 cm-Giclée-Drucke auf 240gsm Aquarellpapier). Preise und Details zum Versand kann man in der Galerie oder bei omarpanosetti@gmail.com oder durch eine Nachricht auf seiner Facebook-Seite erfragen.

In dem die Ausstellung begleitenden schönen Büchlein, das für 300 Pesos zu haben ist, sind die Werke von Texten verschiedener Autoren aus dem Kulturbereich, Journalisten oder Geschichtswissenschaftlern begleitet.

Ein Gespräch mit dem Künstler in der Galerie ist für den 10. Dezember um 19.30 Uhr angesetzt.

  • Omar Panosetti, “Un Día de Esos”, Aquarelle.
  • Galería Ensemble, Guido 1746, Buenos Aires.
  • Mo-Fr 11-19 Uhr.
  • Bis März 2017.

Foto:
Omar Panosetti, “La Mano de Dios”.

Wenn Orte sprechen

Die deutsche Dokumentaressayistin Juliane Henrich war bei 16. Internationalen Dokumentarfilmfestival “Doc Buenos Aires”

Von Ivana Forster

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Eine ganze Woche widmete sich das Doc Buenos Aires zum 16. Mal dem Besten, was das Dokumentarkino derzeit zu bieten hat. Vom 20. bis zum 27. Oktober lud das Filmfestival nationale und internationale Künstler ein, ihre Werke zu präsentieren und diskutieren. Unter ihnen auch zwei deutsche – eine davon ist die 1983 geborene Juliane Henrich, die vom Goethe-Institut Buenos Aires eingeladen wurde. Die Filmemacherin lebt und arbeitet in Berlin und beschäftigt sich in ihren Dokumentationen besonders mit öffentlichen und privaten Räumen und Architektur.

Ivana Forster: Sie haben in Leipzig und Berlin Literarisches Schreiben und Kunst und Medien studiert. Da ist der eingeschlagene Karriereweg nicht abwegig. Gab es trotzdem ein ausschlaggebendes Ereignis, das zu genau diesem Beruf führte?

Juliane Henrich: Nein, eigentlich nicht. Ich habe zuerst Literarisches Schreiben studiert. Man könnte das eine Kunsthochschule für das Schreiben nennen. Die Ausbildung gibt es in Deutschland nur in Leipzig und Hildesheim. Aber dort habe ich gemerkt: Ich will nicht nur schreiben, sondern auch etwas mit Bildern machen. Ich bin dann nach Berlin gegangen, um Kunst und Medien als Filmstudiengang zu studieren. Seitdem mache ich Filme. Aber Text ist immer noch eine wichtige Referenz.

IFO: Sie sind in Solingen geboren, in Bielefeld aufgewachsen und haben im Osten studiert. Wie hat sich das auf Ihre Arbeit ausgewirkt?

JH: In meinem Film “Aus westlichen Richtungen” geht es eigentlich um den alten Westen – mit Perspektive auf die Teilung. Es geht vor allem um Architektur in Westdeutschland, die ich als Kind kannte und wahrgenommen habe und die mir dann im Kontrast sehr stark aufgefallen ist, als ich in Leipzig gelebt habe und meine Eltern im Westen besucht habe. Dort herrschte ein ganz anderer Architekturstil vor. Ich dachte, ich muss irgendetwas über das Gefühl machen, das mit dieser Architektur zusammenhängt. Nach und nach kamen dann andere Ideen dazu. Dass es eigentlich auch um die politischen Hintergründe geht.

IFO: Sie sagten einmal, dass Ihre Filme davon handeln, wie Orte sich verändern und neu schreiben. Inwiefern hat ein Ort in Ihrer Auffassung ein Eigenleben?

JH: Das kann man sich auch fragen. Und ich glaube, darum geht es auch. Es gibt bestimmte Atmosphären, die vielleicht mit der Geschichte eines Ortes zusammenhängen. Aber was ich damit meinte, waren vor allem die Definitionen, die Menschen Orten zuschreiben. Etwa, dass man einem Ort einen Namen gibt. Es gibt einen Kurzfilm namens “Schleifen”, in dem es um Orte geht, die abgerissen und an anderer Stelle wieder aufgebaut werden. In dem Zusammenhang fand ich spannend, ob ein Ort der gleiche ist, weil er genauso heißt und die gleichen Leute dort wohnen. In anderen Arbeiten geht es auch darum, dass sich auch der Westen als Definition im Laufe der Zeit verschiebt. Dieser ursprüngliche goldene Westen, den man vielleicht einmal vom Osten aus bewundert hat, der inzwischen doch sehr heruntergekommen und überhaupt nicht mehr glamourös aussieht.

IFO: Inwiefern prägen sich Architektur, öffentlicher Raum und Gesellschaft gegenseitig?

JH: Das ist eine der großen Fragen, die ich mir mit den Filmen stelle. Ich kann nicht genau sagen, wie, aber es passiert definitiv. Dass Menschen sich vielleicht anders verhalten in bestimmten Räumen und dass vieles, was man sich ausgedacht hat für die Architektur, was sie eigentlich sein soll, beispielsweise in westdeutschen Städten oft nicht funktioniert hat. Es vermittelt eher den Eindruck von Kälte. Ich glaube, manche Leute sehen das als reine Kritik an dieser Architektur. Für mich ist es aber auch mit Nostalgie verbunden.

IFO: In Ihren Filmen sind oft sehr wenige Personen zu sehen. Was macht für Sie den Reiz daran aus, Filme mit wenigen Menschen und vielen Standbildern zu drehen?

JH: Ich glaube, ich persönlich finde diese Strukturen am interessantesten – architektonische Strukturen und diese Überschneidungen von Altem und Neuem, das im Stadtbild gebaut ist. Menschen ziehen natürlich wahnsinnig viel Aufmerksamkeit auf sich, wenn sie im Bild sind. Beispielsweise in “Aus westlichen Richtungen” geht es auch um diese Atmosphäre der Anonymität und dass man das gar nicht so sehr in Bezug zum Menschen setzt.

IFO: Was ist Ihnen bisher in Buenos Aires aufgefallen, was Architektur und öffentlichen Raum angeht? Wäre es reizvoll, hier einmal zu drehen?

JH: Auf jeden Fall. Ich kenne die Stadt noch nicht so gut, ich bin erst vor wenigen Tagen angekommen und ein wenig herumgelaufen. Aber ich achte immer sehr stark auf Architektur und Stellen, an denen man sich fragt, warum die Stadt so gebaut ist. Alles ist in diesem Schachbrettmuster angelegt, das finde ich sehr interessant. Eigentlich müsste man denken, man findet sich besser zurecht. Aber ich verlaufe mich eher. Vielleicht ist mein Gehirn darauf eingestellt, dass es Kurven gibt. Ein Projekt hier würde mich definitiv reizen.

Foto:
Die Dokumentaressayistin Juliane Henrich.
(Privat)

Neu-Interpretation der Pampa

Gemäldeausstellung von Benjamin Weder im Deutschen Klub

weder2Seit 18 Jahren beschäftigt sich Benjamin Weder als Maler mit Argentiniens Landschaften, insbesondere mit der Pampa, genauer gesagt der “Pampa húmeda”, die seit 2012 zu seinem ständigen Zuhause geworden ist: Im Jahr 2012 zog der deutsche Künstler mit seiner Familie nach San José de la Esquina in der Provinz Santa Fe. Die Landschaft der Pampa mit ihren Gauchos und Pferden ist zu einem wiederkehrenden Motiv des bildnerischen Schaffens Weders geworden. Als der Maler sie zum ersten Mal bereiste, stellte sie sich ihm als ein ganz fremder, ferner Ort des Planeten dar, für den es zumindest in Deutschland kein Gegenstück gab. Weder faszinierte die schier endlose Ebene, in der fast gänzlich der Horizont fehlt – und damit auch die klassische Perspektive.

Weder sah dagegen, dass sie “von einem ganz eigenen Licht und eigenen Farben erfüllt (ist), die ich in meine Bilder zu übertragen versuche. Eine klassische, mehr oder weniger naturgetreue Darstellung dieser Szenerie haben andere mir längst vorweggenommen, ich bemühe mich daher, die Dinge, ohne sie gänzlich zu verfremden, in ein neues Licht zu rücken. Das ist mir, wenn man dem deutschen Argentinien-Kenner Professor Nikolaus Werz folgt, wohl auch nicht gänzlich misslungen. ‚Weder schafft mit seinen Gemälden eine Neu-Interpretation der Pampa‘, sagte er jedenfalls zur Eröffnung einer Ausstellung meiner Pampa-Bilder in der Quandt-Stiftung in Berlin im Juli 2015.”

Die argentinische Botschaft in Berlin lud den Künstler darauf ein, im Frühjahr 2016 auch in ihren Räumen eine Auswahl seiner Bilder zu zeigen. Diese Ausstellung trug den Titel “Gauchos en las Nubes”. Und nun wird Benjamin Weder im Club Alemán in Buenos Aires seine neue Serie “Hombre Pampa” zeigen, in der Menschen und Figuren das Übergewicht vor dem landschaftlichen Ambiente haben.

Die Ausstellung im Deutschen Klub (Av. Corrientes 327, 21. Stock) wird am heutigen Samstag, den 15.10., um 19 Uhr eröffnet. Dort wird sie bis zum 28. Oktober zu sehen sein.

Benjamin Weder wurde 1965 in Frankfurt am Main geboren und studierte seit 1986 an der renommierten Städelschule in seiner Heimatstadt, u.a. bei den Malern Thomas Bayerle sowie Rainer Jochims und dem dänischen Bildhauer Per Kirkeby.Im Anschluss arbeitete er als Assistent an der Ausführung mehrerer Walldrawings für den US-Künstler Sol Le Witt in Frankfurt.

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Benjamin Weder vor einem seiner Werke.

„Ich brauche eine wirklich starke Geschichte“

Interview mit Wolfgang Becker, dem Stargast des Deutschen Kinofestivals

Von Ivana Forster und Michaela Ehammer

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Der deutsche Regisseur Wolfgang Becker ist vor allem mit seinem Film “Good Bye Lenin” in Erinnerung geblieben. Seit diesem Beitrag sind jedoch viele Jahre vergangen. Nun glänzt er erneut mit seinem aktuellen Film “Ich und Kaminski”, nicht nur am deutschen Filmhimmel. Seit unglaublichen zwei Jahren tourt er in der Weltgeschichte herum, hat Werbung für seinen Film in stolzen 56 Ländern gemacht und bisher 850 Interviews gegeben. Im Rahmen des 16. “Festival de Cine Alemán” wurde sein jüngstes Werk gestern als Eröffnungsfilm gezeigt. Zu diesem Anlass ist Wolfgang Becker persönlich nach Buenos Aires gereist.

Herr Becker, gab es denn einen bestimmten Grund für die lange Pause seit Ihrem letzten Film, welcher ja bereits zwölf Jahre zurückliegt?

Nichts hätte ich lieber gemacht als gleich wieder einen Film, aber dafür braucht man einfach ein gutes Drehbuch. Es gibt Regisseure, die verfilmen Drehbücher, weil sie damit Geld verdienen. Aber die hängen nicht mit so einem Herzblut an dem Film. Ich brauche eine wirklich starke Geschichte, die mir den langen Atem für zwei, drei oder vier Jahre gibt. Und die liegen nicht rum wie Sand am Meer. Außerdem kann ich nicht alles erzählen. Jeder hat seine Talente- wenn ich etwas finde, das mit meinem Talent für eine bestimmte Art von Geschichten zusammenkommt, dann kommen auch tolle Filme dabei heraus. Einfach nur einen Film zu machen, weil man einen machen will, würde bei mir zu einer ziemlichen Katastrophe führen. Deswegen mache ich lieber keinen. Ich habe nur wenige, aber alle stehen sehr gut da und ich mag sie wie meine Kinder. Es gibt keinen, den ich lieber verstecke. Außerdem dauert es immer sehr lange, einen Film zu promoten. Während Daniel Brühl schon fünf weitere Filme gedreht hatte, war ich immer noch mit “Ich und Kaminski” beschäftigt.

Sie haben Daniel Brühl erwähnt- er hat sich ja insgesamt sehr weiterentwickelt seit dem letzten Film. Wie hat sich die Zusammenarbeit seit “Good Bye Lenin” verändert?

Daniel war damals 21 oder 22 Jahre alt. Das war wirklich ein Vater-Sohn-Verhältnis. Er hat dann sehr viele Rollen bekommen, allerdings auch sehr einseitige Angebote. Er hatte auch eine Sehnsucht, danach, mal ein Arschloch zu spielen. Wenn man jung ist, macht man viel stärkere Entwicklungen durch. Die Veränderung in meinem Alter ist nicht mehr so stark.
Der Unterschied war, dass aus dem Vater-Sohn- ein Freundschaftsverhältnis geworden ist – trotz des großen Altersunterschiedes. Wir sind Kumpels und ziehen gemeinsam los und in den Urlaub. Er ist jetzt ein Kollege auf Augenhöhe mit einem großen Erfahrungsschatz. Man muss sich vorstellen: Er hat seit “Ich und Kaminski” sechs Filme gedreht und ich sitze immer noch hier und mache Interviews zum selben Film.

Da Sie eben die so genannte “Arschloch-Rolle” angesprochen haben – war Daniel Brühl Ihre erste Wahl für den Film?

Ja, er war die einzige Wahl. Wenn er den Film nicht gemacht hätte, hätte ich den auch nicht gedreht. Daniel hatte viele Anfragen für Drehs, bei denen er viel, viel mehr verdient hat. Wir mussten immer sehen, welche Zeit er für den Film freihält, denn wir konnten nur im Sommer drehen. Hätte das nicht geklappt, wäre der Film gar nicht erst gedreht worden. Ich kenne nämlich keinen anderen Schauspieler, der es hinbekommt, ein Arschloch zu sein, aber gleichzeitig doch irgendwie nach einer bestimmten Zeit bei Frauen so einen Schutzreflex hervorzurufen. Bei Männern ist es so, dass man ihn eigentlich schütteln möchte. Man nimmt es ihm nicht so übel, wie man es anderen Leuten übelnehmen würde. Das gehört auch zu seiner privaten Persönlichkeit (lacht). Was mich maßlos an unserem Verhältnis ärgert, ist, dass er sich Dinge, also Kleinigkeiten leisten kann, die man mir immer übelnimmt. Beispielsweise schnorrt er überall Zigaretten. Aber sein natürlicher Charme macht es wieder wett.

Für diejenigen, die “Ich und Kaminski” nicht gelesen haben – waren die Personen im Buch auch solche sturen Köpfe?

Ja, die waren sie, doch jeder liest das Buch anders und interpretiert für sich selber, inwieweit es für den Leser nun ein Sturkopf und Egozentriker ist. Im Film ist das festgelegt, da lässt sich das nicht mehr interpretieren. Das ist der große Unterschied zur Literatur.

Sie hatten bei der Pressekonferenz einen Kameramann erwähnt, für den Sie sich eigentlich entschieden hatten, welcher jedoch verstorben ist.

Der Kameramann, mit dem ich all meine Filme gedreht habe, war Martin Kukula. Mit ihm habe ich angefangen. Ich habe ihn kennengelernt, während ich an der Filmhochschule war und meinen Abschlussfilm gedreht habe. Das war sein erster größerer Film und danach haben wir viele zusammen gedreht. Er ist an Krebs verstorben und ein wichtiger Mitarbeiter ist damit weggebrochen. Er ist einfach nicht mehr da gewesen. Der Kameramann ist für mich der wichtigste Partner, den man als Regisseur hat. Die Arbeit mit Martin war eine fast nonverbale. Er fehlt mir heute noch und ist eigentlich gar nicht ersetzbar, auch als Mensch nicht. Doch mit Jürgen Jürges ist die Zusammenarbeit auch ein Vergnügen.

Nun eine inhaltliche Frage zum Film. Wie hat sich der Verdacht Sebastian Zöllners, dass Kaminski gar nicht blind sei, so verhärtet?

Er hat letztendlich keinen Beweis dafür. Zöllner ist ja ein Schaumschläger und will unbedingt sein Buch verkaufen. Er kommt sozusagen mit einem Dummy an, auf dem sein Name schon draufsteht, genauso groß wie „Kaminski“. Den Inhalt will er noch schnell schreiben und behauptet, die Sensation überhaupt zu haben. Das ist ja heute so, man kann Biografien nur noch verkaufen, indem man eine völlig abstruse These hinstellt. Beispielsweise die von Gandhi: Vor zwei, drei Jahren hat ein Engländer eine neue Biografie über Gandhi, die Galionsfigur des gewaltlosen Widerstandes, geschrieben. Die wurde damit genährt, dass Gandhi seine Frauen verprügelt habe. Man braucht halt einen kleinen Skandal als Aufhänger, wenn man etwas verkaufen will. Woher Zöllner diesen Verdacht letztendlich hat, ist unerheblich, und er stellt dann am Ende zu seinem Erstaunen fest, dass er sich anscheinend geirrt hat.

Warum wurden ausgerechnet die 90er Jahre als Schauplatz für den Film gewählt? War das im Buch auch schon so vorgegeben?

Die ganze Kunstszene, wie sie im Buch beschrieben ist, würde mit dem Zeitpunkt, an dem wir angefangen haben zu drehen, nicht mehr übereinstimmen. Man hätte das sehr stark verändern müssen. Die Kunstszene hat sich innerhalb dieser Jahre so unglaublich verändert, dass es nicht mehr glaubwürdig gewesen wäre. Es hätte auch nicht gepasst, wenn es im Jahr 2015 spielt, denn wenn man einmal nachrechnet, wie alt jemand sein muss, um Schüler von Matisse gewesen zu sein, dann müsste Kaminski ja schon weit über 100 sein.

Gibt es ein Idol, das Sie besonders inspiriert hat, den Beruf als Regisseur zu wählen?

Ich gehöre nicht zu den Regisseuren, die in der Talkshow erzählen können, dass sie schon mit sechs Jahren auf dem Schoß des Filmvorführers gesessen haben und, wie heißt es so schön, das Leben für das Kino geschwänzt haben. Dass ich selbst einmal mit dem Kino zu tun haben würde, habe ich selbst im Alter von 20 Jahren noch nicht gewusst. Ich habe zunächst Germanistik und Geschichte studiert, bin also ausgebildeter Historiker, und bin erst über die Kameraarbeit zur Regie gekommen. Es gibt schon Leute, die mich sehr begeistern, und diese beeinflussen mich natürlich auch in meinem Tun. Ich mag Filme von Martin Scorsese, Mike Leigh oder Truffaut, auch Kubrick-Filme gefallen mir sehr, doch ich bin da nicht exzeptionell, denn die gefallen vielen Menschen.

Noch eine kurze Frage zum Schluss: Dürfen wir uns schon auf ein neues Filmprojekt freuen?

Ich plane einen neuen Film und einer der Drehorte soll Buenos Aires sein, aber ich möchte noch nichts Genaueres darüber verraten (schmunzelt).

Herr Becker, vielen Dank für das Gespräch.

Foto:
“Ich und Kaminski”-Regisseur Wolfgang Becker.

Offenbarungen in Schwarz-Weiß

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“Revelaciones” – Fotoausstellung von Gerardo Korn im Centro Cultural Borges

Von Susanne Franz

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“Ich wurde im Jahr 2011 von diesem Rausch erfasst”, erklärt Gerardo Korn an einem regnerischen Nachmittag im Centro Cultural Borges seine Motivation, Buenos Aires auf eine besondere Art und Weise zu fotografieren. Wir sind gerade durch seine Ausstellung “Revelaciones” gegangen, wobei sich herausgestellt hat, dass dieser so trübe Tag ganz besonders gut geeignet ist, seine menschenleeren Schwarz-Weiß-Bilder der Stadt zu betrachten, die er nachts oder abends oder in den frühen Morgenstunden aufgenommen hat, wenn das Licht diffus und magisch ist. “Buenos Aires sieht man sonst meist nur mit strahlend blauem Himmel, überall wimmelt es von Menschen”, meint Gerardo, der nach eigenem Bekunden keine Ahnung hatte, auf was er sich einließ, als er seine künstlerische Laufbahn begann. “Ich wusste damals nicht, dass ich für einige Bilder drei Jahre brauchen würde.”

Gerardo erzählt von seiner Liebe zur klassischen Fotografie und schwärmt von den Städten Paris und New York, die die Fotografie-Städte schlechthin seien. Er wollte, dass es ähnliche Bilder auch von Buenos Aires gäbe – Bilder voller Melancholie, die die Stadt in einem zeitlosen Zustand zeigen. “Gerade Buenos Aires, eine Stadt, die im Alltag oft aggressiv zu den Bewohnern ist”, reflektiert der in Argentinien geborene Sohn deutscher Eltern, der mit seiner Kunst die Beziehung der Menschen zu ihrer Stadt wiederherstellen möchte, indem er sie in einem friedlichen Zustand zeigt.

Gerardo Korns wunderschöne Bilder stellen einen besonderen Rundgang durch die Stadt Buenos Aires dar. Die meisten Motive kennt man oder hat sie schon hundertmal auf Bildern gesehen – aber noch nie so wie hier. An Stelle von Konsum steht hier Augenschmaus. Jeder einzelne Mensch steht alleine an dieser Stelle und schaut mit dem Fotografen durch das Obektiv, schaut auf einmal richtig hin und kann in Stille und innerer Ruhe mit dem Gesehenen kommunizieren.

Einer, der sofort erkannt hat, dass es sich bei den Bildern Gerardo Korns um wahre Kunstwerke handelt, war der großartige argentinische Maler Guillermo Roux. Diesen sprach Gerardo an, als er begann, einen Ausstellungsraum zu suchen, um seine Kunst bekannter zu machen. Warum gerade Roux? Ganz einfach – die beiden sind Nachbarn und waren dies bereits seit 40 Jahren. Immer grüßte man sich freundlich aus der Ferne, deshalb war Roux zunächst überrrascht, als Gerardo bei ihm vorbeischaute und ihn bat, ob er ihm seine Bilder zeigen dürfte. Er sagt Ja – und war begeistert. Innerhalb von fünf Tagen hatte er einen Text geschrieben, aus dem auch der Titel der Ausstellung, “Revelaciones” (Offenbarungen) stammt, und Gerardo war zu Tränen bewegt. “Seit diesem Tag im April 2015, als ich bei Guillermo Roux geklingelt habe, ist mein Leben nicht mehr, wie es vorher war”, sagt Gerardo. Der große alte Maler, der mittlerweile zu einem Freund geworden ist, gab ihm die Kraft, seine Zweifel zu überwinden, und unterstützte und unterstützt ihn.

Drei der Werke, die in der Ausstellung hängen, sind Gemeinschaftsarbeiten der beiden: Fotografien von Gerardo Korn mit einer Intervention von Roux. Mit Absicht sind die Roux‘schen Elemente nur sehr sparsam eingefügt, um die friedliche Stille der Werke nicht zu zerstören. So geben sie ihnen einen surrealistischen, überraschenden Anstrich. Acht von zehn Werken, die die beiden als Zusammenarbeit angestrebt haben, sind bereits fertig, die drei, die Gerardo am liebsten mag, sind in der Ausstellung zu sehen.

Im vergangenen argentinischen Sommer hat Roux Gerardo Korn eingeladen, fotografisch und filmisch ein Werk von ihm zu dokumentieren: Er wollte eine Göttin in sein Schwimmbad malen, und dann begeisterte er sich und malte das ganze Schwimmbad aus. Der Maler, der im Rollstuhl sitzt, wurde dabei von einem Freund hin und hergeschoben und malte mit einem Pinsel, der an einem ein Meter langen Bambusstab befestigt war. “Das war der Sommer, in dem ich vier Monate in einem Schwimmbad ohne Wasser verbracht habe”, lacht Gerardo, der in Zusammenarbeit mit dem Regisseur Martín Serra in Kürze einen Entwurf des Filmes vorstellen will, der aus dem Material entstehen soll.

“Die Welt ist mein Land”, sagt Gerardo Korn, der seine mit Kodak Professional Tri-X fotografierten Filme nach Halle in Deutschland schickt, wo ein darauf spezialisierter Betrieb sie entwickelt und digitalisiert. Die digitalisierte Version sendet Gerardo nach London, wo die Werke auf feinstem Papier ausgedruckt werden, um dann den Weg zurück nach Argentinien zu finden. Die hohe Qualität der Werke und besonders auch die gewagten, äußerst wirkungsvollen 60 x 90-Formate (die neben anderen in 30 x 45 hängen) tragen mit zu dem Zauber bei, den Gerardos Fotografien ausstrahlen.

Die Ausstellung im Centro Cultural Borges und die Veröffentlichung einiger Werke der Serie “Revelaciones” in Jorge Tardittis Luxus-Kunstmagazin “Georges” sowie das “Göttin im Schwimmbad”-Projekt sind erst der Beginn und nur ein Teil der Pläne des entspannten und zugleich mit viel positiver Energie geladenen Künstlers – momentan arbeitet er auch an einem Tango-Projekt. Sein Ziel? Die Welt, die seine Heimat ist.

Die Ausstellung “Revelaciones” wurde von Virginia Fabri kuratiert und steht unter der Schirmherrschaft der Deutschen Botschaft. Besuchen kann man sie nur noch bis einschließlich Sonntag, den 4. September, im Saal 22 des Centro Cultural Borges, Viamonte/San Martín, Buenos Aires. Öffnungszeiten sind Montag bis Samstag 10-21 Uhr, Sonntag 12-21 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Weitere Infos auf der Webseite des Künstlers bzw. bei Facebook.

Foto:
Gerardo Korn, “Barrio de Retiro, Plaza San Martín, 2012”.

Revelaciones en blanco y negro

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Muestra de fotografía de Gerardo Korn en el Centro Cultural Borges

Por Susanne Franz

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“Este proyecto tomó posesión de mi en 2011”, explica Gerardo Korn en una tarde lluviosa en el Centro Cultural Borges, acerca de su motivación de fotografiar Buenos Aires de un modo muy especial. Acabamos de recorrer su muestra “Revelaciones”, y resulta que este nublado día es ideal para contemplar las imágenes de una Buenos Aires despojada de gente, que capturó de noche o en tempranas horas de la mañana, cuando la luz es difusa y mágica. “Buenos Aires siempre se retrata con cielo azul brillante y llena de gente”, observa Gerardo, quien explica que no tenía idea en lo que se metía cuando inició su carrera artística. “En aquel entonces no sabía que ciertas fotos me demandarían tres años”.

Gerardo cuenta de su amor por la fotografía clásica y en especial de las ciudades Paris y Nueva York, que literalmente son las ciudades de la fotografía. El quería que haya fotos similares de Buenos Aires – imágenes llenas de melancolía, que muestren la ciudad en un estado atemporal. “Buenos Aires es una ciudad que a menudo se muestra agresiva frente a sus habitantes”, reflexiona el hijo de padres alemanes nacido en Argentina, que ansía recomponer la relación de la gente con su ciudad, mostrándola de un modo calmo.

Las fotos de Gerardo Korn muestran un especial recorrido por la ciudad. La mayoría de los lugares fotografiados nos resulta conocida o los hemos visto cientos de veces – pero nunca de este modo. En lugar de consumo vemos un deleite para los ojos. Cada persona está sola en ésta posición y mira con el fotógrafo a través de su lente, observa con más atención y puede comunicarse en paz y tranquilidad interior con lo visto.

Alguien que reconoció enseguida que las imágenes de Gerardo Korn son verdaderas obras de arte, es el gran pintor argentino Guillermo Roux. Gerardo se dirigió a él cuando comenzó a buscar un lugar para exponer, para dar difusión a su arte. ¿Porqué Roux? Muy simple – los dos son vecinos, desde hace más de 40 años. Siempre se saludaron desde lejos, por eso Roux se sorprendió en un primer momento cuando Gerardo pasó por su casa y preguntó si le podía mostrar sus fotos. El dijo que sí – y quedó encantado. Dentro de los próximos cinco días escribió una reseña, dela cual también surgió el título de la exposición “Revelaciones”, y Gerardo quedó emocionado. “Desde éste día en el mes de abril de 2015, cuando le toqué el timbre a Guillermo Roux, mi vida ya no es lo que fue antes”, dice Gerardo. El gran maestro, quien con el tiempo se convirtió en amigo, le dio la fuerza para superar sus dudas, y lo apoyó y sigue apoyando.

Tres de las obras expuestas son trabajos en conjunto de los dos: fotografías de Gerardo Korn intervenidas por Roux. La intención fue agregar los elementos de Roux con moderación, a fin de no destruir la pacífica tranquilidad de las obras. Así reciben un toque de sorpresa y surrealismo. Ocho de las diez obras, que quieren realizar en forma conjunta, ya están listas, y tres de ellas, las preferidos de Gerardo, pueden ser vistas en la exposición.

En el último verano argentino, Roux invitó a Gerardo Korn a documentar en forma fotográfica y fílmica una obra de él: quería pintar una diosa en su pileta, se entusiasmó, y terminó pintando la pileta entera. El artista, que se mueve en silla de ruedas, fue empujado por un amigo hacia cada ubicación específica y pintó con un pincel pegado a una caña de bambú de un metro de largo. “Fue el verano que pasé durante 4 meses en una pileta sin agua”, se ríe Gerardo, que presentará en breve, en colaboración con el director Martín Serra, un proyecto de la película que surge de ese material.

“El mundo es mi lugar”, dice Gerardo Korn, que envía sus rollos de película Kodak Tri-X a Halle en Alemania, para su revelado y digitalizado en un laboratorio especializado. La versión digital es enviada a Londres, para la impresión de las obras en refinados papeles, encontrando después el camino de regreso a la Argentina. La alta calidad de las obras y sobre todo el formato algo arriesgado e impresionante de aquellas en 60×90 (expuestas junto a otras en 30×45) aporta a la magia que irradian las fotografías de Gerardo.

La exposición en el Centro Cultural Borges y la publicación de algunas de sus obras de la serie “Revelaciones” en la revista de arte “Georges” de Jorge Tarditti, cómo así también la del proyecto “La diosa en la pileta”, son recién el comienzo y solamente una parte de los proyectos de este artista relajado y a la vez lleno de energía positiva – en éste momento trabaja además en un proyecto de tango. ¿Su objetivo? El mundo,que es su hogar.

La curadora de la exposición “Revelaciones” fue Virginia Fabri, y recibió el auspicio de la Embajada de Alemania. Se puede visitar hasta el día domingo, 4 de septiembre en la sala 22 del Centro Cultural Borges, Viamonte/San Martín, Buenos Aires. Horario de lunes a sábado de 10 a 21 hs y domingo de 12 a 21 horas. Entrada libre.

Más información en la página web y página de Facebook del artista.

(Traducción: Brigitte Korn)

Foto:
Gerardo Korn, “Barrio de Retiro, Plaza San Martín, 2012”.