Wie in einem Traum

“La Catedral” ist für Tangoliebhaber ein Muss

Von Theresia Sprinzl


Wenn man “La Catedral” in Buenos Aires betritt, befindet man sich von einer Sekunde auf die nächste in einer ganz anderen Welt: in einer riesigen alten Fabrikhalle, die wie ein Museum wirkt. Überall an den Wänden hängen große, beeindruckende Gemälde, von deren magischer Wirkung man gefangen wird. Die Atmosphäre an diesem Ort ist eine ganz besondere: Es herrscht eine unglaubliche Hitze, die Musik bezaubert, und das dunkelrote Licht lässt alles wie in einem Traum wirken. Mitten in der Halle wird Tango getanzt; viele Ausländer sind da, die sich das erste Mal an den Tango heranwagen, aber auch Profis, die elegant über die Tanzfläche gleiten. “La Catedral” ist ein Ort, an dem ausschließlich Tango und Folklore getanzt wird. Des öfteren spielen Musiker live, was die Atmosphäre noch mehr verdichtet.

Früher einmal nutzte man diese Halle als Getreidesilo, Milchfabrik und sogar Kühlhaus. Heute ist sie Besitz des Stadtteils Almagro in Buenos Aires und gilt als kultureller Treffpunkt für Touristen und Künstler. Für Tangoliebhaber, aber nicht nur, ist “La Catedral” ein absolutes Muss. Jeden Tag werden Tangostunden angeboten, und auch das Essen ist lecker und preiswert. Weitere Infos hier.

Ein Abend zum Träumen

Doppelprogramm beim Zyklus “Poesie und Musik”

Von Theresia Sprinzl

Diesen Donnerstagabend hatte man doppelten Grund, in das Amphitheater im Parque Centenario in Buenos Aires zu gehen. Denn diesmal wurden zwei Poeten und zwei musikalische Darbietungen von der Stadt Buenos im Rahmen ihres Sommerprogramms “Verano en la Ciudad” angeboten.

Der Schriftsteller Leopoldo Brizuela und die Sängerin Rosario Blefari haben sich zusammengetan, um Musik und Poesie zu verbinden. Leopoldo Brizuela wurde 1963 im argentinischen La Plata geboren. Er ist Autor mehrerer preisgekrönter Romane und Erzählbände, 1999 wurde er für seinen Roman “Inglaterre” mit dem argentinischen Literaturpreis Premio Clarín ausgezeichnet. 2010 ist sein Roman “Lisboa, un melodrama” erschienen, der auch ins Deutsche übersetzt wurde. Leopoldo Brizuela zählt zu den heute literarisch interessantesten Autoren aufgrund seiner gepflegten und vielseitigen Sprache.

Am Donnerstagabend trug er einige seiner Gedichte vor, deren Metrik er mit einer Trommel untermalte. Rosario Blefari sang, begleitet von einem Gitarristen, aber unabhängig von Brizuela mit einer klaren, warmen Stimme Alternativ-Rock. Sie selbst spielte bei einigen Liedern Xylophon und Mundhamonika.

Anschließend kamen der Autor Pedro Mairal und der Sänger Coiffeur auf die Bühne. Auch Mairal ist Träger des Clarín-Literaturpreises für seine Bücher, die in viele Sprachen übersetzt wurden. Auf Deutsch wurde zuletzt der Roman “Eine Nacht mit Sabrina Love” (2002) veröffentlicht, der auch verfilmt wurde. Im August vergangenen Jahres erschien der Roman “Das fehlende Jahr des Juan Salvatierra” im Hanser Verlag. Der 1970 in Buenos Aires geborene Pedro Mairal bekam von der Presse in den vergangenen Monaten sehr viel Aufmerksamkeit, da er einige seiner Roman-Charaktere online entwirft und sie in sozialen Netzwerken testet. Er gilt derzeit als einer der originellsten Schriftsteller der lateinamerikanischen Literatur. Auch er trug Gedichte vor, die leider nicht von Coiffeur begleitet wurden.

Coiffeur spielte ausgezeichnet und mit sehr viel Gefühl und Intensität auf seiner Akustik-Gitarre eine Mischung aus Indie-Pop und Rock.

Dieser Abend unter freiem Himmel war wunderschön zum Träumen, Entspannen und Genießen. Leider war es auch schon der letzte in der Reihe “Poesía y Música“ im Park – zumindest für diesen Sommer.

Fotos von oben nach unten:

Leopoldo Brizuela.

Pedro Mairal.

Abschied von einem Mythos des “Rock Nacional”

Argentinischer Musiker Luis Alberto Spinetta gestorben

Von Susanne Franz

Er war einer der bedeutendsten Vertreter der argentinischen Rockmusik und Gründer so legendärer Bands wie Almendra, Pescado Rabioso, Invisible und Jade: Luis Alberto Spinetta ist kurz nach seinem 62. Geburtstag am Mittwoch in seinem Haus in Buenos Aires gestorben. Ende letzten Jahres war bei dem Musiker Lungenkrebs diagnostiziert worden. Spinetta wurde am Donnerstag auf dem Memorial-Friedhof in Pilar eingeäschert.

Liebevoll “El Flaco” (Der Dünne) genannt, brachte der Rockpoet in seinem fruchtbaren, über 40 Jahre währenden Musikerleben 48 Schallplatten heraus. Viele Kritiker betrachten “Artaud” als sein wichtigstes Album. Spinetta schrieb hunderte Lieder, die ganze Generationen argentinischer Rockfans auswendig können, darunter “Muchacha (ojos de papel)” oder “Barro tal vez”. Mit seinem größten Konkurrenten auf dem Rocker-Olymp, Charly García, schrieb Spinetta in den 80ern einen einzigen Song, “Rezo por vos”, ein Hit, der ebenfalls zum kulturellen Erbe der Argentinier zählt. Auch mit Fito Páez brachte Spinetta eine LP heraus, “La la la”.

Spinettas innovativer Stil als Sänger und seine Ästhetik als Songschreiber beeinflussten viele junge Musiker und sorgten dafür, dass sein Ruhm nie verblasste. So füllte er noch im Dezember 2009 das Vélez-Stadion bis zum letzten Platz und gab ein Erinnerungskonzert, bei dem er keine seiner Bands ausließ und dem begeisterten Publikum in einem wahren Marathon 50 Songs vortrug.

Spinetta hinterlässt vier Kinder, sein ältester Sohn, Dante, ist ebenfalls ein bekannter Musiker.

Liebe zum Tango x 4

Ein gelungener Sonntagabend im Parque Centenario

Von Theresia Sprinzl

Das Amphitheater im Parque Centenario war voll besetzt und die Stimmung des Publikums ausgezeichnet. Kein Wunder, denn an diesem Abend wurde fast ausschließlich Tango gespielt. Die Zuschauer wiegten ihre Körper zur Musik. Man merkte, dass ihr Herz für den Tango schlägt und sie sich vollkommen damit identifizieren können.

Im Rahmen des Sommerprogramms der Stadt Buenos Aires, “Verano en la Ciudad”, spielten vier verschiedene Musikgruppen diesen Sonntag Tango, jedoch auf ganz unterschiedliche Art und Weise. Den Auftakt machte das “Quinteto Finisterre”: Fünf Männer, die mit Akkordeon, Kontrabass, Geige, Gitarre und Klavier ihr Bestes gaben. Darauf folgte das Bläserquintett “Las Chifladas”. Es war schön und interessant, auch einmal Tangostücke nicht mit den klassischen Tango-Instrumenten, wie Akkordeon und Gitarre, zu hören. Ihr Zusammenspiel harmonierte hervorragend.

Mit voller Leidenschaft und Hingabe verzauberte “La Andariega” (Foto) das Publikum. Unglaublich was für eine Energie von diesen Musikern ausging. Spätestens bei diesem kleinen Orchester konnte niemand mehr still sitzen.

Zum Abschluss spielte die Gruppe “Alto Bondi”. Diese überzeugte vollkommen mit ihrer Sängerin, die sich sehr leidenschaftlich, wie es beim Tango sein muss, präsentierte. Für mich war dieser Abend absolut gelungen. Nur schade, dass es kein Programmheft gab. Ich hätte sehr gerne die Namen der einzelnen vorgetragenen Lieder gewusst, um sie vielleicht noch einmal hören zu können.

Poesie und Indie-Pop

Fabián Casas und die Indie-Pop-Band 107 Faunos

Von Theresia Sprinzl

Auch diesen Donnerstagabend wurde zum zweiten Mal kostenlos von der Stadt Buenos Aires im Rahmen ihres Sommerprogramms “Verano en la Ciudad” eine Veranstaltung unter dem Motto “Musik und Poesie” im Parque Centenario angeboten. Diesmal traten der Autor Fabián Casas und die Band 107 Faunos zusammen auf, um Musik und Poesie zu vereinen.

Fabián Casas wurde 1965 in Buenos Aires geboren und ist einer der bedeutendsten Vertreter der jüngeren argentinischen Literatur. Casas’ Gedichte sind in einem einfachen, lakonischen Stil verfasst, der Wendungen und Rhythmus der Straßensprache von Buenos Aires aufgreift. 107 Faunos ist eine Indie-Pop Band, die seit 2006 besteht und aus La Plata stammt.

Beide “Parteien” hatten eine ganze Menge Fans angezogen, so dass das Amphitheater fast voll besetzt war und eine Bombenstimmung herrschte.

Zu Beginn trug Fabián Casas einer seiner schönen Gedichte vor, die von alltäglichen Situationen in Buenos Aires handeln. Die Band 107 Faunos improvisierte zu seinen Worten, blieb dabei aber eher im Hintergrund. Danach verschwand Casas so gut wie von der Bildfläche. Zweimal kam er noch auf die Bühne, um mit der Band einen Song zu performen. Es war schade, insgesamt nur so wenig von Casas’ Gedichten zu hören, so dass der Abend eher einem Popkonzert glich. Aber das war nicht weiter schlimm, denn die 107 Faunos überzeugten auch ohne Casas vollkommen.

Lesen Sie weiter / Seguir leyendo »

Mit Musik durchs ehemalige Brauhaus “Munich”

Führung “La vieja música de la Munich” jeden Sonntag im Sommer

Seit dem 8. Januar wird jeden Sonntag bis Ende Februar, jeweils um 18 Uhr, ein mit Liedern aus den 1920ern bis 1950ern untermalter Rundgang durch die ehemalige Brauerei “Munich”, heute Sitz der Direktion der Museen von Buenos Aires, durchgeführt. Adresse: Av. de los Italianos 851. Eintritt: 1 Peso. Mehr Infos hier.

Poesie und Musik unterm Sternenhimmel

Fernando Noy und Polsick im Rahmen von “Verano en la Ciudad”

Von Theresia Sprinzl

Der Sommer in Buenos Aires ist ruhig. Die meisten Porteños sind im Urlaub, sie flüchten vor der unerträglichen Hitze, die in der Stadt herrscht. Kulturell ist nicht so viel los wie in den anderen Jahreszeiten. Doch es gibt trotzdem eine Menge zu entdecken. So bietet etwa die Stadt Buenos Aires diesen Sommer unter dem Slogan “Verano en la Ciudad” jede Menge Veranstaltungen an, alle kostenlos. Also fuhr ich trotz unglaublicher Hitze am Donnerstagabend ins Amphitheater des Parque Centenario, um dem Spektakel von Fernando Noy und Polsick zu lauschen.

Auf der großen Bühne war nicht viel zu sehen, außer einer Leinwand, dem DJ-Pult von Polsick und dem Mikrophon und Stuhl von Noy. Mit dröhnendem Bass und 4/4 Takt gab Polsick, der an der Universität Tres de Febrero in Buenos Aires “Artes Electrónicas” studiert hat, den Auftakt. Die elektronische Musik passte zu den Bildern, die auf der Leinwand zu sehen waren. Kristallförmige Gestalten, die ineinander verschmelzen, um ein neues Bild zu ergeben. Ich ertappe mich dabei, wie ich mit dem Kopf zur Musik mitgehe und das Verlangen habe, zu tanzen. Aber dieses Gefühl ist so schnell wie es gekommen ist, auch wieder verschwunden, denn Fernando Noy kommt nach kurzer Zeit auf die Bühne gestürmt und zieht die ganze Aufmerksamkeit des Publikums auf sich.

In einem Kaftan-ähnlichen Kostüm beginnt der Schauspieler und Poet mit ausladenden Gesten ein Gedicht vorzutragen, welches von Polsick begleitet wird. Mit elektronischen Klängen, E-Gitarre und Klavier untermalt er das Gesprochene. Der 61-jährige Noy scheint in einer anderen Welt zu sein. Er wirkt wie besessen von seinem eigenen Werk. Ab und zu werden seine Worte von einer jungen Frau mit Gegenständen veranschaulicht. An einer Stelle des Vortrags singt sie unglaublich schön mit einer hervorragenden Sopran-Stimme zu den Worten Fernando Noys.

Hauptsächlich über die Liebe philosophiert der in San Antonio Oeste geborene Künstler. Nicht über eine bestimmte Person oder eine bestimmte Liebesgeschichte, sondern allgemein mit vielen Metaphern über das Thema Liebe. Leider dauert das Zusammenspiel von elektronischer Musik und Poesie weniger als eine Stunde, man hätte Lust gehabt, noch viel länger den hypnotischen Worten Noys und den Klängen Polsicks zu lauschen.