Gedenken an Pogromnacht

DAIA organisiert Freiluftkonzert auf der Plaza Alemania

Von Marcus Christoph


Es war ein musikalischer Nachmittag und zugleich ein politisches Bekenntnis: „Niemand darf ausgegrenzt werden“, brachte Ariel Cohen Sabban, der Vorsitzende des DAIA, die Botschaft auf den Punkt, die er vor dem Gedenkkonzert des Studenten-Orchesters der Stadt Buenos Aires (Orchestra Estudiantil) den zahlreichen Anwesenden auf der Plaza Alemania übermittelte. Dorthin hatte der jüdische Dachverband am vorigen Sonntagnachmittag eingeladen, um auf musikalische Weise der Pogromnacht vom 9. November 1938 im ehemaligen Deutschen Reich zu gedenken. Damals wurden in Deutschland und Österreich Synagogen und andere jüdische Einrichtungen in Brand gesteckt und zahlreiche Juden ermordet oder misshandelt.

„Es ist ein symbolisches Datum für die Weltgemeinschaft“, so Cohen Sabban. Der DAIA-Funktionär beklagte, dass seinerzeit zu viele Menschen die schrecklichen Ereignisse ignoriert hätten, die schließlich in den Holocaust mündeten. In jener dunklen Zeit habe Argentinien viele Verfolgte aufgenommen, würdigte Cohen Sabban. Doch heute seien auch hier antisemitische Ausdrücke in Mode gekommen.

Als ein Beispiel nannte er Äußerungen des kürzlich gewählten Kongressabgeordneten Leopoldo Moreau (Unidad Ciudadana), der seinen zukünftigen Parlamentskollegen Waldo Wolff (PRO) als „Agenten des Mossads“ bezeichnet hatte. Zudem soll es bei der Preisverleihung „Martín Fierro“ zu antisemitischen Schmähungen gegen den Journalisten Alfredo Leuco gekommen sein, was von den Beschuldigten jedoch bestritten wird. „Überall dort, wo es Diskriminierung gibt, wird die DAIA dazwischentreten“, formulierte Cohen Sabban die Position des Dachverbands der israelitischen Vereinigungen in Argentinien.

Iván Petrella, der Integrationsbeauftragte der Nationalregierung, erinnerte in seiner Ansprache an den deutschen Philosophen und Rabbiner Emil Fackenheim. Dieser hatte der These, man könne nach Auschwitz an keinen Gott mehr glauben, die Forderung an seine Glaubensbrüder entgegengesetzt, stattdessen noch stärker im Glauben zu werden. Anderenfalls belohne man Hitler mit einem nachträglichen Sieg.

Das Konzert war ein Potpourri verschiedener Werke. So brachte das von Guillermo Zalcman dirigierte Orchester zunächst mehrere Akte von Ludwig van Beethovens Ballett „Die Geschöpfe des Prometheus“ zu Gehör. Es folgten Kompositionen von Aaron Copland (USA) „Our Town“, Jacobo Ficher (Argentinien), „Golondrina“, und Ernesto Block (Schweiz/USA), „Baal Shem“. Bei letzterem Werk hatte Violinist Rafael Gintoli ein Solo. Zum Abschluss intonierten Zalcman und seine Musiker schließlich Melodien der Dreigroschenoper von Kurt Weill und Bertolt Brecht. Ein Werk, das, so Zalcman, den Niedergang der Weimar Republik widerspiegele. So mischte sich in den sonnenreichen Frühsommertag auch wieder eine nachdenklich-melancholische Note.

Foto: Guillermo Zalcman und das Studenten-Orchester der Stadt Buenos Aires. mc

Buenos Aires im Jazz-Fieber

16. Jazzfestival vom 23. bis 28. November

Von Susanne Franz

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Die ersten Eintrittskarten sind schon vergriffen: Am Mittwoch kommender Woche beginnt in Buenos Aires die 16. Ausgabe des beliebten Jazzfestivals, bei dem lokale und internationale Größen der Jazzszene auftreten werden. Es kommen mehr Gäste als je zuvor, und dementsprechend wird das fünftägige Festival auch auf einer größeren Zahl an Bühnen ausgetragen: Usina del Arte, Amphitheater des Parque Centenario, Goldener Saal des Colón-Theaters, Kulturzentren Adán Buenosayres, Carlos Gardel, Julián Centeya und Resurgimiento, Café Vinilo, Thelonious Club, Bebop Club, Bajo Flores, Villa 20 – Lugano, “Cildañez”-Viertel, “Juan XXIII”-Viertel und “La Glorieta” an den Barrancas von Belgrano.

Seit dem 14. November kann man für die kostenpflichtigen Konzerte – darunter u.a. die Eröffnungs- und Abschlusskonzerte sowie die Veranstaltungen im Salón Dorado – schon Karten kaufen, entweder online oder persönlich bei “Tu Entrada”, Av. Corrientes 728, montags bis freitags 10 bis 20 Uhr und samstags 14 bis 20 Uhr, oder in der Usina del Arte, freitags, samstags und sonntags 12 bis 21 Uhr.

Viele Veranstaltungen sind jedoch gratis – man muss nur eventuell die Karten vorher abholen. Und es gibt eine neue Festivalsektion unter freiem Himmel. Jamsessions, ein Kinozyklus, Special productionsund die Sektionen „El aula“ und „Cruces“ runden das Programm ab.

Das Festival lädt immer wieder gerne Gäste ein, die noch nie in Buenos Aires aufgetreten sind, dazu gehört dieses Jahr beispielsweise das deutsch-österreichische Trio Edi Nulz, das eine energiegeladene Mischung aus Jazz und Rock zum Besten geben wird. Siegmar Brecher (Saxofon und Klarinette), Julian Adam Pajzs (Gitarre) und Valentin Schuster (Schlagzeug) haben europaweit für Furore gesorgt, nun erwartet man sie mit Spannung im sommerlichen Buenos Aires. Edi Nulz spielen am Sonntag, den 27.11., um 14 Uhr, bei freiem Eintritt in der Usina. Die Karten (2 pro Person) kann man eine Stunde vor Konzertbeginn am Infostand abholen.

Auf den Gratis-Bühne des Parque Centenario finden Events wie “Jazzología” der Big Band des “Conservatorio Manuel de Falla” (mit dem Saxofonisten Andrew D’Angelo als Specia Guest) oder “Comotto Plays Hendrix” statt und es spielen lokale Gruppen wie z.B. Francisco Fattoruso Group, Gillespi und seine Band, oder das “Mariano Loiácono Swing Octet”. Für das Amphitheater und auch die Gratis-Konzerte im Barrio Cildañez des Parque Avellaneda und der Villa 20 in Lugano muss man keine Karten abholen, der Eintritt erfolgt nach dem Motto “Wer zuerst kommt mahlt zuerst”.

Alle Infos findet man auf der Webseite des Festivals.

Foto:
Energie und Spaß: das deutsch-österreichische Trio Edi Nulz.
(Foto: BA Jazz)

Wir sind die Roboter

Elektropop-Pioniere “Kraftwerk” am 23. November im Luna Park

Von Susanne Franz

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Sie waren noch nie eine “einfache” Musikgruppe, sondern geben ihre Konzerte auch in den renommiertesten Museen der Welt: Die legendäre deutsche Elektropop-Band “Kraftwerk” hat die Grenzen der Kunstgenres überschritten und ist selbst zum Gesamtkunstwerk geworden.

Momentan ist die 1970 in Düsseldorf von Ralf Hütter und Florian Schneider gegründete Gruppe mit ihrem “3-D-Konzert” in Südamerika auf Tournee. Die vier Musiker von “Kraftwerk” (Ralf Hütter, Henning Schmitz, Fritz Hilpert und Falk Grieffenhagen), die in ihren Live-Auftritten die Beziehung Mensch und Maschine illustrieren, werden nach Auftritten in Mexiko-City nach Buenos Aires kommen, wo sich die Fans auf ein Konzert am 23. November im Luna-Park freuen können. Am 26. November steht Santiago de Chile auf dem Programm.

Das “3-D-Konzert” ist weltweit gefeiert worden. “Kraftwerk” verwenden die modernste 3-D-Videotechnik, um die erstaunlichsten Effekte zu erzielen. Ihre schon immer innovativen künstlerischen Auftritte haben eine ganz neue Dimension hinzugewonnen – sie werden für die Zuschauer zu einem interaktiven Erlebnis. So beschrieben Konzertbesucher etwa, dass bei dem Song “Spacelab” ein Ufo zwischen ihnen zu landen schien.

Die experimentellen Musikstücke von “Kraftwerk” – eigentlich Klanglandschaften – beeinflussten Musikstile wie Synth-Pop, Electro-Funk oder Detroit Techno und übten entscheidenden Einfluss auf die Anfänge des Hip-Hop aus. Die New York Times bezeichnete Kraftwerk 1997 als die “Beatles der elektronischen Tanzmusik”.

Spirit des Berliner Techno

Multimedia-Schau “Clubraum Berlin” im Centro Cultural Kirchner in Buenos Aires

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Ab dem 22. Oktober findet im Centro Cultural Kirchner (Sarmiento 151, Buenos Aires) “Clubraum Berlin” statt, eine Ausstellung des Goethe-Instituts in Kooperation mit dem CCK und mit Unterstützung der Deutschen Botschaft Buenos Aires. “Clubraum Berlin” ist kuratiert von Heiko Hoffmann, dem Chefredakteur des Elektromusik-Magazins “Groove”, und Alfons Hug, dem Kurator der dritten Biennale von Montevideo. Öffnungszeiten der Ausstellung: Mittwoch bis Sonntag (inklusive Feiertage), 12 bis 19 Uhr.

In “Clubraum Berlin” werden Filme, Soundinstallationen, eine Flyer-Kollektion, eine Fotoausstellung, Boilerroom-Videos und DJ-Sets den Spirit des Berliner Techno heraufbeschwören. Die multimediale Schau war schon in Belo Horizonte, Rio de Janeiro, Bogotá, Montevideo und Caracas zu Gast. Mit an Bord ist Sven von Thülen, DJ und Co-Autor des richtungweisenden Buches über die deutsche Elektroszene “Der Klang der Familie. Berlin, Techno und die Wende”. Von Thülen wird bei einem öffentlichen Interview mit dem Journalisten und Kritiker Pablo Schanton ins Gespräch kommen und eine musikalische Performance als DJ abliefern. Ein argentinischer VJ wird an diesem Abend die musikalische Brücke zwischen der argentinischen und der deutschen Hauptstadt schlagen.

Man kann sich auf die Fotoausstellung “Die Nomadenparties der Neunziger” und die Ausstellung “Flyer: Die Kommunikation der Electro-Szene vor dem Internet” freuen, und auch auf das Filmprogramm, in dessen Rahmen mehrmals zwei Filme gezeigt werden: der Dokumentarfilm “B-Movie: Lust & Sound in West-Berlin 1979–1989” (92 Min.) und der Spielfilm “Tod den Hippies!! Es lebe der Punk” (105 Min.) von Regisseur Oskar Roehler.

Das Live-Programm von Sven von Thülen findet am 22.10. um 19 Uhr statt. Da die Platzkapazität begrenzt ist, sollte man zuvor Eintrittskarten reservieren: ab Dienstag, 18.10., online oder persönlich von Dienstag bis Donnerstag zwischen 12 und 19 Uhr oder bis zwei Stunden vor der Veranstaltung. Auch für die Filme gibt es eine begrenzte Kapazität, der Eintritt ist möglich. bis der Kinosaal gefüllt ist. Alle Veranstaltungen sind gratis.

Ausführliche Informationen findet man hier.

(Foto: Martin Eberle)

Hommage für Charly García

Zyklus “Octubre García” im Centro Cultural Kirchner

Von Susanne Franz

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Charly García, der größte Rockmusiker Argentiniens, wird am 23. Oktober 65 Jahre alt: Zu seinen Ehren beginnt am heutigen Donnerstag im Centro Cultural Kirchner eine Reihe von Konzerten. Der Zyklus “Octubre García” geht am 7., 13. und 14. Oktober weiter, gestaltet wird er von jungen Musikern, die dem Meister ihre Ehre erweisen.

An jedem der Termine wird eines von Charlys Alben genommen und von zwei Künstlern in freien Versionen dargeboten. Dazu führen sie auch eigene Lieder auf. Jeder der Auftretenden lädt seinerseits Gastkünstler ein. Am 23. gibt es dann zum Geburtstag ein großes Hommage-Konzert, an dem alle Musiker teilnehmen.

Carlos Alberto “Charly” García Moreno kam 1951 in Buenos Aires zur Welt. Mit vier Jahren begann er Klavier zu spielen, mit 12 erhielt er sein Diplom als Konzertpianist klassischer Musik. Mit 14 gründete er seine erste Band, “To Walk Spanish”, mit denen er Beatles- und Stones-Lieder interpretierte, danach kam die Gründung der legendären Formation “Sui Generis”.

Nach den Alben “Vida” (1972), “Confesiones de invierno” (1973) und “Pequeñas anécdotas sobre las instituciones” (1974) löste sich die Gruppe 1975 auf. Charly machte damals schon bei “PorSuiGieco” mit, danach folgte das Projekt “La Máquina de Hacer Pájaros”. 1978 gründete er “Serú Girán”, mit denen er bis 1982 fünf Alben einspielte. Im Anschluss startete Charly seine Solo-Karriere.

Programm

  • 6.10.: “Confesiones de invierno”, mit Javier Maldonado und Alfonso Barbieri
  • 7.10.: “Peperina”, mit Darío Jalfin & Los Alquimistas und Melina Moguilevsky
  • 13.10.: “Yendo de la cama al living”, mit Tatadios Cuarteto & Florencia Ruiz und ChauCoco!
  • 14.10.: “Piano Bar”, mit Lucio Mantel und Rosal
  • 23.10.: “Feliz cumpleaños, Charly” – Spezialkonzert mit allen teilnehmenden Musikern

Verantwortliche und Mitwirkende

  • Kurator von “Octubre García”: Darío Jalfin
  • Fotos von Charly, die den Zyklus illustrieren: Maximilano Vernazza
  • Videos bei den Konzerten: Laura Tenenbaum und Maximiliano Vernazza

Nostalgie und Gegenwart

Das Tango-Festival von Buenos Aires findet vom 18. bis 31. August statt

Von Michaela Ehammer

Gustavo Correa
Und wieder einmal ist Zeit für den Tango. Der Tanz wird schon lange nicht mehr nur im Ursprungsland Argentinien getanzt, sondern ist weit über die Grenzen hinaus bekannt und erfreut sich weltweiter Beliebtheit bei Jung und Alt. Das Tnternationale Tango-Festival, das am heutigen Donnerstag startete, vereint Musik- und Tanzliebhaber aus der ganzen Welt. Noch bis zum 31. August hüllt sich Buenos Aires in ein Meer aus Musik, Tanz und Folklore, vollgepackt mit Melancholie, Nostalgie und Dramatik – eben das, was den Tango ausmacht!

Das BA Tango-Festival verleiht der Stadt einen ganz besonderen Anstrich: pure Leidenschaft wird versprüht. Piazzollas Gänsehaut-Melodien erklingen auf den Bandoneonen in den schönsten Tönen an wohl jeder noch so kleinen Straßenecke. Das Tanzbein wird von professionellen Tänzern ebenso wie von Amateuren geschwungen. Seit drei Jahren können auch gleichgeschlechtliche Paare an der Tango-Tanzweltmeisterschaft teilnehmen.

Hunderte von begeisterten Tangotänzern sowie zahlreiche Zuschauer aus der ganzen Welt strömen Jahr für Jahr nach Buenos Aires, um bei diesem emotionalen Duell aus poetischen Umarmungen, hochkonzentrierten Schritten und sinnlichen Bewegungen im 2/4 Takt dabeizusein und die heitere Stimmung und das besonderen Ambiente zu genießen.

Mehr als 500 Paare verschiedener Nationalitäten messen ihr Talent und zeigen ihr Können vor einer renommierten Jury bei der Qualifikationsrunde der Tanzweltmeisterschaft in der Usina del Arte, und die Besten der Besten können danach um den begehrten WM-Titel in den Kategorien “Tango de Pista” und “Tango Escenario” im Luna Park kämpfen. Hinter ihnen liegen bereits Vorausscheidungen in 20 Ländern – darunter auch Russland oder Taiwan.

Für die Zuschauer werden im Rahmen des BA Tango-Festivals spektakuläre Shows, dramatische Rhythmen und zahlreiche Veranstaltungen geboten. Chico Novarro, Nestor Fabian, Carlos Paiva Hugo und Marcel waren die Stimmen am Eröffnungstag und leiteten die diesjährige Ausgabe gebührend ein.

Pianisten feiern zudem das hundertjährige Jubiläum von Horacio Salgán, und nach 70 Jahren kehrt auch das erste typische Orchester von Astor Piazzolla und Antonio Tarragó wieder zurück an seinen Ursprung. Und all dies so nah am Publikum wie möglich: in Clubs, Theatern, Bars und Kulturzentren. Zu den Veranstaltungsorten gehören unter anderem Teatro 25 de Mayo, Espacio Cultural Carlos Gardel, Café Vinilo, Teatro Colón, Museo del Cine, Espacio Cultural Adán Buenosayres, Espacio Cultural Julián Centeya, Teatro Gran Rivadavia sowie Polideportivo.

Tango ist nicht nur Nostalgie, sondern auch eine großartige Möglichkeit, Buenos Aires in der Gegenwart mit einer seiner schönsten Traditionen zu spüren und zu erleben.

Weitere Informationen und Termine des Festivals hier.

Foto:
Das Tangofestival verleiht der Stadt einen ganz besonderen Anstrich.
(Foto: Stadt Buenos Aires)

Sasha Waltz & Guests: Dido y Eneas en el Teatro Colón

Sasha Waltz & Guests: Dido y Eneas en el Teatro Colón

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El Barroco vuelve a la temporada lírica del Colón con uno de sus referentes más logrados. Con Dido y Eneas, Henry Purcell sienta las bases de la ópera inglesa abrevando en una de las más apasionantes historias de la Antigüedad. La visión magistral de la coreógrafa alemana Sasha Waltz extrae de la partitura toda su actualidad y goza de buena salud: es un trabajo radicalmente libre.

La opera coreográfica se podrá ver en la Sala Principal del Teatro Colón, Cerrito 628. los días 7, 8, 10 y 11 de junio a las 20 horas, y el domingo 12 de junio a las 17 horas.

La producción de Sasha Waltz & Guests está presentada en Buenos Aires por el Teatro Colón con el apoyo del Goethe-Institut y de la Embajada de la República Federal de Alemania.

Localidades aquí.

Die Dichte alltäglicher Wörter

Die Dichterin und Liedermacherin Lydia Daher kommt zur Internationalen Buchmesse von Buenos Aires

lydia_daherLydia Daher, Tochter deutsch-libanesischer Eltern, ist Musikerin und Collage-Künstlerin. Mit einer spielerischen Herangehensweise erkundet sie die Dichte oft alltäglicher Wörter, ihre Schwere und ihre spezifischen Gegenständlichkeiten. Vom Goethe-Institut eingeladen, wird sie bei ihrem ersten Besuch in Buenos Aires an verschiedenen Aktivitäten zusammen mit der chilenischen Dichterin und Übersetzerin Camila Fadda Gacitúa im Rahmen der 42. Internationalen Buchmesse von Buenos Aires und mit dem argentinischen Musiker Nicolás Melmann im Kulturzentrum Matienzo teilnehmen. Außerdem wird sie im Rahmen der Initiative “Schulen, Partner der Zukunft” einen Workshop zu audiovisueller Poesie anbieten.

Am 21.04. um 20.30 Uhr findet im Saal Haroldo Conti auf der Buchmesse die Veranstaltung “Das Ende der Affirmation. Ein Sammelband neuester deutscher Dichtung” (27pulqui/Vox) statt, ein Gespräch und eine Lesung mit Lydia Daher, Léonce Lupette, Cinthia Quirós, Camila Fadda Gacitúa, Mario Caimi und Martina Fernández Polcuch, moderiert von Fernando De Leonardis.

Am 23.04. um 20 Uhr kann man Lesungen von Lydia Daher und Camila Fadda Gacitúa beim Internationalen Poesie-Festival der Buchmesse Buenos Aires erleben.

Am 24.04. um 19 Uhr präsentieren Nicolás Melmann, Lydia Daher und Camila Fadda Gacitúa im Kulturzentrum Matienzo bei freiem Eintritt ein Klangereignis und audiovisuelle Poesie, vorgestellt durch Fernando De Leonardis.

Als Tochter einer deutschen Mutter und eines libanesischen Vaters wurde Lydia Daher 1980 in Deutschland geboren. Sie wuchs zwischen Berlin und Köln auf und entschied sich gegen den Strom junger Erwachsener ihrer Generation für die eher beschauliche Stadt Augsburg, um dort Künstlerin zu werden: Dichterin, Liedermacherin und Collagistin.

Inzwischen hat sie sich wieder in der deutschen Hauptstadt niedergelassen, arbeitet gewöhnlich mit anderen Künstlern des Musikbereichs und der bildenden Kunst zusammen und ist außerdem Kuratorin interdisziplinärer Veranstaltungen.

Spielerisch erkundet Lydia Daher die Dichte oft alltäglicher Wörter, ihre Schwere und ihre spezifische visuellen und akustischen Gegenständlichkeiten. Daher nutzt häufig die Technik des Cut-Up, wie in ihrem Gedicht- und Collagenband “Und auch nun, gegenüber dem Ganzen – dies”: Ein ganzes Jahr lang schnitt oder riss sie Bilder aus Zeitungen und Zeitschriften und einzelne Wörter aus Literaturkritiken aus, um diese später in einer neuen synthetischen Reihenfolge zu kombinieren, ohne ihnen etwas hinzuzufügen.

“In dem ihr eigenen, oft lakonischen, immer aber skeptisch schönen Ton der Ratlosen bezieht sie Position zu einer Informationswelt, die so brüchig und zerrissen ist wie die Collagen selbst”, beschreibt die deutsche Lyrikerin Ulrike Almut Sandig die Arbeit von Lydia Daher.

Für ihre Texte, von denen einige ins Arabische, Polnische, Kantonesische, Englische und Spanische übersetzt wurden, erhielt Lydia Daher zahlreiche Auszeichnungen.

(Feria Internacional del Libro Buenos Aires, La Rural, Av. Santa Fe 4201, und Club Cultural Matienzo, Pringles 1249)

Die Dichte alltäglicher Wörter

Die Dichterin und Liedermacherin Lydia Daher kommt zur Internationalen Buchmesse von Buenos Aires

lydia_daherLydia Daher, Tochter deutsch-libanesischer Eltern, ist Musikerin und Collage-Künstlerin. Mit einer spielerischen Herangehensweise erkundet sie die Dichte oft alltäglicher Wörter, ihre Schwere und ihre spezifischen Gegenständlichkeiten. Vom Goethe-Institut eingeladen, wird sie bei ihrem ersten Besuch in Buenos Aires an verschiedenen Aktivitäten zusammen mit der chilenischen Dichterin und Übersetzerin Camila Fadda Gacitúa im Rahmen der Internationalen Buchmesse Buenos Aires und mit dem argentinischen Musiker Nicolás Melmann im Kulturzentrum Matienzo teilnehmen. Außerdem wird sie im Rahmen der Initiative “Schulen, Partner der Zukunft” einen Workshop zu audiovisueller Poesie anbieten.

Am 21.04. um 20.30 Uhr findet im Saal Haroldo Conti auf der Buchmesse die Veranstaltung “Das Ende der Affirmation. Ein Sammelband neuester deutscher Dichtung” (27pulqui/Vox) statt, ein Gespräch und eine Lesung mit Lydia Daher, Léonce Lupette, Cinthia Quirós, Camila Fadda Gacitúa, Mario Caimi und Martina Fernández Polcuch, moderiert von Fernando De Leonardis.

Am 23.04. um 20 Uhr kann man Lesungen von Lydia Daher und Camila Fadda Gacitúa beim Internationalen Poesie-Festival der Buchmesse Buenos Aires erleben.

Am 24.04. um 19 Uhr präsentieren Nicolás Melmann, Lydia Daher und Camila Fadda Gacitúa im Kulturzentrum Matienzo bei freiem Eintritt ein Klangereignis und audiovisuelle Poesie, vorgestellt durch Fernando De Leonardis.

Als Tochter einer deutschen Mutter und eines libanesischen Vaters wurde Lydia Daher 1980 in Deutschland geboren. Sie wuchs zwischen Berlin und Köln auf und entschied sich gegen den Strom junger Erwachsener ihrer Generation für die eher beschauliche Stadt Augsburg, um dort Künstlerin zu werden: Dichterin, Liedermacherin und Collagistin.

Inzwischen hat sie sich wieder in der deutschen Hauptstadt niedergelassen, arbeitet gewöhnlich mit anderen Künstlern des Musikbereichs und der bildenden Kunst zusammen und ist außerdem Kuratorin interdisziplinärer Veranstaltungen.

Spielerisch erkundet Lydia Daher die Dichte oft alltäglicher Wörter, ihre Schwere und ihre spezifische visuellen und akustischen Gegenständlichkeiten. Daher nutzt häufig die Technik des Cut-Up, wie in ihrem Gedicht- und Collagenband “Und auch nun, gegenüber dem Ganzen – dies”: Ein ganzes Jahr lang schnitt oder riss sie Bilder aus Zeitungen und Zeitschriften und einzelne Wörter aus Literaturkritiken aus, um diese später in einer neuen synthetischen Reihenfolge zu kombinieren, ohne ihnen etwas hinzuzufügen.

“In dem ihr eigenen, oft lakonischen, immer aber skeptisch schönen Ton der Ratlosen bezieht sie Position zu einer Informationswelt, die so brüchig und zerrissen ist wie die Collagen selbst”, beschreibt die deutsche Lyrikerin Ulrike Almut Sandig die Arbeit von Lydia Daher.

Für ihre Texte, von denen einige ins Arabische, Polnische, Kantonesische, Englische und Spanische übersetzt wurden, erhielt Lydia Daher zahlreiche Auszeichnungen.

(Feria Internacional del Libro Buenos Aires, La Rural, Av. Santa Fe 4201, und Club Cultural Matienzo, Pringles 1249)

Eins, zwei, Wiegeschritt

Tango-Weltmeisterschaft und -Festival in Buenos Aires

Von Friederike Oertel

tango
Tango und Buenos Aires sind ungefähr so untrennbar miteinander verbunden wie ein leidenschaftliches Paar Tangotänzer. Der argentinische Tanz gilt als der erotischste aller Paartänze und übt auf viele eine große Faszination aus. So findet auch in diesem Jahr in der argentinischen Hauptstadt seit dem 14. und bis zum 27. August 2015 die Tango-Weltmeisterschaft statt. Begleitet wird das Gipfeltreffen der weltbesten Tänzer und Musiker von einem Festival, zu dessen Akteuren Komponisten, Interpreten, Forscher, Sammler und Spezialisten aus Argentinien und dem internationalen Ausland gehören.

Nach zahlreichen Tanzshows und Konzerten werden von über 400 Paaren aus rund 25 Ländern die besten Tänzer in den Kategorien Tango Escenario (Bühnen-Tango) und Tango de Pista (Tango Salón) gekürt. Das Finale der WM findet seit Jahren im Luna Park-Stadion von Buenos Aires vor Tausenden von Zuschauern statt.

Wer vom Feuer des Tanzes angesteckt wird, hat die Gelegenheit, in Anfängerkursen selbst über die ersten Tangoschritte zu stolpern oder als Fortgeschrittener seinen Stil zu verbessern. Das komplette Programm kann man auf der Webseite der WM bzw. des Festivals einsehen.

(Foto: Cultura BA)

Oper in der Krise?

Künstler aus Südamerika loten das Konzept von Musiktheater neu aus

Von Friederike Oertel

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Sie sitzen an einem Tisch auf der Bühne, in Alltagskleidung, den Rücken zum Publikum. Über ihnen eine Videokamera, die das Geschehen in Echtzeit auf eine Leinwand projiziert. Ihre Dialoge sind Rhythmen, raschelndes Papier und einzelne Wörter verschiedener Sprachen, die sich zu einem Cluster verdichten. Während das Sitzen in Bewegung übergeht, steigern sich die Geräusche zu einem Klang-Orgasmus. Auch wenn es auf den ersten Blick nicht so scheint: auf der Bühne wird Musiktheater präsentiert.

Das klassische Konzept von Oper, deren Inszenierung auf einer originalen Partitur beruht, hat sich in den letzten Jahren radikal verändert. Selbst in traditionsbewussten Opernhäusern stehen mittlerweile modern inszenierte Stücke auf dem Programm. Konservative Kritiker ziehen gegen diese “Auswüchse” zu Felde, indem sie die Produktionen als Regietheater in der Oper geißeln, deren Zwang nach Aktualisierung die erhabene Kunstform schände.

Die Entwicklungen im Neuen Musiktheater spielen auch im beschriebenen Stück eine zentrale Rolle. Im Rahmen einer Initiative der Münchener Biennale – Festival für neues Musiktheater und dem Goethe-Institut Buenos Aires sind sechzehn junge Künstler aus ganz Lateinamerika zusammengekommen, um Praxen und Begriffe wie Musiktheater, Oper und zeitgenössische Oper zu diskutieren und in kollektiven Gestaltungsprozessen, jenseits von Hierarchien und geregelten Ablaufstrukturen, neu auszuloten. Kuratiert wird das Projekt vom Schweizer Komponisten Daniel Ott, der ab 2016 künstlerischer Co-Leiter der Münchener Biennale sein wird.

Nach zehn Tagen intensiver Arbeit wurden am Mittwoch vergangener Woche vier Stückentwürfe als „Work in Progress“ in der Fundación Beethoven vorgestellt. Die Herangehensweisen an die Kunstform könnten unterschiedlicher nicht sein: Während das Stück “Estimado John” mit Dokumentarfilm, Theaterkulisse und unterschwellig defensiven Klängen arbeitet, setzt “La vida de las máscaras” auf Klaviermusik, wechselnde Standfiguren und Neonlicht. “Sueños que olvidé soñar hasta el fin” hingegen interpretiert ein literarisches Werk und vermittelt musikalisch das Gefühl von flüchtiger, schmerzvoller Sehnsucht.

Die Diskussion um Wert und Existenzrecht moderner Operninszenierungen weicht der Frage nach den möglichen Ursprüngen einer musiktheatralen Produktion. Rahmen gebend ist einzig der kleinste gemeinsame Nenner: Nicht das Schauspiel oder die Sprache stehen im Vordergrund, sondern die Musik als Kommunikations- und Ausdrucksmittel. Ausgehend von dieser Prämisse demonstrieren die jungen Künstler, dass das Genre Oper kaum Grenzen kennt. Auch die Integration neuer Medien und verschiedener Kunstdisziplinen bildet keinen Widerspruch zu ihren ureigenen Grundprinzipien. Die Vielfalt des Abends zeigt, dass die Oper, befreit von der Autorität der Partitur, neue Dimensionen hinzugewinnen kann und dass jede noch so moderne Inszenierung, jeder riskante Stilbruch schon deshalb dem Stillstand vorzuziehen ist.

Foto:
Das Stück “Ping” integriert Geräusche und Rhythmen in das Musiktheater.
(Foto: Goethe-Institut Buenos Aires)

Musik aus dem Exil

Eine Hommage an das Leben und Werk von Paul Walter Jacob

Von Meike Lohmann

Como vino la mano - CS6 Editable 04Die Musik war seine große Leidenschaft. Anfang des letzten Jahrhunderts, als Kind einer Arbeiterfamilie in Duisburg geboren, begann Paul Walter Jacob früh, sich für Musik zu interessieren. Nach der Schule studierte er, gegen den Wunsch seines Vaters, an der Kunsthochschule Berlin und arbeitete als Schauspieler und Regisseur mit verschiedenen Opern-Ensembles im Ruhrgebiet. Verfolgt von den Nazis floh er 1939 nach Argentinien ins Exil. Nur ein Jahr später gründete er die “Freie Deutsche Bühne”, das zu dieser Zeit einzige deutsche Theater im Exil. Daneben begann er auch für das “Argentinische Tageblatt” zu schreiben.

Jacob setzte sich für den Erhalt und die Aufzeichnungen der durch die Nazionalsozialisten verbotenen Musiker wie Mendelssohn Bartholdy, Mahler oder Schoenberg und deren Stücke ein. Die von ihm ins Leben gerufene Konferenz “Verbotene Musik” war einer der wenigen Versuche, das Thema während des Hitler-Regimes in die Öffentlichkeit zu bringen. Einige Jahre nach Ende des Krieges kehrte Jacob zurück nach Deutschland, wo er bis zu seinem Tod im Jahre 1977 blieb.

Das im Mai erschienene Buch “Paul Walter Jacob y las músicas prohibidas durante el nazismo” ehrt Leben und Werk des Künstlers, der nicht nur Musiker und Schauspieler, sondern auch Rebell und Freiheitskämpfer war. Die Autoren Silvia Glocer, Doktorin der Kunstgeschichte an der UBA, und Robert Kelz, Professor der Germanistik an der Universität von Memphis, vereinen die Geschichten eines deutschen Flüchtlings in Südamerika und der Rolle der Musik während der Nazizeit. Erstmals wird auch eine spanische Version der Konferenz “Verbotene Musik” veröffentlicht. Daneben finden sich weitere Schriftstücke und der Briefwechsel zwischen Paul Walter Jacob und seinem Freund, dem damals ebenfalls im Exil lebenden Orchesterleiter Fritz Busch.

Bis zum bitteren Ende

“Die Toten Hosen” rockten wieder in Buenos Aires

Von Michaela Ehammer

hosen
Lauter, punkiger, rockiger – das sind “Die Toten Hosen”, die Punkrock-Band aus Düsseldorf. Sie brachten Bühnen zum Einstürzen, verteilten Kondome auf Konzerten und konnten sich über eine eigene Hörfunksendung freuen. Aus der Punkszene von Buenos Aires sind sie genau wie “Los Violadores”, eine ihrer Vorbands, nicht mehr wegzudenken. Seit Jahren rocken sie ihr euphorisches argentinisches Publikum, so auch bei den fünf ausverkauften Konzerten bei der “Buenos Aires City Tour 2015” Mitte Mai in ihren Lieblingsclubs verteilt in der ganzen Stadt.

Mit Argentinien verbindet sie eine lange und tiefe Liebe. So schlendern die Musiker in ihrer Freizeit gerne durch die Stadt, essen köstliches argentinisches Steak oder schauen Fußball, auch wenn sie sich beim argentinischen Fußball neutral halten. Wie der Name der Kult-Band entstand und wieso Buenos Aires zu ihrer zweiten Heimat wurde, erzählt mir Bassist und Songwriter Andreas Meurer, der “Andi”, in einem Interview vor dem letzten Konzert im Groove.

hosen_andiFrage: Seit 1982 gibt es “Die Toten Hosen”, seit 1992 spielt ihr regelmäßig in Argentinien. Wie kam diese besondere Freundschaft zustande?

Andi: Tatsächlich war es so, dass ein Hosen-Fan und Freund von uns von der Arbeit aus nach Argentinien versetzt wurde. Der hat uns dann von der großartigen argentinischen Punkszene erzählt und gemeint, wir sollten dort auch mal spielen. Unsere Antwort war klar: “Wenn du uns die Flugtickets schickst, dann kommen wir.” Wir dachten natürlich nicht, dass er das tut. Aber die kamen dann tatsächlich. Und so kam unser erstes Konzert hierzulande zustande. Wir hatten ja keine Ahnung, was uns erwartet, gar nicht, aber es war schon ein großartiger erster Abend, was da alles abging… Seitdem spielten wir oft und gerne in Argentinien.

Frage: Seit über 30 Jahren tourt ihr um die Welt. Kann man sagen, dass sich das deutsche bzw. europäische vom argentinischen Publikum unterscheidet?

Andi: Da gibt es auf jeden Fall Unterschiede. In Buenos Aires zu spielen ist natürlich schon sehr aufregend. Dieses extrem euphorische Publikum hier mit seiner unglaublichen Leidenschaft fasziniert uns immer wieder aufs Neue. Vor allem die eigenen Lieder, die hier in Argentinien zwischendurch vom Publikum gesungen werden, das hat schon seinen ganz speziellen Reiz.

Frage: Gibt es ein bestimmtes Konzert, das euch ganz besonders nah ging?

Andi: Oh, gerade in Buenos Aires gibt es da eine Menge besonderer Konzerte, die uns in bester Erinnerung geblieben sind. Zum Beispiel im River-Stadion beim Abschiedskonzert der Ramones zusammen mit Attaque 77 und Iggy Pop, das Straßenkonzert auf der Rodríguez Peña, oder das Konzert im Museo, bei dem nach 20 Sekunden die Bühne eingebrochen ist (schmunzelt).

Frage: Was macht ihr Musiker vor den Konzerten, um abzuschalten und euch vorzubereiten? Gibt es ein spezielles Ritual?

Andi: Rituale darf man ja nicht verraten. In Deutschland oder in Europa ist es so, dass wir nicht ohne unsere Tischtennisplatte auf Tournee gehen. Wir spielen also praktisch vor den Shows Tischtennis (lächelt). Nach Argentinien haben wir sie jedoch nicht mitgenommen. Das war dann doch etwas zu schwierig, die im Flieger zu verstauen.

Frage: Woher kommt der Name “Die Toten Hosen”?

Andi (lacht): Darauf gibt es verschiedene Antworten. Welche willst du denn hören?

Frage: Die beste?

Andi: Als wir uns gegründet haben, war es klar, mit dem Namen konnten die Leute nicht ihr Geld zurückverlangen, weil wir so schlecht waren. Wir haben es ja vorher schon in unserem Namen gesagt, “Die Toten Hosen”.

Frage: Auf welches Album seid ihr besonders stolz?

Andi: Stolz ist das falsche Wort, finde ich. Aber natürlich gibt es Alben denen wir mehr Bedeutung schenken und die einen höheren Stellenwert für uns haben, wie zum Beispiel “Auswärtsspiel”, “Opium fürs Volk” oder “Palast der Republik”. Dann gibt es natürlich auch Alben wie “Damenwahl”, mit dem wir im Nachhinein nicht so zufrieden waren.

Frage: Was ist dein ganz persönlicher Lieblingssong?

Andi: Das wechselt bei mir. Es gibt eine Menge Lieder, die ich besonders gerne spiele.

Frage: Anfänglich noch als Vorband von weltberühmten Bands wie den Rolling Stones, U2 oder Green Day tätig, könnt ihr euch heute diesen Bands gleichstellen. Hättet ihr je gedacht, dass eure Band einmal so einen großen Erfolg feiern wird?

Andi: Natürlich nicht. Sowas kannst du auch in keiner Form planen. Wir sind natürlich froh, dass das alles passiert ist, aber es war ein reiner Glücksfall und das wissen wir auch zu würdigen (schmunzelt). Wie gesagt, am Anfang unserer Karriere hatten wir Angst, dass die Leute ihr Geld zurückverlangen würden.

Dann ist es soweit: Das Licht verdunkelt sich, die Gitarrentöne geben dem gut gelaunten Publikum zu verstehen, dass es jeden Augenblick losgehen wird, und die Musiker Campino, Andi, Breiti, Vom Ritchie und Kuddel springen auf die Bühne. Mit dem Lied “Bonnie und Clyde” beginnt im Groove das letzte Konzert im Rahmen der “Buenos Aires City Tour 2015” und es wird gerockt, was das Zeug hält. Manch einer aus der jubelnden Menge lässt sich bis vor die Bühne tragen, um seinen Idolen möglichst nah zu sein.

Die Band hält viele Überraschungen für ihre argentinischen Freunde bereit: Campinos Schwester Maria singt ein Duett mit ihm, Adriano Celentanos Klassiker “Azzurro” ertönt in herben Punkklängen genau wie “The Passenger” vom “Godfather of Punk” Iggy Pop. Der Höhepunkt ist jedoch, als sich Campino vom Balkon ins Publikum stürzt und sich von seinen Fans wieder zur Bühne tragen lässt, während er weiter ins Mikrofon kreischt. Für sein Rumtreiben auf der Bühne ist er ja bekannt, dieser Sprung ist jedoch mehr als gewagt. Auch Bassist Andi stürzt sich ins Publikumsmeer und rockt weiter auf seiner Bass-Gitarre. Eine Show der Superlative, die jeden einzelnen Peso wert war!

Das Publikum, welches perfekt zu den deutschen Liedern mitsingen konnte, war begeistert – und die Hosen auch, denn ans Aufhören wollten sie gar nicht denken. Die Zugaben konnte man schon nicht mehr zählen, bis dann nach zweieinhalb Stunden das letzte Lied gespielt wurde, ganz nach dem Motto der Hosen: Bis zum bitteren Ende! So dürfen wir uns wohl noch auf viele Konzerte freuen.

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(Fotos: Michaela Ehammer)

Ringo Starr spielt gratis in Buenos Aires

Ex-Beatle tritt am 1. März auf der Freilichtbühne Pampa Ecke Avenida Figueroa Alcorta auf

Von Michaela Ehammer

God is in my life, says Ringo StarrRingo Starr (74), Sänger, Liederkomponist, Schauspieler und früherer Schlagzeuger der Beatles, geht wieder auf Tournee – gerockt wird unter anderem auch in Buenos Aires. Im Rahmen des “Movistar Free Music Festival” am 1. März wird der Ex-Beatle mit seiner “All Starr Band” auftreten, die aus Steve Lukather (Toto), Richard Page (Mr. Mister), Gregg Rolie (Santana), Todd Rundgren, Gregg Bissonette (David Lee Roth) und Warren Ham besteht.

Starr gastiert bereits zum dritten Mal in vier Jahren in der Stadt des Tangos, wo er seine Fans mit den größten und bekanntesten Hits sowie Songs aus seinem neuen Album, das Ende März erscheinen soll, verzaubern will.