Menschenauflauf

Internationale Zusammenarbeit über Identitätsfindung und Klischees

Von Katharina Köhler

Die zweite Etappe des Dramaturgías-Cruzadas-Zyklus des Goethe-Instituts nahmen die deutsche Dramaturgin und Hausautorin des Theaterhaus Jena Rebekka Kricheldorf und der Argentinier Gerardo Naumann, den Stipendien bereits nach Europa und Deutschland führten, am 16. und 17. August im Espacio Callejón.

Das Stück “x cantidad de personas tienen puesto un jean azul” fiel vor allem durch Quantität auf. Das zahlreich erschienende Publikum sah sich einem noch zahlreicheren Team von Schauspielern, insgesamt etwa 60 Personen, gegenüber, das zunächst recht spielerisch Gruppenbildungen und Identitätsfindung darstellte.

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Prinzip Hoffnung

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Der Kartonbuchverlag “Eloísa Cartonera” präsentierte sich im Deutschen Klub

Von Susanne Franz

Bunte Poster hängen zwischen pietätvollen Ölgemälden an den Wänden des Salons, Stellwände und fast lebensgroße Kartonbücher teilen den Raum eigenwillig auf, ein großer Tisch ist mit Stapeln farbenfroher Bücher mit Kartonumschlägen bedeckt. Es herrscht eine geschäftige und fröhliche Atmosphäre im Deutschen Klub, als er sich am Montagabend vergangener Woche langsam mit Menschen füllt. Die kleine Menge, die schließlich erwartungsvoll plaudernd herumsteht und -läuft und auf den Beginn der Veranstaltung wartet, ist erstaunlich heterogen für ein solch edles Ambiente, man sieht schicke Anzüge gleichberechtigt neben T-Shirts und Turnschuhen.

Heute präsentiert die Deutsche Botschaft in Buenos Aires den Kartonbuchverlag “Eloísa Cartonera” im ehrwürdigen Deutschen Klub. “Eloísa Cartonera” wurde nach der argentinischen Wirtschaftskrise Ende 2001 vom Schriftsteller und Dichter Washington Cucurto gegründet, der durch seine teils provokativen Texte und auch das Verlagsprojekt inzwischen einige Berühmtheit erlangt hat. Das merkt man ihm allerdings nicht an, er ist heute abend sogar mit seiner kleinen Tochter erschienen, nicht als Chef, sondern einfach als Mitglied “seiner” Verlagskooperative.

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Pendlerin zwischen Welten

In der Musik der Schweizer Violinistin Sophie Lüssi wachsen aus Atonalem Töne mit Jazzflair

Von Valerie Thurner

Die wichtigste Begleiterin von Sophie Lüssi ist ihre Violine, auf der sie in einer beeindruckenden Leichtigkeit musiziert, als ob es nichts einfacheres und natürlicheres gäbe, als über das Violinenspiel musikalische Bilder zu kreieren und Anekdoten auf vier Saiten zu erzählen. In einer vollkommenen Verbundenheit entlockt sie ihrem Instrument Töne und Harmonien, hinter dieser Kunst steckt eine lebenslange Liebe zur Musik und viel Arbeit. Mal lyrisch und selbstvergessen, mal pointiert und swingend, zieht die Musikerin ihre Zuhörer in den Bann, mit ganzem Körpereinsatz, wippend, sich streckend und neigend, und immer mal wieder Improvisationssoli mit geschlossenen Augen.

Im Juli steht eine Konzertreihe mit dem Sophie Lüssi Quartett in der Virasoro Bar an sowie die Präsentation der jüngsten CD des Leonardo Ferreyra Tangostringquartetts, wo sie die Viola spielt. Ferreyra, der Lebenspartner von Lüssi, gilt als wichtigster zeitgenössischer Erneuerer der Tangogeige in der Formation des Streicherquintetts.

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Stolz wie Oscar

Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner empfing das Team von “El secreto de sus ojos” in der Casa Rosada

Von Susanne Franz

oscar11.jpg“Wenn wir Argentinier eine Geschichte zu erzählen haben und im Team arbeiten, dann haben wir auch Erfolg”, sagte Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner, als sie das Team des mit dem Oscar für den besten nicht-englischsprachigen Film ausgezeichneten argentinischen Streifens “El secreto de sus ojos” im Regierungsgebäude, der Casa Rosada in Buenos Aires empfing.

Sichtlich stolz ließ sich die Präsidentin mit der goldenen Statue ablichten, die “ein Triumph für alle Argentinier” sei. Cristina plauderte auch über ihre eigenen Erfahrungen beim Ansehen des Thrillers: Erst habe sie sich den Film im Liegen angesehen, aber am Ende habe sie gespannt wie ein Flitzebogen dagesessen: “Der Film ist so spannend. Irgend etwas wird passieren, man weiß nicht was, und das steigert sich während des Films die ganze Zeit. Man registriert überhaupt nicht, dass er zwei Stunden lang ist.”

Regisseur Juan José Campanella freute sich, dass “El secreto de sus ojos” durch den Oscargewinn am 7. März nun weltweit Beachtung finden werde. Auch auf das gesamte argentinische Filmschaffen sei größere Aufmerksamkeit gelenkt worden. Hauptdarsteller Ricardo Darín war ebenfalls der Meinung, dass der Preis “eine Freude für den ganzen Sektor” gewesen sei.

Unterdessen bricht “El secreto de sus ojos”, der auch in den Kinos wieder angelaufen ist, in Argentinien einen Rekord nach dem anderen: 2,5 Millionen Menschen sahen den Streifen im Kino (laut der Tageszeitung Página/12 die höchste Besucherzahl für einen Film seit der Rückkehr Argentiniens zur Demokratie), und als DVD wurde er bereits 106.413 Mal verkauft (und erreichte Página/12 zufolge so noch einmal 1,3 Millionen Filmfans).

Lesen Sie im Anschluss Max Neufeinds Filmkritik…

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Kino aus Australien

12 Filme im Leopoldo Lugones-Saal des San Martín-Theaters

Von Susanne Franz

Nana11.jpgIm Programmkino Leopoldo Lugones (Av. Corrientes 1530) beginnt heute der vom Complejo Teatral de Buenos Aires, der australischen Botschaft und der Fundación Cinemateca Argentina organisierte Filmzyklus “Nuevo encuentro con el cine australiano”. Bis zum 19. Mai werden 12 Streifen (7 Lang- und 5 Kurzfilme) gezeigt, von denen die meisten bisher in Argentinien unveröffentlicht sind.

Einer der bekanntesten Vertreter der originellen und kreativen australischen Filmindustrie, der Regisseur Rolf de Heer, wird am morgigen Freitag um 18 Uhr persönlich seinen Film “Ten Canoes” (preisgekrönt beim Filmfestival von Cannes 2006) präsentieren und im Anschluss mit dem Publikum diskutieren.

Am Dienstag kann man die deutsche Schauspielerin Franka Potente in Richard Roxboroughs Film “Romulus My Father” (2007, 106 Min.) an der Seite von Eric Bana sehen.

Eintrittskarten kosten 10 Pesos, für Studenten und Rentner, die einen Antrag auf Ermäßigung gestellt haben (im 4. Stock des Theaters, Mo-Fr 10-16 Uhr) 5 Pesos. Sie sind an der Theaterkasse des San Martín-Theaters erhältlich.

Der Zyklus startet heute nachmittag mit dem Kurzfilm “Nana” (Foto), im Anschluss läuft “The Home Song Stories” von Tony Ayres. Das Programm:

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Intellektuelles Abenteuer Romantik

Rüdiger Safranski stellte auf der Buchmesse sein Buch zum Thema vor

Von Marcus Christoph

safranski11.jpg“Sollen wir es wagen, die kleine Insel der Rationalität zu verlassen und auf den Ozean des Irrationalen und Unerkennbaren hinauszufahren?” Mit dieser, an ein Zitat von Immanuel Kant angelehnten Fragestellung stimmte Rüdiger Safranski seine zahlreichen Zuhörer auf das intellektuelle Abenteuer ein, sich mit der Epoche der Romantik auseinanderzusetzen. Der deutsche Publizist und Philosoph war auf Einladung des Goethe-Instituts bei der 36. Internationalen Buchmesse in Buenos Aires zu Gast, um im Gespräch mit dem Kulturredakteur Pablo Gianera (“La Nación”) sein Buch “Romantik – Eine deutsche Affäre” zu präsentieren. Dieses ist kürzlich unter dem Titel “Romanticismo. Una odisea del espíritu alemán” auch auf Spanisch erschienen (Verlag Tusquets).

Während Kant, der große Vernunftphilosoph, von einem solchen, in der Eingangsfrage bildhaft beschriebenen Schritt noch abriet, waren die romantischen Geistesheroen wie Schlegel, Novalis, Tieck, Fichte, Schleiermacher oder Schelling zu Beginn des 19. Jahrhunderts fest entschlossen, das Wagnis einzugehen. Sie ließen die Welt der Ratio hinter sich und setzten ganz auf Fantasie, Einbildungskraft und Subjektivität, um auf diese Weise eine neue Beziehung zu den “Mysterien des Lebens” herzustellen. “Ich gehe in mich selbst zurück und finde eine Welt”, zitiert Safranski aus Goethes “Leiden des jungen Werthers”, um das romantische Denken auf den Punkt zu bringen.

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Der Abschweifer

BAFICI-Nachlese: Einige Gedanken zu den Filmen des Schweizers Peter Liechti

Von Valerie Thurner

liechti11.jpgAm 18. April ist das 12. BAFICI, das Festival für Independent-Kino von Buenos Aires, zu Ende gegangen, in dessen Rahmen dem Schweizer Filmemacher Peter Liechti eine Retrospektive gewidmet war. Dem interessierten Publikum stellte er seine wichtigsten Filme vor und erläuterte bei einem Gespräch und einer exklusiven Masterclass für die Teilnehmer des “Talent Campus” seine Thesen zur Filmkunst. Als routinierter Festivalgast kennt Liechti die Gefahren von solchen Veranstaltungen, sie drohen oft mangels vorgegebenem Fokus in oberflächliche Rundumschläge auszuarten oder in einem zumindest in der Schweiz verbreiteten Klagen über das fehlende Geld, die bürokratischen Papierkriege für den Produktionsplan, etc.

Bei hiesiger Gelegenheit redete man erfreulicherweise nicht ein einziges Mal über das Geld, sondern über die Kunst. Auf die Frage, warum denn das Schweizer Kino nicht bekannter sei in Argentinien oder gar weltweit, meinte Liechti sehr trefffend: “Das Privileg der Schweiz ist auch eine Wand zwischen uns und der Welt. Wir sind in der Schweiz sehr isoliert, nehmen an vielen großen Weltgeschehen nur bedingt teil, und so sehen auch viele Filme aus.” Nicht aber seine, die nehmen sehr wohl Teil an der Komplexität des Lebens, sind engagierte, persönlich motivierte Reisen voller Abschweifungen, die Themen und Schauplätze oft assoziativ umkreisen, immer mit einer großen Offenheit gegenüber dem Unvorhersehbaren. Diese Haltung macht seine Filme zu einzigartigen Erlebnissen, dicht, humorvoll, poetisch.

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Meisterwerk in Schwarz-Weiß

“Das weiße Band” von Michael Haneke läuft heute in Buenos Aires an

Von Valerie Thurner

dasweisseband11.jpgDer österreichische Filmemacher Michael Haneke zählt zu denjenigen, deren Ehrung von seiten Hollywoods längst überfällig gewesen wäre, doch er musste die Auszeichnung für den besten ausländischen Film Juan José Campanellas “El secreto de sus ojos” überlassen. Während der US-amerikanische Schauspieler Jeff Bridges Anfang März endlich mit einem längst verdienten Oscar für seine chronisch unterschätzte Präzisionsarbeit ausgezeichnet wurde, so ist auch Michael Haneke ein Künstler der Feinarbeit und des Understatements, bekannt für seine unbequemen und verstörenden Spielfilme (“Funny Games”, “Die Klavierspielerin”, “Cache”). Sein beklemmendes Drama “Das weiße Band” beweist wie die Schauspielkunst eines Jeff Bridges, dass weniger oft mehr ist.

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Für Leseratten und Bücherwürmer

Die 36. Internationale Buchmesse von Buenos Aires öffnet am Donnerstag – Philosoph Rüdiger Safranski ist deutscher Stargast

Von Maike Wiemar

safranski11.jpgEs ist wieder soweit: die internationale Buchmesse steht vor der Tür. Vom 22. April bis zum 10. Mai können sich nicht nur Leseratten und Bücherwürmer über Neuerscheinungen und herausragende Literaturschmöker freuen. Ganz unter dem Zeichen des Bicentenario lautet das diesjährige Motto der Messe “Mit Büchern 200 Jahre Geschichte feiern”.

Passend zum Thema wird der deutsche Philosoph und Schriftsteller Rüdiger Safranski sein Werk “Romantik. Eine deutsche Affäre” vorstellen. In diesem Buch beschreibt er die Romantik als Epoche und analysiert die von großen Dichtern und Denkern jener Zeit vorgenommene “Kritik an der Vernunft”.

Safranski wird am Samstag, dem 24. April, um 19 Uhr, im Victoria Ocampo-Saal auf dem Gelände der Buchmesse in der Rural vom argentinischen Literaturkritiker Pablo Gianera interviewt – Publikum ist dazu eingeladen. Organisiert wurde der Besuch Safranskis vom Goethe-Institut, der deutschen Botschaft in Buenos Aires, der Frankfurter Buchmesse und dem Verlag Tusquets Editores.

Weitere geladene Gäste sind unter anderem der kontroverse kolumbianische Schriftsteller und Filmproduzent Fernando Vallejo sowie der UNO-Botschafter für Lateinamerika und Autor Bernardo Kliksberg.

Öffnungszeiten der Buchmesse

  • Donnerstag, 22 April: 18-22 Uhr
  • Sonntag bis Donnerstag: 14-22 Uhr
  • Freitags und Samstags: 14-23 Uhr
  • Samstag, 1. Mai: 14-01 Uhr

Die Eintrittspreise variieren

  • Montag bis Donnerstag 12 Pesos
  • Am Wochenende 15 Pesos
  • Freien Eintritt genießen an allen Tagen Kinder unter 12 Jahren in Begleitung eines Erwachsenen sowie Rentner, Studenten und Lehrer unter Vorlage des jeweiligen Ausweises

Weitere Informationen sind auf der Hompage der Buchmesse abzurufen.

Positive Bilanz

Independent-Kinofest BAFICI ging am Sonntag zu Ende

Von Maike Wiemar

Alamar11.jpgMit 200.000 verkauften Eintrittskarten und insgesamt mehr als 280.000 Besuchern endete am Sonntag das vom Kulturministerium der Stadt organisierte Kinofestival für unabhängige Filme BAFICI. In nur elf Tagen wurden mehr als 400 Filme aus 48 verschiedenen Ländern gezeigt. Die Besucher konnten sich aber auch über kostenlose Aktivitäten wie zum Beispiel Open-Air Kino, Konzerte oder Buchvorstellungen freuen.

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“Identität, (Un)Abhängigkeit und Krise”

Rüdiger Safranski und Uwe Timm bei Kolloquium im Goethe-Institut Buenos Aires

Von Maike Wiemar

Anlässlich der bevorstehenden Feierlichkeiten zum Bicentenario Argentiniens und anderer lateinamerikanischer Länder, laden das Goethe-Institut und die Universität San Martín am 15. und 16. April zu einem internationalen und interdisziplinären Kolloquium unter dem Motto “Identität, (Un)Abhängigkeit und Krise” ein.

Als Gastredner werden auch der deutsche Schriftsteller Uwe Timm, sowie der Autor und Philosoph Rüdiger Safranski die Veranstaltung bereichern. Timm wurde für seine Werke mehrfach mit Literaturpreisen ausgezeichnet und erhielt letztes Jahr den Heinrich-Böll Preis für seine Begabung, das “Große im Kleinen und das Kleine im Großen” zu zeigen. Rüdiger Safranski verfasste diverse Monografien, unter anderem zu Schiller, Nietzsche und Schopenhauer und moderiert seit 2002 das “Philosophische Quartett” im ZDF.

Da es sich um eine ressortübergreifende Veranstaltung handelt, werden an dem Dialog auch Historiker, Soziologen, Anthropologen und andere Schriftsteller aus verschiedenen lateinamerikanischen Ländern teilnehmen.

Das Kolloquium wird sich mit zentralen Punkten über die Entstehung und Wurzeln Lateinamerikas sowie dessen Entwicklung bis hin zum heutigen Tag auseinandersetzen. Neue Erklärungsansätze über die Geschichte der Nation und deren Identität sollen beleuchtet, hinterfragt und diskutiert werden.

Die Veranstaltung stellt Dolmetscher zur Verfügung und findet im Auditorium des Goethe-Instituts (Av. Corrientes 319) statt. Der Eintritt ist frei. Die Zuhörer erhalten ein Teilnahmezertifikat, wenn sie sich im Voraus unter programm@buenosaires.goethe.org anmelden.

Rüdiger Safranski wird am 15. April um 19 Uhr über das Thema “Wieviel Identität braucht der Mensch?” referieren, und Uwe Timm präsentiert am 16. April um 18 Uhr seinen Vortrag “Kafkas Reisepass”.

Das komplette Programm ist unter “Eventos” auf der Webseite des Goethe-Instituts abrufbar.