Mit deutschem Akzent

Am 10. September beginnt das 9. Deutsche Kinofestival im Village Recoleta

Von Susanne Franz

cinee2.jpg
In Andreas Dresens neuem Film “Whisky mit Wodka” läuft Henry Hübchen zu Bestform auf. Erst seit dem 3. September in den deutschen Kinos, kann man den Film jetzt in Buenos Aires beim Festival sehen.

Spannende Unterhaltung, Drama, Abenteuer, Herzschmerz und Training für die Lachmuskeln: Das 9. Festival des Deutschen Films bietet Kinofreunden die einmalige Gelegenheit, die besten deutschen Filmproduktionen des vergangenen und dieses Jahres kennenzulernen.

Am Donnerstag, den 10. September, wird das Festival mit dem Streifen “Hilde” über das Leben der deutschen Schauspielerin und Sängerin Hildegard Knef eröffnet. Der Regisseur des Eröffnungsfilms Kai Wessel ist der Stargast des diesjährigen von German Films organisierten Kinofestes. Bis zum 16. September ist der Kinokomplex Village Recoleta (Junín Ecke Vicente López) wieder Treffpunkt für alle Freunde des deutschen Films. Eintrittskarten sind im Vorverkauf schon zu haben.

Zehn tolle Filme stehen auf dem Programm, dazu ein interessanter Dokumentarfilm, das alljährliche spannende Kurzfilmprogramm und ein Film für die ganze Familie, der am Festivalwochenende 12./13. September zu sehen sein wird. Abgeschlossen wird das Kinofest mit dem Stummfilmklassiker “Spione” von Fritz Lang, der von Livemusik begleitet wird. Das Goethe-Institut und die deutsche Botschaft unterstützen das deutsche Kinofestival.

Das Programm:

Lesen Sie weiter / Seguir leyendo »

Leckerbissen für die Winterferien

Aus Prag kommt das originale Schwarze Theater von Jiri Srnec

negro.jpg

Vom 26. Juli bis 2. August gastiert im Teatro IFT, Boulogne Sur Mer 549, das berühmte, 1961 gegründete Schwarze Theater von Jiri Srnec. In Argentinien startet die Truppe ihre Lateinamerikatournee, die sie bis nach Mexiko führen wird. Täglich finden Aufführungen um 18.30 Uhr statt; der Eintrittspreis bewegt sich zwischen 40 und 70 Pesos.

In ihrem fast 50-jährigen Leben hat die Theatergruppe im Rahmen von 280 Tourneen die bekanntesten Bühnen der Welt bespielt und an 72 Theaterfestivals teilgenommen. Mehr als drei Millionen Zuschauer in 68 Ländern sahen ihre Darbietungen, die mit zahlreichen renommierten Publikums- und Kritikerpreisen ausgezeichnet wurden.

Das Schwarze Theater bedient sich eines “Tricks”: Vor einem schwarzen Hintergrund bewegen schwarz gekleidete Akteure Objekte oder Puppen, oder treten selbst als Pantomimen in Erscheinung. Jiri Srnecs Zweig dieser Theaterform geht über die reine Suche nach Spezialeffekten hinaus: Seine Truppe sucht mit den Mitteln des Schwarzen Theaters nach einer darstellerischen und dramatischen Metapher, die sich durch die Bewegungen der Akteure und Objekte im Einklang mit der Musik ergibt.

Ein Zeitreisender mit großem Herzen

Carlos Kaspar führt mit „La Yunta“ neues Stück „Mutter Courage und ihre Kinder“ auf

Von Svenja Beller

car.jpg
Wenn Schauspieler Carlos Kaspar von der Theatergruppe “La Yunta” spricht, dann leuchten seine eisblauen Augen.
(Foto: Svenja Beller)

“Wir Argentinier sind Nostalgiker, wir blicken immer auf die glanzvolle Vergangenheit. Statt die Realität anzupacken, machen wir Theater“, erklärt Carlos Kaspar die Lebensphilosophie seiner Landsleute. Und so macht er es auch: Er macht Theater, schon sein Leben lang. Angefangen hat er in der Theatergruppe in seiner Schule, das habe sein Leben entscheidend geprägt, seine Passion war gefunden. Er spielte in zahlreichen Filmen und Theaterstücken, den richtigen Durchbruch landete er vor fünf Jahren in der Telenovela “Resistiré”. Als seine Figur in der Sendung erschossen wurde, sprachen ihn viele Leute auf der Straße an und jammerten: “Nein, sie haben dich umgebracht!” Er hatte sich in die Herzen der Argentinier gespielt, war ein Böser, der am Ende doch noch gut wurde und der Hauptfigur zur Seite stand. Im Moment bereitet er sich auf seine Rolle in dem Thriller “Olvídame” vor. Dort spielt er einen finsteren Arzt, einen “doctor muerte”, wie er ihn nennt. Auch seine letzte Rolle in dem mexikanischen Film “La última muerte” war ein Arzt, dieses Mal aber ein guter. Sterben tut er aber in beiden Streifen. “Meistens spiele ich dunkle Rollen, da werde ich immer umgebracht”, erzählt er grinsend, er sei ans Sterben gewöhnt.

Carlos Kaspar ist ein zweiseitiges Blatt: Neben seiner eigenen Schauspielkarriere treibt er auch die Theaterzukunft anderer voran. An seiner ehemaligen deutschen Schule “Instituto Ballester” rief er vor acht Jahren die Theatergruppe “La Yunta” (Joch) ins Leben. Mit dem Namen will er betonen, dass alle gemeinsam an einem Strang ziehen. Vor acht Jahren, zur Zeit der Krise, habe er seiner Schule etwas zurückgeben wollen, wollte in negativen Zeiten etwas Positives schenken. Dieses Jahr spielt die Gruppe aus Schülern, Ehemaligen, Lehrern und Eltern schon ihr siebtes Stück, das Konzept war erfolgreich. Carlos Kaspar sieht es als pädagogisches, soziales und kulturelles Projekt. Es biete die Möglichkeit, sich besser kennenzulernen, seine Fähigkeiten als Schauspieler, Regieassistent oder Maskenbildner auszutesten und etwas über seine Kultur zu lernen. Carlos Kaspar geht auf im Theaterprojekt, es sei ein gutes Gefühl, andere für das Theater zu begeistern und seiner Schule etwas zurückzugeben. „Mein Blut ist grün und weiß“, lacht er – durch seine Adern fließen die Schulfarben.

Wenn der gemütlich wirkende Deutsch-Argentinier von der „Yunta“ redet, dann leuchten seine eisblauen Augen. Er ist nicht der hochnäsige Star geworden, zu dem ihn die Filmindustrie hätte machen können. Begeistert erzählt er vom neuen Stück „Mutter Courage und ihre Kinder“. Ein zufriedenes Lächeln umspielt seine Lippen, wenn er von Grundideen, kreativen Details, Inspirationen, Musikauswahl, Besetzungen und Proben spricht. Er erzählt gerne, und obwohl er es nicht sagt, ist er stolz auf das Projekt.

„Ich glaube, Klassiker muss man immer adaptieren“, erklärt er seine Inszenierung. Seine „Mutter Courage“ kämpft im Irak um das Überleben ihrer Kinder, auch wenn das nicht plakativ deutlich wird. Die Fahnen von Protestanten und Katholiken, Uniformen, Musik – es sind Details, die auf den Ort schließen lassen. Er geht mit Bertolt Brechts Stück modern um und bezieht Probleme aus dem Hier und Jetzt mit ein. So findet die Mediatisierung in dieser Inszenierung einen großen Platz. Durch die Medien sei Gewalt etwas Alltägliches geworden, das wirke sich gravierend auf das Verhalten der Menschen aus. Die wachsende Gewaltbereitschaft mache ihm Angst, er wolle den Medien aber auch nicht die volle Schuld geben. Dennoch will er dieses Phänomen thematisieren, will aufmerksam machen auf Missstände in unserer mediatisierten Welt.

Auf der Bühne mischen sich ein Kameramann und eine Journalistin ins Kriegsgeschehen, die Aufnahmen werden auf eine Leinwand übertragen. Das trage mit zum „Verfremdungseffekt“ bei, eine Eigenschaft, die er am Brechtschen Theater liebe. Verschiedene Techniken und Kniffe vermeiden, dass der Zuschauer in das Geschehen eintaucht, wie wir es von Hollywoodfilmen kennen, bei denen man zutiefst verletzt gemeinsam mit der betrogenen Protagonistin mitheult. Dazu lässt Carlos Kaspar es in seinem Stück nicht kommen: Durch Schilder, Brüche und eine Sprecherin schafft er Distanz zwischen Zuschauer und Charakteren. So bleibe ein kritischer Blick auf die Handlung bewahrt, der Zuschauer solle sich nicht einfach mittreiben lassen. Wieder leuchten die Augen: „Ich finde Brecht faszinierend.“ In „Mutter Courage“ zeige er, wie unterschiedlich die Menschen sich in Krieg und Frieden verhalten, und diesen Faden nimmt er in seiner Inszenierung auf.

Durch seinen Beruf als Schauspieler hat er nicht immer die nötige Zeit, um die Gruppe zu betreuen. Deswegen sind die Aufgaben gut aufgeteilt, er will nicht, dass alles mit ihm steht und fällt. Um die Schauspieler-Regie kümmert sich Mercedes Sirni, die Orchesterleitung haben Federico Popoff und Margarita Huber, Kaspar selbst entwickelte die Inszenierung. Gespielt wird auf Spanisch, nur ein Fragment werde auf Deutsch sein. In dem werde die Schuldirektorin mit einer Poesie-Interpretation für einen thematischen Schnitt sorgen, ein weiterer Gehilfe des Verfremdungseffektes. Für Carlos Kaspar ist es wichtig, dass immer ein Stück deutsche Kultur transportiert wird. Er will die Kultur und Geschichte weitergeben, viele Schüler würden ihre Wurzeln in Deutschland ja nur aus Erzählungen kennen.

„Ich bin ein Fanatiker der Geschichte“, gibt er lachend zu. Er lese viel, krieche gerne weit und immer weiter in die Welten der Vergangenheit. Er suche nach Gründen. Gründen für Entscheidungen, Kriege, Frieden, für die Verstrickungen der Zeit. Sein Großvater sei im Krieg gefallen – für ihn ein Grund, in die Vergangenheit zu blicken. Er begann schon früh, sich für die Geschichte um das Leben des Mannes zu interessieren, den er kaum kennenlernen durfte. Von Spielkameraden in den Straßen von Buenos Aires wurde er Nazi genannt, „Mami, was ist ein Nazi?“ Die erklärenden Worte der Mutter wurden bald durch dicke Bücher über den Zweiten Weltkrieg abgelöst, in denen er Antworten auf seine Fragen fand. „Mit dem Theater kann ich in der Geschichte reisen und mit der Phantasie spielen“, erklärt Carlos Kaspar seine Begeisterung für die Schauspielerei, „es gibt mir die Möglichkeit, in einem Leben mit vielen Leben zu experimentieren.“

„Mutter Courage und ihre Kinder“ feiert seine Premiere am 13. Juni in der Aula Magna des “Instituto Ballester”. Weitere Aufführungen sind am 14., 20., 21., 27. und 28. Juni und am 4. und 5. Juli, samstags um 20 Uhr und sonntags um 19 Uhr.

“Man schützt nicht, was man nicht liebt”

Nachtwanderung in der Reserva Ecológica Costanera Sur

Von Virginia Kirst

Res3.jpg
In der Reserva Ecológica scheint der Mond fast so hell wie tagsüber die Sonne.
(Foto: Virginia Kirst)

Den Weg zum Eingang der Reserva Ecológica Costanera Sur sollte man lieber nicht alleine gehen. Es ist zwar 19.30 Uhr und der Vollmond geht gerade auf, aber es ist düster, und düster sind auch die Gestalten, die sich vor dem Eingang herumdrücken. 120 Personen dürfen heute Abend an dem geführten nächtlichen Besuch des Reserva Ecológica Costanera Sur teilnehmen. Die Anmeldung jedoch birgt eine Hürde: Die Teilnehmeranzahl ist begrenzt. Schon zwei Stunden nach Beginn der Anmeldefrist sind keine Plätze mehr frei. Die kostenlose Führung, die ein Mal im Monat bei Vollmond stattfindet, scheint ebenso bekannt wie beliebt zu sein.

Die Besucher werden in kleinere Gruppen von etwa 20 Personen eingeteilt. Jede Gruppe bekommt einen Führer, und die Wanderung in die Dunkelheit beginnt. Hernando gibt den Teilnehmern seiner Gruppe die letzte Möglichkeit zum Umkehren: Der Ausflug ist vier Kilometer und drei Stunden lang. Niemand ändert seine Meinung und es geht los. In der Reserva Ecológica Costanera Sur scheint der Mond fast so hell wie tagsüber die Sonne. Auf den öffentlichen Wegen führt Hernando die Gruppe tiefer ins Reservat und erklärt einiges zu Flora und Fauna.

Interessant ist besonders die Entstehungsgeschichte des Gebiets: Von Anfang der 1970er Jahre stammt die Idee zu einem Landgewinnungsprojekt vor dem damaligen Balneario Costanera Sur. Balneario heißt Seebad, ein Name, der zu diesem Zeitpunkt schon überholt ist, da das Baden im Río de la Plata seit den 1950er Jahren verboten war. Auf dem durch das Projekt neu gewonnenen, zentrumsnahen Boden sollten damals Regierungsgebäude errichtet werden. 1978 wurde begonnen, das Projekt zu realisieren. Schutt, der bei der Erneuerung der urbanen Autobahnen anfiel, wurde im Fluss aufgeschüttet. Mit diesen Dämmen wurden Teile des Flusses abgetrennt. Dazwischen entstand durch Sedimentablagerungen Land. Die Maßnahmen wurden bis 1984 weitergeführt, bis schließlich, nicht zuletzt durch Geldmangel, das Projekt verworfen wurde.

Auf dem gewonnenen Boden begannen sich einheimische Pflanzen auszubreiten, deren Samen in den Sedimenten des Flusses aus den unterschiedlichsten Regionen angeschwemmt worden waren. Andere Samen gelangten mit dem Wind oder Tieren in das Gebiet. Schon nach kurzer Zeit wurde die Region von den Einwohnern der Stadt entdeckt. Neben Joggern und Radfahrern kamen auch Biologiestudenten und vor allem Vogelbeobachter, um die neu entstandene Natur zu genießen und zu untersuchen. Am 5. Juni 1984 wurde das Gebiet schließlich von der Stadt unter Naturschutz gestellt. Dank dieses Gesetzes zum Schutz des 360 Hektar großen Naturreservats besteht es bis heute, und die Artenvielfalt entwickelt sich weiter.

Hernandos Informationen sind zwar interessant, atemberaubend hingegen ist die Sicht, die einem die Natur hier bietet. In dieser Nacht hat sich eine Schicht von Nebel über die tiefer gelegenen Regionen des Reservats gelegt. Der Nebel wird vom Vollmond angestrahlt und liegt wie ein weißer, geheimnisvoller Mantel über der Landschaft. Je weiter man sich von der Großstadt entfernt, desto leiser werden die alltäglichen Geräusche. Der Lärm der Autos und des Hafens wird aber auf der Wanderung nie ganz verstummen. Langsam steigt der Mond höher und leuchtet den Weg.

Plötzlich bittet Hernando die Gruppe, eine Reihe zu bilden, und es wird spannend. Er verlässt den öffentlichen Weg und führt ins Unterholz. Der für die Öffentlichkeit verbotene Pfad kann nur in einer Ein-Mann-Reihe begangen werden und erfüllt die Erwartungen, die er suggeriert hatte. Er eröffnet den eigentlichen Reiz des Besuches. Hier ist es dunkel und geheimnisvoll, das Pampasgras ist mannshoch und verdeckt den Mond. Sogar die Jugendlichen der Gruppe scheinen sich endlich alles erzählt zu haben. Langsam gewöhnt sich das Ohr an die Geräusche der Natur. Hier und da schreckt direkt neben dem Weg ein Vogel auf und erschreckt die Besucher, so wie sie ihn erschreckt haben. In einem nahegelegenen Wäldchen legt die Gruppe dann einen lehrreichen Zwischenstopp ein. Hernando erläutert weitere Merkmale der nächtlichen Natur.

Wieder zurück auf dem öffentlichen Weg, gelangt die Gruppe an den Río de la Plata. Die Aussicht, auf das pechschwarze Wasser des Río, in welchem sich der Vollmond spiegelt, sowie auf die Stadt, die hinter den Bäumen des Reservats leuchtet, ist beeindruckend.

Auf dem Rückweg hat Hernando noch eine besondere Überraschung: Auf einem Steg, der über Grasland ragt, spielt er mit seiner Ukulele Lieder. Die Lieder handeln – wovon auch sonst – von einigen heimischen Vogelarten.

“Man schützt nicht, was man nicht liebt, und man liebt nicht, was man nicht kennt”, ist der Slogan der Internetseite der Reserva Ecológica Costanera Sur. Nach diesem Erlebnis versteht man dieses Motto. Die nächtliche Führung vermittelt einen hautnahen Eindruck von diesem Stück wiedergewonnener Natur. Das Naturreservat unmittelbar neben der Innenstadt von Buenos Aires ist ein ganz besonderer Ort und verdient Beachtung und Schutz.

„Wir brauchen unsere Phantasie, um zu überleben“

Henning Mankell war der Stargast der Buchmesse von Buenos Aires

Von Svenja Beller

Mank.jpg
Ernesto Mallo hing wie das Publikum an den Lippen Henning Mankells.
(Foto: Svenja Beller)

Geblendet blinzelt er ins Publikum, das weiße Haar leuchtet im Scheinwerferlicht. Die meisten seiner Zuhörer tragen schwarze Kopfhörer, durch die eine argentinische Frauenstimme seine Worte übersetzt. Er selbst spricht Englisch, am liebsten Schwedisch: Henning Mankell.

Am Donnerstagabend der vergangenen Woche sprach der charismatische Schriftsteller im Rahmen des „Schwedischen Tages“ auf der „Feria del Libro“ mit Ernesto Mallo, seines Zeichens Autor und Journalist. Der schwedische Botschafter Arne Rodin kündigte seinen Landsmann stolz an und hatte eine für ihn symbolträchtige Anekdote zu erzählen. Ein Taxifahrer habe, als er sich im Wagen auf Schwedisch unterhalten hatte, festgestellt: „ Ah, Schweden, das Land von Henning Mankell.“ Der vielfach ausgezeichnete Bestsellerautor ist bekannt wie ein bunter Hund, seine Krimis um Kommissar Kurt Wallander werden weltweit gelesen, natürlich auch in Argentinien.

„Wir leben in einer wahnsinnig verrückten Welt. Ich fühle, dass ich als Autor darüber reden muss“, will Mankell gleich zu Beginn klarstellen. Er erzählt Geschichten aus Afrika, wo er sich seit Jahren ein zweites Standbein aufgebaut hat, und aus Schweden – vom Strand und vom Schnee. Einmal bat eine afrikanische Frau ihn zu tanzen, statt sich mit Worten vorzustellen. Ihm zeigte dies, dass nicht immer die Sprache das wichtigste Kommunikationsmittel ist. Dann schweift er in die Kindheit zurück. „Wir brauchen unsere Phantasie, um zu überleben“, ruft er eindringlich in den vollbesetzten Saal. Als Kind nutze man die Phantasie, um mit schwierigen Fragen wie dem Tod oder der Angst umzugehen. Die Erwachsenen sollten sich diese Gabe zurückerobern und durch die Brille der Phantasie die Welt betrachten.

Auf die Frage nach seiner Inspiration nennt er das griechische Drama und Shakespeares „Macbeth“. Für ihn sind diese Werke die ersten Krimis, und in ihrer Tradition bemüht er sich zu schreiben. Und dann endlich das Thema Wallander. Wie geht es weiter mit dem eigenwilligen Antihelden? „Vor zwei Wochen habe ich die neue Wallander-Geschichte fertiggeschrieben“, verkündet der 61-jährige Mankell unter Applaus. Danach werde jedoch kein nächster Teil möglich sein, sterben werde der Kommissar aber nicht. In dem also endgültig letzten Buch bekomme Kurt Wallander ein Enkelkind, beginnen werde die Geschichte im Jahre 1983 im Büro des schwedischen Premierministers. Die Popularität seiner Figur erklärt Henning Mankell sich so: „Er ist einer von uns, er ist kein James Bond.“ Er habe die gleichen Sorgen wie seine Leser, bekomme sogar Diabetes. Das mache ihn real, menschlich und greifbar. Und unglaublich beliebt.

Erschienen im “Argentinischen Tageblatt” vom 09.05.09.

7. Tangomeisterschaft der Stadt Buenos Aires

Volles Tangoprogramm für Tänzer und Zuschauer im Mai

Von Virginia Kirst

tango2.jpg

Vom 30. April bis zum 30. Mai findet in allen Barrios von Buenos Aires die 7. Tango-Tanz-Meisterschaft statt. Alle Tangotänzer und -tänzerinnen der Stadt können an dem Wettbewerb teilnehmen, um sich für das Finale des weltweiten Tangofestivals zu qualifizieren. Das diesjährige Turnier wurde am 30. April mit der ersten Vorrunde in der Milonga El Arranque eröffnet.

In der siebten Auflage der Tangomeisterschaft gibt es eine neue Wettbewerbskategorie: Zusätzlich zum klassischen Tango Salón (unterteilt in adulto, senior und Milonga) kommt in diesem Jahr die neue Kategorie Valz (Walzer) hinzu.

Getanzt wird in 22 traditionellen Milongas, die über die Stadt verstreut sind. In den Qualifikationsrunden können die Paare sich für die Halbfinale, die am 26., 27. und 28. Mai ausgetragen werden, und dort schließlich für das Finale im Teatro del Colegio San José (30. Mai) qualifizieren. Die Sieger der Kategorien adulto sowie senior des Tango Salón gewinnen eine Geldprämie und qualifizieren sich für das Finale der weltweiten Tangomeisterschaft, welche jährlich im August vom Kulturministerium der Stadt Buenos Aires veranstaltet wird.

An der letzten städtischen Tangomeisterschaft nahmen 600 Tanzpaare teil. Und auch in diesem Jahr ist es leicht, mitzutanzen: Die Teilnahme erfolgt am Tag der Milonga vor Ort durch Vorzeigen des Ausweises.

Die Qualifikationsrunden in der folgenden Woche für alle Kategorien sind:

  • 9.5. um 23.30 Uhr in A Puro Tango (Av. Scalabrini Ortíz 1331)
  • 14.5. um 21.30 Uhr im Salón Sur (Av. Sáenz 459)
  • 16.5. um 23.30 Uhr in Sunderland (Lugones 3162)

Nur für Tango und Milonga kann man sich an den folgenden Terminen qualifizieren:

  • 10.5. um 23.30 Uhr im Club Gricel (La Rioja 1180)
  • 13.5. um 22 Uhr in Viejo Correo (Av. Díaz Vélez 4820)
  • 14.5. um 23.30 Uhr in Fulgor de Villa Crespo (Loyola 828)
  • 15.5. um 24 Uhr in Sin Rumbo (Tamborini 6157)

Auch Zuschauer sind zu diesen Terminen natürlich willkommen. Die Eintrittspreise liegen zwischen zehn und 20 Pesos. Ein weiteres Spektakel im Rahmen der Meisterschaft, das sicherlich einen Besuch wert ist, ist die Milgona im Freien, die diesen Sonntag, 10. Mai, ab 19.30 Uhr auf der Plaza Dorrego (Humberto Primo und Defensa) stattfinden wird.

Weitere Infos zu den Veranstaltungen im Internet.

Erschienen im “Argentinischen Tageblatt” vom 09.05.09.

Todo Tango

Informative Webseite über den Tanz der Argentinier

Von Hanna Jochims

Der Tango wurde in La Boca, dem Hafenviertel von Buenos Aires, geboren – sagen die Argentinier. Die Uruguayer hingegen meinen, dass er aus Montevideo kommt. Auf jeden Fall von Lateinamerika aus hat sich die getanzte Leidenschaft, Sinnlichkeit und Erotik in der ganzen Welt verbreitet. Heute tanzen Paare in Japan, China, den USA und Europa im Wechselspiel von Anziehung und Distanz. Auch in Deutschland gibt es eine wachsende Fangemeinde.

Wer sich trotz Entfernung dem argentinischen Tango nah fühlen oder sich vor Ort über Milongas, Kurse und Hintergründe informieren möchte, kann dies online tun. Auf der Todo Tango-Webseite findet sich alles rund um sinnlichen Tanz. Das Portal ist auf Spanisch und Englisch aufrufbar.

Todo Tango bietet Informationen zu berühmten Tangokünstlern: Sänger, Tänzer, Musiker, Poeten. Unter „Stories“ finden sich Interviews, Artikel und Legenden rund um den Tanz. Viele Tangos sind online abspielbar. Hat man vorher in der Bibliothek die Texte abgerufen, steht dem gefühlvollen Mitsingen nichts mehr im Wege.

Im Community-Bereich tauschen sich die Tangofans am virtuellen Cafétisch aus. Während man sich Neuigkeiten mitteilt oder in der Vergangenheit schwelgt, laufen im Radio Tangoshows. Einen Extrabereich der Seite widmen die Macher dem großen Carlos Gardel: Wie er lebte, was er veröffentlichte, wie sich seine Stimme anhörte, wie er tanzte – es bleiben keine Fragen offen.

Hat man nach all dem noch Lust auf mehr, kann man einen Blick auf die empfohlenen Links werfen. Dort finden sich, nach Ländern sortiert, hunderte Tangoseiten zum Weiterlesen. Die detailliert und liebevoll gestaltete Seite hat bereits mehrfach den Mate.ar-Award als beste Webseite Argentiniens gewonnen. Zu Recht.

Klingende Leinwände

1. Kino- und Musikfestival ‚Pantallas Musicales‘ in San Isidro

Von Susanne Franz

Panta2.jpg

Vom heutigen Samstag an und bis zum 12. Dezember findet in San Isidro das erste “Festival de Cine y Música ‚Pantallas Musicales‘” statt, organisiert von der Stadtverwaltung San Isidro, der Cinemateca Argentina und der Festspiele SRL, die auch das Internationale Klassikfestival von Ushuaia organisiert.

Dem Publikum wird – gratis – auf diesem neuartigen Freiluft-Fest etwas ganz Besonderes geboten, nämlich restaurierte Stummfilmklassiker mit Live-Musikbegleitung anerkannter Ensembles und Solisten. Diese argentinischen und internationalen Musiker spielen bei den jeweiligen Aufführungen entweder die Originalpartitur oder eigens für die Darbietung komponierte Musik.

Man könne sich die Festivalwoche kaum in einem schöneren Rahmen vorstellen als in den Gärten, Häusern oder auf den Plätzen des historischen San Isidro, schwärmen die Veranstalter. Sie erhoffen sich, dass auch das Rahmenprogramm (Milongas unter freiem Himmel, ein Gastronomie-Event) mit dazu beitragen wird, dass das Festival auf Anhieb zu einem neuen kulturellen Highlight in Argentinien werden wird.

Die nächtlichen musikalischen Filmvorführungen werden in den Gärten des Museo Pueyrredón, vor der Kathedrale von San Isidro, auf der Plaza Mitre, im Kino Atlas des Tren de la Costa, in den Gärten der Villa Ocampo, im Paseo de los Tres Ombúes und auf der Plaza 9 de Julio stattfinden.

Auf dem Programm stehen:

  • 6.12., 21 Uhr: “Expedición Argentina Stoessel” (Argentinien, 1928/30, von Andrés und Adán Stoessel, mit Originalpartitur, gespielt von Santiago Chotsourians Orchester). In den Gärten des Museo Pueyrredón.
  • 7.12. 21 Uhr: “La Pasión de Juana de Arco” (Frankreich, 1928, von C.T. Dreyer, mit Originalpartitur, gespielt von Santiago Chotsourians Orchester). Vor der Kathedrale.
  • 8.12., 21 Uhr: “Chapliniana” (3 Chaplin-Kurzfilme, 1916, begleitet von Ernesto Jodos am Klavier). Plaza Mitre.
  • 9.12., 21 Uhr: Piazzolla-Hommage + “Dos Basuras” (Argentinien 1958, von Kurt Held). Kino Atlas.
  • 10.12., 21 Uhr: Avantgarde-Kurzfilme u.a. von Hans Richter (Deutschland), Luis Buñuel/Salvador Dalí (Spanien) und Man Ray (Frankreich), begleitet vom Marcelo-Katz-Trio. In den Gärten der Villa Ocampo.
  • 11.12., 21 Uhr: “Perdón Viejita” (Argentinien 1928, von José Agustín Ferreyra, begleitet von “Vale Tango” unter Andrés Linetzky, Solist: Esteban Riera. Auf der Plaza 9 de Julio. Im Anschluss Milonga.
  • 12.12., 21 Uhr: “Erotikon” (Tschechoslowakei 1929, von Gustav Machatý, originalpartitur von Jan Klusák, dargeboten vom Kammerensemble unter Santiago Chotsourian. Im Paseo de los Tres Ombúes.

Die Gratis-Karten zu einigen der Vorstellungen, die nur eine begrenzte Zuschauerzahl zulassen, müssen vorab abgeholt werden. Einzelheiten dazu und das komplette Programm finden Sie auf der Webseite des Festivals.

Kinotheater – Theaterkino

Zyklus “Cine-Teatro” im Centro Cultural Rojas

Von Hanna Jochims

Becketts “Warten auf Godot”, von Samuel Beckett selbst inszeniert. Am 01.11.2008, hier in Buenos Aires. Wie das sein kann? Wo Beckett doch 1989 in Paris starb? Das Centro Cultural Rojas macht es möglich. In seiner Reihe “Cine-Teatro” zeigt es seit dem vergangenen Samstag großes Theater in digitaler Form. Jeden Samstag um 18 Uhr öffnet sich der Vorhang für Verfilmungen bedeutender moderner und zeitgenössischer Theaterstücke. Der Zyklus “Cine-Teatro” in der Sala Biblioteca des Rojas (Av. Corrientes 2038) findet noch bis zum 29. November statt. Alle Vorführungen sind gratis.

Heute, am 18.10., steht Shakespeare auf dem Programm. Seine wohl bekannteste Tragödie “Hamlet” wird in einer Inszenierung von Peter Brook gezeigt (Frankreich, 2001). Am 25. Oktober ist die “Hamletmaschine” von Heiner Müller zu sehen. Daniel Veronese, Emilio García Wehbi und Antonia Alvarado führten Regie, gespielt wurde die “Máquina Hamlet” 1995 von der argentinischen Kompanie “El Periférico de Objetos”. Und dann: “Warten auf Godot”, Samuel Becketts Meisterwerk. 1988, ein Jahr vor seinem Tod, inszenierte der irische Dramatiker sein Stück in den USA. Der entstandene Film läuft am 01. November im Rahmen des Zyklus. An den folgenden Samstagen werden Werke von Pina Bausch, der Starchoreographin der internationalen Tanzszene (8.11.), ein weiterer Beckett (15.11.), die weltbekannte französische Theaterregisseurin Ariane Mnouchkine (22.11.) und Tadeusz Kantor (29.11.) gezeigt.