Künstlerblicke auf Land und Leute

Buenos Aires und die Pampa werden in den Werken von Benito Quinquela Martín, Xul Solar, Antonio Seguí und Florencio Molina Campos lebendig

Von Susanne Franz

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Hafenstimmung: “Atardecer rosado” (1969) von Benito Quinquela Martín.

Der Maler Benito Quinquela Martín war von dem Hafenviertel “La Boca” geprägt und prägte es selber mit. Alejandro Xul Solar hatte seinen Kopf in den Wolken, aber seine Füße fest auf dem Boden seiner Heimatstadt Buenos Aires. Antonio Seguí schaut ein bisschen böse, ein bisschen wehmütig auf sein Heimatland, das er schon vor über 40 Jahren verließ, um sich in Paris niederzulassen, und Florencio Molina Campos hat wie kein anderer meisterhaft das Leben der Gauchos in der Pampa und die unendliche Weite ihres Horizonts porträtiert.

Benito Quinquela Martín – der Maler von “La Boca”

Benito.jpgIm romantischen Hafenviertel von Buenos Aires “La Boca”, das Tag für Tag Hunderte von Touristen mit seinem bunten Sträßchen “Caminito”, Tangoschauen, Straßenkünstlern und seinen mit originellen Souvenirs und Kunstwerken bestückten Märkten verzaubert, begegnet man dem “Maler von La Boca”, Benito Quinquela Martín, auf Schritt und Tritt. Bis heute einer der populärsten Künstler Argentiniens, prägte Quinquela Martín (1890-1977) mit seinem Lebenswerk das Gesicht des beliebten Hafenviertels entscheidend mit – allenthalben sieht man in den Straßen von ihm gestaltete Keramiken und Wandgemälde; verkaufen Künstler von ihm inspirierte Gemälde, und nicht zuletzt befindet sich das von ihm gegründete “Museo Quinquela Martín” mitten im Herzen von “La Boca”. Hier kann man nicht nur die beeindruckenden Gemälde des Künstlers selbst bewundern, die er seinem Viertel als Geschenk überreichte, sondern auch eine Sammlung von Werken anderer Künstler der “Boca”, die auf Quinquelas ausdrücklichen Wunsch mit in das Museum aufgenommen wurden.

Vom Waisenkind zum populären Künstler und Philanthropen

Die Geschichte des Benito Quinquela Martín rührt ans Herz. Am 20. März 1890 wurde das von seinen Eltern verlassene Kind von Ordensschwestern gefunden, die ihn auf den Namen Juan Benito Martín tauften und sein Alter auf ungefähr 20 Tage einschätzten. In der von einer starken Einwanderung und hoher Arbeitslosigkeit geprägten Zeit wurden bis zu drei Kinder pro Tag in Buenos Aires ausgesetzt, die meisten verbrachten ihr Leben im Waisenhaus oder starben jung. Der kleine Juan Benito lebte 7 1/2 Jahre im Waisenhaus – die Ordensschwestern gaben die Kinder erst mit sechs Jahren, also im arbeitsfähigen Alter, zur Adoption frei – und wurde dann von dem kinderlosen Ehepaar Manuel Chinchella und Justina Molino adoptiert. Mit 14 Jahren begann er zu arbeiten und besuchte abends eine Kunstschule.

Schon bald kristallisierte sich sein großes Talent heraus und er verlegte sich ganz auf das Studium der Malerei. Zunächst malte er Porträts der Menschen seines Viertels, bis er begann, sich seinen berühmten Hafenszenen zu widmen. Im Alter von 29 Jahren änderte er seinen Namen in Benito Quinquela Martín um. Die Güte, die er von seinen Adoptiveltern empfangen hatte, mit denen er bis an ihr Lebensende zusammenlebte, zahlte er später vielfach zurück: Er gründete eine Schule, einen Kindergarten, ein Haus, in dem Ammen ausgesetzte oder arme Kinder stillten, eine Kunstschule für Kinder und ein zahnärztliches Institut für die Armen. Er selbst hatte sein Leben lang unter seinen schlechten Zähnen gelitten.

Aus dem Vertrauten neue Welten schaffen

Benito Quinquela Martíns Gemälde lassen das Leben und die Atmosphäre des Hafenviertels – das Universum, von dem er umgeben war – unmittelbar auferstehen: die emsige Betriebsamkeit der Hafenarbeiter beim Be- und Entladen der Schiffe, die Arbeit in den umliegenden Gießereien oder Kohlefabriken, die Schiffe vor Anker oder in der Werft, die Kräne, Fluss- oder Hafenlandschaften zu den verschiedensten Tages- oder Nachtzeiten. Voller Farbenfreude, mit kräftigem Pinselstrich oder energisch aufgetragenem Spachtel, fing Quinquela Martín die Nuancen des Lichts, des Himmels, des Wassers, des Nebels, der Bewegungen und Energien seines Universums ein. “Hier fiel mir alles leicht”, schrieb er über das Thema seiner Malerei, “die Atmosphäre und die Dinge hatten sich über Jahre hinweg auf meiner Netzhaut eingebrannt, es gab nichts, was mir nicht vertraut gewesen wäre, ich wusste, wie sich jeder kleinste Muskel beim Beladen oder Entladen bewegte; alles ging wie von selbst, weil ich die Strukturen kannte.”

Xul Solar – Mystiker mit Wurzeln im Tigre-Delta und Palermo

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Die Stadt als Symbol: “Ciudá y abismos” (1946) von Xul Solar.

Ein Universum für sich ist der argentinische Mystiker und Künstler Xul Solar. Sein Werk ist sicher das am schwersten zugängliche in der argentinischen Kunst, in seiner Komplexität und Rätselhaftigkeit am ehesten vergleichbar dem seines Freundes und weltberühmten Literaten Jorge Luis Borges. Dennoch findet man auch im Werk Xuls ständige Referenzen seiner Heimatstadt Buenos Aires, vor allem des malerischen Tigre-Deltas, wo er seine ersten Lebensjahre verbrachte und auch seine letzten – von 1956 bis zu seinem Tod im Jahre 1963. Xuls düstere, futuristische Berglandschaften mit endlosen Treppen und Leitern und in Kaminen verschwindenden Menschen, die er unter dem Eindruck des Zweiten Weltkriegs malte, entlehnte er dem riesigen Gefängnisbau “Penitenciaría Nacional” im Stadtteil Palermo, in dem sein Vater viele Jahre als Ingenieur arbeitete. Die gelben Mauern des Gefängnis-Kolosses, der 1963 abgerissen wurde, hat das Werk vieler Künstler und Literaten inspiriert – u.a. auch die Geschichten von Don Isidro Parodi, der Kriminalfälle von einer Zelle dieser Gefängnisanstalt aus löste, die Borges und Adolfo Bioy Casares unter dem Pseudonym H. Bustos Domecq schrieben.

Ein Intellektueller seiner Zeit

Xul2.jpgXul Solar wurde 1887 in Buenos Aires als Oscar Agustín Alejandro Schulz Solari geboren. Er war einziges Kind eines lettischen Vaters und einer italienischen Mutter. Ein Architekturstudium brach er nach zwei Jahren ab, und er lernte das Geigenspiel. Wie viele junge argentinische Intellektuelle der Zeit, verbrachte Xul Solar viele Studienjahre in Europa. Von 1912-1924 hielt er sich in London, Paris, Mailand und München auf. Abgesehen vom Studium der Kunstgeschichte und dem Kontakt zur europäischen Avantgarde begann Xul, sich mit dem Werk Rudolf Steiners und des englischen Esoterikers Aleister Crowley zu beschäftigen. So galt sein Interesse schon früh nicht allein der Kunst, sondern den Religionen, der Metaphysik, der Mythologie und der Astrologie. Xul schuf fast ausschließlich Aquarelle, aber seine Arbeiten waren weit über die rein künstlerische Betätigung hinaus immer Ausdruck seiner Suche nach einer allumfassenden Wahrheit, seines Drangs, Verbindungen und Netzwerke herzustellen zwischen Sprachen, Völkern, Religionen und Anschauungen. Der Künstler, der acht Sprachen beherrschte, beschäftigte sich auch Zeit seines Lebens damit, neue linguistische Systeme zu entwickeln. Für sein „neocriollo”, das das Spanische, Portugiesische und Elemente der Indianersprache Guaraní verbindet, schuf er sogar eine Grammatik; für seine „panlengua”, die eine universelle Weltsprache werden sollte, fehlte ihm die Zeit. Xul war zudem Erfinder, er entwickelte Spiele und schuf Musikinstrumente und Marionetten.

Im Werk von Xul Solar wird das Gefängnis von Palermo zu einem Symbol neben vielen anderen – seinen Fahnen, Schlangen, Buchstaben oder Bändern – und verwandelt sich in Berge, die Bienenstöcken gleichen, vergitterte Fenster oder Türme. Seine Visionen von einer neuen, modernen Stadt drückt er in Bildern von der Großstadt Buenos Aires aus, die immer erkennbar ist – am ehesten in den letzten, farbenfrohen, optimistischen Aquarellen seines Lieblingsorts – des Tigre-Deltas, wo er bis zum letzten Atemzug in seiner Werkstatt seiner künstlerischen Arbeit und metaphysischen Suche nachging.

Antonio Seguí – exzellenter Porträtist der Stadt

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Großstadtdschungel: “Paisaje urbano” (1998) von Antonio Seguí.

Jeder Künstler ist ein Sonderfall, aber Antonio Seguí, 1934 in Córdoba, Argentiniens zweitgrößter Stadt geboren und seit über 40 Jahren Bürger von Paris, ist ein Sonderfall der Sonderfälle. Wie gelingt es einem Künstler aus dem Landesinneren, wie kein zweiter das Großstadtleben der Hauptstadt zu porträtieren, wie kann ein so lange schon “im Exil” lebender Argentinier den argentinischen Großstadtmenschen auf so satirisch-liebevolle Weise darstellen, wie nur er es vermag? Man kann spekulieren, dass vielleicht gerade ein mit Seguís Sensibilität ausgestatteter “Außenstehender” dazu in der Lage ist, aber man muss auch der Tatsache Rechnung tragen, dass Seguís Kunst eine universelle ist – es ist “die Großstadt” an sich, die er malt, nicht unbedingt nur Buenos Aires (das Paris ohnehin sehr ähnelt), und “der Mensch” an sich, nicht unbedingt nur der “porteño” (Bewohner der Stadt Buenos Aires). Dennoch erkennt man in Seguís humorvoll-bösen, an Comics angelehnten Grafiken und Gemälden den aberwitzigen, hektischen Rhythmus der Stadt am Río de la Plata sofort, und die leicht verstaubte Ehrenhaftigkeit und Eitelkeit der “porteños”, deren fragile Identität Seguí als mit einem umso größeren Ego zugedeckt entlarvt.

Hassliebe und Ruhm

Antonio.jpgNur in der Großstadt Buenos Aires pulsiert das Leben des gigantischen Landes Argentinien, und dieses Leben ist ein gnadenloser, unerbittlicher Konkurrenzkampf. Antonio Seguí hat ihn am eigenen Leib erlebt, als er als junger Künstler, aus Córdoba kommend, in Buenos Aires sein Glück versuchte – wie so viele. Seitdem verbindet ihn eine Hassliebe mit dieser Stadt (die er im übrigen mit so manchem ihrer Bewohner teilt). Heute ist Antonio Seguí einer der erfolgreichsten argentinischen Künstler überhaupt. Im Mai 2005 hat ihm das renommierte “Centre Pompidou” in Paris eine umfassende Retrospektive gewidmet – die erste, die einem Argentinier zuteil geworden ist. Seiner Heimat Argentinien zeigte er seine Verbundenheit, als er dem Museum für Moderne Kunst von Buenos Aires im Jahr 2001 eine Sammlung von 300 Grafiken als Schenkung überreichte.

Florencio Molina Campos – Chronist der Pampa

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In vollem Galopp: Ein Werk von Florencio Molina Campos.

Der Künstler Florencio Molina Campos (1891-1959) hat mit seinen entzückenden, in den Bereich der Karikatur reichenden Darstellungen voller Liebe zum Detail und lichtdurchfluteter Energie wie kein zweiter das Leben auf dem Lande porträtiert, vor allem aber die Welt der Gauchos: ihre Reiterkunststücke, die Messerkämpfe oder das Truco-Spiel in der “Pulpería”, einem Treffpunkt, der Kneipe und Einkaufsladen zugleich war. Molina Campos’ Bilder schmückten seit 1931 über 15 Jahre lang die Kalender der Alpargatas-Schuhfabrik, mit denen er eine unvergleichliche Popularität erlangte – es waren 18 Millionen Exemplare von dieser “Pinakothek der Armen” im Umlauf, eine für die Epoche fast unvorstellbar hohe Zahl. Wenn man Glück hat, kann man auf dem berühmten Antik-Markt von San Telmo heute noch alte Alpargatas-Kalenderblätter mit den Abbildungen von Molina Campos erstehen. 1942 reiste Florencio Molina Campos in die USA, um mit Walt Disney einen auf seinen Zeichnungen basierenden Film zu produzieren. Im Museum Molina Campos kann man Fotos von Walt Disney und seinen Zeichnern in Argentinien bewundern, wohin sie extra reisten, um Florencio Molina Campos die Einladung zu überbringen.

Detailgetreuer Beobachter

molina2.jpgFlorencio Molina Campos verbrachte seine Kindheit zwischen Buenos Aires und den Ländereien seiner Eltern in der Provinz Buenos Aires und der Provinz Entre Ríos. In seinen Werken wird deutlich, welch unglaublich scharfer Beobachter er gewesen sein muss, denn jedes Detail in seinen Bildern ist bis ins letzte ausgearbeitet – die Kleidung der Gauchos, ihre Stiefel, ihre Waffen, das Zaumzeug der Pferde, Sättel, Steigbügel, usw. Das führt so weit, dass Molina Campos’ Werke bereits als historische Dokumente herangezogen werden. Das hervorstechendste Merkmal seiner Gemälde ist der tiefliegende Horizont, der nur etwa das untere Sechstel des Bildes ausmacht. Damit hat Molina Campos die unendlichen Himmel und die fast grenzenlos scheinende Weite der Pampa meisterhaft festgehalten. Dazu kommt seine Fähigkeit, Stimmungen zu schaffen – es ist vor allem die lebendige Dynamik seiner Werke, die diese so unverwechselbar macht.

Florencio Molina Campos malte ununterbrochen, weil er Spaß am Malen hatte, und wenn ihm das Material ausging, benutzte er sogar Ravioli-Kartons. Seine Bilder verkaufte er zu moderaten Preisen, es ging ihm nie darum, mit seiner Kunst reich zu werden. Zeit seines Lebens musste sich der Künstler den Vorwurf gefallen lassen, dass er Pferde im Galopp mit allen vier Hufen auf einmal in der Luft malte. Das sei unmöglich, wurde ihm gesagt. Er hielt dagegen, er male, was er sehe. Erst als die Technik etwas weiter vorangeschritten war, bekam Molina Campos recht: In der Zeitlupe im Film ist zu erkennen, dass zu einem bestimmten Zeitpunkt im Galopp das Pferd den Boden mit keinem seiner Hufe berührt.

Offenbarungen in Schwarz-Weiß

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“Revelaciones” – Fotoausstellung von Gerardo Korn im Centro Cultural Borges

Von Susanne Franz

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“Ich wurde im Jahr 2011 von diesem Rausch erfasst”, erklärt Gerardo Korn an einem regnerischen Nachmittag im Centro Cultural Borges seine Motivation, Buenos Aires auf eine besondere Art und Weise zu fotografieren. Wir sind gerade durch seine Ausstellung “Revelaciones” gegangen, wobei sich herausgestellt hat, dass dieser so trübe Tag ganz besonders gut geeignet ist, seine menschenleeren Schwarz-Weiß-Bilder der Stadt zu betrachten, die er nachts oder abends oder in den frühen Morgenstunden aufgenommen hat, wenn das Licht diffus und magisch ist. “Buenos Aires sieht man sonst meist nur mit strahlend blauem Himmel, überall wimmelt es von Menschen”, meint Gerardo, der nach eigenem Bekunden keine Ahnung hatte, auf was er sich einließ, als er seine künstlerische Laufbahn begann. “Ich wusste damals nicht, dass ich für einige Bilder drei Jahre brauchen würde.”

Gerardo erzählt von seiner Liebe zur klassischen Fotografie und schwärmt von den Städten Paris und New York, die die Fotografie-Städte schlechthin seien. Er wollte, dass es ähnliche Bilder auch von Buenos Aires gäbe – Bilder voller Melancholie, die die Stadt in einem zeitlosen Zustand zeigen. “Gerade Buenos Aires, eine Stadt, die im Alltag oft aggressiv zu den Bewohnern ist”, reflektiert der in Argentinien geborene Sohn deutscher Eltern, der mit seiner Kunst die Beziehung der Menschen zu ihrer Stadt wiederherstellen möchte, indem er sie in einem friedlichen Zustand zeigt.

Gerardo Korns wunderschöne Bilder stellen einen besonderen Rundgang durch die Stadt Buenos Aires dar. Die meisten Motive kennt man oder hat sie schon hundertmal auf Bildern gesehen – aber noch nie so wie hier. An Stelle von Konsum steht hier Augenschmaus. Jeder einzelne Mensch steht alleine an dieser Stelle und schaut mit dem Fotografen durch das Obektiv, schaut auf einmal richtig hin und kann in Stille und innerer Ruhe mit dem Gesehenen kommunizieren.

Einer, der sofort erkannt hat, dass es sich bei den Bildern Gerardo Korns um wahre Kunstwerke handelt, war der großartige argentinische Maler Guillermo Roux. Diesen sprach Gerardo an, als er begann, einen Ausstellungsraum zu suchen, um seine Kunst bekannter zu machen. Warum gerade Roux? Ganz einfach – die beiden sind Nachbarn und waren dies bereits seit 40 Jahren. Immer grüßte man sich freundlich aus der Ferne, deshalb war Roux zunächst überrrascht, als Gerardo bei ihm vorbeischaute und ihn bat, ob er ihm seine Bilder zeigen dürfte. Er sagt Ja – und war begeistert. Innerhalb von fünf Tagen hatte er einen Text geschrieben, aus dem auch der Titel der Ausstellung, “Revelaciones” (Offenbarungen) stammt, und Gerardo war zu Tränen bewegt. “Seit diesem Tag im April 2015, als ich bei Guillermo Roux geklingelt habe, ist mein Leben nicht mehr, wie es vorher war”, sagt Gerardo. Der große alte Maler, der mittlerweile zu einem Freund geworden ist, gab ihm die Kraft, seine Zweifel zu überwinden, und unterstützte und unterstützt ihn.

Drei der Werke, die in der Ausstellung hängen, sind Gemeinschaftsarbeiten der beiden: Fotografien von Gerardo Korn mit einer Intervention von Roux. Mit Absicht sind die Roux‘schen Elemente nur sehr sparsam eingefügt, um die friedliche Stille der Werke nicht zu zerstören. So geben sie ihnen einen surrealistischen, überraschenden Anstrich. Acht von zehn Werken, die die beiden als Zusammenarbeit angestrebt haben, sind bereits fertig, die drei, die Gerardo am liebsten mag, sind in der Ausstellung zu sehen.

Im vergangenen argentinischen Sommer hat Roux Gerardo Korn eingeladen, fotografisch und filmisch ein Werk von ihm zu dokumentieren: Er wollte eine Göttin in sein Schwimmbad malen, und dann begeisterte er sich und malte das ganze Schwimmbad aus. Der Maler, der im Rollstuhl sitzt, wurde dabei von einem Freund hin und hergeschoben und malte mit einem Pinsel, der an einem ein Meter langen Bambusstab befestigt war. “Das war der Sommer, in dem ich vier Monate in einem Schwimmbad ohne Wasser verbracht habe”, lacht Gerardo, der in Zusammenarbeit mit dem Regisseur Martín Serra in Kürze einen Entwurf des Filmes vorstellen will, der aus dem Material entstehen soll.

“Die Welt ist mein Land”, sagt Gerardo Korn, der seine mit Kodak Professional Tri-X fotografierten Filme nach Halle in Deutschland schickt, wo ein darauf spezialisierter Betrieb sie entwickelt und digitalisiert. Die digitalisierte Version sendet Gerardo nach London, wo die Werke auf feinstem Papier ausgedruckt werden, um dann den Weg zurück nach Argentinien zu finden. Die hohe Qualität der Werke und besonders auch die gewagten, äußerst wirkungsvollen 60 x 90-Formate (die neben anderen in 30 x 45 hängen) tragen mit zu dem Zauber bei, den Gerardos Fotografien ausstrahlen.

Die Ausstellung im Centro Cultural Borges und die Veröffentlichung einiger Werke der Serie “Revelaciones” in Jorge Tardittis Luxus-Kunstmagazin “Georges” sowie das “Göttin im Schwimmbad”-Projekt sind erst der Beginn und nur ein Teil der Pläne des entspannten und zugleich mit viel positiver Energie geladenen Künstlers – momentan arbeitet er auch an einem Tango-Projekt. Sein Ziel? Die Welt, die seine Heimat ist.

Die Ausstellung “Revelaciones” wurde von Virginia Fabri kuratiert und steht unter der Schirmherrschaft der Deutschen Botschaft. Besuchen kann man sie nur noch bis einschließlich Sonntag, den 4. September, im Saal 22 des Centro Cultural Borges, Viamonte/San Martín, Buenos Aires. Öffnungszeiten sind Montag bis Samstag 10-21 Uhr, Sonntag 12-21 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Weitere Infos auf der Webseite des Künstlers bzw. bei Facebook.

Foto:
Gerardo Korn, “Barrio de Retiro, Plaza San Martín, 2012”.

Revelaciones en blanco y negro

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Muestra de fotografía de Gerardo Korn en el Centro Cultural Borges

Por Susanne Franz

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“Este proyecto tomó posesión de mi en 2011”, explica Gerardo Korn en una tarde lluviosa en el Centro Cultural Borges, acerca de su motivación de fotografiar Buenos Aires de un modo muy especial. Acabamos de recorrer su muestra “Revelaciones”, y resulta que este nublado día es ideal para contemplar las imágenes de una Buenos Aires despojada de gente, que capturó de noche o en tempranas horas de la mañana, cuando la luz es difusa y mágica. “Buenos Aires siempre se retrata con cielo azul brillante y llena de gente”, observa Gerardo, quien explica que no tenía idea en lo que se metía cuando inició su carrera artística. “En aquel entonces no sabía que ciertas fotos me demandarían tres años”.

Gerardo cuenta de su amor por la fotografía clásica y en especial de las ciudades Paris y Nueva York, que literalmente son las ciudades de la fotografía. El quería que haya fotos similares de Buenos Aires – imágenes llenas de melancolía, que muestren la ciudad en un estado atemporal. “Buenos Aires es una ciudad que a menudo se muestra agresiva frente a sus habitantes”, reflexiona el hijo de padres alemanes nacido en Argentina, que ansía recomponer la relación de la gente con su ciudad, mostrándola de un modo calmo.

Las fotos de Gerardo Korn muestran un especial recorrido por la ciudad. La mayoría de los lugares fotografiados nos resulta conocida o los hemos visto cientos de veces – pero nunca de este modo. En lugar de consumo vemos un deleite para los ojos. Cada persona está sola en ésta posición y mira con el fotógrafo a través de su lente, observa con más atención y puede comunicarse en paz y tranquilidad interior con lo visto.

Alguien que reconoció enseguida que las imágenes de Gerardo Korn son verdaderas obras de arte, es el gran pintor argentino Guillermo Roux. Gerardo se dirigió a él cuando comenzó a buscar un lugar para exponer, para dar difusión a su arte. ¿Porqué Roux? Muy simple – los dos son vecinos, desde hace más de 40 años. Siempre se saludaron desde lejos, por eso Roux se sorprendió en un primer momento cuando Gerardo pasó por su casa y preguntó si le podía mostrar sus fotos. El dijo que sí – y quedó encantado. Dentro de los próximos cinco días escribió una reseña, dela cual también surgió el título de la exposición “Revelaciones”, y Gerardo quedó emocionado. “Desde éste día en el mes de abril de 2015, cuando le toqué el timbre a Guillermo Roux, mi vida ya no es lo que fue antes”, dice Gerardo. El gran maestro, quien con el tiempo se convirtió en amigo, le dio la fuerza para superar sus dudas, y lo apoyó y sigue apoyando.

Tres de las obras expuestas son trabajos en conjunto de los dos: fotografías de Gerardo Korn intervenidas por Roux. La intención fue agregar los elementos de Roux con moderación, a fin de no destruir la pacífica tranquilidad de las obras. Así reciben un toque de sorpresa y surrealismo. Ocho de las diez obras, que quieren realizar en forma conjunta, ya están listas, y tres de ellas, las preferidos de Gerardo, pueden ser vistas en la exposición.

En el último verano argentino, Roux invitó a Gerardo Korn a documentar en forma fotográfica y fílmica una obra de él: quería pintar una diosa en su pileta, se entusiasmó, y terminó pintando la pileta entera. El artista, que se mueve en silla de ruedas, fue empujado por un amigo hacia cada ubicación específica y pintó con un pincel pegado a una caña de bambú de un metro de largo. “Fue el verano que pasé durante 4 meses en una pileta sin agua”, se ríe Gerardo, que presentará en breve, en colaboración con el director Martín Serra, un proyecto de la película que surge de ese material.

“El mundo es mi lugar”, dice Gerardo Korn, que envía sus rollos de película Kodak Tri-X a Halle en Alemania, para su revelado y digitalizado en un laboratorio especializado. La versión digital es enviada a Londres, para la impresión de las obras en refinados papeles, encontrando después el camino de regreso a la Argentina. La alta calidad de las obras y sobre todo el formato algo arriesgado e impresionante de aquellas en 60×90 (expuestas junto a otras en 30×45) aporta a la magia que irradian las fotografías de Gerardo.

La exposición en el Centro Cultural Borges y la publicación de algunas de sus obras de la serie “Revelaciones” en la revista de arte “Georges” de Jorge Tarditti, cómo así también la del proyecto “La diosa en la pileta”, son recién el comienzo y solamente una parte de los proyectos de este artista relajado y a la vez lleno de energía positiva – en éste momento trabaja además en un proyecto de tango. ¿Su objetivo? El mundo,que es su hogar.

La curadora de la exposición “Revelaciones” fue Virginia Fabri, y recibió el auspicio de la Embajada de Alemania. Se puede visitar hasta el día domingo, 4 de septiembre en la sala 22 del Centro Cultural Borges, Viamonte/San Martín, Buenos Aires. Horario de lunes a sábado de 10 a 21 hs y domingo de 12 a 21 horas. Entrada libre.

Más información en la página web y página de Facebook del artista.

(Traducción: Brigitte Korn)

Foto:
Gerardo Korn, “Barrio de Retiro, Plaza San Martín, 2012”.

Form ohne Inhalt? (2002)

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Jorge Macchis Ausstellung “Fuegos de artificio”

Von Susanne Franz


“The Speakers’ Corner”, 2002.

Die Blümchentapete, deren niedliches Muster sich so beruhigend immer wiederholt, kracht plötzlich von der Wand. Da liegt ein ganz normales, aus einer Kladde gerissenes Blatt mit ausgestanzten Löchern am Rand. Und plötzlich purzeln diese Löcher von oben quer über das Blatt zu Boden.

Und die in ernsthaften Zeitungen in dicken Anführungszeichen zitierten, ach so gewichtigen Worte bedeutender Persönlichkeiten? Die Zitate sind herausgeschnitten, zwischen den Anführungszeichen befindet sich ein Loch, die buchstäblich leeren Phrasen sind mit Stecknadeln flüchtig auf einen weißen Hintergrund gepinnt, hinter Glas “festgehalten”, nichts sagend.

Was ist unser Körper? Zum Beispiel ein Netzwerk von Arterien, eine komplizierte Konstruktion empfindlicher Schädelpartien, Klappern und Kammern der lebenspendenden Pumpe Herz. Der Künstler Jorge Macchi zeigt uns nur die Erklärungen aus dem Lehrbuch, die Pfeile, die die nicht dargestellten Körperpartien anzeigen, und die Namen dieser Körperteile, die doch Teile vom Menschen sind, von uns, von dir und mir.

Worin äußert sich unsere physische Identität in allem, mit dem wir uns umgeben, für das wir Worte gefunden haben? Haben sich diese Begriffe nicht längst verselbständigt und ihren Sinn verloren? Unsere Spuren blähen sich auf und zerplatzen wie Feuerwerk in der Luft, die Funken unserer Identität glühen kurz auf und verlöschen.

Trügerisch die Realität, die Illusion von Sicherheit, eine “begreifbare” Welt. Wagemutig, skurril und genial ein Künstler wie Macchi, der Zustände “jenseits” der Erklärungen zu zeigen versteht, indem er von den Dingen nur die Form stehen lässt, ihnen den Inhalt aber raubt.

Erschienen im “Argentinischen Tageblatt” am 11.5.2002.

¿Forma sin contenido? (2002)

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“Fuegos de artificio” de Jorge Macchi

Por Susanne Franz


“The Speakers’ Corner”, 2002.

Da tanta tranquilidad este papel de pared con su dibujito de flores que se repite y se repite… Pero ¿qué pasa?, de repente se desestructura, se rompe, empieza a caer a un abismo.

Por ahí hay una hoja de papel, ninguna amenaza, sólo una hojita normal, sacada de un cuaderno, con agujeros en el borde. Y otra vez ocurre algo rarísimo: los agujeros dan vueltas carnero, cruzan la hoja, y caen al suelo.

¿Y qué pasa con estas palabras tan cargadas de sentido, de personas importantes, citadas en diarios serios, enmarcadas en comillas gordas? Alguien las recorto de adentro de éstas y dejó un agujero. Y después este alguien – aparentemente muy al pasar – sujetó esas frases célebres literalmente vacías con alfileres sobre un fondo blanco, las encerró detrás de un vidrio, donde están condenadas a quedarse, por siempre mudas.

¿Qué es el cuerpo humano? Puede ser la red de arterias, la construcción compleja de las partes del cráneo, los ventrículos y las válvulas del corazón. El artista Jorge Macchi nos muestra solamente las explicaciones de los libros científicos, las flechas que indican partes del cuerpo no representadas, o los nombres de estas partes del cuerpo. Da una sensación extraña, ya no parece tratarse de nosotros, de tú y yo.

¿De qué manera se manifiesta nuestra identidad física en las cosas que nos rodean, para las cuales encontramos nombres? ¿No se han independizado estas palabras hace mucho tiempo y han perdido su sentido? Nuestras huellas se hinchan hasta explotar como fuegos artificiales. Las chispas de nuestra identidad brillan un segundo y se apagan.

Es engañosa la realidad, no hay un mundo entendible. Macchi deja apenas la forma exterior de las cosas y así no sólo plantea preguntas sobre el contenido: lo pone en cuestión. De una manera arriesgada, absurda y genial, muestra un estado más allá de lo explicable.

Publicado en “Argentinisches Tageblatt” el 11/5/2002.

Hilfe zur Selbsthilfe (2004)

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Solidarisches Projekt der Künstlerin Patricia Hakim

Von Susanne Franz

Eine Woche nach dem offiziellen Schulschluss herrscht in der „Escuela de Educación Media ,Santo Domingo Savio'” in Beccar, die gleich am Rand des Armenviertels „La Cava” liegt, noch ein reges Treiben. Die Zufahrtsstraßen zu der riesigen „villa” sind alle bewacht – an jeder Ecke stehen Trauben von Provinzpolizisten mit Schnellfeuergewehren und kontrollieren den Verkehr. Der knallrote VW von Patricia Hakim rollt unbehelligt an den Wachen vorbei und bleibt einen Häuserblock weiter vor der Schule stehen. Die Bildhauerin ist in den letzten Monaten jede Woche hierher gefahren, um einen Workshop in Industriedesign und Fertigung von Objekten zu unterrichten.

Oben im ersten Stock warten drei Schülerinnen. Heute soll letzte Hand angelegt werden an die Stücke, die sie im Verlauf des Kurses entworfen haben. „Ich habe nur die besten Schülerinnen bekommen”, erzählt Patricia. „Die Auswahl hat die Direktorin Ana María Cerquetti nach ihren eigenen Kriterien getroffen.” Insgesamt haben zwölf Mädchen im Verlauf der letzten Monate an dem Workshop teilgenommen, nicht immer regelmäßig. Da ist es wirklich erstaunlich, was sie gelernt und geleistet haben.

Selbstständigkeit möglich machen

„Mein Ziel war es, den Jugendlichen einen Weg zu zeigen, ihre eigenen Designs zu entwerfen und herzustellen”, erklärt Patricia ihr Projekt. ,.Dabei haben wir uns zu Anfang des Kurses erst eine Zielgruppe vorgestellt: Für wen wollen wir was anfertigen? Die Mädchen wollten fast alle Geschenke für Freundinnen oder Familienmitglieder machen: So entstanden Kerzenständer und Räucherstäbchenhalter, Aschenbecher, Mobiles, Wappen des Lieblings-Fußballclubs, kleine Schuhe, Weihnachtsdekoration, Döschen, Menschen- oder Tierfiguren.”

Daisy (17), Sofía (15) und Soledad (16) haben sich mittlerweile an die Tische gesetzt und sind fleißig dabei, zu schleifen, zu feilen oder ein fertiges Stück zu bemalen. Während Patricia ihre Fortschritte beobachtet und immer mal wieder erklärend eingreift, erzählt sie weiter. „Ich habe alle möglichen Rohmaterialien mitgebracht und den Mädchen erklärt, wie man damit umgeht. Danach hat jede ein Objekt entworfen, und danach ging es an die Herstellung.” Theoretisch und praktisch mit Materialien und Werkzeugen arbeiten zu lernen, fördere nicht zuletzt auch das Selbstbewusstsein und den Teamgeist der Jugendlichen.

„Ich möchte ihnen eine berufliche Perspektive eröffnen, dass sie sich vorstellen können, selbst ein kleines Mini-Unternehmen zu starten”, ist Patricias Idee hinter ihrem Projekt. „Deshalb zeige ich ihnen, wie man ein Objekt entwirft, davon eine Guss-Form herstellt und diese dann für eine Serienfertigung benutzt.” Patricia verwendet billige Materialien wie Kaltporzellan, Latex und Gips, mit dem Hintergedanken, „dass die Mädchen das auch selbst kaufen könnten”. Außerdem haben diese Materialien eine niedrige Frustrationsschwelle: „Die Jugendlichen sehen schnell Resultate.”

Mit großem Hallo kommt – 1 1/2 Stunden nach Unterrichtsbeginn – Miriam hereingeschneit. Sie ist vor kurzem 15 geworden, der wichtigste Geburtstag für argentinische Mädchen, und Patricia gratuliert ihr gebührend. Miriam hat schöne Babyschuhe aus Kaltporzellan entworfen und muss nun nur noch die Guss-Form fertig machen. Sie bestreicht die Schuhe mit flüssigem Latex und beginnt, es trocken zu föhnen.

Die vier Mädchen sitzen einträchtig zusammen, während Patricia ihnen wie beiläufig ein paar Fragen zum Abschluss stellt. Ob sie Kritik hätten? Verbesserungsvorschläge? Sie lächeln schüchtern. Es wäre gut, wenn alles etwas schneller gehen könnte. „Das Material braucht seine Zeit, und ihr müsst lernen, sie zu respektieren”, erklärt Patricia geduldig.

Mittlerweile ist Miriams Latex-Gussform fertig. Patricia zeigt ihr, wie man Gips anrührt und die flüssige Masse in die Form füllt. „So, das braucht jetzt fünfzehn Minuten zum Trocknen.” Soledad hat unterdessen ihren Christbaumschmuck fertig angemalt, und Daisy hat den Deckel ihrer Dose fertig abgeschliffen. Als die Gips-Schuhe trocken sind, kommt Feier-Stimmung auf. Ein selbst modelliertes Objekt, von dem man mit billigem Rohmaterial beliebig viele Stücke serienmäßig fertigen kann – das alles kann man also wirklich selber machen!

Sein Scherflein beitragen

Vielleicht werde sie nächstes Jahr weiter hier unterrichten, erzählt Patricia auf der Rückfahrt. Aber darauf hat sie keinen Einfluss. Ihr Projekt, für das sie einen Preis der Kulturabteilung der Kunst-Universität IUNA (Instituto Universitario Nacional de Arte) erhalten hat, war zeitlich begrenzt und ist nun beendet. Allerdings haben verschiedene Stellen Interesse daran bekundet, dass die erfolgreiche Arbeit weitergeführt wird.

Patricia Hakim hat viel Energie in ihr Projekt gesteckt: Bevor sie ihre Idee beim IUNA vorgestellt hat, hat sie zunächst den Rückhalt der St. Andrew’s-Universität gewonnen, die ihr wiederum den Kontakt zur Schule in „La Cava” vermittelte. Sie hat dort ihre Zeit investiert, die Anfahrtskosten getragen sowie die Mittel für die Materialien vorgestreckt.

Und das war nur die eine Hälfte des Projekts: Mit Unterstützung des Gemeindeamtes des Stadtbezirks Belgrano (Centro de Gestión y Participación Nr. 13), das die Stiftung „Steps” in Belgrano als Wirkungsort vorschlug und den Kontakt herstellte, hat sie auch einen Workshop für geistig Behinderte geleitet. Hier hat sie den Kursteilnehmern ihre eigenen Designs als Grundlage zur Verfügung gestellt und sie gelehrt, mit verschiedenen Materialien umzugehen, um die Objekte in Serie zu fertigen. Da „Steps” über etwas mehr Mittel verfügt als die Schule in „La Cava”, war es Patricia hier möglich, mit teureren Materialien wie z.B. Polyester oder Silikon zu arbeiten. Dass der Kurs bei „Steps” im Jahr 2004 weiter geht, ist übrigens bereits gesichert: Die Stiftung hat dafür eine Förderung des Staatssekretariats für soziale Entwicklung (Secretaría de Desarrollo Social) bekommen.

Warum hat Patricia „ihr” Jahr 2003 diesem Projekt gewidmet? „Künstler sein ist eine sehr egozentrische Angelegenheit”, sagt sie. „Ich habe mich gefragt, wie ich von meiner Position aus helfen kann in einem Land, das tief in der Krise steckt. Wie kann ich als Künstlerin meinen Teil dazu beitragen, dass es wieder aufwärts geht?”

Handeln zu können, einzugreifen, und vielleicht anderen, weniger Begünstigten, einen Weg zu mehr Eigenständigkeit zu eröffnen: Indem sie uneigennützig weitergibt, was sie kann und weiß, hat Patricia auch ihre eigene kreative Laufbahn um eine neue Facette bereichert.

Der Artikel erschien am 24.1.2004 im “Argentinischen Tageblatt”.

Fotos von Susanne Franz.

Biographisches

Patricia Hakim wurde 1963 in Buenos Aires geboren. Von 1981-85 studierte sie Architektur; 1987 schloss sie die Kunstschule Prilidiano Pueyrredón ab. Von 1988-89 studierte sie Bildhauerei an der Escuela Superior Ernesto de la Cárcova, wo sie seit 1994 unterrichtet.

Einzelausstellungen

2003 – Centro Cultural Recoleta / La Casona de los Olivera
2001 – Instituto de Cooperación Iberoamericana (ICI) / Instituto Argentino del Envase / Centro Costa Salguero
1997 – Centro Cultural Borges
1996 – Museo de Escultura L. Perlotti
1993 – Galería Atica

Gemeinschaftsausstellungen (Auswahl)

2003 – Estudio Abierto, Harrods / Arte al plato!, Centro Cultural Recoleta / Arte en Progresión 3, Centro Cultural San Martín
2002 – arteBA / Estudio Abierto / Museo Nacional de Bellas Artes / Camitas, Centro Cultural Recoleta
2001 – Autorretratos, Centro Cultural Borges / Puro Diseño / Jardinarte
1999 – arteBA
1997 – arteBA / ’97, Centro Cultural Recoleta / Badii y sus amigos, Fundación Banco de Crédito Argentino
1996 – Salón Nacional de Mar del Plata / A:e,i u o, Centro Cultural Recoleta

Auszeichnungen

2003 – Ehrenerwähnung „Premio Banco Ciudad”
2002 – 1. Preis im 2. Skulpturenwettbewerb „Boulevar Azucena Villaflor”, Corporación Antiguo Puerto Madero S.A. und Fundación arteBA
1999 – Stipendium Fondo Nacional de las Artes
1996 – 1. Preis (Bildhauerei) Rotary International
1994 – Ehrenerwähnung (Bildhauerei) Salón Manuel Belgrano
1993 – 1. Preis (Bildhauerei) „Homenaje a Marshall Meyer”
1992 – Stipendium Fundación Antorchas
1991 – 2. Preis (Bildhauerei) „Bienal de Arte Joven”, Puerto Madero

Ayuda para la autoayuda (2004)

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Proyecto solidario de la artista plástica Patricia Hakim

Por Susanne Franz

Aunque pasó una semana desde el final oficial de clases, la Escuela de Educación Media “Santo Domingo Savio”, de Beccar, ubicada en una punta del barrio “La Cava”, todavía zumba con actividad. Las calles que llevan a la inmensa villa están vigiladas rigurosamente: en cada esquina se ven grupos de guardias armados que controlan el tránsito.

No se molestan con el VW rojo shocking de Patricia Hakim que pasa lentamente y para frente a la escuela una cuadra más adelante. Ya conocen el auto de la escultora que estuvo yendo a la escuela durante las últimas semanas para dar un taller de diseño industrial y fabricación de objetos.

Sólo tres alumnas esperan a Patricia en el primer piso. Hoy se supone que van a dar los toques finales a los objetos que han desarrollado durante el curso. “Me pasaron sólo las mejores alumnas”, cuenta Patricia. “Las seleccionó según sus propios criterios la directora, Ana María Cerquetti.” Fueron 12 chicas en total que participaron del taller en el curso de los últimos meses, no siempre de una forma regular. Considerando esto, es una maravilla todo lo que han producido y aprendido.

Incentivar la independencia

“Quise mostrar a las chicas cómo crear sus propios diseños y además fabricarlos”, delinea Patricia su proyecto. “Para lograr esto, lo primero que hicimos en el curso fue imaginarnos un grupo de destinatarios, es decir, para quiénes queríamos fabricar qué clase de objetos. Resultó que a casi todas las chicas les agradaba la idea de hacer regalos para amigos o familiares. Por ese motivo crearon veladores, portadores de sahumerios, ceniceros, móviles, los escudos de su club de fútbol favorito, zapatos chiquitos, decoración navideña, carameleras o figuritas de personas o animales.”

Daisy (17), Sofía (15) y Soledad (16) ya están sentadas frente a sus mesas y metidas en sus tareas, lijando, limando o pintando objetos. Patricia observa sus avances y de vez en cuando explica algo o ayuda a una de las chicas, mientras sigue contando: “Traje toda clase de materiales y expliqué a las chicas cómo usarlos. A continuación cada una diseñó un objeto, para después fabricarlo.” Patricia destaca que aprender a usar materiales y herramientas fomenta además la autoestima y el espíritu de equipo entre los jóvenes.

“Quise abrirles una perspectiva laboral”, describe Patricia la idea principal de su proyecto, “para que se puedan imaginar hacer sus propios mini emprendimientos. Por eso les enseño todo el proceso desde el diseño de un objeto, y cómo después se hace un molde para poder fabricar el objeto en serie.” Patricia usa materiales baratos como porcelana fría, látex o yeso, para que las chicas tengan la posibilidad de acceder a ellos en el futuro. Otra ventaja es el bajo umbral de frustración. Dice Patricia: “La chicas ven resultados rápidamente.”

Saludando con mucho ruido y buen humor, entra Miriam a la clase. Una hora y media tarde. Acaba de cumplir 15 años -el cumpleaños más importante para las chicas argentinas- y Patricia la felicita especialmente. Miriam ha diseñado zapatos de bebé muy lindos, con porcelana fría, sólo le falta completar el molde. Cubre los zapatos con látex líquido y empieza a secarlo con un secador de pelo.

Las cuatro chicas trabajan pacíficamente mientras Patricia -como al pasar- les hace preguntas para redondear el curso. ¿Tienen criticas? ¿Ideas para mejorar? Hay sonrisas tímidas. Sería bueno si todo se pudiera hacer un poco más rápido. “Los materiales tienen sus tiempos”, explica Patricia con mucha paciencia. “Hay que aprender a respetarlos.”

Mientras tanto, el molde de látex de Miriam está completado. Patricia le muestra cómo se prepara el yeso. Llenan el molde con la masa líquida. “Ahora tenemos que esperar 15 minutos para que se seque.” La decoración navideña de Soledad también está lista, y Daisy ha logrado lijar de manera muy pareja la tapa de su caramelera. Cuando los zapatitos de yeso están secos, hay una atmósfera de alegría en la sala. Es realmente posible hacerlo: ¡diseñar un objeto propio con materiales muy baratos, y tener la posibilidad de fabricar este objeto en serie!

Aportando lo propio

Volviendo a Buenos Aires, Patricia cuenta que no sabe todavía si va a seguir enseñando en la escuela de Beccar el año que viene. El exitoso proyecto -que ganó un premio de la Secretaría de Cultura del IUNA (Instituto Universitario Nacional de Arte)- se había planteado para un tiempo limitado y ahora está terminado. Pero hay varias instituciones interesadas en seguirlo.

Patricia Hakim ha puesto mucha energía para idear su proyecto. Antes de presentarlo en el IUNA, obtuvo primero el respaldo de la Universidad de San Andrés, a través de la cual se estableció el contacto con la escuela de “La Cava”. Invirtió su tiempo libre, pagó los viáticos y adelantó la plata para los materiales.

El taller en Beccar era sólo la mitad del proyecto. Patricia ofreció también un curso para personas con discapacidad intelectual, con el respaldo del Centro de Gestión y Participación N° 13 en Belgrano, que hizo el contacto con la Fundación Steps. En este curso, Patricia puso sus propios diseños a la disposición de los alumnos, les enseño a usar diferentes materiales y cómo fabricar en serie los objetos diseñados. Como la Fundación Steps contaba con algo más de fondos que la escuela de Beccar, Patricia usó materiales más costosos como silicona y poliéster.

Ya está asegurado que el curso en la Fundación Steps va a seguir en el año 2004. Para financiarlo, se consiguió un subsidio de la Secretaría de Desarrollo Social.

Patricia ha puesto gran parte de “su” año 2003 en estos proyectos. ¿Por qué? “Ser artista es algo muy egocéntrico”, dice ella. “Me pregunté cómo puedo ayudar, cómo artista, en un país en crisis, para que las cosas mejoren un poco.”

Actuando, metiéndose, compartiendo sus conocimientos y experiencias de forma desinteresada, Patricia muestra a otros, quizás menos privilegiados, un camino a la autoayuda. Haciéndolo, enriquece también su propia carrera artística.

El artículo salió el 24/01/04 en el “Argentinisches Tageblatt”.

Fotos de Susanne Franz.

La artista

Patricia Hakim nació en Buenos Aires en 1963. Estudió arquitectura entre 1981 y 1985. En 1987 egresó de la Academia de Bellas Artes Prilidiano Pueyrredón. En los años 1988 y 89 estudió escultura en la Escuela Superior Ernesto de la Cárcova, dónde es docente desde 1994.

Exposiciones individuales

2003 – Centro Cultural Recoleta / La Casona de los Olivera
2001 – Instituto de Cooperación Iberoamericana (ICI) / Instituto Argentino del Envase / Centro Costa Salguero
1997 – Centro Cultural Borges
1996 – Museo de Escultura L. Perlotti
1993 – Galería Atica

Exposiciones grupales (selección)

2003 – Estudio Abierto, Harrods / Arte al plato, Centro Cultural Recoleta / Arte en Progresión 3, Centro Cultural San Martín
2002 – arteBA / Estudio Abierto / Museo Nacional de Bellas Artes / Camitas, Centro Cultural Recoleta
2001 – Autorretratos, Centro Cultural Borges / Puro Diseño / Jardinarte
1999 – arteBA
1997 – arteBA / ’97, Centro Cultural Recoleta / Badii y sus amigos, Fundación Banco de Crédito Argentino
1996 – Salón Nacional de Mar del Plata / A:e,i u o, Centro Cultural Recoleta

Premios

2003 – Mención de Honor „Premio Banco Ciudad”
2002 – 1º Premio en el 2º Concurso de Escultura “Boulevar Azucena Villaflor”, Corporación Antiguo Puerto Madero S.A. y Fundación arteBA
1999 – Beca Fondo Nacional de las Artes
1996 – 1º Premio (Escultura) Rotary International
1994 – Mención de Honor (Escultura) Salón Manuel Belgrano
1993 – 1º Premio (Escultura) „Homenaje a Marshall Meyer”
1992 – Beca Fundación Antorchas
1991 – 2º Premio (Escultura) „Bienal de Arte Joven”, Puerto Madero

Zeichnungen voller Magie und Ausdruckskraft (1995)

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Marcelo Mayorga, einer der besten Zeichner Argentiniens

Von Susanne Franz

Der Künstler Marcelo Mayorga bedient sich zweier Techniken der Zeichenkunst – der Tusch- und (seit 1987) der Bleistiftzeichnung. Seine Arbeitsweise gleicht der von Paul Klee beschriebenen “Reise ins Land der besseren Erkenntnis”, wobei nach Anlegen des “topographischen Planes” für sein Werk durch das Hinzukommen genial erzielter Licht- und Schattenwirkung in seiner Schwarz-Weiß-Welt und die persönliche Thematik ein Mayorga entsteht. Denn die Reise der wahren Künstler ähnelt sich, doch die Ankunft ist so verschieden wie der individuelle Punkt des Aufbruchs.

Marcelo Mayorgas Thematik lebt von den ihn umgebenden Eindrücken. Er zeichnet oftmals ein idyllisches Buenos Aires seiner Kindheitserinnerungen: Das Wiederfinden “verlorener Momente” der Kindheit macht den Menschen erst komplett. Seine Serie “Guerra Lejana” befasst sich mit dem Malwinenkrieg von 1982 oder vielmehr mit dem Gefühl, das dieser “weit entfernte” und doch unmittelbar bedrohende Krieg bei der bonaerenser Bevölkerung auslöste. Die Metamorphose der Flotte in einem grauen Meer, das vom Land kaum zu unterscheiden ist, symbolisiert auch den Schritt Argentiniens von der Kindheit zur Jugend – der Demokratie.

Natürlich sind bei weitem nicht alle Themen Mayorgas auf die Stadt Buenos Aires bezogen, im Gegenteil gilt paradoxerweise: Je persönlicher sie werden, desto universeller präsentieren sie sich dem Betrachter.

Mayorga bannt und vertreibt Geister und Dämonen in sich selbst und der Welt. Das Zeichnen ist für ihn ein magischer Prozess: Von Personen und (personifizierten) Situationen eines Lebensabschnitts befreit er sich zeichnend; von ldeologien und Ismen, die die Welt regieren oder regierten, verabschiedet er sich auf zeichnerischem, satirischem Wege. Die magische Expressivität seiner Werke verfolgt den Bewunderer seiner Kunst noch lange – Mayorga ist kein Künstler, den man vergessen könnte.

Vielmehr gehört er zu den besten Zeichnern, die momentan hier arbeiten. Seine Werke hat der 1941 in Buenos Aires geborene Künstler, der von der Kunstgalerie Atica (Libertad 1240, PB 9, Buenos Aires) vertreten wird, seit 1972 in sechzehn Einzel- und zahlreichen Kollektivausstellungen im In- und Ausland gezeigt. Die Deutsche Bank-Filiale Corrientes beherbergte im Juni 1994 seine letzte Einzelausstellung; seitdem gehört auch ein Mayorga (eine Tuschzeichnung) zur Sarnrnlung der Deutscben Bank.

Weitere Museen und Institutionen, die Werke Mayorgas besitzen, sind folgende: Stadtmuseum Buenos Aires, Museum “Circle Artistic San Lluc”, Barcelona, Spanien; Nationalgalerie “Salas Nacionales de Cultura”, Buenos Aires; “Galleria Nazionale D’Arte Moderna”, Rom, Italien; Museum Lateinamerikanischer Kunst, Punta del Este, Uruguay; Museum “Eduardo Sívori”, Buenos Aires; Museum Zeitgenössischer Kunst, Córdoba; Kunstmuseum, Resistencia, Chaco; Museum “Rosa Galisteo de Rodríguez”, Santa Fe; Museum “Fader”, Mendoza; Sammlung Bencich, Buenos Aires; Sarnmlung “Banco de Galicia”, Resistencia, Chaco; Sammlung “Banco Quilmes”, Buenos Aires; Italienisch-Lateinamerikanisches Institut, Rom; “Colegio Mayor Argentino”, Madrid, Spanien.

Von den wichtigsten Preise, die Mayorga erhielt, seien im folgenden genannt: Dritter, Zweiter und Erster Preis im “Salón Municipal M. Belgrano”; Zweiter und Erster Preis im “Salón de Santa Fe”; Zweiter und Erster Preis im “Salón Nacional del Chaco”; Dritter, Zweiter und Grosser Ehrenpreis im Salón Nacional.

Im Februar wird Marcelo Mayorga zum ersten Mal nach Deutschland fahren, wo er vom 12.2. bis 2.4. in der Kunststation Kleinsassen in der Nähe von Frankfurt am Main zusammen mit den argentinischen Künstlern Carlos Carmona, Julio Dolz, Ana Eckell, Alberto Klix, Fernando Martínez, Jorge Meijide, Julio Pagano, Raúl Ponce sowie Armando Sapia ausstellen wird. Mayorga bereitet gemeinsam mit Ana Eckell die Ausstellung vor und wird im weiteren Deutschland bereisen.

Er wird mit Sicherheit die Kunstliebhaber dort beeindrucken. Ob er wiederum seine Deutschland-Eindrücke in seine faszinierende Bilderwelt mit einfließen lassen wird?

(Die Zitate von Paul Klee stammen aus dessen “Schöpferischer Konfession”, 1920.)

Fotos von oben nach unten:

“Explicando a Dios”, lápiz carbón (“Gott erklären”, Bleistiftzeichnung), 0,65 x 100 cm. Das Werk basiert auf einer islamischen Erzählung: Jeder ist blind im Labyrinth des Lebens und versucht Gott zu erklären nach dem, was er erfühlt. Und alle glauben recht zu haben…

“La Flota” (de la serie “La guerra lejana”), lápiz carbón sobre papel (“Die Flotte”, aus der Serie “Weit enfernter Krieg”, Bleistiftzeichnung), 50 x 70 cm, 1995.

“Los teóricos”, lápiz carbón sobre papel (“Die Theoretiker”, Bleistiftzeichnung), 70 x 100 cm. Das Zeitalter der Fische mit den Konzepten, die gehen: der adlerköpfige Faschismus, der feiste Kapitalismus, der schweinsgesichtige Kommunismus, der maskentragende Imperialismus, etc.

Erschienen im “Argentinischen Tageblatt” vom 21.1.1995.

Dibujos mágicos y expresivos (1995)

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Marcelo Mayorga, uno de los mejores dibujantes de Argentina

Por Susanne Franz

El artista argentino Marcelo Mayorga emplea dos técnicas en sus dibujos: la tinta y (desde 1987) el lápiz carbón. Su forma de trabajo es como el “viaje al país de los mejores entendimientos” que describe Paul Klee en sus “Confesiones creativas” de 1920. Como él, Mayorga parte para su obra de un “plan topográfico”. Después agrega a sus mundos en blanco y negro esos efectos geniales de luz y sombra, y les otorga temáticas personales. Así es que nace “un Mayorga”. Porque los viajes de los verdaderos artistas se parecen, pero a dónde llegan es tan distinto como lo son sus respectivos puntos de partida.

Los temas de Marcelo Mayorga surgen de su entorno. En muchas ocasiones dibuja un Buenos Aires idílico de sus recuerdos: encontrar momentos perdidos de la infancia es para él lo que completa al hombre. La serie “Guerra Lejana” trata de la Guerra de Malvinas de 1982, o mejor dicho de los sentimientos y temores que provocó en la población esa guerra que transcurrió en un lugar remoto pero se percibió como amenaza directa. La metamorfosis de la flota, sobre un mar gris que casi no se distingue de la tierra, simboliza también el paso de la Argentina de la infancia a la juventud: la democracia.

No todos los temas de Mayorga tienen que ver con Buenos Aires, ni mucho menos. Más bien hay una paradoja: cuánto más personales se tornan, más universales se presentan al espectador. Mayorga conjura y expulsa los espectros y demonios de su interior y del mundo.

Dibujar es para el un acto de magia: dibujando se libera de personas o situaciones (personificadas) de una época de su vida; de ideologías e ismos que reinan o reinaron en el mundo; se despide de ellos desenmascarándolos en sus dibujos satíricos. La expresividad mágica de sus obras persigue al admirador de su arte. No es un artista que se olvide fácilmente.

Por el contrario, es uno de los mejores dibujantes que trabaja en la Argentina en este momento. Desde 1972, el artista nacido en 1941, cuyo representante es la Galería Atica (Libertad 1240, PB 9, Buenos Aires), ha mostrado su obra en 16 exposiciones individuales y colectivas en el exterior y en el país. Su última muestra individual se pudo ver en la sucursal del Deutsche Bank de Corrientes en junio de 1994. Desde entonces, un Mayorga (en tinta) se cuenta entre las obras de la colección del esa empresa.

Hay una gran cantidad de museos e instituciones que poseen obras de él, entre otros el Museo de la Ciudad de Buenos Aires, el Museo “Circle Artistic San Lluc” de Barcelona, España; las “Salas Nacionales de Cultura”, Buenos Aires; la “Galleria Nazionale D’Arte Moderna”, Roma, Italia; el Museo de Arte Latinoamericano, Punta del Este, Uruguay; el Museo “Eduardo Sívori”, Buenos Aires; el Museo de Arte Moderno, Córdoba; el Museo de Arte, Resistencia, Chaco; el Museo “Rosa Galisteo de Rodríguez”, Santa Fe; el Museo “Fader”, Mendoza; la Colección Bencich, Buenos Aires; la colección del “Banco de Galicia”, Resistencia, Chaco; la colección del “Banco Quilmes”, Buenos Aires; el Instituto Italiano-Latinoamericano, Roma; el “Colegio Mayor Argentino”, Madrid, España.

Entre los premios más importantes que recibió Mayorga figuran el Tercer, Segundo y Primer Premio “Salón Municipal M. Belgrano”; Segundo y Primer Premio “Salón de Santa Fe”; Segundo y Primer Premio “Salón Nacional del Chaco”; Tercer, Segundo y Gran Premio de Honor Salón Nacional.

En febrero, Marcelo Mayorga viajará por primera vez a Alemania, donde expondrá del 12/02 al 02/04 en la Kunststation Kleinsassen, cerca de Frankfurt am Main, junto a los artistas argentinos Carlos Carmona, Julio Dolz, Ana Eckell, Alberto Klix, Fernando Martínez, Jorge Meijide, Julio Pagano, Raúl Ponce y Armando Sapia. Está preparando la muestra con Ana Eckell, y más adelante planea viajar por Alemania.

Seguramente impresionará con su arte. Habrá que ver si sus impresiones de Alemania influirán más tarde su fascinante imaginario.

Fotos de arriba hacia abajo:

“Explicando a Dios”, lápiz carbón, 0,65 x 100 cm. La obra se basa en un cuento islámico: todos son ciegos en el laberinto de la vida y tratan de explicar a Dios según lo que les transmite su sentido del tacto. Y cada uno piensa que él tiene la razón…

“La Flota” (de la serie “La guerra lejana”), lápiz carbón sobre papel, 50 x 70 cm, 1995.

“Los teóricos”, lápiz carbón sobre papel, 70 x 100 cm. Es la Era de los Peces con los conceptos que se despiden: el fascismo cabeza de águila, el capitalismo gordo, el comunismo cara de cerdo, el imperialismo enmascarado, etc.

Publicado en “Argentinisches Tageblatt” el 21 de enero de 1995.

Genie und Globalisierungsgegner (2001)

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Antonio Seguí – eine Erfolgsstory

Von Susanne Franz


“La corbata”, 1992.

Sein Leben hört sich spannend an, wie eine Erfolgsstory des globalisierten 21. Jahrhunderts: Er ist Argentinier, lebt seit 38 Jahren in Paris und ist nicht nur hier und dort als Künstler ungemein erfolgreich, sondem weltweit, so dass er ständig rund um den Globus unterwegs ist. Hinter diesem oberflächlichen Eindruck kommt dann aber doch bald der wahre Antonio Seguí zum Vorschein: Er ist sogar etwas altmodisch, ist in Sachen High-Tech nur bis zum Fax als dem höchsten der Gefühle gekommen – wobei er zugibt, dass selbst sein Faxgerät inzwischen schon eine von seinen Freunden belächelte Antiquität sei. Sich mit dem Internet herumzuschlagen, würde ihm nie in den Sinn kommen!

Er ist auch etwas romantisch, er liebt Paris gar nicht, wenn die Sonne scheint, sondern schwärmt von den grauen, verregneten Tagen, an denen die Stadt erst ihre ganze Schönheit entfalte. Gleichzeitig räumt er ein, dass er Paris gar nicht so richtig genießt. Wenn er nicht reise, sei er doch viel eingeschlossen in seinem Atelier. Ob er viel arbeitet? Das Wort “Arbeit” hört er gar nicht gern. Er “macht Sachen”, sagt er bescheiden. Auch auf die Frage nach seinem Geheimnis – wie er es fertigbringt, nach so vielen Jahren der Abwesenheit die argentinische Seele so einzufangen, wie nur er es kann, antwortet er ausweichend: “Me sale” – es gelingt mir eben. Wie er mit dem Erfolg umgeht? “Ich habe den Erfolg nie gesucht”, lautet die etwas knappe Antwort.

So dreht sich sein Gespräch mit dem “Argentinischen Tageblatt” anlässlich seiner beiden Ausstellungen, die momentan in Buenos Aires stattfinden – seine Schenkung von 330 Grafiken im “Museo de Arte Moderno de Buenos Aires” (MAMBA) und eine Exposition ebenfalls von Grafiken und wenigen Objekten in der neuen “Rubbers Art Gallery” im Ateneo Grand Splendid – hauptsächlich darum, wie er Argentinien empfindet, wenn er ein, zweimal im Jahr zu Besuch kommt.

Natürlich fährt er hauptsächlich nach Córdoba, seiner Heimatstadt, “um auszuruhen”, wie er betont, Familie und Freunde zu sehen. “In Córdoba können die Leute noch lachen”, sagt er, obwohl es ihnen doch sicher nicht besser gehe als denen in der Hauptstadt. Er findet, dass die “Porteños” einfach zu viel jammern. Die Themen der argentinischen Klatschpresse betrachtet er mit einem Augenzwinkern und empfindet die Storys über Rodrigo oder Andrea del Bocas Baby als faszinierende Auswüchse der Trash-Kultur.

Sein Aufenthalt in Buenos Aires sei diesmal anstrengend gewesen, zwei Vernissagen an zwei aufeinanderfolgenden Tagen, Hunderte von Menschen, die ihm gratulierten und ihn begrüßen wollten, der Abstecher in die “Casa Rosada”, wo er vom Präsidenten empfangen wurde. Und so folgt Seguí dem Rat seiner Freunde und trägt in Argentinien nie eine Uhr. Wahrscheinlich strahlt er deswegen so viel Ruhe aus, sitzt entspannt im Café mit seiner Zeitung, einem Glas Perrier und den nicht wegzudenkenden Zigaretten, wie in den guten alten Tagen, als die Menschen noch Zeit hatten.

Der Artikel erschien am 24.03.2001 im “Argentinischen Tageblatt”.

Un genio resistiendo a la globalización (2001)

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Antonio Seguí – una historia exitosa

Por Susanne Franz


“La corbata”, 1992.

Su vida suena tan interesante como una historia del éxito en el globalizado siglo XXI. Es argentino, vive hace 38 años en París y no solo acá y allá es reconocido, sino que es valorado en el mundo entero, ya que siempre anda de viaje por el globo terráqueo. Detrás de esta descripción superficial, aparece el verdadero Antonio Seguí. Un poco pasado de moda, lo más avanzado que usa en tecnología es el fax. Pero añade que su propio teléfono-fax provoca risa en sus amigos, porque lo ven como una reliquia. Pero tampoco se le cruza por la mente luchar contra Internet.

Es bastante romántico. No le gusta París cuando sale el sol, prefiere los días grises y lluviosos en los que la ciudad reluce su belleza. Al mismo tiempo, admite que no disfruta tanto París. Cuando no viaja, pasa mucho tiempo encerrado en su atelier. ¿Si trabaja mucho? No le gusta mucho la palabra “trabajo”. Él “hace cosas”, dice con humildad. También está la pregunta por su secreto. Cómo es capaz, después de años de ausencia, de seguir capturando el alma argentina, y solo como él puede. A lo que responde con la evasiva: “Me sale”. ¿Cómo maneja el éxito? “Nunca busqué el éxito”, es la respuesta concisa.

Y así su entrevista con el Argentinisches Tageblatt motivada por las dos exposiciones que tienen lugar en Buenos Aires –la entrega de 330 grabados al Museo de Arte Moderno de Buenos Aires (MAMBA) y otra muestra también de grabados y pequeños objetos en la nueva Rubbers Art Gallery en el Ateneo Grand Splendid– vira hacia cómo percibe la Argentina cuando viaja por estas tierras.

Por supuesto, pasa por Córdoba, su lugar de origen, para “reposar”, como él dice, para ver a la familia y a los amigos. “En Córdoba la gente todavía puede reírse”, afirma, aunque seguramente a ellos no les va mejor que a los porteños. Dice que los porteños se quejan mucho. Observa con ironía los temas de la prensa chimentera y reconoce en las historias de Rodrigo o la hija de Andrea del Boca fascinantes aberraciones de la cultura trash.

Su estadía en Buenos Aires esta vez fue exigente, dos vernissage en dos días, cientos de personas que lo querían felicitar y saludar, el paseo por la Casa Rosada, donde lo recibió el Presidente. Y Seguí hizo caso a los amigos y no trajo reloj a la Argentina. Quizás, por eso, se muestra tranquilo, se sienta en un café a leer el diario con un vaso de agua y los cigarrillos que no piensa abandonar, como en los viejos buenos tiempos, cuando los hombres tenían tiempo.

Publicado en “Argentinisches Tageblatt” el 24 de marzo de 2001.

Verbotene Räume (1995)

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Jorge Álvaro stellt in der Galerie “Colección Alvear de Zurbarán” aus

Von Susanne Franz

In der Galerie “Colección Alvear de Zurbarán” zeigt seit dem 25.9. der Maler Jorge Álvaro eine besondere Ausstellung. Seine Werke, zu einem Großteil Mischtechniken aus Acryl, Pastell, Aquarell und Tinte, öffnen dem Betrachter Türen zu Räumen, über deren verschlossenem Eingang ein riesiges rotblinkendes Signal “Betreten verboten!” gewarnt hat. Wir haben dieses strikte Verbot nicht gesehen, spüren aber seine Anwesenheit, wenn uns Álvaro abrupt zu zunächst unfreiwilligen, dann faszinierten Zeugen der gefrorenen Momente in diesen Räumen macht, die, ob mit Personen bevölkert oder nicht, eine Stille, Weite und Leere ausstrahlen wie in einem Fiebertraum. Álvaros Werke scheinen aus dem Koordinatensystem unseres Raumes und unserer Zeit herausgenommen, aber wir erkennen sie wieder, weil die Räume, die er malt, in uns selbst sind.

Der Künstler macht den Betrachter zum Voyeur und lässt ihn z.B. Frauen sehen, die in ihrer Nacktheit, Erniedrigung oder Verzweiflung dennoch ihre Würde bewahren. Auch hier fühlt sich der Betrachter als Eindringling, der eine Privatsphäre der Verletzlichkeit betreten hat – und er begegnet seiner eigenen Verletzlichkeit.

Álvaro malt daneben leere Räume mit schweren Möbeln, Teppichen, Gardinen: Bühnen, die mit Wahnvorstellungen erfüllt scheinen. Er malt Wohnzimmer rnit Pinguinen, um die Tageszeiten zu symbolisieren und lässt so erkennen, dass sein “Realisrnus” Kulisse eines absurden Theaterstücks ist. Dabei verrät er auch einen tiefgründigen Humor, der sich aber nie dem perfektionistischen Anspruch des Meisters in den Weg stellt.

Jorge Álvaro war, bevor er sich der Malerei widmete, ein ebenso exzellenter wie vielfach preisgekrönter Druckgraphik-Künstler, und seine Farbgebung. die “rauhen Ecken” in der Harmonie des Bildaufbaus, die viel von seiner umwerfenden Ausdruckskraft ausmachen, stammen aus dieser Schule. Das Ergebnis ist eine gelungene Mischung: Hier sehen wir einen wirklich hervorragenden Künstler, der seinen eigenen Ausdruck gefunden hat und im Betrachter oft beunruhigende, tiefe Emotionen auslösen kann.

Die Ausstellung sollte man sich nicht entgehen lassen: Noch bis zum 21.10. kann man sie in der Galerie “Colección Alvear de Zurbarán”, Av. Alvear 1658, besuchen.

Erschienen im “Argentinischen Tageblatt” vom 7.10.1995.

Espacios prohibidos (1995)

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Jorge Álvaro expone en la Galería “Colección Alvear de Zurbarán”

Por Susanne Franz

En la Galería “Colección Alvear de Zurbarán”, el pintor Jorge Álvaro inauguró el 25 de septiembre una exposición muy especial. Sus obras, en su mayoría elaboradas con una mezcla de acrílicos, pasteles, acuarela y tinta, le abren puertas al espectador; puertas que en realidad están cerradas y tienen sobre el umbral enormes luces rojas intermitentes que advierten “¡Acceso prohibido!”. No vemos estas estrictas advertencias, pero las percibimos por todas partes en la medida que Álvaro nos hace testigos -al principio, contra nuestra voluntad, después cada vez más fascinados- de las escenas aparentemente congeladas en el tiempo en estos espacios. Poblados o no de personas, hay en ellos un silencio, una lejanía y un vacío que nos hacen sentir como en medio de un delirio. Como si las obras de Álvaro existieran por fuera de nuestras coordenadas de espacio y tiempo… pero igual las reconocemos, porque los espacios que Álvaro pinta existen en nuestro interior.

El artista nos transforma en voyeurs, por ejemplo cuando nos hace observar a mujeres que -desnudas, humilladas y desesperadas- igual conservan su dignidad. El espectador se siente un intruso, alguien que ha traspasado un límite para meterse a un espacio privado precario; y solo para enfrentarse ahí con su propia vulnerabilidad.

También pinta espacios vacíos con muebles pesados, alfombras, cortinas: escenarios que parecen repletos de quimeras. Pinta livings con pingüinos que simbolizan la hora del día y deja al descubierto que su “realismo” es trasfondo para una obra del teatro absurdo. En esos momentos también aparece un cierto sentido de humor, pero este nunca llega a oponerse al perfeccionismo del maestro.

Antes de dedicarse a la pintura Jorge Álvaro se distinguió como excelente, multipremiado grabador. Esa escuela se nota en cómo colorea sus pinturas, en los “ángulos rudos” en medio de la armoniosa construcción de sus cuadros. Y eso es precisamente lo que hace en gran parte a su fuerte expresividad. El secreto parece estar en la mezcla: tenemos aquí frente a nosotros un artista extraordinario con un lenguaje artístico único que no nos deja indiferentes.

La muestra, muy recomendable, se puede visitar hasta el 21 de octubre en la Galería “Colección Alvear de Zurbarán”, Av. Alvear 1658.

Publicado en “Argentinisches Tageblatt” el 7 de octubre de 1995.

Ein vorbewusster Welt-Raum (1996)

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Gabriel Salomón stellt seine jüngsten Gemälde in der Galerie Ruth Benzacar aus

Von Susanne Franz

Schwarz-Schwarzmalerei betreibt Gabriel Salomón, der seine neueste Produktion 1995/1996 in der Galerie Ruth Benzacar vorstellt. Hier gibt es keine Aufteilung in Klischees, Schwarz-Weiß, gut-böse, Nicht einmal Farben. Keine Geschichte, die mit “Es war einmal” beginnt und mit “Und wenn sie nicht gestorben sind” endet. Unser gewohntes Weltbild, unsere Bequemlichkeit wird in Frage gestellt durch die ruhige Eintönigkeit des schwarzen Universums eines Künstlers: seines Welt-Raums, in dem
Schwerelosigkeit, Stille und Unendlichkeit herrschen. Der Mensch wird zum verlorenen Astronauten in diesem Raum, zu einem, der nicht zu seinem Schiff zurückgefunden hat. Der sich, fast unmerklich, langsam, von allem Bekannten entfemt.

Was macht der Mensch ohne gewohnte Muster, auf die das Gehirn blitzschnell zurückgreifen kann? Um sich in seiner Welt zurechtzufinden, ohne dass er das Bewusstsein auch nur einschalten muss, greift er zurück auf Raster, auf Klischees. Was aber geschieht, wenn das Gehim nichts wiedererkennt, wenn nichts zum Einhaken vorhanden ist? Läuft dann die Maschine Bewusstsein an, befiehlt dem
angrenzenden Körper, in Panik auszubrechen? Und wenn es für die Panik schon zu spät ist?

Gabriel Salomóns Werke, Schwarz in Schwarz, mit Rissen, um die Blau und etwas Weiß schimmern kann, mit glänzenden Brillantine-Punkten, die wie Steme aufblitzen, setzen Erkennungsmuster außer Kraft und setzen dann sofort die ganze Kraft der Ästhetik dagegen ein, dass im Betrachter auch nur im entfemtesten Angst ausgelöst werden könnte. Eine Gratwanderung, um dem Rezipienten in einem Raum, in dem die Naturgesetze, die den Menschen normalerweise zusammenhalten, außer Kraft gesetzt sind, ein künstlerisches Erlebnis außerhalb der Regeln, ohne Paradigmen zu ermöglichen. So kann er an dunklen Fenstern vorbei “schweben”, nur aus den Augenwinkeln wahrnehmen, Vision/Gefühl verschmelzen lassen.

Dem Künstler Gabriel Salomón ist ein waghalsiges Experiment geglückt. In Strenge, in Farblosigkeit, in dunkler Wiederholung verbirgt er die Überraschung, das Ur-Erlebnis der Wahrnehmung, die rückhaltlose Vor-Erkenntnis.

Die namenlosen Gemälde der letzten zwei Jahre stehen im abrupten Gegensatz zu der Produktion des Künstlers vor diesem Zeitpunkt, als er Kästen mit plastischen Elementen und Gemälde-Fetzen gestaltete, mit denen er in einer Art Puzzle seine Lebens-Einstellung variierte. “Für mich ist die Kunst dem Leben ähnlich”, schreibt Gabriel Salomón in einem Katalog anlässlich einer Ausstellung 1992. “Wir leben, indem wir ständig Sachen zusammensetzen, wir nehmen Überbleibsel und Dinge, die zu unserer Vergangenheit gehören, in unsere Gegenwart auf.”

Jetzt, 1996, ist eine neue Dimension hinzugekommen: die Zukunft. Zeit als Kontinuum zu erleben oder erlebbar zu machen ist plötzlich nicht mehr nur Privileg der Götter.

Noch bis zum 21. September ist die Ausstellung in der Galerie Ruth Benzacar, Florida 1000, zu besuchen.

Anfang 1997 werden die Bilder nach Deutschland gehen, wo Gabriel Salomón seit Jahren ausstellt (Berlin, Hamburg, Stade) und mit großem Interesse aufgenommen wird.

Erschienen im “Argentinischen Tageblatt” vom 7.9.1996.